1. Februar 2026
Der Tag begann so gemütlich, dass selbst der Regen keine Lust hatte aufzuhören. Er regnete nämlich immer noch. Wir überlegten kurz, ob wir den ganzen Tag einfach sitzen bleiben und dem Prasseln zuhören – entschieden uns dann aber heldenhaft fürs Weiterfahren.
Nach dem Morgenessen wurde erst einmal brav Buchhaltung gemacht (ja, auch das gehört zum leben im Wohnmobil 😅), dann abfahrbereit machen. Grauwasser entsorgt, Frischwasser aufgefüllt – die glamourösen Seiten des Reisens eben.
Dann ging’s los Richtung Catania. Die Fahrt lief erstaunlich gut, und von der Autobahn aus kommt man über eine Art Schnellstrasse fast direkt bis zum Stellplatz. Dort wurden wir sofort vom Platzwart abgefangen, zahlten artig und machten uns kurz darauf zu Fuss auf in Richtung Stadt.
Catania ist… speziell. Chaos, Müll, dreckige Ecken, viel Zerfall – und trotzdem irgendwie charmant. Warum genau, kann man nicht erklären, aber es funktioniert auf eine sehr eigene Art. Wir waren ja erst letzten April hier, also kannten wir den Weg zumindest so ungefähr (also: meistens).
In und vor der Stadt war ordentlich was los. Wir schlenderten durch die Hauptstrasse bzw. Einkaufsmeile, schauten dem bunten Treiben zu und besichtigten eigentlich nichts – wir waren ja erst da. Unser heutiges Hauptziel: Nespresso-Kapseln. Prioritäten müssen sein.
Den Shop fanden wir dann auch, allerdings erst leicht irritiert, weil wir einen eigenen Laden erwartet hatten. Stattdessen war er in ein Kaufhaus integriert. Kapseln gekauft, Mission erfüllt – der Tag war im Grunde gerettet.
Wir liefen noch bis zum Garten Bellini und wieder zurück. Nach etwas Hin und Her fanden wir ein kleines Restaurant, das Arancini mit Ragù anbot. Die assen wir direkt an der Einkaufsmeile und beobachteten dabei die Menschen – besseres Kino gibt’s kaum.
Eigentlich wollten wir danach noch am Meer entlanglaufen, aber hier besteht die Küste gefühlt nur aus Hafen, Zäunen und Industrie. Also ging es wieder quer durch die Stadt zurück zum Wohnmobil. Unterwegs kauften wir noch eine Art Bioflorin in der Apotheke – unsere Mägen sind offenbar noch nicht ganz italienisch sozialisiert.
Kaum beim Wohnmobil angekommen, ging es schon weiter an den Strand. Der grosse Hund war immer noch da, liess uns aber grosszügig passieren. Am Strand selbst sah man weniger Schäden als bisher. Wir schauten zu, wie ein riesiges Schiff mit Lastwagenaufliegern den Hafen verliess.
Wir spazierten ein Stück am Strand entlang und nahmen den Rückweg oben über die Strasse.
Abends gab es Plätzli mit Salat – bodenständig und sehr willkommen. Danach wurde Tagebuch geschrieben, Uno Flipgespielt (mit leichtem Ehrgeiz) und noch ein bisschen ferngeschaut. Ein rundum chaotisch-charmanter Catania-Tag ging zu Ende. 😊
2. Februar 2026
Heute verabschiedete uns Catania mit Sonnenschein – sehr höflich von ihr. Nach dem Morgenessen, führten eine kleine „Operation am offenen Herzen“ an der Clesana durch. Diagnose: wackelt schon länger, Ursache vermutlich gefunden. Zwei gebrochene Plastikhalterungen. Therapie: abwarten. Reparieren konnten wir es jetzt nämlich nicht, aber immerhin wissen wir nun, warum sie sich aufführt wie ein Wackelpudding.
Danach entsorgten wir unseren Abfall (erfolgreich!) und machten uns auf den Weg Richtung Naturreservat. Heute ging es durchs Landesinnere – und das war richtig schön. Erst endlose Orangenplantagen (man bekam fast Lust, einfach anzuhalten und alle zu pflücken), dann wurde es hügelig, grün und sehr abwechslungsreich. Es ging ordentlich bergauf, fast schon passartig, und auf der anderen Seite wieder hinunter. Überall grüne, sanfte Hügel – wirklich eine Landschaft zum Verlieben.
Kurz vor Gela kamen wir noch durch Niscemi. Dort herrscht gerade Ausnahmezustand: ein riesiger Erdrutsch. Einige Häuser sind bereits über die Kante gefallen, und die Abbruchkante war sogar aus mehreren Kilometern Entfernung gut sichtbar. Beeindruckend und gleichzeitig ziemlich bedrückend.
Weiter ging es nach Gela und von dort ins Riserva Naturale Orientale Biviere di Gela. Kaum parkiert, wurden wir schon in ein Gespräch verwickelt: May Britt kennt Cornelia aus dem Internet und von Polarsteps. Natürlich ging es auch um den Hund in San Marco, der von einer anderen Frau eingefangen werden soll. Kleine Welt, grosses Hundedrama.
Dann liefen wir los. Mission des Tages: Hasen, Flamingos und Wasserschildkröten. Wir steuerten zuerst einen Hochsitz an – Ergebnis: überschaubar. Die Flamingos hatten sich offenbar ans andere Ende des Sees verzogen. Also los, hinterher!
Das stellte sich als abenteuerlicher heraus als gedacht: viel Schilf, kaum Sicht auf den See und Wege, die eher „Vermutungen“ als Wege waren. Dazu hatte die Sonne inzwischen frei genommen, stattdessen tröpfelte es gelegentlich. Ganz hinten angekommen: ein einzelner Flamingo im Schilf. Erfolg! Minimal, aber Erfolg.
Der Rückweg war dann deutlich nasser, der Regen legte einen Gang zu. Hasen waren definitiv da – ihre Spuren überall – aber sie spielten Verstecken auf Profi-Niveau und blieben unsichtbar.
Nahe beim Eingang fanden wir noch einen weiteren Hochsitz, und siehe da: mehrere Flamingos! Dazu Wasserschildkröten, vor allem eine, die sich genüsslich in der Sonne räkelte, als wäre sie im Wellnessurlaub. Wir beobachteten alles eine Weile, dann ging es zurück zum Wohnmobil.
Dort erwartete uns ein Wachhund. Einfach so. Sehr zuverlässig, sehr ernst. Cornelia plauderte noch mit May Britt, dann verabschiedeten wir uns und fuhren weiter.
In Gela beschlossen wir spontan, nicht durch die Stadt zu fahren, sondern aussen herum. Spoiler: schlechte Idee. Viele Nebenstrassen, das Garmin-Navi bekam beinahe einen Nervenzusammenbruch und wollte dauernd wenden. Wir blieben stur und fanden schliesslich doch noch den Weg zu unserem Ziel.
Dort suchten wir uns einen Platz aus – wir waren hier schon im April. Eigentlich nicht geplant, aber um diese Jahreszeit ist die Auswahl eher… übersichtlich. Wir stellten noch die Stühle raus, genossen die letzten Sonnenstrahlen, zum Nachtessen gab es gefüllte Teigwaren mit Salat. Danach spielten wir noch etwas und planten unsere Weiterreise.
Ein ereignisreicher, zum Teil leicht nasser, aber schöner Tag 😊
Wir informieren hier und auf anderen Kanälen, was wir so erleben auf unserer Reise.
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