1. Februar 2026
Der Tag begann so gemütlich, dass selbst der Regen keine Lust hatte aufzuhören. Er regnete nämlich immer noch. Wir überlegten kurz, ob wir den ganzen Tag einfach sitzen bleiben und dem Prasseln zuhören – entschieden uns dann aber heldenhaft fürs Weiterfahren.
Nach dem Morgenessen wurde erst einmal brav Buchhaltung gemacht (ja, auch das gehört zum leben im Wohnmobil 😅), dann abfahrbereit machen. Grauwasser entsorgt, Frischwasser aufgefüllt – die glamourösen Seiten des Reisens eben.
Dann ging’s los Richtung Catania. Die Fahrt lief erstaunlich gut, und von der Autobahn aus kommt man über eine Art Schnellstrasse fast direkt bis zum Stellplatz. Dort wurden wir sofort vom Platzwart abgefangen, zahlten artig und machten uns kurz darauf zu Fuss auf in Richtung Stadt.
Catania ist… speziell. Chaos, Müll, dreckige Ecken, viel Zerfall – und trotzdem irgendwie charmant. Warum genau, kann man nicht erklären, aber es funktioniert auf eine sehr eigene Art. Wir waren ja erst letzten April hier, also kannten wir den Weg zumindest so ungefähr (also: meistens).
In und vor der Stadt war ordentlich was los. Wir schlenderten durch die Hauptstrasse bzw. Einkaufsmeile, schauten dem bunten Treiben zu und besichtigten eigentlich nichts – wir waren ja erst da. Unser heutiges Hauptziel: Nespresso-Kapseln. Prioritäten müssen sein.
Den Shop fanden wir dann auch, allerdings erst leicht irritiert, weil wir einen eigenen Laden erwartet hatten. Stattdessen war er in ein Kaufhaus integriert. Kapseln gekauft, Mission erfüllt – der Tag war im Grunde gerettet.
Wir liefen noch bis zum Garten Bellini und wieder zurück. Nach etwas Hin und Her fanden wir ein kleines Restaurant, das Arancini mit Ragù anbot. Die assen wir direkt an der Einkaufsmeile und beobachteten dabei die Menschen – besseres Kino gibt’s kaum.
Eigentlich wollten wir danach noch am Meer entlanglaufen, aber hier besteht die Küste gefühlt nur aus Hafen, Zäunen und Industrie. Also ging es wieder quer durch die Stadt zurück zum Wohnmobil. Unterwegs kauften wir noch eine Art Bioflorin in der Apotheke – unsere Mägen sind offenbar noch nicht ganz italienisch sozialisiert.
Kaum beim Wohnmobil angekommen, ging es schon weiter an den Strand. Der grosse Hund war immer noch da, liess uns aber grosszügig passieren. Am Strand selbst sah man weniger Schäden als bisher. Wir schauten zu, wie ein riesiges Schiff mit Lastwagenaufliegern den Hafen verliess.
Wir spazierten ein Stück am Strand entlang und nahmen den Rückweg oben über die Strasse.
Abends gab es Plätzli mit Salat – bodenständig und sehr willkommen. Danach wurde Tagebuch geschrieben, Uno Flipgespielt (mit leichtem Ehrgeiz) und noch ein bisschen ferngeschaut. Ein rundum chaotisch-charmanter Catania-Tag ging zu Ende. 😊
2. Februar 2026
Heute verabschiedete uns Catania mit Sonnenschein – sehr höflich von ihr. Nach dem Morgenessen, führten eine kleine „Operation am offenen Herzen“ an der Clesana durch. Diagnose: wackelt schon länger, Ursache vermutlich gefunden. Zwei gebrochene Plastikhalterungen. Therapie: abwarten. Reparieren konnten wir es jetzt nämlich nicht, aber immerhin wissen wir nun, warum sie sich aufführt wie ein Wackelpudding.
Danach entsorgten wir unseren Abfall (erfolgreich!) und machten uns auf den Weg Richtung Naturreservat. Heute ging es durchs Landesinnere – und das war richtig schön. Erst endlose Orangenplantagen (man bekam fast Lust, einfach anzuhalten und alle zu pflücken), dann wurde es hügelig, grün und sehr abwechslungsreich. Es ging ordentlich bergauf, fast schon passartig, und auf der anderen Seite wieder hinunter. Überall grüne, sanfte Hügel – wirklich eine Landschaft zum Verlieben.
Kurz vor Gela kamen wir noch durch Niscemi. Dort herrscht gerade Ausnahmezustand: ein riesiger Erdrutsch. Einige Häuser sind bereits über die Kante gefallen, und die Abbruchkante war sogar aus mehreren Kilometern Entfernung gut sichtbar. Beeindruckend und gleichzeitig ziemlich bedrückend.
Weiter ging es nach Gela und von dort ins Riserva Naturale Orientale Biviere di Gela. Kaum parkiert, wurden wir schon in ein Gespräch verwickelt: May Britt kennt Cornelia aus dem Internet und von Polarsteps. Natürlich ging es auch um den Hund in San Marco, der von einer anderen Frau eingefangen werden soll. Kleine Welt, grosses Hundedrama.
Dann liefen wir los. Mission des Tages: Hasen, Flamingos und Wasserschildkröten. Wir steuerten zuerst einen Hochsitz an – Ergebnis: überschaubar. Die Flamingos hatten sich offenbar ans andere Ende des Sees verzogen. Also los, hinterher!
Das stellte sich als abenteuerlicher heraus als gedacht: viel Schilf, kaum Sicht auf den See und Wege, die eher „Vermutungen“ als Wege waren. Dazu hatte die Sonne inzwischen frei genommen, stattdessen tröpfelte es gelegentlich. Ganz hinten angekommen: ein einzelner Flamingo im Schilf. Erfolg! Minimal, aber Erfolg.
Der Rückweg war dann deutlich nasser, der Regen legte einen Gang zu. Hasen waren definitiv da – ihre Spuren überall – aber sie spielten Verstecken auf Profi-Niveau und blieben unsichtbar.
Nahe beim Eingang fanden wir noch einen weiteren Hochsitz, und siehe da: mehrere Flamingos! Dazu Wasserschildkröten, vor allem eine, die sich genüsslich in der Sonne räkelte, als wäre sie im Wellnessurlaub. Wir beobachteten alles eine Weile, dann ging es zurück zum Wohnmobil.
Dort erwartete uns ein Wachhund. Einfach so. Sehr zuverlässig, sehr ernst. Cornelia plauderte noch mit May Britt, dann verabschiedeten wir uns und fuhren weiter.
In Gela beschlossen wir spontan, nicht durch die Stadt zu fahren, sondern aussen herum. Spoiler: schlechte Idee. Viele Nebenstrassen, das Garmin-Navi bekam beinahe einen Nervenzusammenbruch und wollte dauernd wenden. Wir blieben stur und fanden schliesslich doch noch den Weg zu unserem Ziel.
Dort suchten wir uns einen Platz aus – wir waren hier schon im April. Eigentlich nicht geplant, aber um diese Jahreszeit ist die Auswahl eher… übersichtlich. Wir stellten noch die Stühle raus, genossen die letzten Sonnenstrahlen, zum Nachtessen gab es gefüllte Teigwaren mit Salat. Danach spielten wir noch etwas und planten unsere Weiterreise.
Ein ereignisreicher, zum Teil leicht nasser, aber schöner Tag 😊
3. Februar 2026
Heute starteten wir voller Zuversicht die Mission Tal der Tempel – bei trockenem Wetter wohlgemerkt. Spoiler gleich zu Beginn: Mission erfolgreich abgeschlossen.
Nach dem Morgenessen machten wir uns also abfahrbereit. Bevor es ernst wurde, noch schnell ein kurzer Strandbesuch – man muss ja schliesslich prüfen, ob das Meer noch da ist. War es.
Dann ging’s los Richtung Tal der Tempel. Auto parkiert, Motivation hoch, Beine in Gang gesetzt. Das Wetter zeigte sich leicht verschleiert mit etwas Dunst, aber: weit und breit kein Regen. Super so.
Diesmal lösten wir ein Ticket mit Gartenbesichtigung – und beschlossen clevererweise, diesen gleich zuerst zu erkunden. Der Garten war schön angelegt: kleine Orangen- und Zitronenplantagen, alles leicht terrassenförmig wie ein kleines grünes Tal. Man spazierte gemütlich hindurch und fühlte sich kurz wie in einer mediterranen Werbung. Auf der anderen Seite ging’s wieder bergauf zu einem neueren bzw. renovierten Steinhaus mit historischer Innenausstattung.
Danach zurück durch den Garten und wieder hoch zum Weg der Tempel. Wir besichtigten einen Tempel nach dem anderen ganz entspannt – kein Stress, kein Gewitter, kein nervöser Blick zum Himmel wie beim letzten Mal. Und es war warm! So warm, dass dieser Tag offiziell als erster T-Shirt-Tag von diesem Jahr, in die Geschichte eingeht. In der Sonne, bei wenig Wind, locker um die 20 Grad. Herrlich.
Wir machten gefühlt 1’000 Fotos (mindestens). Aber ja, beim ersten Mal ist alles immer noch ein bisschen spezieller. Diesmal war dafür cool, dass wir wirklich Zeit hatten: Steine anschauen, Details entdecken und einfach geniessen. Sizilien ist landschaftlich einfach top – auch wenn wir erst letzten April hier waren und vieles noch sehr präsent ist.
Eigentlich hätten wir noch tausend andere Dinge anschauen können, aber unser Sizilien-Masterplan hatte genau drei Ziele: Ätna ohne Wolken sehen. Nespresso kaufen in Catania und Tal der Tempel bei trockenem Wetter.
Ergebnis: 100 % Erfolgsquote 😎
Im Park gönnten wir uns ein lauwarmes Sandwich mit Bier – jemand anderes blieb brav beim Orangensaft. Danach spazierten wir bis ans Ende des Parks und ganz gemütlich wieder zurück.
Am Nachmittag entschieden wir uns für den Stellplatz bei der Scala dei Turci – bekanntes Terrain vom letzten Jahr und praktischerweise ganz in der Nähe. Der Platz war gut gefüllt, viele Italiener, die hier offenbar länger sesshaft geworden sind. Trotzdem fanden wir noch einen Platz auf der Meerseite – Jackpot.
Stühle raus, zuerst gemütlich vor dem Wohnmobil sitzen, später dann mit den Stühlen runter an den Strand. Meerblick immer inklusive, natürlich.
Zum Nachtessen gab’s Reste: Saucen mit Thon und Teigwaren – schlicht, bewährt, lecker.
Danach unser altbewährtes Abendprogramm: Spiele spielen, ein bisschen YouTube, ein bisschen Netflix und natürlich noch etwas Reiseplanung. Man weiss ja nie.
4. Februar 2026
Heute hatte das Wetter eindeutig das letzte Wort – und es war sehr meinungsstark.
Die Regel war klar: Sonne = bleiben, Regen = weiterfahren. Gestern beschlossen, heute umgesetzt. Und siehe da: Das Wetter meinte es gut mit uns und signalisierte ziemlich deutlich „Bleibt gefälligst hier“.
Trotzdem diskutierten wir gefühlt stundenlang, ob wir nicht doch weiterziehen sollten. Klassisch. Am Ende hörten wir auf die Wolken, blieben hier und verschoben die Weiterfahrt auf morgen.
Nach ein bisschen Büroarbeit (Dinge erledigen, die man eigentlich ignorieren möchte) ging’s los. Zu Fuss zur Scala dei Turchi, natürlich gemütlich am Strand entlang. Der Strand war allerdings stellenweise eher ein schmaler Vorschlag als eine echte Fläche – die Wellen kamen verdächtig nahe ans Land.
An ein paar Stellen, bei Restaurants oder Bachläufen, war gutes Timing gefragt: kurz warten, tief durchatmen, losrennen – trocken bleiben (meistens). Bei einer Strandbiegung wurde es dann richtig kreativ, denn die Hauptwege hatten sich spontan in Seen verwandelt. Improvisation war angesagt.
Wir liefen bis zur türkischen Treppe, aber nur auf Abstand. Wir waren letztes Jahr schon oben heute reichte der Fernblick vollkommen. Ausserdem waren wir fast allein unterwegs, was der ganzen Sache eine angenehm ruhige Stimmung gab.
Zwischendurch nieselte es leicht, auf dem Rückweg dann etwas entschlossener. In Kombination mit Wind war die Jeans innerhalb von Sekunden „leicht feucht“ bis „durchaus nass“. Aber keine Sorge: ein paar Minuten später kam die Sonne wieder raus – Drama vorbei. Die Wellen waren beim Rückweg noch näher am Land, aber wir schafften es trotzdem trockenen Fusses zurück zum Stellplatz. Erfolg!
Wir setzten uns kurz vor das Wohnmobil, doch der Wind hatte andere Pläne. Sobald die Sonne weg war, wurde es sofort ungemütlich kalt. Also rein.
Drinnen gab es Plätzli und die Teigwaren von gestern erlebten ihre zweite Karriere – diesmal als Salat. Danach: chillen, nichts tun, Zeit geniessen.
Am Abend machten wir noch einen Spaziergang zu einem Minimarkt. Leider vergeblich – geschlossen. Wieder einmal gelernt: Google-Maps-Öffnungszeiten bitte nur mit sehr viel Vorsicht glauben. Zum Glück rettete uns der Platzwart und hatte genau das, was wir suchten. Der Abend endete entspannt: spielen, YouTube schauen und einfach den Tag ausklingen lassen.
5. Februar 2026
Heute ging die Reise weiter – zumindest theoretisch bei trockenem Wetter. Praktisch hatte der Himmel aber andere Pläne. Regen, Wind, kurze Hoffnungsschimmer und dann wieder nass… das volle Programm eben.
Wir machten uns trotzdem brav abfahrbereit, liessen noch das Grauwasser ab, tankten Frischwasser und rollten los Richtung San Vito lo Capo.
Das Wetter blieb launisch wie eine Diva: mal Starkregen mit ordentlich Wind, dann wieder trocken, aber Sonne? Fehlanzeige. Am Mittag steuerten wir einen Lidl an – man kann schliesslich nicht nur von Hoffnung leben. Es gab Pizza und Würste im Teig, stilecht auf dem Parkplatz verspeist. Gourmetküche auf Rädern.
Danach ging’s weiter, wir kamen gut voran und nach Castellamare del Golfo legten wir noch eine Pause ein. Der Blick über das Dorf und das Meer: traumhaft. Direkt danach dann weniger traumhaft: Wir tuckerten gemütlich hinter einem Steintransporter her, beladen mit zwei riesigen Steinblöcken – natürlich völlig ohne Ladungssicherung. Vertrauen ist alles.
Der Parkplatz unserer Wahl war leider abgesperrt. Also Plan B: zurück zu dem Parkplatz vom letzten Jahr, oben auf die Wiese gestellt und erstmal die Lage gecheckt. Spaziergang gemacht, den unteren Platz angeschaut, keine Schilder, keine Verbote, keine Menschen – verdächtig ruhig.
Cornelia fragte noch einen Berner, der oben stand, ob er wisse, ob unten Parkverbot sei. Antwort: „Manchmal stehen da Wohnmobile… angeblich wurde mal jemand gebüsst… laut Park4Night.“
Wir suchten den ominösen Eintrag – erfolglos. Also: leichtes Risiko eingehen.
Kaum hatten wir oben schon die Stühle draussen, merkten wir: Hm… eigentlich wohl auch hier nicht erlaubt. Also Stühle in Rekordzeit wieder eingepackt und runter auf den unteren Parkplatz gefahren. Dort ganz hinten eingeparkt – unauffällig wie möglich – und auf einer Betonabsperrung unseren Apero genossen. Sehr mondän.
Als die Sonne wieder endgültig verschwand (sie hatte eh kaum gearbeitet), zogen wir uns ins Wohnmobil zurück. Zum Abendessen gab es Suppe – selbstgemacht natürlich. Bedeutete: rüsten, schneiden, rüsten, schneiden… Rüebli, Kartoffeln, Lauch, Zwiebeln etc. Die Suppe war dafür richtig gut 👍
Zum Abschluss spielten wir noch etwas und schauten YouTube. Ein klassischer Camper Abend, gemütlich und ein kleines bisschen abenteuerlich.
6. Februar 2026
Die Nacht hatte offenbar beschlossen, uns nicht allzu viel Schlaf zu gönnen. Der Wind legte nämlich ordentlich zu – stärker als gedacht, motivierter als wir. Gegen 2 Uhr nachts kapitulierten wir und fuhren auf den oberen Parkplatz. In stockdunkler Nacht die Windrichtung zu analysieren, ist ungefähr so sinnvoll wie Blindschach bei Sturm, aber wir gaben unser Bestes, uns halbwegs in den Wind zu stellen. Ergebnis: mittelmässig. Sehr mittelmässig. Auch hier oben pfiff der Wind in den Böen fast so frech wie unten – nur offenbar aus einer leicht anderen Richtung, einfach um uns zu ärgern. Kurzum: auch diese Nacht blieb eher… lebhaft.
Am Morgen folgte dann unsere wichtigste Amtshandlung: sofort wieder runterfahren auf unseren Parkplatz. Noch vor Kaffee und Frühstück – Prioritäten müssen sein. Cornelia fuhr, ich hatte den ehrenvollen Job, die Küchenablage zu bewachen, damit nichts selbstständig vom Tisch springt. Unten stellten wir uns diesmal quer hin, denn der Wind hatte sich eindeutig umentschieden. Und siehe da: etwas besser.
Nach dem Morgenessen ging es auf einen ausgedehnten Strandspaziergang – bis zu einem alten Bunker und wieder zurück. Kamera im Dauereinsatz: Fotos, Videos, nochmal Fotos. Das Meer zeigte sich von seiner besten Seite, von Türkis bis Dunkelblau, mit Wellen so gross, dass sie dramatisch an den Klippen hochspritzten. Sehr fotogen, sehr beeindruckend, sehr windig.
Zurück beim Auto holten wir unsere Trottis raus, um auf die andere Seite zu fahren. Dieses ambitionierte Projekt endete nach ein paar hundert Metern. Der Strassenbelag war kein feiner Asphalt, sondern rau, steinig und trotti-feindlich. Fahren machte so ungefähr null Spass. Also Trottis wieder verstaut und einstimmig beschlossen: Auf der nächsten Tour im März bleiben die Dinger zu Hause.
Danach wurde gespielt, etwas gegessen und – selbstverständlich – ein wohlverdientes Mittagsschläfchen eingelegt. Man muss ja auf sich achten. Zwischendurch war es immer wieder spannend zu beobachten, wer hier alles parkte oder was gerade passierte: Leute mit Auto und Töff, die offenbar einen Actionfilm drehten, Familien am Strand, ein Kind, das sehr beschäftigt Sand bearbeitete.
Leider zeigte sich das Wetter am Nachmittag und Abend weniger kooperativ: bewölkt, dunstig. Wir spazierten noch zum oberen Parkplatz – und staunten nicht schlecht: komplett leer. Offenbar hatten alle anderen bessere Ideen als hier zu bleiben.
Am Abend gab es Suppe mit Poulet Fleisch, danach Spiele und gemütlich einen Netflix-Film. Ein ruhiger Abschluss für einen Tag, der windig begann, fotogen wurde und sehr entspannt endete.
7. Februar 2026
Der Morgen startete auf der eher grauen Seite des Lebens – bewölkt, aber immerhin friedlich. Die Nacht war erstaunlich ruhig: kein Wind, kein Gerüttel, kein Geschaukel. Luxus! Zudem waren wir nur zu zweit auf dem Parkplatz, also zwei Wohnmobile, die sich gegenseitig in Ruhe liessen. Sehr angenehm.
Wir waren heute sogar etwas früher wach als sonst – theoretisch zumindest. Praktisch machte uns dann die Clesana einen kleinen Strich durch die Rechnung, weil sie nachts offenbar eigene Pläne hatte. Unser Zeitvorsprung löste sich dadurch elegant in Luft auf.
Nachdem wir wieder abfahrbereit waren, stand als erstes der Leuchtturm von San Vito lo Capo auf dem Programm. Für uns so etwas wie der emotionale Wendepunkt der Reise: Ab hier geht’s gedanklich langsam wieder Richtung Schweiz. Wir stiegen kurz aus, machten ein paar Fotos (Beweisfotos!) und drehten dann wieder um.
Danach ging es tanken und weiter Richtung Palermo. Dort erwartete uns – Überraschung – viel Verkehr. Zusätzlich gab es noch einen Unfall, was die Stadt in das übliche, charmante Verkehrschaos verwandelte. Trotzdem kamen wir erstaunlich gut durch. Sizilianische Fahrkünste und ein bisschen Glück halfen offenbar.
Spontan entschieden wir uns, den ausgesuchten Stellplatz zu ignorieren und direkt nach Catania zu fahren. Das Wetter war weiterhin bewölkt, und da wir Sizilien lieber früher als später verlassen möchten, fühlte sich diese Entscheidung richtig an. Nicht das wir Sizilien nicht toll finden, doch waren wir erst letzten April hier und möchten lieber neue Wege in Kalabrien finden.
Also ab auf die Autobahn durchs Landesinnere. Diese präsentierte sich… abwechslungsreich. Mal einspurig, mal auf der Gegenfahrbahn mit freundlichem Gegenverkehr, mal einfach nur einspurig ohne Erklärung. Viele Abschnitte führten über Brücken, die offenbar gerade neu erfunden werden. Teilweise standen nur noch die Brückenköpfe – der Rest war verschwunden. Man fragt sich unweigerlich, ob diese Baustellen jemals fertig werden oder ob sie einfach Teil der Landschaft bleiben.
Wir machten einen kurzen Halt für ein lauwarmes Sandwich – kulinarisch keine Offenbarung, aber es erfüllte seinen Zweck. Während der Fahrt telefonierten wir noch mit Luca und kamen danach problemlos in Catania an.
Dort bezahlten wir brav unsere Gebühr und gingen einkaufen. Diesmal nicht Lidl, sondern MD – Abwechslung muss sein. Nach dem Einkauf sassen wir noch kurz draussen, obwohl es inzwischen stark bewölkt war und der Regen einsetzte. Optimismus stirbt zuletzt.
Am Abend wurde noch Büro erledigt und Tagebuch geschrieben. Zum Essen gab es Poulet mit Salat. Danach spielten wir noch, schauten YouTube und Sport und liessen den Tag gemütlich ausklingen.
8. Februar 2026
Heute stand die grosse Frage im Raum: Verlassen wir Sizilien… oder bleiben wir einfach noch ein bisschen? Spoiler: Sizilien hat gewonnen. Während der Fahrt fiel die Entscheidung für einen Zwischenstopp in San Marco – das Wetter war zwar so mittelmotiviert, aber unsere Abreiselaune noch schlechter.
Der Tag startete wie immer ganz professionell: Kaffee, Morgenessen und ein nettes Schwätzchen mit einem deutschen Ehepaar, das wir schon vom Stellplatz San Marco kannten. Danach ging’s los Richtung San Marco. Überraschung des Tages: Wohnmobile ohne Ende! Beim letzten Mal waren es vielleicht zehn, diesmal fühlte es sich eher nach einem Wohnmobil-Festival mit etwa dreissig Fahrzeugen an.
Wir machten noch einen Strandspaziergang – frische Luft, Meeresrauschen, innerer Frieden (mehr oder weniger) – und genossen den Sonntag in aller Ruhe. Zum Zvieri gab’s einen Tomaten-Mozzarella-Salat draussen, ganz mediterran, ganz entspannt. Natürlich durfte auch das obligatorische Mittagsschläfchen nicht fehlen. Tradition ist Tradition.
Am späteren Nachmittag sassen wir nochmals draussen, bis der Wind beschloss, dass jetzt genug Frühling ist. Also ab nach drinnen. Ätna beobachten gehörte selbstverständlich auch dazu – man muss ja schauen, ob er sich heute wieder wichtig machen will.
Abends bestellten wir Pizza. Theoretisch grossartig, praktisch schafften wir beide nur je zwei Stücke. Der Wille war da, der Magen eher nicht. Wir telefonierten noch mit Nina, spielten ein paar Spiele und liessen den Abend ganz modern mit Netflix und YouTube ausklingen.
Fazit des Tages: Nicht viel passiert – aber genau das war perfekt.
9. Februar 2026
Abschied von Sizilien – natürlich nicht ohne einen letzten Waschtag. Cornelia hatte sich heldenhaft schon früh eingeschrieben und ab 8 Uhr gleich für zwei Waschmaschinen reserviert. Während die Wäsche ihre Runden drehte, machten wir uns ganz entspannt abfahrbereit. Morgenessen, draussen sitzen, Meerluft schnuppern – richtig gemütlich.
Weil wir ja Zeit hatten, gönnten wir uns noch einen Strandspaziergang. Die kleinen Klappstühle wurden auch noch geholt und wir sassen am Strand und schauten den Wellen beim Arbeiten zu. Sehr meditativ. Cornelia wusch fleissig weiter, das meiste wanderte danach direkt in den Tumbler. Um ca. 12 Uhr hatte dieser offenbar genug vom Leben – Strom weg. Na gut, Zeichen zum Aufbruch verstanden.
Erster Programmpunkt: Autowäsche. Dringend nötig. Danach ging’s Richtung Fähre nach Kalabrien, Ziel: Hafen von Temestri. Die Anfahrt war… sagen wir… abenteuerlich. Kaum Schilder, dafür gefühlt tausend Lastwagen. Wir fragten kurz nach dem Weg (immer eine gute Idee) und fanden den Hafen schliesslich doch.
Vor Ort: Chaos pur. Keine richtigen Warteschlangen, eher ein kleiner Parkplatz mit Lastwagen-Dominanz. Wir stellten uns neben ein Wohnmobil und schauten zu wie die Lastwagen von der Fähre fuhren. Das ging aber schneller als gedacht – schon durften wir auffahren.
Diese Fähre war diesmal gut gefüllt, nicht wie letztes Mal mit drei Autos und viel Platz für Fantasie. Die Überfahrt verbrachten wir auf dem Schiff und nicht im Wohnmobil. Sie dauerte auch deutlich länger, und zwischendurch tröpfelte es ein wenig. Also schauten wir auch noch die Sitzplätze im Inneren an.
In San Giovanni angekommen ging’s wieder auf die Autobahn und danach weiter zu unserem Stellplatz in Scilla. Die Strasse ab der Autobahn: kurvig, holprig und nicht gerade vertrauenserweckend. Die Zufahrt zum Stellplatz war dann noch steil und eng – Nervenkitzel inklusive. Oben angekommen wurden wir aber belohnt: tolle Aussicht auf Scilla und rüber nach Sizilien.
Wir liefen zu Fuss die Hauptstrasse hinunter nach Scilla, schlenderten der Strandpromenade entlang und kämpften uns dann durch enge Gassen, die gefühlt nur aus Treppen bestehen, hoch zur Burg und zur Kirche. Danach alles wieder retour – sportliches Tagesprogramm erledigt.
Leider war auch hier tote Hose: nur eine kleine Bar offen, sonst nichts. Zurück beim Wohnmobil gab’s die Reste der Pizza von gestern. Der Pizzarand wurde grosszügig an einen Hund verteilt, der offensichtlich beschlossen hatte, unser Wohnmobil zu bewachen.
Am Abend spielten wir noch etwas, schauten Netflix und lebten im mobilen Wäscheparadies: Überall hängt Kleidung zum Trocknen. Es sieht aus wie ein Textilladen nach einem Erdbeben – aber gemütlich ist es trotzdem 😄
10. Februar 2026
Wir standen heute Nacht ganz allein hier oben – exklusiver geht’s kaum. Hätte das Wetter mitgespielt, wären wir vielleicht noch eine Nacht geblieben. Aber na ja: Aussicht top, Infrastruktur eher so Kategorie „kreative Selbstorganisation“.
Nach dem Frühstück brachte Cornelia etwas Ordnung ins Chaos (ein Teil der Wäsche wurde gezähmt – der Rest hat noch Galgenfrist). Dann fütterten wir noch eine Katze, die offenbar fest zum Inventar gehört, und machten uns abfahrbereit. Das Tor war natürlich geschlossen – also auf, durch und dann die steile, enge Strasse wieder hinunter. Adrenalin zum Wachwerden inklusive.
Durch Scilla ging es weiter Richtung Tropea. In Scilla selbst war die Strasse so eng, dass man automatisch den Bauch einzieht. Danach wurde es besser. Das Wetter hingegen blieb sich treu: Regen, Starkregen, Nebel – alles dabei, nur Sonne leider ausverkauft. Gegen Ende dann wieder eine dieser klassischen italienischen Strassen: schmal, steil, kurvig, mit Haarnadelkurven, die einem sagen wollen, dass Bremsen keine Option, sondern Pflicht ist.
In Tropea angekommen standen wir auf dem Parkplatz und dachten uns: Sollen wir das wirklich tun? Grau, regnerisch, von oben sah die Stadt eher so „mittelmässig“ aus. Aber gut, mindestens ein Foto von der Wallfahrtskirche auf dem Felsen sollte drinliegen. Kaum entschieden, wurde das Wetter trocken – und aus „ein Foto“ wurde: Treppe runter zum Strand, Stellplatz anschauen, am Strand entlang schlendern bis zu einer Art Grotte.
Dann natürlich alles wieder hoch. Wer braucht schon Fitnessstudios? Anschliessend noch eine gemütliche Runde durch die sehr schöne Altstadt. Und am Ende – ganz wichtig – Pizza zum Mittagessen. Prioritäten müssen stimmen. Danach verliessen wir Tropea wieder, mit dem Fazit: Hat sich definitiv gelohnt. Die Häuser an den Klippen, die Altstadt und der Blick zur Wallfahrtskirche waren wirklich wunderschön.
Weiter ging’s Richtung Stellplatz. Das Navi meldete sich wieder mit seinem Lieblingssatz: „Ich kenne da eine Abkürzung.“ Spoiler: Es war keine gute Idee. Enge Nebenstrassen, bei denen man bei jeder Engstelle hofft, dass gerade niemand entgegenkommt. Irgendwann schafften wir es dann doch wieder auf die Autobahn, die uns fast bis zum Stellplatz brachte.
Dort angekommen entsorgten wir Grauwasser, tankten Frischwasser und sassen noch kurz draussen – bis wir feststellten, dass Kalabrien offenbar beschlossen hat, wieder etwas frischer zu werden. Am Abend gab es Kartoffeln mit Lauch und Speck (sehr erfolgreich). Danach: Tagebuch schreiben, YouTube schauen und spielen. Ein ganz normaler, leicht abenteuerlicher Reisetag eben.
11. Februar 2026
Letzte Nacht war es erstaunlich friedlich – kein Wind, kein Meeresrauschen im Sturm-Modus, einfach nur Ruhe. Und das, obwohl für Kalabrien offiziell Weltuntergangsstimmung angekündigt war: Unwetterwarnung mit Starkregen und starkem Wind. 🙃
Vorsichtshalber standen wir trotzdem früher auf und waren bereits um 8:30 Uhr abfahrbereit. Erst noch geschniegelt und geschniegelt (also… Wohnmobil-tauglich geschniegelt), Müll entsorgt – und dann kam die spontane Idee: „Ach komm, wir fahren noch nach Diamante!“ Der Himmel in diese Richtung sah ein kleines bisschen optimistischer aus. Und wenn der Himmel Hoffnung zeigt, fahren wir halt los.
Also ab auf die SS18. Wirklich eine tolle Küstenstrasse – schön ausgebaut, keine Engstellen, bei Sonnenschein vermutlich absolute Postkarten-Qualität. Heute leider eher „Postkarte mit Regenschleier“. Der Regen spielte sein eigenes Programm: mal stärker, mal weniger stark, aber trocken? Eher ein Gerücht.
Wir parkten direkt bei der Altstadt und machten uns auf Entdeckungstour. Diamante mit seinen Wandbildern ist wirklich etwas Besonderes. In jeder Gasse wartete ein neues Kunstwerk – manche schon ein bisschen nostalgisch angeknabbert vom Zahn der Zeit, die meisten aber noch richtig schön. Und – Trommelwirbel – das Wetter hatte Timing! Genau als wir losliefen, nieselte es nur leicht. Und kaum waren wir wieder beim Wohnmobil? Regen im Intensivmodus. Man könnte fast meinen, wir hätten einen persönlichen Wetterassistenten.
Danach beschlossen wir, bis Salerno weiterzufahren. Bei Sonnenschein hätte man locker hundert Stopps einlegen können – Aussicht hier, Strand dort, Aperol Spritz irgendwo. Aber gut, das läuft ja nicht weg. Vielleicht ein anderes Mal mit Sonne.
Die Strecke führte erst der Küste entlang, dann ins Landesinnere. Erst gemütlich neben einem Flussbett, dann immer höher in die Berge. Der Regen wurde kräftiger, Nebel kam dazu – und laut Navi waren wir zeitweise fast auf 800 Metern über Meer. Irgendwann ging’s wieder runter auf der Autobahn Richtung Salerno.
Auf der Autobahn war das Fahren im Regen deutlich entspannter. Bis wir sie verliessen. Denn dann meldete sich unser Navi wieder mit seiner Lieblingsphrase: „Ich kenne da eine Abkürzung.“ Aha. 🤨
Wir folgten brav – durch enge, leicht chaotische Strassen. Aber hey, wir kamen gut an. Also… nachdem wir zuerst dran vorbeigefahren waren. Und gewendet haben. Das war übrigens nicht das erste Mal heute. In Diamante hatten wir das gleiche Spiel schon geprobt. Man muss ja Routine bekommen.
Am Stellplatz angekommen, angemeldet, Schranke ging auf – kleines Erfolgserlebnis. Danach noch schnell in den Conad einkaufen und zum Abendessen frische gefüllte Tortellini. Sehr solide Entscheidung.
Später spazierten wir noch zur Strandpromenade, nur eine Strasse entfernt, und wurden tatsächlich mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt. Nach all dem Regen fast schon kitschig. Wir telefonierten noch mit Luca, spielten am Abend etwas, schauten YouTube und philosophierten darüber, was wir morgen wohl anstellen könnten.
Unwetterwarnung hin oder her – am Ende war es ein guter Reisetag. Mit Kunst, Bergen, Navi-Abenteuern und Tortellini.
12. Februar 2026
Das Wetter war – Überraschung – genauso wie angekündigt: regnerisch. Schon gestern Abend beschlossen wir heldenhaft, dass wir bei schlechtem Wetter mit dem Zug nach Neapel fahren. Kultur statt Campingplatz also.
Also stapften wir morgens im Regen zur Bushaltestelle, fuhren zum Bahnhof und kauften dort unsere Tickets. Der Schnellzug hatte allerdings gemütliche 45 Minuten Verspätung – typisch. Also entschieden wir uns kurzerhand für den Regionalzug. Dadurch dauerte die Fahrt zwar rund 1 Stunde 30 Minuten, aber immerhin konnten wir es langsam angehen. Und die Strecke war wirklich schön – teilweise direkt am Meer entlang. Regen hin oder her, das hatte was.
In Neapel angekommen: zack, Grossstadt pur! Menschen überall, hupende Autos, Roller aus allen Richtungen – wir versuchten erst gar nicht, den Überblick zu behalten. Also liefen wir einfach mal in Richtung Altstadt. Dort war es noch voller. Ein Markt, den wir ausliessen, enge Gassen, und immer wieder Roller, die scheinbar aus dem Nichts auftauchten.
Und überall: Maradona. Als Wandbild, auf Plakaten, auf T-Shirts, in Souvenirläden,er war omnipräsent. Fast schon surreal. Wir gönnten uns an einem Stand einen Limoncello Spritz und – natürlich – einen Maradona Spritz. Wenn schon, denn schon.
Zwischendurch regnete es immer wieder kräftiger. Schutz suchten wir unter den Lauben, allerdings reihten sich dort hauptsächlich Restaurants aneinander. Also hiess es: entweder essen oder nass werden. Wir entschieden uns für eine Mischung aus beidem.
Per Zufall entdeckten wir die Funicolare zum Castel Sant’Elmo. Oben angekommen wurden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt – Neapel lag uns zu Füssen, grau, lebendig und beeindruckend. Danach nahmen wir die Treppe wieder hinunter in die Altstadt.
Natürlich besuchten wir auch die Gedenkstätte von Diego Armando Maradona. In diesem Quartier scheint sich wirklich alles um ihn zu drehen. Jeder Laden, jede Ecke – alles Maradona. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er Argentinier war und „nur“ eine gewisse Zeit hier spielte,wenn auch die erfolgreichste Phase des Vereins.
Später kamen wir zu einem grossen Gebäude mit riesigem, überdachtem Innenhof – dort stärkten wir uns mit einem Arancino. Weiter ging es zur Piazza del Plebiscito – ein gigantischer Platz! Wirklich beeindruckend.
Danach machten wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof. Ehrlich gesagt: Die Stadt war uns fast etwas zu gross. Es fiel uns schwer zu entscheiden, was man alles sehen sollte und wo es am schönsten ist. Aber ich denke, wir haben einen guten Mix gefunden. Trotzdem – diese Grossstadt war intensiv: lauter, voller und wilder als alles, was wir bisher erlebt haben.
Am Bahnhof kauften wir wieder ein Ticket, fanden den „Central Bahnhof“ und sogar einen Zug. Nur leider war es der falsche. Also zurück zur Information – und beim zweiten Anlauf klappte es. Diesmal ein Schnellzug, erster Halt Salerno. Fahrtzeit: nur etwa 50 Minuten. So gefällt uns das.
In Salerno nahmen wir wieder den Bus zum Stellplatz. Der Tag war anstrengend – Grossstadt ist definitiv nicht unseres. Zum Abschluss gab es einen Tomaten-Mozzarella-Salat und etwas Netflix. Perfekter Ausklang nach einem turbulenten Neapel-Tag.
13. Januar 2026
Eigentlich war der Plan klar: Mit dem Schiff die Amalfi-Küste bestaunen, im Sonnenschein übers Meer gleiten. Tja. Das Meer hatte offensichtlich andere Pläne.
Schon in der Nacht hörte man die Wellen ordentlich arbeiten – und am Morgen war klar: Heute fährt hier höchstens ein U-Boot freiwillig raus. Plan A wurde also offiziell abgesagt. Plan B musste her.
Wir entschieden uns spontan für „alte Steine in Paestum anschauen“ – klingt erstmal weniger spektakulär als Amalfi, aber immerhin wetterunabhängig.
Vor der Abfahrt wollten wir jedoch noch zum Hafen von Salerno laufen. Nach dem Frühstück ging’s los, immer am Meer entlang. Die Wellen waren beeindruckend hoch, das Wetter hingegen herrlich: viel Sonne, kaum Wolken. Perfektes Sturm-und-Sonne-Spektakel.
Am Hafen wurden die parkierenden Autos teilweise gratis gewaschen – Gischt-Deluxe-Programm inklusive. Auch Einheimische standen mit ihren Handys da und filmten das Naturschauspiel. Wir reihten uns selbstverständlich ein und beobachteten, wie die Wellen gegen die Wellenbrecher krachten und meterhoch in die Luft spritzten. Besser als Kino und definitiv lauter.
Danach schlenderten wir durch die Einkaufsstrasse und die Altstadt von Salerno. Und siehe da: Die Stadt überraschte uns richtig positiv. Hübsche Gassen, angenehme Atmosphäre – und in einem Park wurde tatsächlich schon Rasen gemäht. Anfang’s Februar! Das fühlt sich immer noch etwas falsch an.
Wir liefen weiter bis zu einem grossen Platz, setzten uns in ein Café – und ja, auch von dort aus konnte man wieder die Wellen beobachten. Heute eindeutig das Hauptprogramm.
Zurück ging es für Cornelia bequem mit dem Bus, ich nahm die sportliche Variante zu Fuss. Danach machten wir das Wohnmobil startklar, bezahlten den Stellplatz und fuhren Richtung Paestum.
Ganz so einfach war das allerdings nicht. Eine Strasse war wegen des Wetters gesperrt – also improvisierten wir. Mal führte uns das eine Navi, mal das andere. Ein kleines internes Navigations-Duell. Am Ende kamen wir gut an, auch wenn es die letzten Meter so wirkte, als würden wir mitten durch eine Fussgängerzone fahren. Abenteuerlich.
In Paestum besuchten wir zuerst das Museum und danach den archäologischen Park. Die Tempel sind wirklich beeindruckend, riesig, mächtig und erstaunlich gut erhalten. Alles liegt in einer weitläufigen, grünen Anlage mit – wie angekündigt – sehr vielen alten Steinen. Einer der Tempel ist teilweise begehbar, was das Ganze noch eindrücklicher macht.
Man läuft dort durch und denkt sich: Wahnsinn, was Menschen vor über 2000 Jahren erschaffen haben. Eine kleine Zeitreise. Einfach mal stehen bleiben, schauen, sich vorstellen, wie hier früher Leben war – das hatte schon etwas Besonderes.
Wir machten eine grosse Runde um alle Tempel, fotografierten fleissig und gingen dann zurück zum Wohnmobil.
Anschliessend fuhren wir noch einmal ein Stück zurück zu Eurospin, um einzukaufen. Danach bezogen wir unseren Campingplatz – bisher der teuerste der Reise. Aber noch weiterfahren wollten wir wirklich nicht mehr.
Also: Stühle raus, ab an den Strand. Natürlich wieder Wellen beobachten – heute unser inoffizielles Hobby. Die Sonne verschwand leider hinter Wolken, aber das Licht, das Meer und der Strand hatten trotzdem eine ganz besondere Stimmung.
Zurück am Wohnmobil hiess es: Tagebuch schreiben. Kulinarisch gab es Salat mit panierten Fleischherzen – schliesslich ist bald Valentinstag. Romantik kann man planen. Das Meer nicht.
Zum Abschluss spielten wir noch etwas und schauten YouTube. Ein schöner Tag – auch ohne Amalfi-Küste.
14. Februar 2026
Heute hiess es: Motor starten und weiter geht’s! Wir machten uns zügig abfahrbereit, mittlerweile sind wir ja fast Profis im „In-10-Minuten-ist-alles-verstaut“-Modus. Vor der Abfahrt gab’s noch einen kleinen Spaziergang ans Meer, einmal tief durchatmen, Wellen anschauen, dann bezahlen, entsorgen und los.
Wir fuhren oberhalb der Küste entlang Richtung. Die Autobahn von bis dorthin war zwar nicht besonders breit, aber alles lief problemlos. In Pompei suchten wir uns einen Stellplatz – und was für einer! Der Eingang zur archäologischen Stadt war vielleicht 50 Meter entfernt. Näher dran geht nur noch „direkt im Wohnzimmer ausgegraben“.
Also los ins antike Abenteuer! 🏛️
Wir besichtigten Haus um Haus – und diesmal nicht nur „hier stand vermutlich mal eine Wand“, sondern richtig echte, mehrere Meter hohe Mauern. Man konnte in viele Häuser hineingehen, durch Räume laufen, über original erhaltene Strassen spazieren. Extrem eindrücklich!
Oft sieht man bei solchen Anlagen nur ein paar Grundmauern, vielleicht einen halben Meter hoch. Hier aber standen die Wände noch fast komplett. Viele Bodenbeläge waren erhalten, und an zahlreichen Wänden gab es noch Zeichnungen und Wandmalereien. Zum Teil war sogar die Schrift aussen an den Häusern noch intakt. In einer restaurierten Villa am Stadtrand waren die Gemälde so gut erhalten, dass man sich wirklich fühlte, als würde gleich jemand aus der Antike um die Ecke kommen und fragen, warum wir so komisch angezogen sind.
Auch eine Therme konnten wir besichtigen – erstaunlich intakt. Man bekam ein richtiges Gefühl dafür, wie das Leben damals gewesen sein könnte. Die Strassen waren noch im ursprünglichen Zustand, mit diesen typischen Steinplatten.
Es gab mehrere Amphitheater. Das grösste war innen nicht mehr ganz in Bestform – die Natur hat sich einige Zuschauerränge zurückerobert. Als wir gerade dort waren, begann es kurz zu regnen. Natürlich genau dann. Aber unser Wetterglück blieb uns treu: Nach ein paar Minuten war alles wieder vorbei. Eigentlich war Regen angesagt, aber bis auf etwa zehn Minuten blieb es trocken. Stark bewölkt, ja – aber perfekt zum Besichtigen.
Zwischendurch stärkten wir uns ganz klischeemässig mit Pizza und Pasta im Park – wenn schon, dann richtig. 🍕
Am Ende liefen wir zurück zum Ausgang. Sicher haben wir nicht alles gesehen, aber wir haben einen richtig guten Eindruck bekommen. Es war unglaublich spannend, in diese Welt einzutauchen.
Danach ging’s noch zum Supermarkt. Am Abend stand dann – ganz romantisch zum Valentinstag – Buchhaltung auf dem Programm. Liebe geht eben durch die Excel-Tabelle. 😄
Das Abendessen war kalt, aber gut, und zum Abschluss wurde noch gespielt und YouTube geschaut.
Ein Valentinstag zwischen römischen Mauern, Pizza im Park und Campingalltag.
15. Februar 2026
Heute stand das grosse Thema im Raum: Sardinien – ja oder nein?
Zehn Tage Inselträumchen klangen verlockend… bis wir die Fährpreise ab Civitavecchia gesehen haben.
Plan B: Hochfahren nach Livorno, Tagesfähre nehmen (wir fahren ja gerne bei Tag – man will schliesslich Meer sehen und nicht nur Dunkelheit). Klingt vernünftig. Klingt erwachsen. Klingt nach „Wir haben das im Griff“.
Oder doch einfach auf dem Festland bleiben?
Zu viele Optionen – klassisches Luxusproblem. Am Ende des Tages haben wir uns für Sardinien entschieden. Mit dem kleinen Umweg über Livorno. Man spart ja gerne und fühlt sich dabei auch noch clever.
Die zweite Tagesfrage lautete: Was machen wir heute?
Auch hier: Optionen über Optionen. Manchmal wäre eine Fernbedienung fürs Leben praktisch – „Zufall wählen“ drücken und gut.
Wir blieben beim Ursprungsplan und fuhren mit dem Zug nach Sorrento. Also: parat machen, Stellplatz für eine weitere Nacht bezahlen, zum Bahnhof laufen, Tickets am Schalter kaufen – ganz analog und ohne App.
Es hatte bereits erstaunlich viele Menschen. Kein Wunder – der Eingang zum Archäologischen Park von Pompei ist ja praktisch ums Eck, der andere Eingang in Bahnhofsnähe. Kultur und Camping liegen hier gefährlich nah beieinander.
Der Zug sah… sagen wir mal… charakterstark aus. Vertrauenswürdig wäre ein grosses Wort. Aber er fuhr. Und wir sassen drin. Also alles gut.
In Sorrento angekommen, marschierten wir als Erstes zu einer Aussichtsplattform. Der Weg nach unten? Gesperrt.Der Lift? Ausser Betrieb.Die Aussicht? Immerhin vorhanden.Also blieben wir oben in der Stadt. Wir schlenderten durch hübsche Gassen, einige Läden hatten geöffnet, und in Bahnhofsnähe lief eine Art Kinderfasnacht – sehr lebendig, sehr bunt.
Wir entdeckten noch eine zweite Aussichtsplattform. Das Städtchen ist wirklich hübsch – viele Menschen, aber nicht erdrückend. Genau die richtige Mischung aus „hier ist was los“ und „man bekommt noch Luft“.
Hunger meldete sich. Am Eingang zur Hauptgasse fanden wir ein Restaurant. Pasta. Spaghetti. Und zum Abschluss ein Likör – weil man in Italien ja schliesslich kulturell korrekt handeln möchte.
Als die Sonne wieder hervorkam, spazierten wir nochmals zur Aussichtsplattform – mit Sonne sieht alles gleich doppelt schön aus. Zurück zum Bahnhof, zurück in den Zug (der uns diesmal immerhin schon bekannt war) und zurück nach Pompei.
Dort stellten wir noch die Stühle raus, genossen die Sonne, die durch die Bäume schien – ein richtig schöner, ruhiger Moment. Bis… natürlich… der Regen einsetzte. Timing ist alles.
Also rein ins Trockene. Fähren checken. Zum Abendessen: Wurst mit Salat – bodenständig und unkompliziert. Danach noch etwas gespielt und YouTube geschaut.
Ein Tag zwischen grossen Reiseentscheidungen, leicht abenteuerlichem Zugvertrauen, italienischer Pasta und etwas Amalfi Küstengefühl.
16. Februar 2026
Wir machten uns also startklar, bereit für die Ewige Stadt. Eigentlich wollten wir noch entsorgen, entschieden uns dann aber nach dem Motto „Ach, passt schon“ dagegen. Man muss Prioritäten setzen.
Die Autobahn lag praktischerweise nur ein paar Meter vom Stellplatz entfernt, quasi einmal tief durchatmen und schon waren wir drauf. Plan: unterwegs Gas tanken. Realität: auf der Autobahn klappt nicht. Also wieder runter von der Autobahn, ein paar Kilometer ins Nirgendwo, dort endlich erfolgreich Gas aufgefüllt (Sieg auf ganzer Linie!) und dann wirklich Richtung Rom.
Mit einem kleinen Zwischenstopp rollten wir schliesslich in Rom ein und kamen problemlos beim Stellplatz an. Anmeldung erledigt, danach Grauwasser entsorgt und Frischwasser per Kanister nachgefüllt – Fitnessprogramm inklusive.
Unterwegs fiel uns allerdings auf, dass die Elektrik bzw. der Ladebooster nicht ganz das macht, was er soll. Leichte Nervosität machte sich breit. Wir hoffen sehr, dass sich das Problem von selbst wieder einkriegt – Technik hat ja manchmal ihre Launen.
An der Reception besorgten wir uns Bustickets und fuhren bis zum Hauptbahnhof. Von dort liefen wir Richtung Kolosseum und staunten nicht schlecht: Menschenmassen! Und das Mitte Februar! Offenbar hatten noch ein paar andere Leute dieselbe Idee wie wir.
Tickets vorbuchen? Daran hatte ich natürlich nicht gedacht. Also keine Innenbesichtigung vom Kolosseum und auch nicht vom Forum Romanum. Aber halb so wild – wir waren ja erst vor nicht allzu langer Zeit mit den Kindern hier und wissen noch, wie es drinnen aussieht. Heute also Kultur von aussen. Spart Zeit und Nerven.
Weiter ging es zum Trevi-Brunnen. Danach stärkten wir uns mit Pizza und Pasta in der Nähe. Italienisches Essen in Italien, man will ja authentisch bleiben.
Auch in der restlichen Stadt war ordentlich was los. Vielleicht ein paar Menschen weniger als im Oktober 2023, aber immer noch beeindruckend voll. Nächster Halt: die Spanische Treppe, einmal runter, bisschen staunen, bisschen Leute beobachten – und dann zurück Richtung Bahnhof.
Mit dem Bus ging es wieder zum Stellplatz. Dort angekommen: Internet an, Ticketsuche für morgen gestartet – und kläglich gescheitert. Fazit: eher Zeitverschwendung als Erfolgserlebnis.
Also planten wir noch etwas für den nächsten Tag und liessen den Abend entspannt mit YouTube ausklingen.
17. Februar 2026
Nach dem Morgenessen hiess es: Auf ein Neues, Rom.
Zuerst warteten wir brav auf den Bus. Dann spontane Planänderung: „Ach komm, wir nehmen das Tram!“ Gesagt, getan. Das Tram war optisch irgendwo zwischen „nostalgisch“ und „fährt das noch?“ angesiedelt, brachte uns aber zuverlässig bis zum Hauptbahnhof.
Dort wechselten wir auf den Bus Richtung Vatikan. Viel Verkehr, sehr voller Bus, überall Stau. Ehrlich gesagt wären wir gewisse Strecken vermutlich gleich schnell zu Fuss gewesen – aber wer will schon bei Sonnenschein jammern?
Schliesslich kamen wir an und spazierten zuerst zur Engelsburg und weiter in Richtung Vatikanstadt. Das Wetter war einfach herrlich – Pullover perfekt, T-Shirt wäre leicht optimistisch gewesen. Viele Menschen, aber angenehm verteilt. Genau die richtige Portion „lebendige Stadt“ ohne „Hilfe, ich werde mitgeschoben“.
Gemütlich schlenderten wir weiter zur Piazza Navona und zum Pantheon. Danach gönnten wir uns eine wohlverdiente Pause mit Pizzastücken – Stadterkundung läuft schliesslich nicht von allein.
Natürlich durfte auch der Trevi-Brunnen heute nicht fehlen. Anschliessend ging es weiter zum Altare della Patria.
Wir dachten zuerst, man brauche zwingend ein Ticket, um hineinzukommen. Cornelia, mutig wie immer, testete es einfach mal und lief locker einer Gruppe hinterher. Und siehe da: kein Ticket nötig für die Besichtigung! Nur für die oberste Aussichtsplattform und das Museum hätte es eines gebraucht. Aber ganz ehrlich: Die Aussicht von der zweitobersten Plattform war schon mehr als ausreichend. Wirklich beeindruckend.
Rund ums Gebäude entdeckten wir dann ein Restaurant mit traumhafter Aussicht. Von unserem Platz aus sah man direkt auf das Kolosseum und das Forum Romanum, besser geht’s kaum. Also bestellten wir standesgemäss ein Bier und einen Aperol Spritz. Der Kellner warnte uns noch freundlich vor den Vögeln, viele Tauben und einige Möwen seien hier unterwegs. Cornelia beschloss, diese Information als „nett gemeinten Hinweis“ zu verbuchen und stellte für ein schönes Foto unsere Getränke samt Aperoplättchen (Chips, Erdnüsse, Taralli – volle italienische Romantik) auf den breiten Mauersims.
Spoiler: Keine gute Idee.
Eine Möwe startete fast im Sturzflug-Manöver. Mit viel Glück konnten wir die Getränke retten. Die Chips… nun ja, sagen wir so: ein Teil davon hat jetzt vermutlich einen neuen Besitzer mit Flügeln. Lektion gelernt. Vielleicht.
Danach ging es weiter Richtung Kolosseum. Ich machte gefühlt 437 Fotos – aber es war überhaupt kein Problem, diesmal nicht hineinzugehen. Von aussen ist es einfach genauso beeindruckend. Wir liefen praktisch einmal komplett rundherum und machten uns dann langsam auf den Rückweg zum Bahnhof.
Dort suchten wir noch den Bialetti-Shop auf, unser Wunschobjekt: ausverkauft. Natürlich. Also entschieden wir uns spontan, noch einen zusätzlichen Kilometer zu laufen zu einem anderen Shop. Und siehe da: Mission erfolgreich. Manchmal braucht es einfach ein bisschen Extra-Schritte.
Zurück ging es mit dem Bus zum Hauptbahnhof und von dort mit der Linie 105 wieder zum Campingplatz.
Am Abend wurde es kulinarisch noch einmal italienisch angehaucht:
Cornelia bereitete sich einen Tomaten-Mozzarella-Salat zu, ich entschied mich für Lachsbrötchen.
Ein rundum gelungener Tag – mit Sonne, Aussicht, Aperol und leicht reduziertem Chipsbestand. Rom hat uns wieder einmal sehr verzaubert.
18. Februar 2026
Heute hiess es: Ciao Rom, wir ziehen weiter! Richtung: Livorno.
Endziel irgendwann: Sardinien. Genauer Plan? Nun ja… flexibel wie immer.
Wir machten uns gemütlich abfahrbereit und beschlossen, einfach mal zu schauen, wo wir am Abend landen würden. Ursprünglich wollten wir in die Nähe von Livorno fahren, dort einen Tag verbringen und am Freitag entspannt die Fähre nehmen.
Der Start verlief gut – trotz römischem Verkehr, der offenbar nie Pause macht. Dann kam unser Klassiker: falsche Autobahnauffahrt. Also durften wir ein kleines Ehrenründchen drehen, bei „unserer“ Ausfahrt Richtung Stellplatz wenden und einen zweiten, diesmal erfolgreichen Versuch starten. Beim zweiten Mal sass die Auffahrt perfekt – man lernt ja dazu.
Die Fahrt Richtung Livorno lief ansonsten ruhig. Tankstopp hier, Snackpause da, Pipistop sowieso – die üblichen Reiseetappen eben. Die Autobahn war zuerst angenehm ausgebaut, später wechselte sie in den Modus „Überraschungspaket“: längere Abschnitte nur zweispurig, teilweise sogar einspurig. Abenteuerfeeling inklusive.
In der Nähe von Livorno wollten wir noch schnell ein Einkaufscenter ansteuern. Theoretisch eine gute Idee. Praktisch: kein geeigneter Parkplatz für unser Wohnmobil. Also Planänderung Nummer 47 – direkt nach Livorno fahren und dort einkaufen.
Währenddessen wurde das Wetter immer ungemütlicher. Die Wolken zogen dichter zusammen, ab und zu regnete es, und der Wind war zwar nicht dramatisch, aber kühl genug, um den Wunsch nach „noch zwei Tage hierbleiben“ deutlich zu dämpfen.
Also beschlossen wir kurzerhand: Warum warten?
Fähre buchen. Heute. 22 Uhr. Rückfahrt am 3. März. Zack.
Manchmal lieben wir unsere Spontanität wirklich.
Danach ging es einkaufen – und zwar so richtig. 120 Euro später standen wir leicht schockiert an der Kasse. So einen teuren Einkauf hatten wir noch nie! Wir trösteten uns damit, dass wir ja auf eine Insel fahren und bestimmt nichts vergessen haben (hoffentlich).
Der Parkplatz beim Einkaufscenter war riesig und nur etwa 15 Minuten vom Hafen entfernt – perfekt. Da es im Hafen selbst nicht gerade viele Parkmöglichkeiten für Wohnmobile gibt, beschlossen wir, einfach hier zu bleiben. Praktisch, entspannt und ohne Stress.
Am Abend telefonierten wir noch mit Luca, Thomas und Marianne, erzählten von unseren spontanen Inselplänen und packten den Rucksack für die Fähre.
Jetzt sind wir also bereit fürs Meer. 🌊
Heute Parkplatz, heute Nacht Fähre – und morgen vielleicht schon Inselgefühl. So schnell kann sich ein Plan ändern. Und genau das macht es irgendwie so schön.
19. Februar 2026
Die Nacht war erstaunlich ruhig – das Meer hat sich richtig Mühe gegeben, uns sanft zu wiegen. Fast schon verdächtig friedlich. Wäre da nicht um 5:30 Uhr diese freundliche (aber sehr motivierte) Durchsage gewesen: Kabinen räumen, Bar ist offen!
Nun ja – wer braucht schon Ausschlafen, wenn es Cappuccino gibt?
Also haben wir um 6 Uhr unsere Kabine verlassen und uns an der Bar noch zwei Cappuccinos und zwei Gipfel gegönnt. Frühstück Nummer eins – mit Meerblick und müden Augen.
Um 7 Uhr waren wir bereits im Hafen von Olbia. Eigentlich waren wir überzeugt gewesen, wir kämen erst um 9 Uhr an. Tja – Zeit ist offenbar relativ. Besonders auf See.
Nach dem Verlassen der Fähre steuerten wir einen Parkplatz an, den wir noch vom letzten Besuch kannten. Man muss ja Bewährtes nutzen. Dort erwarteten uns Flamingos – ganz entspannt beim Herumstehen, als würden sie uns begrüßen. Wir machten einen kurzen Spaziergang ans Meer und genossen Frühstück Nummer zwei. Man soll ja nie hungrig reisen.
Weiter ging’s Richtung Nuoro zum Einkaufen. Dort zeigte sich das Wetter plötzlich von seiner dramatischen Seite: erst stark bewölkt, dann – zack – Regen. Und zwar nicht so ein bisschen. Sondern richtig. Natürlich genau dann, als wir vom Einkaufen zurückkamen. Timing kann es.
Lebensmittel verstaut, alles trocken gerettet, und dann weiter zum Stellplatz. Wir folgten brav dem Garmin. Der Weg war vielleicht etwas länger, aber wunderschön – teilweise eine richtige Bergstrecke bergab, mit immer wieder fantastischem Blick Richtung Meer. Diese Straßen hier sind nichts für schwache Nerven – aber herrlich.
Kurz vor dem Ziel dann: Fahrverbot. Einbahn. Gesperrt.
Perfekt.
Wir liefen die gesperrte Strecke erstmal zu Fuß ab – konnten aber nichts Dramatisches entdecken. Also beschlossen wir: Wir probieren es. Schließlich standen bereits andere Wohnmobile auf dem Platz. Ein Fahrzeug fuhr durch, ein Lastwagen auch, und zwei Autos kamen uns sogar entgegen. Auf der anderen Seite übrigens: kein Einbahnzeichen. Sehr überzeugend.
Also nutzten wir unsere Chance.
Später stellten wir fest: Dort waren Felsarbeiten im Gange. Nun gut – Abenteuer des Tages ✔️
Am Stellplatz mussten wir uns erst orientieren. Uns wurde erklärt: unten auf der Fläche zwei links, zwei rechts. Wir entschieden uns für die freie Seite – dort stand noch niemand. Auf der anderen Seite war schon jemand. Wir stellten uns zu den Bernern – ein bisschen Heimatgefühl in Sardinien schadet nie.
Stühle raus – Wind.Rein – zu warm.Raus – wieder Wind.
Ein kleines Hin und Her zwischen „Camping-Idylle“ und „Doch lieber drin“.
Abends gab’s kaltes Essen. Wir versuchten noch, etwas Netflix zu schauen – aber das Internet hier spielt Verstecken. Mal da, mal weg, mal kurz Hoffnung, dann wieder nichts. Also wechselten wir zu Plan B: Spiele spielen und gepflegtes Nichtstun.
Und ehrlich?
Das war eigentlich genauso schön.
20. Februar 2026
Heute stand es schwarz auf weiß in unserem Reisegesetz:
Chilltag. Ohne Wenn und Aber.
Wir haben gefrühstückt – irgendwann. Ohne Wecker, ohne Plan, ohne Eile. Genau so, wie sich das gehört. Dazwischen ein Schwatz mit den Nachbarn, ein bisschen Dorfplatz-Atmosphäre mitten am Strand.
Zuerst kamen die normalen Stühle raus.
Dann merkten wir: Heute ist kein „normaler Stuhl“-Tag.
Also Upgrade auf die Chillstühle. Wenn schon entspannen, dann richtig.
Zum Essen gab es am Nachmittag einen Teigwarensalat – perfekte Mischung aus „wir haben Hunger“ und „wir wollen uns nicht anstrengen“. Den Großteil des Tages verbrachten wir draußen direkt am Strand vor dem Wohnmobil. Meer schauen. Wellen hören. Gedanken treiben lassen. Man könnte meinen, wir hätten trainiert im Nichtstun – waren wir auch.
Zwischendurch telefonierten wir mit Nina und widmeten uns intensiv dem Thema Faltrad. Es wurde analysiert, diskutiert, abgewogen – und schließlich offiziell abgeschlossen. Entscheidungsfreude kann so befriedigend sein.
Der Wind meldete sich immer wieder, aber angenehm. T-Shirt ging – zumindest kurzzeitig. Meistens war die dünne Jacke aber die klügere Wahl. Als die Sonne langsam verschwand, wurde es auch für uns Zeit, nach drinnen zu wechseln. Wir sind halt doch Schönwetter-Draussensitzer.
Wir haben unseren Stellplatz für drei Nächte bezahlt – sehr seriös – und anschließend noch Buchhaltung gemacht. Ja, auch im Camper holt einen die Realität manchmal ein. Immerhin konnten wir das Wireless nutzen, um Netflix-Folgen herunterzuladen. Man weiß ja nie, wann das Internet wieder beschließt, beleidigt zu sein.
Und dann, am späteren Abend, das Highlight des Tages:
Besuch.
Eine kleine Kuhherde tauchte auf – inklusive einer Ziege im Gefolge. Alle mit Glocken. Es klang original wie ein Abend in den Alpen. Für einen Moment fühlte sich Sardinien sehr nach Zuhause an. Nur dass das Meer rauschte statt die Bergkulisse zu schweigen.
So endete unser offizieller Chilltag – mit Glockengeläut, Meeresrauschen und dem guten Gefühl, absolut nichts Wichtiges verpasst zu haben. 🐐✨
21. Februar 2026
Man könnte meinen, wir hätten gestern schon alles an Entspannung verbraucht.
Aber nein. Heute ging das Ganze in die zweite Runde.
Programm des Tages:
Stühle raus. Meer anschauen. Sonne genießen. Sonst? Nichts.
Und das mit voller Überzeugung.
Die größte Aufregung des Tages: Unsere Drohne hatte ihren Jungfernflug! Sie erhob sich würdevoll in die Lüfte, während wir unten standen wie stolze Eltern am ersten Schultag. Alles ging gut – sie kam wieder heil zurück. Ich habe danach versucht, aus dem Bildmaterial einen kleinen Film zu basteln. Sagen wir mal so: Halb gelungen trifft es ganz gut. Aber hey – Luftaufnahmen vom Meer machen selbst mittelmäßige Schnitte beeindruckend.
Kulinarisch wurde konsequent nachhaltig gehandelt: Es gab die Reste vom gestrigen Teigwarensalat. Man könnte sagen, wir sind jetzt offiziell im „Meal Camper-Modus“.
Zwischendurch hielten wir immer wieder einen Schwatz mit den Nachbarn. Die Berner waren sportlich unterwegs – mit ihren Kajaks auf dem Wasser. Sehr aktiv, sehr ambitioniert. Ein deutsches Ehepaar hingegen war auf einer Wanderung. Diese Wanderung klang so gut, dass wir beschlossen haben: Morgen sind wir die Aktiven.
Mal sehen, ob wir das durchziehen oder ob die Stühle wieder überzeugendere Argumente liefern.
So endete Chilltag Nummer zwei – mit Sonne im Gesicht, Meeresrauschen im Ohr und dem beruhigenden Gefühl, dass Nichtstun manchmal genau das Richtige ist. ☀️
22. Februar 2026
Wieder ein herrlicher Morgen. Frühstück draußen, Sonne im Gesicht, Meer vor der Nase – man könnte sich daran gewöhnen.
Danach hieß es langsam Abfahrt vorbereiten. Vorher noch die Garage umgeräumt, weil sich unsere Trottis während der Fahrt immer dezent nach hinten verabschieden. Offenbar wollen sie mehr Beinfreiheit. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Tour mit den Falträdern – weniger Rutschgefahr, mehr Stil.
Wir verabschiedeten uns von allen – man kennt sich ja inzwischen – und fuhren noch kurz zum Entsorgen. Da der Einlass etwas hoch einbetoniert war, improvisierten wir mit dem Kübel. Camper werden ja mit der Zeit sehr kreativ.
Dort trafen wir nochmals das deutsche Paar – ebenfalls am Entsorgen, ebenfalls im Sabbatical-Modus mit ähnlicher Route. Nochmals Tschüss, gute Reise und vielleicht sieht man sich ja irgendwo zwischen Meer und Bergen wieder.
Ein paar Minuten später parkten wir am Straßenrand – Startpunkt unserer heutigen Wanderung.
Zuerst führte der Weg an einen wunderschönen Strand, dann weiter der Klippe entlang. Mal gemütlicher Feldweg, mal Naturtreppen, mal kurz steil hoch. Und erstaunlich, wie ein paar Höhenmeter den Blickwinkel komplett verändern! Plötzlich sieht die gleiche Bucht ganz anders aus – Postkartenmotiv nach Postkartenmotiv.
Die Aufstiege brachten uns allerdings ordentlich außer Atem. Wir sind – sagen wir es ehrlich – eher Genusswanderer als Gipfelstürmer.
Ein Abstieg hatte es besonders in sich: leicht abschüssiger Weg, links felsig steil hinunter bis zum Meer, rechts Felswand mit ein paar Haken zum Festhalten. Wahrscheinlich hing dort früher mal eine Kette oder ein Seil. Heute gab es nur: Vertrauen in die eigenen Beine. Puls: erhöht.
Danach wurde es wieder gemütlicher. Wir liefen an einem Strand entlang Richtung Campingplatz, setzten uns dort noch auf eine Bank, schauten aufs Meer und genossen diesen „Wir-haben-es-bis-hierher-geschafft“-Moment.
Am Ende des Campingplatzes dann die Entscheidung:
Nochmals 40 Minuten weiter – und denselben Weg wieder zurück?
Oder umdrehen?
Wir entschieden uns für die Variante „vernünftig“. Also zurück.
Wir dachten, über die Straße zurück sei gemütlicher als der steinige Wanderweg.
Spoiler: war es nicht.
Zuerst ging es 120 Höhenmeter bergauf. Auf Asphalt. In der Sonne. Ohne romantische Aussicht als Ablenkung. Wer braucht schon Fitnessstudio?
Danach ging es immerhin entspannt bergab zum Wohnmobil. Unten angekommen beschlossen wir einstimmig: Nach dieser Wanderung fahren wir keine zwei Stunden mehr weiter. Wir kehren einfach auf unseren Stellplatz zurück – der war ja quasi um die Ecke.
Also wieder auf „unseren“ Platz gestellt, Stühle raus (natürlich!), und noch eine Runde Nach-Wander-Chillen eingelegt. Am Abend bezahlten wir die Stellplatzgebühr, und kaum war die Sonne weg, wurde es schlagartig kühl. Rein ins Warme.
Zum Essen gab es eine Wurstschnecke mit Salat – sehr verdient.
Danach unser bewährtes Abendprogramm: Spiele spielen und Fernsehen.
Fazit des Tages:
Wanderung wunderschön.
Straßen-Abkürzung fragwürdig.
Beine müde.
23. Februar 2026
Heute hieß es nun endgültig Abschied nehmen von unserem Stellplatz. Ein bisschen Wehmut war schon dabei – wir haben noch kurz die Aussicht genossen, dann zusammengepackt und ein letztes Mal Grauwasser mit dem Kübel entsorgt. Man entwickelt ja mit der Zeit eine gewisse Routine… und Oberarmmuskulatur.
Losgefahren – und nach ein paar hundert Metern: Stopp.
Straße gesperrt wegen Felsarbeiten.
Wir standen also da und beobachteten live, wie ein paar größere Steine den Hang hinunter auf die Straße fielen. Anschließend kam ein Bobcat und schob die Brocken ganz entspannt zur Seite. Sardinische Verkehrslogik: erst fallen lassen, dann aufräumen, dann weiterfahren. Kurz darauf durften wir passieren – VIP-Behandlung.
Ein Stück zurück auf bekannter Strecke, dann durchs Landesinnere Richtung Cagliari. Mal Schnellstraße, mal Landstraße – abwechslungsreich wie unsere Routenplanung. Die Stadt umfuhren wir großzügig und erreichten das Hafengebiet, wo wir noch Diesel und AdBlue tankten. Wenn schon Abenteuer, dann bitte mit vollem Tank.
Links von der Straße wieder das Meer, rechts Salinen – und unzählige Flamingos! 🦩
Leider standen sie alle im Modus „extra weit weg“. Wir hielten trotzdem in einer Parkbucht. Ergebnis: keine brauchbaren Fotos und danach mehrere Minuten Geduldsspiel, bis sich eine Lücke im Verkehr auftat. Naturfotografie ist manchmal einfach Timing. Oder Glück. Oder beides.
Im nächsten Dorf erreichten wir den Stellplatz, auf dem wir vor einem Jahr wegen unseres Stromproblems standen. Nostalgie pur. Damals waren wir froh um jede Kilowattstunde. Heute? Der Platz war voller Kieshaufen. Parkieren? Eher nein.
Immerhin wussten wir noch von einem Einkaufsladen dort. Die richtige Einfahrt fanden wir zwar nicht sofort – also drehten wir noch eine kleine Ehrenrunde durchs Dorf – aber schließlich standen wir doch vor dem Supermarkt. Mission erfüllt.
Weiter ging’s zum Campingplatz. Eine Strecke mit leichtem Flashback-Faktor, weil wir hier vor einem Jahr unser Stromproblem bemerkten. Fast angekommen: wieder Straßensperre. Ein Fahrradfahrer erklärte uns engagiert eine Alternativroute. Wir verstanden vielleicht 30 Prozent – aber Zeichensprache funktioniert international. Also fuhren wir etwas zurück, nahmen eine Verbindungsstraße weiter oben und näherten uns dem Campingplatz von der anderen Seite.
Dort stand ein Einbahnschild.
Aber da von der anderen Seite ja gesperrt war…
Nun ja. Wir entschieden uns für „situative Interpretation“.
Und siehe da – wir kamen problemlos an.
An der Rezeption folgten wir einem anderen Gast zu einem Herrn, der uns unseren Platz zeigte. Wunsch erfüllt: vorne auf einer Blumenwiese! 🌼 Zum ersten Mal kam sogar unsere Sonnenstore zum Einsatz. Ein historischer Moment.
Wir richteten uns ein, genossen die Zeit und machten noch einen Spaziergang zum Strand. Am Abend gab es Kartoffeln mit Plätzli – sehr solide, sehr verdient. Danach Spiele spielen und YouTube schauen. Camper-Abendroutine etabliert und bewährt.
Fazit des Tages:
Mehr Straßensperren als geplant.
Mehr Flamingos als fotografiert. Und wieder einmal angekommen – genau da, wo wir sein wollten. 💛
24. Februar 2026
Heute Morgen trafen wir eine große Entscheidung.
Bei einem Kaffee auf der Bank am Strand.
Noch vor dem Frühstück. Sehr strategisch.
Wir beschlossen: Cagliari wird ausgelassen. Eigentlich wollten wir in die Markthalle und die Stadt besichtigen. Aber ganz ehrlich – Stadt anschauen fühlte sich gerade mehr nach Pflichtprogramm als nach Ferien an. Und mit dem Wohnmobil in die Stadt rein, Parkplatz suchen, rangieren, schwitzen… nein danke. Das verschieben wir elegant auf „irgendwann einmal“.
Nach dem Frühstück packten wir zusammen, entsorgten Grauwasser, tankten Frischwasser – einmal Komplettservice – und fuhren wieder Richtung Cagliari. Dort endete die Schnellstraße, und unser Navi bekam wieder kreative Ideen. „Abkürzung“ heißt offenbar: möglichst enge Straßen, damit es spannend bleibt.
Wir fuhren also durch schmale Wege, vertrauten dem Gerät (mit leicht erhöhtem Puls) und erreichten schließlich wieder eine größere Straße. Von dort ging es durchs Landesinnere zurück an die Küste.
Und dann begann sie wieder – diese wunderschöne, schmale Küstenstraße Richtung Buggeru. Kurvig, felsig, spektakulär. Immer wieder grandiose Ausblicke auf die Felsküste. Am Anfang gab es einen Parkplatz – kurz kam die Idee auf, dort zu übernachten. Wir machten eine Pause… und entschieden uns dann doch weiterzufahren.
Die Straße wurde enger.
Ein Dorf kam.
Es wurde noch enger.
Aber alles ging gut. Kein Gegenverkehr im falschen Moment, kein Drama, nur konzentriertes Lenken. Danach wurde die Straße wieder breiter – wir atmeten kollektiv aus.
In Buggeru hielten wir kurz an und schauten uns den Stellplatz von oben an. Zwei Wohnmobile standen auf der Betonplatte, daneben sah es nach einer kleinen Baustelle aus. Hm.
Also fuhren wir weiter zum terrassenförmigen Stellplatz. Und kaum angekommen, war klar: Hier bleiben wir. Zumindest für eine Nacht. Aussicht top, Gefühl gut – Entscheid gefällt.
Zur Feier des Tages holten wir den Gasgrill raus. Es gab Spiessli mit Salat. Die Spiessli waren… sagen wir… charakterstark.
Nicht schlecht. Aber auch nicht „Bitte sofort wieder machen“. Trotzdem: Wir haben gegrillt! Historischer Moment.
Danach saßen wir noch lange vor dem Wohnmobil, genossen die Aussicht und gingen gegen Abend an den Strand, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Wir machten einen Zeitraffer – sehr ambitioniert – und die Drohne durfte auch noch ein paar Minuten in die Luft. Technikspielerei mit Meerblick ist einfach eine gute Kombination.
Zurück beim Wohnmobil stand noch Tagebuchschreiben an (sehr diszipliniert), das Nachtessen ließen wir aus – die Spiessli wirkten noch nach – und wir schauten gemütlich Fernsehen.
Fazit des Tages:
Keine Stadt, kein Stress. Viele Kurven, viel Meer.
Grillversuch mit Verbesserungspotenzial. Und ein Sonnenuntergang, der alles wieder gutmacht. 🌊✨
25. Februar 2026
Heute Morgen fiel der Entscheid schnell: Wir bleiben. Punkt.
Einfach mal Sonne, Meer und Strand genießen – ohne Kilometerzählen, ohne Navi-Diskussionen. Und der Kaffee schmeckte draußen gleich doppelt so gut. Kaum kam die Sonne über den Horizont, wurde es angenehm warm. Genau diese Art von „Winter“, die wir mögen.
Die Nacht war allerdings etwas… durchzogen. Die Hunde unten beim Restaurant hielten sich tapfer bis etwa drei Uhr zurück – danach startete sie offenbar ihr persönliches Nachtprogramm. Kein Dauerbellen, aber genug, um uns wissen zu lassen: Sie sind noch da.
Am Vormittag genossen wir die Sonne, ich schrieb Tagebuch, und wir planten die nächsten Tage. Sehr produktiv – im Rahmen unserer Chill-Standards.
Zum Mittagessen gab es Koteletts vom Gasgrill mit Salat. Man merkt: Wir üben noch. Aber es wird. Ein Mittagsschläfchen durfte natürlich nicht fehlen, schließlich soll man seine Kräfte einteilen.
Schon am Morgen waren wir kurz am Strand spazieren. Unten im Restaurant wurden fleißig Stühle rausgestellt – Saisoneröffnung am Sonntag! Es lag so ein bisschen Aufbruchsstimmung in der Luft. Wir hingegen waren im Modus „Wir sind schon da.“
Nach dem Mittagsschlaf ging’s nochmal runter zum Strand – diesmal professionell ausgestattet: Chillstühle und Holzkohlegrill. Ja, richtig gelesen. Zweite Grillrunde des Tages. Man muss Prioritäten setzen.
Es gab einen italienischen Cervelat – eine kulturelle Fusion auf höchstem Niveau. Dazu Meeresrauschen und Sonne im Gesicht. Ich übte noch ein wenig mit der Drohne – Start, Landung, bisschen schweben, bisschen filmen. Langsam werden wir ein eingespieltes Team.
Die Zeit verging wie im Flug, und plötzlich war es 18:15 Uhr – Sonnenuntergangszeit. Wieder dieses goldene Licht, das alles ein bisschen magischer wirken lässt. Danach packten wir zusammen und liefen hoch zum Wohnmobil.
Dort saßen wir noch ein paar Minuten draußen – aber es wurde rasch frisch. Also rein ins Warme.
Abends dann klassisches Camper-Programm: gemütlich im Wohnmobil sitzen, Netflix schauen und zufrieden feststellen, dass so ein „Wir-machen-einfach-nichts“-Tag erstaunlich erfüllend sein kann.
Fazit:
Zweimal grilliert.
Ein Hund als Nachtwächter.
Viel Sonne, viel Meer, viel Zufriedenheit. 💛🌊
26. Februar 2026
Heute hieß es Abschied nehmen vom Stellplatz. Der Kaffee wurde, ganz ungewohnt, im Wohnmobil getrunken. Die Stühle blieben drin. Ein klares Zeichen: Wir meinen es ernst mit Weiterfahren.
Nach dem Frühstück machten wir uns abfahrbereit und schon wenige Meter später ging es wieder bergauf. Eine Art kleine Passstraße erwartete uns – schmal, kurvig, aber absolut machbar. Immer wieder traumhafte Ausblicke, und oben angekommen waren wir auf knapp 500 Meter über Meer. Nicht schlecht für einen gemütlichen Vormittag.
Die nächsten zwei Dörfer boten dann wieder das bekannte Sardinien-Feeling: enge Durchfahrten, konzentriertes Lenken, leicht erhöhter Puls. Aber alles fahrbar. Ein bisschen Nervenkitzel gehört offenbar zum Standardprogramm.
Danach ging es entspannter weiter – Schnellstraße, ein Stück Autobahn – immer Richtung Spiaggia di Is Arutas. In der Nähe von Oristano wollten wir noch einkaufen. Der Conad wollte uns allerdings nicht – kein Parkplatz für Wohnmobile. Also drehten wir eine völlig unnötige Ehrenrunde, um schließlich beim Lidl zu landen. Dort gab es ganz hinten einen Parkplatz – aber top. Mission Einkauf erfolgreich abgeschlossen.
Am Strandparkplatz angekommen starteten wir erst einmal eine Erkundungstour zu einem weiter entfernten Parkplatz. Der Strand dort ist kein klassischer Sandstrand – sondern besteht aus kleinen, reisgroßen Kieselsteinen. Sieht wunderschön aus, läuft sich aber… sagen wir mal… speziell. Also wichen wir auf den Weg oberhalb aus.
Beim hinteren Parkplatz standen drei Kastenwagen und eine Art Zelt – offenbar auch jemand im Abenteuer-Modus unterwegs.
Auf dem Rückweg dann Naturkino:
Cornelia sah eine Schlange, wie sie im Gebüsch verschwand.
Ich habe sie zum Glück nicht gesehen.
Kurz darauf flitzte ein kleines Wiesel aus genau diesem Gebüsch. Wahrscheinlich auf der Flucht. Ich entschied für mich: Ich brauche keine weiteren Details.
Wir beschlossen, vorerst auf dem ersten Parkplatz zu bleiben. Zum Essen gab es kalte Verpflegung – unter anderem ein Brot, das aussah wie die Haut eines Drachen. Gekauft heute Morgen in einer Bäckerei unterwegs. Optisch wild, geschmacklich sehr gut.
Natürlich machten wir noch eine zweite Erkundungstour – diesmal auf die andere Seite. Nach etwa hundert Metern stoppte uns allerdings ein großes Wasserloch. Durchfahren? Eher nein. Also kehrten wir um und liefen wieder am Strand entlang zurück.
Zurück beim Wohnmobil holten wir die Chillstühle und zogen an den Strand um. Wir genossen die Zeit, telefonierten mit den Kindern – und bekamen die Nachricht: Unsere Falträder sind zuhause angekommen! Jetzt freuen wir uns noch mehr aufs Ausprobieren.
Der Wind war hier stärker als gedacht. Am Ende saß Cornelia mit Jacke, Kappe und Decke da – Strandcamping in der Deluxe-Version. Aber wir hielten tapfer bis zum Sonnenuntergang durch.
Zurück im Wohnmobil gab es Hackfleisch mit Peperoni, Champignons und Couscous. Sehr solide, sehr wärmend. Den Rest des Abends verbrachten wir gut geschützt vor den erstaunlich aktiven Mücken. Offenbar haben auch sie Saisonstart.
Fazit des Tages:
Passstraße geschafft.
Schlange vermieden.
Wiesel gesehen.
Drachenbrot gegessen.
Und wieder einmal genau am richtigen Ort gelandet. 🌅
27. Februar 2026
Diese Nacht standen wir direkt am Reiskorn-Strand. VIP-Parkplatz mit Meeresrauschen inklusive. Drei Wohnmobile leisteten uns Gesellschaft, ansonsten war es herrlich ruhig. Naja… fast. Irgendwo übte ein Hund seine Nachtarie. Aber wir sind ja mittlerweile abgehärtete Freisteher-Profis.
Am Morgen hing etwas Nebel in der Luft, was dem Ganzen eine leicht mystische Stimmung verlieh. Unser Entschluss stand trotzdem fest: Weiter nach Stintino!
Vor der Abfahrt gab’s Frühstück – und selbstverständlich eine ausgiebige Strandrunde. Man muss Prioritäten setzen. Wir hatten diese Sehenswürdigkeit ganz für uns allein, was wir sehr genossen. Cornelia verwandelte sich wieder in eine passionierte Meeresbiologin und inspizierte akribisch Muscheln, Wassertiere und alles, was nicht schnell genug „davonkrabbeln“ konnte.
Dann ging es erst einmal ein gutes Stück die gleiche Strecke zurück wie am Vortag – man kennt sie ja inzwischen fast auswendig. Anschließend ab auf die Autobahn Richtung Sassari.
Unterwegs machten wir Halt bei der beeindruckenden Santissima Trinità di Saccargia. Leider war sie geschlossen – offenbar Siesta für Kirchen – aber von außen ein echtes Schmuckstück. Also gab’s Mittagessen mit Blick auf jahrhundertealte Mauern. Hat auch nicht jeder.
Weiter Richtung Stintino – nächster Programmpunkt: der berühmte Strand La Pelosa.
Wir parkten fast am Ende der Promenade zwischen Gleichgesinnten auf vier Rädern und spazierten erst einmal los. In der Bucht thronte ein alter Turm, das Wasser schimmerte türkisblau, glasklar – fast schon karibikverdächtig. Man erwartete förmlich eine Kokosnuss, die vorbeischwimmt. Danach entdeckten wir noch einen Strand mit beinahe weißem Sand. Die Farben! Das Wasser! Einfach Postkartenmotiv pur.
Später fuhren wir weiter zu einem Stellplatz, den wir schon vom letzten Jahr kannten – damals war der Wind so stark, dass wir freiwillig das Weite suchten. Heute: kein Wind, angenehme Temperaturen, mit leichter Jacke perfekt. Manchmal braucht ein Ort einfach eine zweite Chance.
Am Stellplatz angekommen: Stühle raus, Strandmodus an.
Der Weg dorthin war allerdings eine kleine Expedition – einige Stege waren abgebaut. Also suchten wir uns unseren eigenen Pfad über Bretter und Paletten. Ein bisschen Abenteuer gehört schließlich dazu. Am Ende wurden wir belohnt mit einem weißen Kieselstrand und erstaunlich ruhigem Meer. Kaum Wellen, einfach nur Stille und sanftes Glitzern. Wir saßen dort lange und genossen diesen besonderen Moment.
Gegen 17 Uhr kroch dann die Kühle langsam in die Jacken – Zeit für den Rückzug ins rollende Zuhause. Wir parkten noch ganz nach hinten auf dem Platz (man weiß ja nie, wer noch kommt). Am Abend gab es Resten von gestern – nachhaltig und lecker – plus frischen Salat.
Und natürlich folgte unser geliebtes Abendprogramm.
Mittlerweile waren wir schon vier Wohnmobile auf dem Platz – wir wachsen! Bald brauchen wir noch ein Platzwart-Schild.
Sardinien zeigt sich weiterhin von seiner besten Seite. 🌊✨
28. Februar 2026
Heute stand Stintino auf dem Programm. Also theoretisch. Praktisch starteten wir den Tag sehr entspannt:
Cornelia drehte frühmorgens schon eine Strandrunde (man muss ja kontrollieren, ob das Meer noch da ist), während ich meinem Bett noch etwas Gesellschaft leistete. Danach Kaffee im Warmen, gemütliches Frühstück – und dann die weniger romantische Seite des Camperlebens: Zahlungen und Buchhaltung. Auch unterwegs kommt die Realität mit.
Frisch organisiert holten wir unsere Trottis raus. Der Plan: sportlich und umweltfreundlich nach Stintino rollen. Der Anfang war vielversprechend – ein richtig schöner Radweg! Motivation 100 %.
Erster Halt bei einem alten Turm. Eine Schranke versperrte zwar offiziell den Weg, aber man konnte unten durch – also quasi „inoffiziell erlaubt“. Hinter der Schranke offenbarte sich ein Wildschwein-Actionpark: aufgewühlte Erde, Pfützen, matschige Passagen. Aber wir kämpften uns tapfer bis zum Turm durch.
Restaurierungsversuch? Vielleicht. Abgebrochen? Definitiv.
Zwar eingezäunt, aber ein Teil des Zauns lag schon länger dekorativ am Boden. Wir kamen bis zur Treppe, doch die Gittertür machte klar: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Also Fotosession! Zerfallene Gebäude, morbider Charme, perfekte Motive. Vermutlich wurde hier früher Salz produziert – heute produziert es hauptsächlich schöne Bilder.
Weiter ging’s Richtung Städtchen. Eine als Sackgasse markierte Straße? Für Trotti-Profis doch kein Problem! Dachten wir.
Ein paar hundert Meter vor dem Ziel dann das große Finale: eine Brücke – beziehungsweise fast. Nur Armierungsstahl. Links und rechts eher Hindernisparcours. Unsere Trottis schauten uns an, wir schauten die Brücke an – und wussten: Mission gescheitert.
Also zurück zum Wohnmobil, alles verstauen, Plan B: motorisiert nach Stintino.
Dort parkten wir unser rollendes Zuhause ganz hinten auf einem Parkplatz. Ob das eine gute Idee war? Spoiler: Ja. Es ist nichts passiert. Wir leben noch.
Mutig wie wir sind (oder leichtsinnig), beschlossen wir: T-Shirt reicht. Auf dem Parkplatz war es warm. Ein schöner Weg führte ins Städtchen, nicht weit entfernt.
Restaurant laut Google geöffnet – Realität: geschlossen. Danke für nichts. Also Hafenrunde. Erstaunlich viele Segelboote lagen hier – offenbar wissen andere Menschen besser mit Wind umzugehen als wir.
Auf der anderen Seite entdeckten wir dann doch ein offenes Restaurant – Rettung! Es gab Calamari Fritti für mich und für Cornelia eine sardische Spezialität, dazu ein Glas Rotwein. Sehr lecker.
Unser T-Shirt-Mut wurde allerdings nicht belohnt: Der Wind pfiff kühl durch jede optimistische Entscheidung. Eine Jacke wäre Gold wert gewesen.
Zurück zum Wohnmobil, noch eine kleine Runde über den Friedhof – schön gelegen, ruhig. Danach zurück zum bewährten Stellplatz von letzter Nacht.
Es folgte eine kleine Siesta (wir sind schließlich im Süden) und anschließend packten wir unsere Chillstühle und gingen nochmals an den Strand.
Diesmal war der Wind stärker und die Wärme zurückhaltender. Also positionierten wir uns clever im Windschatten eines Gebäudes. Camper-Taktik Level 2.
Die Drohne durfte noch kurz fliegen – Flamingos filmen war der Plan. Ergebnis: Keine Aufnahme gestartet. Und die Flamingos flogen wegen der Drohne weg. Wir wollten sie ja eigentlich gar nicht stören. Also verbuchen wir das unter „technische und moralische Lernkurve“.
Nach nicht allzu langer Zeit zog es uns zurück ins warme Wohnmobil.
Dort endete der Tag gemütlich, windgeschützt und deutlich textilreicher bekleidet als am Nachmittag.
Fazit des Tages:
Trottis sind großartig – bis Beton ins Spiel kommt.
T-Shirts sind mutig – bis Wind ins Spiel kommt.
Wir informieren hier und auf anderen Kanälen, was wir so erleben auf unserer Reise.
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