1. Juni 2026
Eigentlich war heute eine etwas frühere Tagwache geplant, da wir wieder weiterziehen wollten. Das Problem dabei: Wir hatten zwar die Absicht weiterzufahren, aber noch keinen konkreten Plan, wohin genau. Die bisherige Zeit hatten wir nämlich nicht gerade dafür genutzt, die nächsten Etappen zu planen. Klar war nur, dass wir noch etwas der Küste entlangfahren und danach langsam Kurs auf Paris nehmen wollten.
Cornelia stand deshalb schon vor 8 Uhr unter der Dusche. Da unser Warmwasser nicht einfach auf Knopfdruck verfügbar ist, musste auch ich als Erstes duschen gehen. Eigentlich bevorzuge ich Duschen am Abend, aber manchmal muss man nehmen, was man bekommt. Als wir fertig waren, war es allerdings bereits halb neun und der Vorsatz, früh loszufahren, war eigentlich schon wieder Geschichte.
Nach Kaffee und Frühstück – Cornelia hatte sogar schon einen frühen Einkauf im Supermarkt erledigt – machten wir das Wohnmobil fahrbereit. Die Velos mussten eingeladen, das Grauwasser entsorgt und Frischwasser aufgefüllt werden. Anschliessend entschieden wir uns für Utah Beach als nächstes Ziel. Dort gab es sowohl einen Gratisparkplatz als auch einen Stellplatz von Camping Car Park.
Unterwegs legten wir in Saint-Lô beim E.Leclerc einen Einkaufsstopp ein. Vor allem unser Getränkevorrat brauchte dringend Nachschub. Ausserdem kauften wir ein mit Kebabfleisch, Käse und scharfer Sauce gefülltes Baguette. Das wurde uns sogar noch aufgewärmt und diente anschliessend als leckeres Mittagessen im Wohnmobil.
Danach ging es über Schnellstrassen und später über Landstrassen Richtung Küste. Am Utah Beach angekommen, parkten wir zunächst auf dem Gratisstellplatz in der Nähe des Museums und machten uns auf den Weg Richtung Strand.
Bereits nach der Autobahn begegneten uns einige Militärfahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg – viele liebevoll gepflegte Oldtimer-Versionen. Die Geschichte interessiert uns zwar durchaus, ist aber nicht der Hauptgrund für unseren Besuch. Uns reizte vor allem der Strand, und dass er praktisch auf unserer Route lag. Die historische Kulisse ist eher ein spannender Nebeneffekt.
Wir waren bereits 2018 am Omaha Beach gewesen. Natürlich ist Utah Beach nicht ganz dasselbe, aber die Atmosphäre ist dennoch sehr ähnlich. Je näher wir dem Strand kamen, desto mehr sah man die Vorbereitungen für den bevorstehenden 6. Juni. Überall standen Flaggen, und viele Häuser waren festlich geschmückt.
Am Strand angekommen, passierten wir das Museum, zahlreiche Informationstafeln und verschiedene Denkmäler. Anschliessend widmeten wir uns einer Beschäftigung, die deutlich mehr unserem Stil entspricht: Muscheln sammeln. Und davon gab es hier wirklich einige schöne Exemplare. Wir spazierten immer weiter den Strand entlang. Je weiter wir uns vom Museum entfernten, desto weniger Menschen waren unterwegs. Unterwegs sahen wir sogar jemanden mit Pferd und Wagen, fast wie bei einem Trabrennen.
Später machten wir noch einen Abstecher Richtung Campingplatz und Stellplatz, um uns diese anzuschauen. Der etwa einen Kilometer lange Weg ins Landesinnere hätte allerdings nicht sein müssen. Der Stellplatz gefiel uns überhaupt nicht, und damit war die Entscheidung gefallen: Wir bleiben auf dem Gratisparkplatz.
Zurück ging es wieder am Strand entlang. Die Strasse war wenig einladend, da gelegentlich Autos vorbeifuhren und es weder Trottoir noch Seitenstreifen gab. Wieder beim Wohnmobil angekommen, stellten wir fest, dass es inzwischen ziemlich heiss geworden war. Schatten war definitiv Mangelware.
Ich nutzte die Zeit, um Tagebuch zu schreiben. Polarsteps hatte ich bereits während der Fahrt aktualisiert. Cornelia zog es nochmals ans Meer, wo sie weiter nach Muscheln und anderen interessanten Fundstücken suchte.
Zum Abendessen gab es gewürztes Poulet und einen Fertigreis, der schon erstaunlich lange mit uns durch Frankreich reist. Höchste Zeit also, ihn seiner Bestimmung zuzuführen.
Am Abend machten wir noch einen weiteren Spaziergang zum Strand. Inzwischen hatten wir die Gegend fast für uns allein. Nur eine kleine Gruppe war noch unterwegs und machte Fotos in originalgetreuen Uniformen. Ansonsten herrschte angenehme Ruhe.
Zuerst schauten wir noch kurz beim Museum vorbei. Dort steht ein Flugzeug ausgestellt, das ich ganz interessant finde. Leider konnten wir es nur von hinten betrachten. Anschliessend gingen wir wieder an den Strand. Cornelia entdeckte eine Sandbank, die sie unbedingt besuchen wollte, und watete durch eine bereits teilweise mit Wasser gefüllte Vertiefung. Ich beobachtete den steigenden Wasserstand und entschied mich vorsichtshalber dagegen.
Das erwies sich als gar keine schlechte Idee. Das Wasser stieg erstaunlich schnell an. Als Cornelia zurückkam, musste sie bereits deutlich weiter durchs Wasser laufen als noch wenige Minuten zuvor. Und kaum hatte sie wieder festen Boden unter den Füssen, verschwand die Sandbank praktisch vor unseren Augen vollständig unter den Fluten.
Kurz darauf begann es leicht zu regnen. Cornelia machte sich auf den Weg, um unsere Stühle in Sicherheit zu bringen, während ich noch einige Fotos am Strand machte. Anschliessend trafen wir uns wieder beim Wohnmobil, schauten gemeinsam ein YouTube-Video und liessen den Tag gemütlich ausklingen.
Wenig später ging es dann ins Bett – begleitet vom beruhigenden Geräusch des Regens auf dem Dach.
2. Juni 2026
Der Tag begann wettertechnisch mit einer gewissen Unentschlossenheit. Mal regnete es, mal schien die Sonne, und manchmal schien es, als könne sich das Wetter selbst nicht entscheiden, was es eigentlich wollte. Zum Frühstück wagten wir ein neues Experiment: Skyr mit Granola und frischen Beeren. Die Idee war hervorragend, die Umsetzung hatte noch etwas Luft nach oben. Sagen wir es so: Das Verhältnis zwischen Skyr und Granola befand sich noch in der Testphase.
Anschliessend stand etwas Kultur auf dem Programm. Schliesslich kann man nicht nur von Stränden, Aussichtspunkten und Wohnmobilparkplätzen leben. Bevor wir jedoch das Museum besuchten, machten wir noch einen kurzen Abstecher an den Strand. Dort staunten wir nicht schlecht: Von dem grossen Sandstrand, den wir zuvor gesehen hatten, war wegen der Flut nur noch ein bescheidener Rest übriggeblieben. Das Meer hatte sich offensichtlich entschieden, vorübergehend Eigentümer des Strandes zu werden.
Danach ging es ins Museum. Zunächst wurden verschiedene Ausrüstungsgegenstände der deutschen Armee gezeigt, bevor sich die Ausstellung ausführlich dem D-Day, seinen Vorbereitungen und seiner Durchführung widmete. Es gab unzählige Ausstellungsstücke, Fahrzeuge, Waffen und persönliche Gegenstände zu sehen. Besonders interessant war ein Film, der die Ereignisse veranschaulichte und durch Originalaufnahmen ergänzt wurde. Dadurch konnte man sich vieles deutlich besser vorstellen. In einer grossen Halle stand zudem ein alter Bomber, der wirklich beeindruckend war. Es gab auch noch einen Schwimmpanzer zu sehen und zahlreiche weitere Informationen. Praktisch war auch, dass man QR-Codes scannen konnte und die Erklärungen anschliessend auf Deutsch erhielt. Wir schauten uns alles aufmerksam an, gehörten aber wohl eher zu den Besuchern, die etwas schneller unterwegs waren als die ganz grossen Geschichts-Enthusiasten.
Nach dem Museumsbesuch spazierten wir zurück zum Wohnmobil, machten uns fahrbereit und fuhren weiter zum amerikanischen Soldatenfriedhof in der Normandie. Dort angekommen fanden wir problemlos einen Parkplatz, obwohl das Gelände bereits gut gefüllt war. Bevor wir den Friedhof besichtigten, wurde erst einmal Mittag gegessen. Bei mir gab es einen Teigwarensalat vom Vortag, während Cornelia sich ein Sandwich zubereitete.
Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg über das beeindruckende Gelände. Schon der Zugang führt durch einen schönen Park mit Blick hinunter auf den Omaha Beach. Zuerst besuchten wir das grosse Denkmal, wo sich zahlreiche Besucher aufhielten. An den Wänden links und rechts waren die Ereignisse der Invasion und der anschliessende Vormarsch der Alliierten dargestellt. Anschliessend gingen wir durch die langen Reihen der weissen Kreuze und liessen die besondere Atmosphäre auf uns wirken. Mit den Kindern waren wir bereits einmal hier gewesen, weshalb uns vieles bekannt vorkam. Dennoch beeindruckte uns der Ort erneut. Besonders eindrücklich waren die unzähligen Kreuze, die perfekt ausgerichtet in Reih und Glied standen und immer wieder neue Fotoperspektiven boten.
Am Ende des Friedhofs spazierten wir entlang der Küste. Über uns flogen einige Flugzeuge im Tiefflug die Küste entlang, was der Szenerie zusätzlich etwas Besonderes verlieh. Zudem waren einige Militärangehörige vor Ort. Besonders auffällig war ein älterer Herr im Rollstuhl, der wie ein Zeitzeuge wirkte und von vielen Menschen umringt wurde. Ob er tatsächlich damals dabei gewesen war, wissen wir nicht, aber es hätte gut sein können.
Zurück beim Wohnmobil telefonierte Cornelia noch mit ihrer Mutter, bevor wir uns auf den Weg nach Arromanches-les-Bains machten. Die Fahrt führte teilweise über recht schmale Strassen, sodass man gelegentlich froh war, wenn einem gerade niemand entgegenkam. Am Stellplatz angekommen hatten wir grosses Glück: In der ersten Reihe mit direktem Meerblick waren tatsächlich noch einige Plätze frei. Da mussten wir nicht lange überlegen.
Das Bezahlen der Parkgebühr entwickelte sich dann allerdings zu einem kleinen Abenteuer. Die EasyPark-App wollte nicht so recht mitspielen, und einem Engländer, dem wir zwischenzeitlich halfen, ging es genauso. Wir marschierten zu einem anderen Automaten, stellten dort jedoch fest, dass man nur Tickets für zwei oder vier Stunden lösen konnte. Also wieder zurück. Nach etwas Knobeln fanden wir schliesslich die richtige Lösung, konnten unser Ticket lösen und gleich auch noch dem Engländer helfen. Internationale Wohnmobilistenhilfe funktioniert eben überall.
Danach machten wir eine erste Erkundungsrunde. Es gab verschiedene Ausstellungsstücke zu entdecken, darunter eine grosse Kanone und ein Denkmal, das mir deutlich neuer vorkam als bei unserem letzten Besuch. Besonders faszinierend waren die zahlreichen Überreste der Landungsbrücken, die noch immer draussen im Meer liegen und der Küste ihren ganz eigenen Charakter verleihen. Auf einer kleinen Anhöhe genossen wir die Aussicht und studierten die zahlreichen Informationstafeln.
Zurück beim Wohnmobil schrieb ich noch Tagebuch, während Cornelia die Kunst des entspannten Nichtstuns perfektionierte. Gegen 18 Uhr machten wir uns erneut auf den Weg. Bei Ebbe wollten wir die Überreste des Mulberry-Hafens genauer erkunden. Der Weg führte uns bei kräftigem Gegenwind zum Strand. Unterwegs passierten wir einen ausgestellten Panzer, diverse Informationstafeln und mehrere Gedenkstätten.
Am Strand konnten wir die Überreste der schwimmenden Hafenanlagen aus nächster Nähe betrachten. Einige alte Militärjeeps fuhren über den Strand und sorgten für zusätzliches historisches Flair. Der Sand war noch sehr nass, und in vielen Vertiefungen standen kleine Wasserflächen. Muschelsammler hätten allerdings wenig Freude gehabt – Muscheln waren praktisch keine zu finden.
Schliesslich erreichten wir die grossen Überreste des ehemaligen Mulberry-B-Hafens aus dem Jahr 1944. Dort standen weitere historische Jeeps, und selbstverständlich wurden wieder zahlreiche Fotos gemacht. Anschliessend spazierten wir durch die Einkaufs- und Restaurantstrasse zurück Richtung Wohnmobil. Kurz überlegten wir, in einem Restaurant essen zu gehen, entschieden uns dann aber dagegen. Stattdessen stöberten wir durch einige Souvenirläden, studierten weitere Informationstafeln und traten danach den etwas steilen Rückweg an.
Das Wetter blieb den ganzen Tag über wechselhaft und sehr windig. Trotzdem hatten wir grosses Glück und wurden während unserer Spaziergänge kein einziges Mal nass. Am Abend gab es Chicken Nuggets mit Salat. Danach liessen wir den Tag gemütlich im Wohnmobil ausklingen, schauten YouTube und genossen die fantastische Aussicht auf das Meer und die Überreste des ehemaligen Hafens.
3. Juni 2026
Heute präsentierte sich die Normandie in ihren berühmten fünfzig Grautönen. Der Himmel war stark bewölkt, aber immerhin blieb es am Morgen noch trocken. Überraschenderweise stand ich bereits gegen 8 Uhr auf – für Ferienverhältnisse beinahe mitten in der Nacht. Während ich den ersten Kaffee genoss, machte sich Cornelia auf den Weg zum Bäcker im Dorf, um frisches Brot zu besorgen.
Beim Frühstück versuchten wir unseren Tag zu planen. Das Problem dabei: Wir hatten keinen Plan. Da wir erst am 6. Juni nach Paris können, haben wir plötzlich einen zusätzlichen Tag in der Normandie. Ein Luxusproblem, aber trotzdem eines. Nach einiger Ratlosigkeit entschieden wir uns schliesslich für Honfleur. Dort gibt es einen grossen Stellplatz, während die kleineren Plätze in der Gegend bereits aussahen, als hätten sie ihre Kapazitätsgrenze vor drei Tagen erreicht. Der Stellplatz in Caen meldete in der App weiterhin „kein Platz frei“, also wurde uns die Entscheidung praktisch abgenommen.
Bevor wir jedoch losfuhren, wollten wir noch das Museum in Arromanches-les-Bains besuchen. Besonders gefiel mir, dass die Informationen auch auf Deutsch verfügbar waren. Keine QR-Codes, keine Handy-Akkus, die genau im falschen Moment leer sind, und kein hektisches Übersetzen im Kopf – einfach zuhören. So mag ich Museen.
Auf dem Weg ins Städtchen sahen wir, dass das Meer heute deutlich lebhafter war als gestern. Es war gerade Flut und vom Strand blieb nur noch ein schmaler Streifen übrig. Die Überreste des Mulberry-Hafens lagen viel tiefer im Wasser.
Und dann waren da wieder diese drei Propellermaschinen. Bereits beim Soldatenfriedhof waren sie zweimal über uns hinweggeflogen. Heute wiederholte sich das Ganze erneut. Einmal beim Wohnmobil und später nochmals beim Museum. Langsam entstand der Verdacht, dass die Piloten unseren Reiseplan kannten und extra vorbeischauten.
Im Museum bekamen wir Headsets und Audiogeräte umgehängt. Der erste Film erklärte die Geschichte der Region, den Weg zum Zweiten Weltkrieg und die Ereignisse rund um die Landung in der Normandie. Danach folgten Berichte von Zeitzeugen und Soldaten, die ihre Erlebnisse an den verschiedenen Strandabschnitten schilderten.
Besonders spannend war die Ausstellung über den berühmten Mulberry-Hafen. Hier wurde erklärt, wie die einzelnen Teile gebaut, transportiert und vor Ort zusammengesetzt wurden. Beeindruckend fand ich die Transportgeschwindigkeit der riesigen Bauteile: ganze 5 km/h. Da wäre vermutlich selbst ein gemütlicher Spaziergänger ungeduldig geworden.
Die Ausstellung zeigte auch die versenkten Schiffe und riesigen Stahlblöcke, die als Wellenbrecher dienten. Modelle veranschaulichten die verschiedenen Konstruktionen und wie sich die beweglichen Piers den Wellen anpassten. Zum Schluss bestaunten wir eine riesige Nachbildung des Hafens. Eine Lichtshow zeigte Schritt für Schritt, wie alles aufgebaut wurde. Es war faszinierend zu sehen, welche logistische Meisterleistung dahintersteckte. Heute plant man ein Paket und verfolgt es per App. Damals baute man einfach einen kompletten Hafen und schleppte ihn über den Ärmelkanal.
Nach einem kurzen Blick von der Dachterrasse machten wir uns wieder auf den Weg ins Zentrum. Dort entdeckten wir einen Burgerladen, der offenbar der heimliche Mittelpunkt der Stadt war. Die Warteschlange davor erinnerte eher an den Eingang eines Freizeitparks als an ein Restaurant. Nach kurzem Überlegen beschlossen wir, nein wir gehen weiter.
Zum Glück fanden wir wenig später ein anderes Restaurant mit Burgern auf der Karte. Mit 16 Euro lag der Preis zwar leicht über unserem geplanten Budget, aber Ferienbudgets sind bekanntlich eher Empfehlungen als Regeln. Der Burger war ausgezeichnet und die Pommes ebenfalls.
Anschliessend kämpften wir uns den steilen Weg zurück zum Wohnmobil hinauf. Danach begann der nächste Programmpunkt: „Mit dem Wohnmobil durch die engsten Strassen der Normandie“. Google Maps und Garmin arbeiteten dabei offenbar nach dem Motto: Der kürzeste Weg ist immer der spannendste Weg. Glücklicherweise hatten wir über längere Zeit einen Traktor mit Anhänger vor uns. Er wurde unfreiwillig zu unserem Testfahrzeug. Wenn er durchpasste, hatten wir zumindest Hoffnung.
Dank Cornelia erreichten wir schliesslich unbeschadet die Autobahn. Auf dem Weg nach Honfleur kamen wir an Caen vorbei und stellten fest, dass die Stadt deutlich grösser war, als wir erwartet hatten. Im Nachhinein waren wir fast froh, keinen Platz mehr auf dem Stellplatz bekommen zu haben.
In Honfleur angekommen, war selbst der riesige Stellplatz mit seinen rund 230 Plätzen schon erstaunlich gut gefüllt. Offenbar hatten noch andere Menschen die Idee, Anfang Juni in die Normandie zu reisen.
Wir machten uns direkt auf den Weg in die Stadt. Zuerst spazierten wir am Hafen entlang, wo sogar ein grosses Flusskreuzfahrtschiff lag. An einem weiteren Hafen gönnten wir uns einen Mojito beziehungsweise einen Gin Tonic und beobachteten das bunte Treiben.
Währenddessen verschlechterte sich das Wetter zunehmend. Erst nieselte es leicht, dann etwas weniger leicht und schliesslich so, dass man sich ernsthaft Gedanken über wasserdichte Kleidung machte. Trotzdem schlenderten wir noch durch die hübschen Gassen, vorbei an Souvenirgeschäften, Kunstgalerien und zahlreichen schönen Häusern.
Eine Baustelle zwang uns zu einem Umweg. Währenddessen telefonierten wir noch mit Luca. Als der Regen stärker wurde und wir bemerkten, dass uns der Umweg sowieso in die komplett falsche Richtung führte, beschlossen wir, den Rückzug anzutreten. Die weitere Erkundung von Honfleur wurde auf morgen verschoben.
Zurück beim Wohnmobil liessen wir den Abend gemütlich ausklingen. Zum Abendessen gab es für mich einen Salat. Als Dessert gönnte ich mir ein Törtchen mit Calvados. Das Besondere daran: Der Calvados wurde mit einer kleinen Plastikspritze in das Gebäck injiziert. Ein Dessert mit eingebautem medizinischem Eingriff hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt.
Cornelia hatte sich zuvor noch ein feines Sandwich aus einer Bäckerei geholt. Danach schauten wir gemeinsam etwas YouTube. Cornelia verabschiedete sich schliesslich früher ins Bett, während ich noch meinen täglichen Kampf mit dem leeren Tagebuchblatt aufnahm und den Tag niederschrieb.
4. Juni 2026
Gestern Abend hatten wir beschlossen, noch einen weiteren Tag in Honfleur zu bleiben. Das Städtchen hatte uns einfach gut gefallen, und wir hatten bei unserem ersten Rundgang längst nicht alles gesehen. Ausserdem hätten wir die heute gefahrenen Kilometer morgen und übermorgen wieder doppelt aufholen müssen, um rechtzeitig nach Paris zu gelangen. Da erschien uns dies, die deutlich vernünftigere Lösung: einfach noch einen Tag hier anhängen.
Der Morgen begann entsprechend entspannt. Kaffee trinken, frühstücken, etwas herumtrödeln Profis wissen schliesslich, dass man sich dabei nicht hetzen darf. Das Wetter hingegen schien komplett überfordert zu sein. Mal strahlte die Sonne, dann kamen innert Minuten dunkle Wolken aufgezogen, es regnete kurz und heftig, bevor die Sonne wieder so tat, als wäre überhaupt nichts passiert. Offenbar konnte sich der Wettergott heute nicht zwischen Frühling, Sommer und Herbst entscheiden.
Nach dem Frühstück geschah dann ein kleines Wunder. Plötzlich funktionierte unser Stromanschluss wieder. Warum genau, bleibt ein Rätsel. Vielleicht hat jemand die richtige Person angerufen. Vielleicht hatte Cornelia den entscheidenden Knopf gedrückt. Oder vielleicht hatte der Strom einfach selbst genug Ferien und kam zurück. Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren.
Anschliessend machten wir uns wieder auf den Weg ins Städtchen. Diesmal spazierten wir auf der anderen Seite des Hafens entlang. Dort lagerten die Fischer allerlei Material. Einiges davon war allerdings derart rostig, dass man sich fragte, ob es noch zur Ausrüstung gehörte oder bereits als historisches Kulturgut eingestuft worden war.
Hier stand auch das grosse Riesenrad, das über den Hafen wachte. Über eine andere Brücke gelangten wir schliesslich wieder zurück Richtung Altstadt. Unterwegs hielten wir Ausschau nach möglichen Bootstouren auf der Seine und schlenderten danach gemütlich durch die Strassen.
Als uns ein Regenschauer überraschte, flüchteten wir in ein sehr gemütliches Café. Dort genossen wir einen Latte Macchiato – meiner warm, Cornelias kalt – dazu ein Schokoladenbrötchen und ein Croissant. Das Café war so gemütlich, dass wir kurz überlegten, ob wir den restlichen Tag einfach dort verbringen sollten. Doch irgendwann siegte der Entdeckergeist.
Am Ende der Strasse befand sich eine Art Papiliorama. Wir schauten kurz hinein – ursprünglich wegen der Schmetterlinge, in Wahrheit aber eher wegen der Toilette. Wenige Minuten später waren wir bereits wieder draussen und setzten unseren Weg fort.
Danach ging es Richtung Schleuse und Seine. Dort beobachteten wir gerade noch, wie ein Ausflugsboot in die Schleuse einfuhr. Der Wasserstand vor und nach der Schleuse unterschied sich allerdings so wenig, dass das Ganze etwas von einer sehr aufwendigen Türöffnungszeremonie hatte. Trotzdem spannend anzusehen.
Kurz darauf setzte heftiger Regen ein und wir suchten in einem kleinen Waldstück Schutz. Als der Schauer nachliess, liefen wir weiter bis zur Seine. Dort zeigte sich die Natur deutlich entschlossener als das Wetter zuvor: kräftiger Wind und ordentliche Wellen. Vor Anker lag ein grosses Kreuzfahrtschiff, während wir in der Ferne die riesige Brücke und den Containerhafen bestaunten.
Auf dem Rückweg kamen wir an einem historischen Haus vorbei, das wir unbedingt sehen wollten. Es war durchaus hübsch, aber nicht ganz das war wir uns vorgestellt hatten. Daher ein respektvolles Nicken und weitergehen.
Wenig später erreichten wir den grossen Platz mit der wunderschönen Holzkirche. Rundherum reihten sich Souvenirläden, Kunstgalerien und Restaurants aneinander. Man hatte fast den Eindruck, dass in Honfleur jeder entweder Künstler, Restaurantbesitzer oder Souvenirverkäufer ist.
Wir besichtigten die Kirche, zündeten eine Kerze an und setzten uns noch eine Weile hinein. Natürlich auch aus spirituellen Gründen. Und weil draussen gerade wieder ein Wolkenbruch niederging.
Als der Regen etwas nachliess, machten wir uns auf den Rückweg zum Wohnmobil. Dabei bestaunten wir die vielen Bilder in den Schaufenstern der Galerien. Einige davon hätten wir gerne mitgenommen, sofern wir gleichzeitig im Lotto gewonnen hätten.
Zurück beim Wohnmobil gab es ein feines Mittagessen mit Plätzli und Chips. Anschliessend stand Erholung auf dem Programm. Heute wurde sogar offiziell ein Mittagsschläfchen genehmigt. Wir tagten kurz und genehmigten den Antrag einstimmig.
Am Abend zog es uns nochmals in die Stadt. Diesmal erkundeten wir den vorderen Teil rund um eine weitere Kirche. Die Umgebung war wunderschön bepflanzt und wirkte fast wie aus einem Bilderbuch. Die Kirche selbst war leider geschlossen, sah aber beeindruckend aus. Besonders die Pflanzen, die sich bereits in der Fassade niedergelassen hatten, verliehen ihr etwas Verwunschenes.
Durch weitere hübsche Gassen gelangten wir zurück zum Hafen. Unterwegs kamen wir an mehreren Immobilienbüros vorbei. Das Studieren der Angebote gehört mittlerweile fast schon zu einem unserer Ritualen. Besonders spannend ist jeweils die Frage, ob wir für den Preis einer kleinen Wohnung in der Schweiz hier ein halbes Schloss kaufen könnten.
Am Hafen gönnten wir uns einen Apéro. Cornelia bestellte einen Mimosa, der ungefähr 15 Euro kostete. Ich blieb beim Rosé und war damit ebenfalls sehr zufrieden.
Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Bäckerei. Die erste war praktisch ausverkauft, die Auslagen wirkten sehr leer. Bei der zweiten hatten wir mehr Glück und kauften zwei Sandwiches fürs Abendessen. Anschliessend erledigten wir noch einen kleinen Einkauf im Carrefour, bevor wir zum Wohnmobil zurückkehrten.
Dort genossen wir unsere Sandwiches, schauten etwas YouTube und liessen den Tag gemütlich ausklingen. Draussen führte das Wetter seine tägliche One-Man-Show weiter auf: Sonne, Regen, Wind, Sonne, Regen – alles im schnellen Wechsel. Der Wind blieb dabei der einzige verlässliche Begleiter.
Und auch wenn das Wetter offensichtlich nicht wusste, was es wollte – wir wussten es: Noch einen Tag hier zu bleiben, war die richtige Entscheidung.
5. Juni 2026
Heute verabschiedeten wir uns von Honfleur. Kurz überlegten wir noch, ob wir ein letztes Mal durch das hübsche Städtchen schlendern sollten, entschieden uns dann aber für die deutlich entspanntere Variante: gemütlich Kaffee trinken, frühstücken und den Tag ganz ohne Hektik beginnen.
Danach machten wir uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die kommende Nacht. Per Zufall entdeckten wir einen Gratisstellplatz direkt beim Haus und den Gärten von Monet. Da meine Mutter Monets Bilder geliebt hat – besonders die berühmten Seerosen – war das sofort ein perfektes Ziel für den Nachmittag.
Die Fahrt führte uns heute bewusst über Landstrassen. Wir wollten uns die Maut sparen und Frankreich einmal abseits der Autobahnen erleben. Unser Garmin meinte allerdings: „Ich kenne da ein paar ganz besondere Strassen.“ Meistens waren diese tatsächlich gut ausgebaut, teilweise sogar richtige Schnellstrassen mit zwei Spuren. Zwischendurch schickte uns das Navi jedoch auch durch Dörfer, in denen man bei jeder Kurve hoffte, dass gerade kein Traktor oder Gegenverkehr auftaucht.
Trotzdem kamen wir problemlos in Giverny an und reihten uns zu den anderen Wohnmobilen. Nach nur einem Umparkmanöver hatten wir einen ausgezeichneten Platz ergattert – direkt vorne in einer Reihe mit Blick Richtung Dorf.
Das Wetter zeigte sich etwas launisch und leicht regnerisch. Also machten wir zunächst das, was vernünftige Wohnmobilreisende tun: Wir kochten Gnocchi. Die tiefgekühlten Exemplare fuhren nämlich schon seit geraumer Zeit mit uns durch Frankreich und hatten sich ihren grossen Auftritt redlich verdient. Danach telefonierten wir noch mit Nina und Mario.
Natürlich durfte auch ein kurzer Powernap nicht fehlen. Schliesslich wollte man für Monet ausgeruht sein.
Am Nachmittag machten wir uns zu Fuss auf den Weg ins Zentrum. Anfangs verliefen wir uns leicht, fanden aber schnell die einfachste Lösung: den Menschenmassen hinterherlaufen. Das funktionierte erstaunlich gut. Bald standen wir vor dem Eingang zu Monets Anwesen und reihten uns in die Schlange ein. Nach etwa fünfzehn Minuten hielten wir unsere Tickets in den Händen.
Zuerst erkundeten wir die Gärten. Vor dem Haus hatte sich bereits eine lange Warteschlange gebildet. Kleiner Spoiler: Als wir später zurückkamen, war sie ungefähr doppelt so lang.
Die Irisbeete waren zwar schon verblüht, dafür standen unzählige andere Blumen in voller Pracht in diesen Beeten neben den Irisen. Besonders Cornelia war vom riesigen roten Mohn begeistert. Gemütlich spazierten wir durch die Anlagen und machten uns anschliessend auf den Weg zum berühmten Teich.
Unterwegs kamen wir an einem kleinen Bachlauf vorbei. Dort gab es eine Insel mit Bambus und wenig später sogar eine Schwanenfamilie mit zwei Jungen, die direkt bei einer Brücke gemütlich am Fressen war.
Dann lag er endlich vor uns: der berühmte Seerosenteich. Es war wirklich etwas Besonderes, diesen Ort einmal mit eigenen Augen zu sehen.
Also ich könnte hier problemlos auch Seerosen malen. Gar kein Problem.
Der Teich war gross, wunderschön angelegt und von üppiger Vegetation umgeben. Die berühmten grünen Brücken, die Monet so oft gemalt hat, spannten sich über das Wasser, und man konnte sogar darüber spazieren. Wir umrundeten den Teich bestimmt fast zweimal und hätten hier problemlos den ganzen Nachmittag verbringen können – vorausgesetzt, man hätte die übrigen Besucher kurz ausgeblendet.
Eine Weile sassen wir auch einfach auf einer Bank, schauten auf das Wasser und dachten daran, wie gerne meine Mutter wohl einmal hier gesessen hätte.
Irgendwann hiess es Abschied nehmen vom Teich und zurück zur Schlange vor dem Haus. Diese war inzwischen tatsächlich etwa doppelt so lang wie zuvor. Also hiess es: Geduld haben. Wir rechneten mit ungefähr dreissig Minuten Wartezeit und waren entsprechend überrascht, als wir bereits nach fünfzehn Minuten im Haus standen.
Der erste Raum beeindruckte uns sofort mit einer grossen Sammlung von Bildern. Danach folgten mehrere weitere Räume, die wir uns natürlich ebenfalls anschauten. Sagen wir es so: Wir haben sie gesehen.
Besonders schön fanden wir am Ende das Esszimmer mit seinem grossen Tisch und den kräftigen Gelbtönen. Direkt daneben lag die Küche mit ihren leuchtend blauen Fliesen. Diese beiden Räume waren wirklich grossartig.
Anschliessend schlenderten wir noch einmal durch den Garten und verbrachten überraschend viel Zeit im Shop. Ich kaufte mir ein Bild – vermutlich nicht das Original, aber man weiss ja nie – sowie noch ein kleines Geschenk.
Danach spazierten wir quer durchs Dorf bis zur Kirche. Wir umrundeten sie einmal und besuchten auch das Familiengrab der Monets. Ehrlich gesagt war beides eher unspektakulär. Die Kirche wirkte ziemlich düster, und auch das Grab löste keine grossen Begeisterungsstürme aus.
Also machten wir uns wieder auf den Rückweg durch die Dorfmitte und schliesslich zurück zum Wohnmobil.
Dort sassen wir noch eine Weile draussen. Allerdings gab es gefühlt mehrere Millionen Rapskäfer, die uns unbedingt näher kennenlernen wollten. Deshalb verlegten wir den Abend bald nach drinnen. Zum Znacht gab es Brot, Fleisch und Käse, bevor wir den Tag ganz gemütlich mit ein paar YouTube-Videos ausklingen liessen.
6. Juni 2026
Heute ging es für uns weiter nach Paris, dem letzten grossen Ziel dieses Reiseabschnitts. Den Morgen liessen wir in Giverny noch gemütlich angehen. Gegen halb neun trafen die ersten Touristenbusse ein und der Parkplatz füllte sich erstaunlich schnell. Währenddessen rief Cornelia auf dem Campingplatz in Paris an und fragte nach, ob wir vielleicht schon vor 14 Uhr einchecken könnten. Beim ersten Anruf hiess es noch, wir sollten später nochmals anrufen, da man gerade erst überprüfe, welche Plätze frei seien. Eine halbe Stunde später kam dann die erfreuliche Nachricht: Es hatte freie Plätze und wir durften früher anreisen.
Also machten wir das Wohnmobil abfahrbereit und nahmen Kurs auf Paris. Unterwegs stand noch ein wichtiger Punkt auf unserer Liste: Gas tanken. In Époné fanden wir eine passende Tankstelle nahe der Autobahn. Dort herrschte allerdings ein kleines Durcheinander. Es hatte viele Autos, wenig Platz und jeder schien gleichzeitig irgendwo hinzuwollen. Mit etwas Geduld und ein wenig Warten klappte aber alles problemlos. Danach ging es endgültig Richtung Paris.
Je näher wir der Hauptstadt kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Entsprechend gross war unser Respekt vor der Anfahrt zum Campingplatz. Rückblickend war dieser völlig unbegründet. Wir verliessen die Autobahn, fuhren noch etwa vier Kilometer gemütlich der Seine entlang und standen schon auf dem Campingplatz. Nach dem Einchecken bekamen wir einen schönen Platz an einem Seitenarm der Seine. Kaum hatten wir uns eingerichtet, machten wir uns bereit, Paris zu erkunden.
Da wir Tickets für den Louvre hatten, ging es zunächst zu Fuss zur Bushaltestelle, anschliessend mit dem Bus zur Metro und von dort weiter Richtung Louvre. An der Metrostation hatten wir etwas Mühe, den richtigen Eingang und die passende Linie zu finden. Mit ein wenig Nachfragen klappte aber auch das. Beim Louvre angekommen wollten wir zuerst eine Kleinigkeit essen. Zwar hatte es dort einen McDonald's, aber schon beim Anblick der Menschenmassen verging mir der Appetit. Überhaupt fühlten wir uns in diesem riesigen Einkaufszentrum unter dem Louvre zuerst etwas erschlagen. So viele Menschen hatten wir seit Tagen nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Also flüchteten wir wieder an die frische Luft, kauften uns zwei Sandwiches und genossen diese entspannt auf einer Bank bei einem Brunnen.
Danach ging es zurück zum Louvre. Zuerst wurde kurz das Ticket kontrolliert, dann mussten wir durch eine Sicherheitskontrolle. Wir dachten bereits, nun seien wir im Museum. Waren wir aber noch nicht. Hinter der Kontrolle befanden sich erst einmal zahlreiche Geschäfte, Restaurants und weitere Gänge. Irgendwann fanden wir dann doch den richtigen Eingang. Kurz überlegten wir noch, einen Audioguide zu mieten. Acht Euro zusätzlich schienen uns aber etwas viel und wir verzichteten darauf. Im Nachhinein war das eine ausgezeichnete Entscheidung. Der Louvre ist derart riesig, dass man mit Audioguide vermutlich mehrere Tage darin verbringen könnte.
Wir schlenderten durch unzählige Säle und Galerien. Besonders beeindruckt waren wir von den Räumen selbst. Die gewaltigen Dimensionen, die prächtigen Decken und die aufwendigen Verzierungen waren oft noch eindrucksvoller als die Kunstwerke. Die Bilder waren natürlich schön, aber nicht unbedingt unser bevorzugter Stil. Natürlich schauten wir uns auch die Mona Lisa an. Nun ja, wir haben sie gesehen. Danach folgten weitere Räume voller Gemälde, Skulpturen und Kunstwerke aller Art. Mal ging es eine Treppe hinauf, dann wieder hinunter. Irgendwann verlor man jedes Gefühl dafür, wo man sich eigentlich befand. Wir hielten auch Ausschau nach Bildern von Monet und fanden tatsächlich ganze zwei Stück. Nach dem Besuch seiner Gärten am Vortag hätten wir ehrlich gesagt etwas mehr erwartet.
Besonders beeindruckend waren die Napoleon-Appartements. Es war erstaunlich, welcher Luxus und welcher Prunk damals bereits existierten. Gold, Kronleuchter und prachtvolle Säle soweit das Auge reichte. Anschliessend besuchten wir noch die grosse Skulpturensammlung im Innenhof und machten uns auf die Suche nach einem Raum mit einer berühmten blauen Decke. Nach längerem Herumirren fanden wir diesen tatsächlich – irgendwo und irgendwann.
Nach knapp drei Stunden hatten wir genug Kunst für einen Tag gesammelt und verliessen den Louvre wieder. Im Jardin des Tuileries gönnten wir uns zur Belohnung zwei kleine Biere und spazierten anschliessend gemütlich durch den Park. Am Ende wollten wir die Seine überqueren, doch der Ausgang, den wir benutzen wollten, war geschlossen. Also mussten wir wieder ein Stück zurücklaufen und eine andere Brücke nehmen. Paris machte uns bereits am ersten Tag klar, dass hier die Stadt bestimmt, wer wohin läuft.
Danach ging es weiter Richtung Eiffelturm. Bereits auf der Autobahn und aus der Ferne hatten wir ihn gesehen. Ehrlich gesagt wirkte er dort eher klein und unscheinbar. Als wir dann direkt davorstanden, hatte er offenbar beschlossen, spontan zu wachsen. Plötzlich war er riesig. Wirklich beeindruckend und natürlich einige Fotos wert.
Wir umrundeten den Turm fast vollständig und suchten entlang der Seine nach einem Restaurant. Da uns aber nichts wirklich überzeugte, gingen wir weiter zum Trocadéro. Von dort bot sich ein herrlicher Blick auf den Eiffelturm. Genau dort beschlossen wir auch, unser Abendessen einzunehmen. Bei einem Händler kauften wir eine Flasche Rosé. Der Startpreis lag bei 20 Euro. Nach kurzer Verhandlung wechselte die Flasche für 10 Euro den Besitzer. So sassen wir auf den Treppen des Trocadéro, assen Sandwiches, tranken Rosé und bestaunten den Eiffelturm.
Langweilig wurde es dabei keine Sekunde. Überall liefen Händler herum und verkauften kleine Eiffeltürme. Zwischendurch gab es Diskussionen, hektische Gespräche und mindestens einen Verkäufer, der recht schnell verschwand, nachdem jemand die Polizei erwähnte. Es gab also immer etwas zu beobachten.
Später fuhren wir mit dem Bus zurück zum Campingplatz. In Porte d’Auteuil mussten wir umsteigen. Dort war offenbar gerade irgendeine Sportveranstaltung im Gange. Man hörte laute Zuschauer und viel Jubel. PSG war es vermutlich nicht, obwohl das Stadion nicht weit entfernt lag. Zurück auf dem Campingplatz sassen wir noch eine Weile draussen und liessen die Eindrücke des Tages auf uns wirken. Danach fielen wir müde, glücklich und leicht erschlagen von Kunst, Menschenmassen und Grossstadttrubel ins Bett.
Und ganz nebenbei war heute auch noch unser Hochzeitstag. Kein schlechter Ort, um diesen zu verbringen.
7. Juni 2026
Für heute Mittag hatten wir Tickets für das Schloss Versailles und dessen berühmte Gärten. Entsprechend liessen wir den Morgen gemütlich angehen. Den Kaffee genossen wir draussen vor dem Wohnmobil, das Frühstück wegen der etwas frischen Temperaturen lieber drinnen. Cornelia holte noch frisches Brot im Campingladen und anschliessend verbrachten wir noch einige Zeit draussen. Ich nutzte die Gelegenheit, um Tagebuch zu schreiben, während die Sonne langsam für angenehmere Temperaturen sorgte.
Irgendwann hiess es dann aber doch: auf nach Versailles. Wie jeden Morgen stand zunächst die wichtigste Frage des Tages im Raum: Welche Jacke zieht man an? Aktuell war es noch frisch, für den Nachmittag war besseres Wetter angekündigt, aber Wetterberichte und Realität sind bekanntlich nicht immer die besten Freunde. Also entschieden wir uns für die etwas wärmeren Jacken. Zur Sicherheit hatten wir den kleinen Coop-Rucksack dabei, damit überflüssige Kleidungsstücke notfalls verstaut werden konnten.
Heute führte unser Weg einmal in eine andere Richtung. Mit dem Bus ging es über die Seine zu einer Bahnstation. Dort mussten wir allerdings feststellen, dass unser geplanter Zug gerade vor unserer Nase abgefahren war. Also verbrachten wir die nächste Zeit damit, einem leeren Gleis beim Existieren zuzuschauen. Schliesslich nahmen wir einen anderen Zug, der uns ebenfalls nach Versailles brachte. Die Fahrt war überraschend angenehm. Der Zug war modern, bunt gestaltet und verfügte sogar über farbige Beleuchtung.
In Versailles angekommen, mussten wir noch etwa 25 Minuten bis zum Schloss laufen. Im Zentrum fand gerade Markt statt. Diesen wollten wir zunächst auslassen, da unser Termin beim Schloss angeblich bald bevorstand. Als ich unterwegs nochmals die Tickets kontrollierte, stellte ich jedoch fest, dass ich mich um exakt eine Stunde vertan hatte. Der Einlass war nicht um 12.30 Uhr, sondern erst um 13.30 Uhr.
Also machten wir das, was vernünftige Touristen in so einer Situation tun: Wir drehten um und gingen doch noch auf den Markt.
Kaufen konnten wir zwar nichts, da wir die Sachen den ganzen Tag hätten herumschleppen müssen, aber anschauen durfte man ja. Der Markt war riesig und rundherum gab es zusätzlich noch Markthallen, die ebenfalls voller Menschen waren. Nach dem Rundgang kauften wir in einer Bäckerei zwei Poulet-Curry-Sandwiches und assen diese direkt vor dem Geschäft an einem kleinen Tisch.
Im Nachhinein wäre ein Sandwich für uns beide völlig ausreichend gewesen. Aber offenbar gehört es zu unseren Ferienritualen, regelmässig festzustellen, dass wir zu viel Essen kaufen.
Danach ging es nun wirklich zum Schloss. Wir reihten uns brav hinten in die Warteschlange ein und waren erstaunt, wie schnell diese vorwärtskam. Als unser Ticket kontrolliert wurde, erklärte man uns allerdings freundlich, dass wir in der falschen Schlange standen. Diese sei für Besucher mit Einlass um 13 Uhr.
Was lernen wir daraus? In Versailles kommt man offenbar besser etwas zu spät als zu früh. Wir waren rund 15 Minuten vor unserer Zeit da und mussten dafür besonders lange warten. Die pünktlichen Besucher hatten gefühlt die längste Wartezeit überhaupt.
Als unsere 13.30-Uhr-Gruppe schliesslich eingelassen wurde, ging alles sehr schnell und kurz darauf standen wir tatsächlich im Schloss.
Wie üblich liefen wir einfach der Menschenmasse hinterher und schauten uns Raum um Raum an. Besonders beeindruckt waren wir von den prachtvollen Decken mit ihren riesigen Gemälden. Was mir allerdings etwas fehlte, waren eingerichtete Räume. Abgesehen von zwei Schlafzimmern waren die meisten Räume leer und hauptsächlich mit Bildern oder Skulpturen ausgestattet.
Natürlich war alles sehr beeindruckend, aber man hätte sich manchmal gewünscht, etwas besser zu sehen, wie die Menschen damals tatsächlich gelebt haben.
Besonders gefallen hat uns der berühmte Spiegelsaal mit seiner riesigen Länge, den Verzierungen und den prachtvollen Decken. Hier konnte man sich durchaus vorstellen, wie damals Könige und Adelige stolz durch die Hallen geschritten sind.
Anschliessend ging es hinaus in die Gärten. Auch dort musste man nochmals das Ticket zeigen. Zunächst erreichten wir einen schön angelegten Garten mit Wasserbecken, Springbrunnen und gepflegten Rasenflächen. Von dort blickten wir auf einen weiteren Garten mit Blumenbeeten und Brunnenanlagen.
Mein erster Gedanke war: „Sehr schön, aber irgendwie habe ich mir das grösser vorgestellt.“
Wenig später bemerkte ich, dass wir uns gar nicht auf der Hauptseite des Schlosses befanden.
Das war also lediglich die Aufwärmrunde.
Als wir anschliessend auf die eigentliche Schlossseite gelangten, wurde klar, warum Versailles einen solchen Ruf besitzt. Vor uns erstreckte sich eine gewaltige Gartenanlage mit mehreren Ebenen, grossen Brunnen, kunstvollen Verzierungen und unzähligen goldenen Figuren. Links und rechts lagen riesige Waldstücke mit Wegen, versteckten Plätzen und weiteren Brunnenanlagen.
Man konnte problemlos mehrere Tage damit verbringen, alles anzuschauen.
In einem der Waldstücke kauften wir etwas zu trinken und spazierten weiter bis zu einem riesigen Wasserbecken. Dort stand eine monumentale Skulpturengruppe mit Pferden und Wagen, die aussah, als würde gleich ein Wagenrennen aus einem Gladiatorenfilm starten.
Ich umrundete den ganzen Teich, während Cornelia klugerweise im Schatten auf einer Bank wartete.
Hinter dem Wasserbecken begann ein weiterer Bereich mit einem riesigen künstlichen See. Dort konnte man sogar Boote mieten. Der See war ungefähr zwei Kilometer lang und soll zusätzlich noch seitliche Arme besitzen, die ähnlich gross sind. Zumindest haben wir das so verstanden, als wir unauffällig einer Reisegruppe mit Guide lauschten.
Diesen Bereich sowie weitere Aussenanlagen liessen wir aus. Selbst nach dem grossen See wäre der Park noch lange nicht zu Ende gewesen. Dahinter folgten weitere Wiesen und nochmals grosse Waldflächen.
Irgendwann beschlossen wir deshalb, den Rückweg anzutreten.
Oben angekommen schauten wir uns noch die rechte Seite des Schlosses an. Dort fuhr eine kleine Bimmelbahn zu den entfernteren Bereichen. Wirklich spektakulär war dieser Teil aber nicht mehr.
Vor dem Schloss blieb ich nochmals stehen und stellte fest, dass man von der Terrasse aus eigentlich nur den ersten Teil der Gärten sieht. Der Rest verschwindet komplett hinter dem Horizont. Wenn der König dort sass, musste er wohl regelmässig aus dem Fenster im oberen Stockwerk schauen, um überhaupt zu sehen, was er alles besass.
Anschliessend ging es zurück zum Bahnhof von Versailles. Die morgendliche Zugfahrt hatte noch etwas von Wellness gehabt. Die Rückfahrt war das genaue Gegenteil. Der Zug war hoffnungslos überfüllt und entsprechend warm. Wir standen dicht gedrängt mit gefühlt halb Paris im Wagen.
Irgendwann erreichten wir aber unser nächstes Ziel: Notre-Dame.
Von aussen war ich zunächst etwas überrascht. Irgendwie hatte ich mir die Kirche grösser vorgestellt. Nach einem kurzen Blick auf Google stellten wir fest, dass der Eintritt kostenlos war. Also reihten wir uns in die Warteschlange ein undwir kamen wir recht schnell hinein.
Drinnen war dann jede Skepsis verschwunden.
Die Kirche wirkte plötzlich riesig. Gleichzeitig begann gerade ein Gottesdienst und Musik erfüllte den Raum. Das sorgte für eine wunderschöne Atmosphäre. Besonders beeindruckten uns die grossartigen Glasfenster. Wir zündeten eine Kerze an und schlenderten anschliessend durch die Seitenschiffe. Für mich war dies bisher eine der schönsten Kirchen der Reise. Sie wirkte nicht überladen, sondern eher schlicht und elegant, mit wunderbaren Fenstern und den schönen Galerien oberhalb der Seitenschiffe.
Nach unserem Rundgang verliessen wir die Kirche wieder. Direkt daneben entdeckten wir ein Restaurant und gönnten uns einen Drink sowie zwei Crêpes. Diese mussten wir allerdings zweimal bestellen, weil unsere erste Bestellung offenbar irgendwo zwischen Küche und Universum verloren gegangen war.
Danach wollten wir noch eine weitere Kirche besichtigen. Allerdings liefen wir gefühlt einmal um den gesamten Häuserblock herum und fanden den Eingang einfach nicht. Nach ungefähr einem Kilometer Suchaktion beschlossen wir, die Kirche auf einen anderen Tag zu verschieben.
Anschliessend spazierten wir an einem grossen Turm vorbei durch einen kleinen Park zur Metrostation. Dort wurde es nochmals spannend. Die Metro war voll und wir etwas spät dran. Cornelia schaffte es noch hinein, ich gerade so ebenfalls. Die Türen schlossen sich allerdings automatisch und sehr entschlossen. Es war wirklich knapp.
Wir beschlossen danach einstimmig, solche Experimente künftig zu vermeiden.
Über Porte Maillot und den Bus ging es zurück zum Campingplatz. Dort kauften wir im Laden noch Getränke und genossen den warmen Abend vor dem Wohnmobil.
Zum Abendessen gab es für mich Chips, während Cornelia die Reste ihres Curry-Sandwiches vom Mittag ass. Danach schrieb ich noch Tagebuch und liess den Tag Revue passieren.
Ein Tag voller Könige, Gärten, Kirchen, Menschenmassen und der wichtigen Erkenntnis, dass Versailles grösser ist, als man sich das vorstellen kann – und Metro-Türen schneller sind, als man denkt.
8. Juni 2026
Heute liessen wir es am Morgen erst einmal gemütlich angehen. Als Erstes stand duschen auf dem Programm. Wenn man schon einmal auf einem Campingplatz mit ordentlichen Sanitäranlagen steht, sollte man diese schliesslich auch nutzen. Cornelia ging zuerst, ich etwas später. Danach folgte das übliche Ferienritual mit Kaffee und Frühstück. Anschliessend schrieb ich draussen noch Tagebuch, während Cornelia mit ihrer Mutter telefonierte.
Irgendwann hiess es dann wieder: ab in die Stadt. Mit dem Bus ging es zunächst nach Porte Maillot und von dort mit der Metro weiter zum Arc de Triomphe. Zuerst betrachteten wir ihn noch von der anderen Strassenseite. Dabei entdeckten wir auch einen Roland-Garros-Shop. Natürlich mussten wir kurz hineinschauen. Vielleicht fand sich ja noch ein Geschenk oder Souvenir. Die Preise erinnerten uns allerdings daran, dass das Turnier zwar vorbei war, die Turnierpreise aber offenbar noch nicht. Also schauten wir nur kurz und gingen wieder.
Danach nahmen wir die Unterführung und standen direkt vor dem Arc de Triomphe. Erst aus der Nähe merkt man, wie gewaltig dieses Bauwerk tatsächlich ist. Die Verzierungen, Inschriften und riesigen Steinfiguren beeindruckten uns sehr. In der Mitte befindet sich auch das Grab des unbekannten Soldaten mit der ewigen Flamme. Wir umrundeten den Triumphbogen einmal komplett und bestaunten ihn aus allen Blickwinkeln, bevor wir weiterzogen.
Das nächste Ziel war Sacré-Cœur. Schon der Weg nach oben war ein Erlebnis. Links und rechts reihten sich Souvenirgeschäfte aneinander. Taschen, Schlüsselanhänger, Magnete, T-Shirts, Mini-Eiffeltürme und alles, was ein Tourist eigentlich nicht braucht, aber plötzlich unbedingt haben möchte. Die Preise waren hier sogar deutlich angenehmer als im Zentrum. Dann begann der Aufstieg. Zahlreiche Treppenstufen führten nach oben. Natürlich hielten wir unterwegs immer wieder an. Ausschliesslich zum Fotografieren versteht sich. Ganz sicher nicht zum Verschnaufen.
Oben angekommen bot sich eine herrliche Aussicht über Paris. Vor der Basilika hatte sich allerdings eine lange Warteschlange gebildet. Wir beobachteten sie eine Weile und kamen zum Schluss, dass sie sich ungefähr gleich schnell bewegte wie ein Gletscher. Also entschieden wir uns gegen die Besichtigung und stattdessen für einen Spaziergang durch Montmartre.
Diese Entscheidung gefiel uns ausgesprochen gut. Montmartre hatte eine wunderbare Atmosphäre. Überall kleine Restaurants, Künstlerateliers, Galerien und Souvenirläden. Auf einem Platz sassen zahlreiche Künstler und malten Portraits oder arbeiteten direkt vor Ort an ihren Bildern. Die Stimmung war entspannt und lebendig zugleich. Weil es uns so gut gefiel, beschlossen wir auch gleich dort zu essen. Cornelia bestellte ein Pfeffersteak, ich ein Rumpsteak, dazu zwei Bier. Die Rechnung betrug am Ende stolze 85 Euro. In diesem Moment wurde uns bewusst, dass die Schweiz vielleicht doch nicht immer das teuerste Land Europas ist. Das Essen war allerdings gut und wir genossen die Pause mitten in diesem lebhaften Quartier.
Danach spazierten wir noch zu einem Aussichtspunkt, von dem man den Eiffelturm sehen sollte. Zwischen Bäumen und Häusern entdeckten wir ihn tatsächlich irgendwo am Horizont. Im Winter dürfte dieser Aussichtspunkt vermutlich deutlich spektakulärer sein. Anschliessend ging es weiter hinunter zur Metrostation und von dort zum Hôtel des Invalides.
Dort angekommen wussten wir zunächst gar nicht so genau, was es hier eigentlich alles zu sehen gibt. Das Gebäude selbst beeindruckte uns jedoch sofort. Also zückten wir Google und informierten uns kurz. Anschliessend fragten wir beim Sicherheitspersonal nach, ob man Tickets kaufen könne. Das ging problemlos. Leider gab es das Ticket nur in Kombination mit dem Militärmuseum und dem Grab Napoleons. Das Militärmuseum interessierte uns ungefähr so sehr wie die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine, aber wenn man schon einmal da ist, nimmt man halt das Gesamtpaket.
Zunächst gelangten wir in die oberen Stockwerke und konnten rund um den Innenhof spazieren. Das gefiel uns erstaunlich gut. Ehrlich gesagt interessierten wir uns zeitweise sogar mehr für die Bauarbeiten im Innenhof als für manche Ausstellung. Als wir das Gebäude wieder verlassen wollten, fanden wir statt des Ausgangs lediglich die Toiletten. Also gingen wir wieder hinauf. Wenigstens hatten die Toiletten trotzdem ihren Zweck erfüllt.
Danach machten wir doch noch einen kurzen Rundgang durchs Militärmuseum. Wir sahen einige alte Waffen, Kanonen und andere militärische Gegenstände. Nach ungefähr zwei Räumen waren wir mit unserer militärhistorischen Weiterbildung aber zufrieden und machten uns auf den Weg zum eigentlichen Highlight: dem Grab Napoleons.
Hier mussten wir nochmals das Ticket vorzeigen und gelangten anschliessend in die gewaltige Kuppelhalle. In der Mitte befand sich eine grosse Vertiefung mit dem berühmten roten Marmorsarkophag Napoleons. Rundherum standen weitere Sarkophage, Figuren und monumentale Verzierungen. Man konnte auch hinunter in die Krypta gelangen und den Sarkophag aus nächster Nähe betrachten. Die Wände waren mit Reliefs geschmückt und rund um die Grabstätte standen zahlreiche Figuren. Egal wie man zu Napoleon steht – sein Grabmal ist wirklich beeindruckend.
Danach suchten wir nochmals die Kathedrale, die laut Ticketshop kostenlos zugänglich sein sollte. Beim zweiten Versuch fanden wir den Eingang tatsächlich. Die Kirche selbst konnte uns allerdings nicht besonders begeistern. Zusätzlich gab es ein hochfrequentes Geräusch, das klang wie ein besonders aggressiver Marderschreck. Wir hielten es deshalb nicht lange aus und verliessen die Kirche recht schnell wieder.
Nun ging es mit dem Bus zurück Richtung Seine. Eigentlich wollten wir nur einmal schauen, wie die Bootsfahrten auf der Seine organisiert sind. Als wir bei der Anlegestelle ankamen, gingen gerade die ersten Passagiere an Bord. Perfektes Timing. Spontan beschlossen wir deshalb, ebenfalls mitzufahren. Also Tickets kaufen, aufs Boot steigen und einen Platz auf dem Oberdeck sichern.
Etwa zehn Minuten später legten wir ab. Die Fahrt führte die Seine hinunter bis hinter die Île Saint-Louis und anschliessend wieder zurück Richtung Eiffelturm. Es war sehr angenehm, Paris einmal vom Wasser aus zu betrachten. Viele Sehenswürdigkeiten hatten wir zwar bereits vom Land aus gesehen, trotzdem war die Perspektive eine ganz andere. Besonders schön war der Blick auf Notre-Dame. Auch der Eiffelturm wirkte vom Fluss aus nochmals beeindruckend. Die ganz grossen Fotomotive entstehen unserer Meinung nach zwar eher vom Land aus, aber die gemütliche Atmosphäre auf dem Wasser machte die Fahrt absolut lohnenswert.
Währenddessen wurde das Wetter allerdings immer grauer. Dunkle Wolken zogen auf und kündigten bereits den Abend an. Nach der Schifffahrt spazierten wir zur Metrostation. Für heute hatten wir genug Paris gesammelt. Schliesslich stand morgen noch ein weiterer Tag in der Hauptstadt bevor.
Nach der Metro mussten wir erneut auf den Bus umsteigen. Inzwischen hatte der Regen eingesetzt. Wir vertrieben uns die Wartezeit in einem kleinen Supermarkt nahe der Haltestelle, kauften aber erstaunlicherweise nichts. Als der Bus endlich kam, dauerte die Freude nur wenige Stationen. Plötzlich mussten alle Fahrgäste aussteigen und in einen anderen Bus wechseln. Weshalb, wusste offenbar niemand. Immerhin erschien der Ersatzbus praktisch sofort.
So erreichten wir schliesslich den Campingplatz. Dort schauten wir kurz im Restaurant vorbei, entschieden uns aber für die deutlich günstigere Variante. Also kauften wir ein frisches Baguette und einige Kleinigkeiten im Laden und assen gemütlich im Wohnmobil. Zum Dessert gönnte ich mir noch zwei Pastéis de Nata, die wir tagsüber in Paris gekauft hatten. Danach telefonierten wir noch mit Luca. Anschliessend schrieb ich Tagebuch, während Cornelia auf dem Handy Netflix schaute.
So endete ein weiterer Tag in Paris – mit Triumphbögen, Künstlern, Napoleon und einer spontanen Schifffahrt.
9. Juni 2026
Heute stand bereits unser vierter und letzter voller Tag in Paris auf dem Programm. Am Morgen zeigte sich das Wetter von seiner freundlichen Seite. Die Sonne schien, allerdings war es noch ziemlich kühl. Nach Kaffee und Frühstück machten wir uns deshalb gut eingepackt auf den Weg zur Bushaltestelle.
Heute nahmen wir nochmals eine andere Buslinie. Also ging es wie gewohnt durch das kleine Wäldchen, diesmal jedoch zu einer Haltestelle an einer anderen Strasse bei der grossen Kreuzung. Von dort fuhren wir Richtung Parc d’Auteuil. Unser erstes Ziel war das Fussballstadion von Paris Saint-Germain.
Nun ja.
Wie soll man es freundlich formulieren?
Von aussen erinnerte das Stadion eher an einen etwas in die Jahre gekommenen Betonbunker als an die Heimat eines europäischen Spitzenclubs. Wir fotografierten einen der Eingänge und schauten uns kurz um. Man hätte auch ein Museum besuchen oder vermutlich das Stadion von innen besichtigen können. Da ich aber kein PSG-Fan bin, fehlte mir die Motivation, dem Verein auch noch Geld zu überweisen. Also zogen wir weiter.
Unser nächstes Ziel war das Pantheon. Google überraschte uns heute und schickte uns nicht mit der Metro, sondern mit dem Bus quer durch die Stadt. Die Fahrt dauerte fast vierzig Minuten, war aber ausgesprochen interessant. Man sieht eine Stadt doch ganz anders vom Bus aus als aus einer Metro, die hauptsächlich Tunnelwände präsentiert.
In der Nähe des Louvre stiegen wir aus, überquerten die Seine und nahmen einen weiteren Bus, der uns direkt zum Pantheon brachte. Das Gebäude beeindruckte sofort mit seinen gewaltigen Säulen und seiner monumentalen Erscheinung. Wir verzichteten allerdings auf eine Besichtigung und warfen stattdessen einen Blick in eine Kirche, die uns gleich daneben aufgefallen war. Leider begann dort gerade eine Messe, weshalb wir nach einem kurzen Blick die Kirche wieder verliessen.
Danach machten wir uns auf den Weg zu einem Ort, den vermutlich viele Menschen sofort erkennen würden, ich allerdings nicht: dem Wohnhaus von Emily in Paris.
Hier zeigte sich einmal mehr, wie unterschiedlich Interessen sein können. Cornelia fand die Serie grossartig und freute sich entsprechend auf den Besuch. Ich hingegen stand vor einer recht gewöhnlichen Holztür und dachte: „Das ist also die berühmte Wohnung?“
Immerhin war der kleine Platz davor wirklich hübsch. Der Blumenladen existierte tatsächlich und auch Gabriels Restaurant gab es in echt. Dort war allerdings alles abgesperrt. Ob Dreharbeiten vorbereitet wurden oder einfach nur renoviert wurde, konnten wir nicht herausfinden.
Danach führte uns der Weg zu einem Restaurant, das Anita und Rolf während ihrer Aufenthalte in Paris regelmässig besucht hatten. Cornelia bestellte eine Zwiebelsuppe, ich entschied mich für Ente mit Kartoffeln und Salat. Das Essen war ausgezeichnet und die Empfehlung absolut gerechtfertigt.
Anschliessend schlenderten wir noch etwas durch das Quartier Latin. Diese Gasse hier gefiel uns besonders gut. Sie war voller kleiner Restaurants, Cafés und Geschäfte und hatte genau die Atmosphäre, die man sich von Paris vorstellt. Allerdings mussten wir feststellen, dass eigentlich genau diese eine Gasse unser Favorit war. Der Rest des Quartiers wirkte zwar nett, konnte uns aber nicht ganz so begeistern.
Danach ging es weiter zum Musée d’Orsay. Dort stellten wir uns in die Warteschlange und mussten erst einmal geduldig warten. Das erschien uns etwas seltsam, denn Besucher mit Online-Tickets durften praktisch sofort hinein, während wir die Warteschlange dekorativ verlängerten.
Irgendwann waren auch wir an der Reihe.
Die riesige Halle des ehemaligen Bahnhofs beeindruckte sofort. Zunächst führten uns die Ausstellungen durch zahlreiche Räume mit Gemälden und Kunstwerken, die stilistisch noch etwas an den Louvre erinnerten. Danach ging es hinauf in den fünften Stock. Glücklicherweise hatten die Franzosen dort Rolltreppen installiert, sonst wären wir vermutlich irgendwann auf halber Höhe liegen geblieben.
Oben wartete dann genau das, weshalb wir eigentlich gekommen waren: die Impressionisten.
Besonders die Bilder von Claude Monet gefielen uns sehr. Natürlich gab es auch zahlreiche Werke von Van Gogh, und entsprechend viele Besucher drängten sich vor seinen Bildern. Insgesamt bot das Museum eine beeindruckende Sammlung aus Gemälden, Skulpturen und Kunstwerken aller Art.
Nach rund zwei Stunden hatten wir allerdings genug Kunst für diesen Tag gesammelt. Schliesslich wollten wir nicht riskieren, am Abend plötzlich selbst impressionistische Landschaften zu malen.
Also verliessen wir das Museum, überquerten erneut die Seine und spazierten durch den Park bis zum Place de la Concorde. Von dort ging es die Champs-Élysées hinauf Richtung Arc de Triomphe.
Unterwegs machten wir Halt in einer Art Renault-Museum oder Showroom. Ganz genau wussten wir nicht, wie man es nennen sollte. Auf jeden Fall gab es dort Autos, Cocktails und Sitzgelegenheiten. Das reichte uns vollkommen. Wir genossen unsere Cocktails draussen auf der Champs-Élysées und danach, schauten wir uns einige ausgestellte Fahrzeuge an und warfen einen Blick in die Ausstellung.
Kurz darauf begann es leicht zu regnen, sodass wir kurz Schutz suchen mussten. Danach liefen wir weiter Richtung Arc de Triomphe und kauften unterwegs im Nike-Store noch ein Geschenk.
Am Triumphbogen angekommen, stellten wir fest, dass dort gerade eine Zeremonie stattfand. Der Verkehr wurde gestoppt, verschiedene Gruppen marschierten mit Fahnen über den Platz und rund um das Grab des unbekannten Soldaten standen mehrere Soldaten. Wir rätselten eine Weile, ob es sich um Schulklassen oder eine offizielle Veranstaltung handelte.
Besonders interessant war allerdings der Moment, als die Sperrung aufgehoben wurde.
Innerhalb weniger Sekunden erwachte der Verkehr wieder zum Leben. Autos setzten sich in Bewegung, Motorroller schossen durch jede noch so kleine Lücke und natürlich wurde auch wieder gehupt. Paris kehrte zurück zu seinem natürlichen Zustand.
Anschliessend nahmen wir die Metro zum Trocadéro. Dort herrschte ebenfalls ungewöhnlich viel Betrieb. Vor einem Theater standen zahlreiche Polizisten und Sicherheitskräfte. Immer wieder wurden Fussgänger angehalten, während schwarze Limousinen oder Vans vorfuhren.
Wir beobachteten das Geschehen eine ganze Weile.
Erkannt haben wir allerdings niemanden.
Fairerweise muss man sagen, dass wir wahrscheinlich ohnehin die meisten prominenten Persönlichkeiten Frankreichs nicht erkennen würden. Nach unserem Eindruck ging es den übrigen Zuschauern ähnlich. Es gab weder Fotografen noch kreischende Fans. Also vermutlich wichtige Leute – aber nicht so wichtig, dass man wusste, wer sie waren. Macron war jedenfalls nicht dabei.
Leider begann es nun wieder zu regnen. Wir kauften bei einem Imbissstand noch einen Crêpe und einen Hot Dog und verzogen uns damit unter einige Bäume etwas unterhalb des Platzes.
Während wir dort sassen, wurde uns langsam bewusst, dass dies wohl unser letzter Blick auf den Eiffelturm auf dieser Reise sein würde.
Schweren Herzens beschlossen wir deshalb: Au revoir, Paris.
Das Wetter wurde zunehmend schlechter, der Boden war bereits nass und wir hatten in den vergangenen Tagen unglaublich viel gesehen. Also machten wir uns auf den Heimweg.
Mit Bus und einem letzten Umstieg erreichten wir schliesslich den Campingplatz. Dort kauften wir noch einige Getränke ein und verbrachten den Abend gemütlich im Wohnmobil.
Wir schauten noch etwas YouTube und liessen die vergangenen Tage Revue passieren.
Vier Tage Paris lagen hinter uns – voller Kunst, Kirchen, Gärten, Monumente, Menschenmassen, Metrofahrten, überraschender Entdeckungen und natürlich dem Eiffelturm, unser absolutes Highlight, der mit jedem Besuch ein wenig grösser zu werden schien.
10. Juni 2026
Heute hiess es Abschied nehmen von Paris – mit gemischten Gefühlen. Einerseits hätten wir hier problemlos noch einige Tage verbringen können, denn es gäbe noch unzählige Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Andererseits freuten wir uns auch sehr darauf, unsere Kinder wiederzusehen und nach Hause zurückzukehren.
Den Morgen liessen wir deshalb gemütlich angehen. Für uns war von Anfang an klar, dass wir die Heimreise in zwei Etappen aufteilen würden. Natürlich hätte man die ganze Strecke auch an einem Tag schaffen können, aber stundenlanges Autobahnmarathonfahren gehört nicht gerade zu unseren Lieblingsbeschäftigungen.
Nachdem wir Kaffee getrunken und gefrühstückt hatten, begann die übliche Abfahrtsroutine. Cornelia war wie so oft deutlich früher wach gewesen, hatte bereits geduscht und war sogar noch im Campingladen frisches Brot holen gegangen. Danach wurde wieder alles verstaut, festgebunden und reisefertig gemacht. Noch schnell das Grauwasser entsorgen – und um etwa 10.30 Uhr verliessen wir den Campingplatz.
Zunächst führte uns die Strecke ein Stück entlang der Seine. Trotz des dichten Verkehrs kamen wir erstaunlich gut voran. Anschliessend ging es über den Fluss auf eine Schnellstrasse und danach auf die Autobahn. Zwar gab es bei den verschiedenen Autobahnwechseln immer wieder etwas stockenden Verkehr, aber wir fanden den richtigen Weg und schafften es ohne Umwege an Paris vorbei. Mit jedem Kilometer wurde der Verkehr angenehmer – oder anders gesagt: Je weiter wir von Paris wegkamen, desto mehr schien sich die französische Bevölkerung aufzulösen.
Gegen Mittag machten wir in Monéteau Halt bei einem Carrefour, um noch einige Einkäufe zu erledigen. Dabei landeten auch gleich das Mittagessen und ein paar Vorräte im Einkaufswagen. Cornelia entschied sich für einen Salat und einen Pouletschenkel, während ich eine Terrine genoss. Gegessen wurde selbstverständlich direkt im Wohnmobil.
Bei der Ausfahrt vom Einkaufszentrum wartete noch eine kleine Überraschung auf uns: eine Höhenbegrenzung. Glücklicherweise gab es links daneben die Einfahrt ohne Höhenbeschränkung, sodass unser Wohnmobil nicht spontan zum Cabrio umgebaut werden musste. Also ging es ohne Schäden zurück auf die Autobahn.
Während der Weiterfahrt hörten wir einige Podcasts. Allerdings sorgten mehrere heftige Regenschauer dafür, dass wir diese zeitweise pausieren mussten. Der Regen prasselte derart laut aufs Dach, dass man kaum noch ein Wort verstand. Zwischendurch fuhren mehrere Fahrzeuge mit Warnblinker, und einer schaltete ihn sogar erst direkt vor uns ein. Das löste bei uns kurz ein etwas mulmiges Gefühl aus. Hatte unser Fahrzeug ein Problem? War etwas kaputt? Zur Sicherheit hielten wir auf einem Parkplatz an und kontrollierten alles. Schlussendlich fanden wir nichts Auffälliges. Wahrscheinlich war die Gischt so stark, dass unsere Rücklichter schlecht sichtbar waren, oder der Fahrer wollte uns einfach darauf aufmerksam machen, dass langsamere Fahrzeuge bei solchen Bedingungen besser mit Warnblinker unterwegs sind. Wie auch immer – unser Wohnmobil war in Ordnung und wir konnten beruhigt weiterfahren.
Kurz vor dem Tagesziel verliessen wir die Autobahn noch einmal, um zu tanken. Danach ging es direkt weiter zum Stellplatz in Seurre. Dort standen zahlreiche grosse Bäume, und wir suchten uns bewusst einen Platz, der nicht direkt darunter lag. Wer schon einmal bei Regen unter einem Baum übernachtet hat, weiss warum: Die Tropfen hören lange nach dem eigentlichen Regen nicht auf und machen deutlich mehr Lärm als der Regen selbst.
Am Nachmittag telefonierte Cornelia noch mit ihrer Mutter, während ich Tagebuch schrieb. Danach schaute Cornelia etwas Netflix auf dem Handy.
Am Abend machten wir noch einen Spaziergang. Zuerst gingen wir zum Hafen und von dort aus Richtung Dorf. Mehrere Boote lagen gemütlich am Ufer, und eine breite Treppe führte direkt hinunter zum Wasser. Die Atmosphäre war ausgesprochen angenehm. Es gab sogar einen kleinen Stand mit Tischen und Stühlen, der dem Ganzen einen fast schon mediterranen Charme verlieh.
Wir spazierten weiter bis zur Kirche und anschliessend ins Dorfzentrum. Dort fanden wir eine hübsche Strasse mit verschiedenen Geschäften und Restaurants. Danach liefen wir zurück zum Hafen und folgten dem Weg noch bis zu einer Schleuse, die wir uns unbedingt anschauen wollten. Da weit und breit kein Schiff zu sehen war und alles sehr ruhig wirkte, blieb es bei einer kurzen Besichtigung.
Schliesslich kehrten wir zum Wohnmobil zurück, schauten noch etwas YouTube und liessen den Tag gemütlich ausklingen. Danach ging es ins Bett – wieder ein Stück näher an zu Hause.
11. Juni 2026
Heute war es also soweit: Zum zweiten Mal während unserer Auszeit stand die Heimreise auf dem Programm. Ein etwas spezieller Moment, denn die Reise war inzwischen zu einem ganz normalen Alltag geworden.
Der Tag begann gemütlich. Cornelia machte sich am Morgen noch auf den Weg zur Bäckerei und kam mit einem frischen Baguette sowie diversen süssen Brötchen zurück. Man kann schliesslich nicht einfach so Frankreich verlassen, ohne sich vorher noch einmal mit Backwaren einzudecken. Danach genossen wir unseren Kaffee und frühstückten in aller Ruhe.
Anschliessend begann die mittlerweile perfekt einstudierte Abfahrtsroutine. Alles wurde verstaut, gesichert und kontrolliert. Noch einmal entsorgten wir das Grauwasser, verabschiedeten uns von unserem letzten französischen Stellplatz und machten uns auf den Weg.
Zunächst ging es wieder auf die Autobahn. Kilometer um Kilometer rollten wir Richtung Heimat. Je näher wir der Schweiz kamen, desto vertrauter wurden die Strassenschilder. Nach Besancon wechselte die Strecke grösstenteils auf Landstrassen, die sich gemütlich durch die Landschaft schlängelten. Ab und zu gab es noch zweispurige Abschnitte, aber insgesamt wurde das Fahren deutlich entspannter.
Zur Unterhaltung hörten wir unterwegs einige Podcasts. Dabei wurden die letzten Reisetage noch einmal von interessanten Geschichten, spannenden Themen und gelegentlichen Diskussionen begleitet. Irgendwann legten wir auf einem Parkplatz eine Pause ein und gönnten dem Wohnmobil ebenfalls eine kleine Verschnaufpause. Schliesslich hatte es in den vergangenen Wochen einiges geleistet.
Danach führte uns die Strecke durch den Jura. Die Landschaft wurde immer vertrauter und gleichzeitig wurde uns bewusst, dass die grosse Reise nun tatsächlich zu Ende ging. Über den Grenzübergang in Vallorbe erreichten wir schliesslich wieder die Schweiz. Ohne grosse Zeremonie waren wir plötzlich wieder im Heimatland. Keine Blaskapelle, kein roter Teppich, nicht einmal ein Willkommenskomitee mit Fähnchen – einfach die Schweiz.
Von dort ging es weiter auf der Autobahn an Yverdon vorbei, über Avenches und Bern Richtung Zuhause. Die letzten Kilometer fühlten sich irgendwie gleichzeitig kurz und lang an. Kurz, weil wir uns auf Zuhause freuten. Lang, weil wir wussten, dass damit ein wunderschönes Kapitel unserer Auszeit zu Ende ging.
Schliesslich fuhren wir zuhause vor. Die Reise war beendet, das Wohnmobil hatte uns zuverlässig zurückgebracht und wir waren gut angekommen. Nun warteten unsere Kinder, das eigene Bett und vermutlich auch eine Waschmaschine, die sich schon auf ihren grossen Auftritt freute.
So endete unsere zweite Heimfahrt während der Auszeit – unspektakulär, entspannt und genau so, wie wir es mögen.
12. bis 18. Juni 2026
Die Woche verging im Eiltempo – kaum hatte sie begonnen, war sie auch schon fast wieder vorbei. Der Freitag stand ganz im Zeichen der Wäsche. Während die Waschmaschine auf Hochtouren lief, widmete ich mich dem Garten, der bekanntlich nie fertig wird und stets neue Beschäftigung bereithält.
Am Samstag zog es Cornelia an eine Familienfeier nach Therwil zu Mary und Christian. Ich blieb derweil meinem treuen Begleiter, dem Garten, erhalten. Offenbar hatte er Angst, ich könnte mich langweilen, und präsentierte mir wieder genügend Arbeit.
Der Sonntag begann dafür ausgesprochen gemütlich. Raphi und Sandra kamen zum Brunchen. Anschliessend durfte unser Lexus in den Service – schliesslich braucht auch ein Auto ab und zu etwas Wellness. Danach genossen wir bewusst das süsse Nichtstun zu Hause, was erstaunlich anstrengend entspannt war.
Am Montag rückte das Wohnmobil in den Mittelpunkt. Eine gründliche Reinigung stand auf dem Programm, während Cornelia gemeinsam mit Nina den frisch gewarteten Lexus wieder abholte. Doch damit war die Pflegeaktion noch längst nicht abgeschlossen. Am Dienstag erhielt das Wohnmobil seinen zweiten Putztag – man hätte beinahe meinen können, wir wollten es für eine Autoshow anmelden. Am Abend traf sich Cornelia noch mit Eva in der Stadt, bevor wir das blitzblanke Wohnmobil nach Schönbühl zur Niveaukontrolle brachten.
Der Mittwoch brachte erneut Gartenarbeit – wer hätte das gedacht? Einen Termin mit unseren Steuerfachmann und mittags gingen wir mit Luca ins Bädli essen und verabschiedeten dabei Viviene, die ihre letzte Arbeitswoche vor dem Wechsel zu einer neuen Stelle hatte. Am Nachmittag holten wir das Wohnmobil wieder ab. Eigentlich. Denn kaum gestartet, meldete sich die Elektronik mit der freundlichen Aufforderung: „Motor kontrollieren lassen.“ Also zurück in die Werkstatt. Ursache war eine gelöste Steckverbindung, die notwendig gewesen war, um den Schlüssel neu zu programmieren. Das Ergebnis? Viel Aufwand, viele Versuche und leider genauso kein Erfolg dem Schlüssel wieder Leben einzuhauchen. Wenigstens konnte am Abend bei Franco und Beatrix im Garten wieder gelacht und entspannt werden.
Der Donnerstag setzte der Woche schliesslich die Krone auf: Luca feierte Geburtstag! Wir hatten noch einen Termin mit dem Maler nach dem Mittag und das Wohnmobil wurde wieder beladen. Gemeinsam verbrachten wir dann, einen schönen Abend mit gutem Essen, guter Stimmung. Ein rundum gelungener Abschluss einer abwechslungsreichen Woche, in der sich Gartenarbeit, Fahrzeugpflege und Werkstattbesuche zwar hartnäckig in den Vordergrund drängten – der Geburtstag von Luca aber ganz klar das Highlight war.
19. Juni 2026
Heute stand der grosse Tag des Abschieds bevor – und auch wenn wir mittlerweile Übung darin haben, wird es deshalb kein bisschen einfacher. Der erste Programmpunkt hiess: Verabschiedung von Luca, denn der Arme musste tatsächlich arbeiten, während wir Reisemodus hatten. Wir genossen noch ein paar gemeinsame Minuten, drückten ihn zum Abschied und verabschiedeten uns mit der Hoffnung, dass bis zum nächsten Wiedersehen gefühlt nicht allzu viel Zeit vergeht.
Zurück zu Hause erledigten wir noch die berühmten «letzten Kleinigkeiten». Diese sind bekanntlich eine faszinierende Erfindung: Man glaubt, in zehn Minuten sei alles erledigt – und eine Stunde später findet man sich immer noch mit Besen, Werkzeug oder Einkaufsliste in der Hand wieder. Ich machte zwischendurch noch einen schnellen Abstecher in den Jumbo, wo aus «nur rasch etwas holen» selbstverständlich ein kleiner Rundgang wurde.
Um 9.30 Uhr frühstückten wir gemeinsam mit Nina draussen. Herrlich gemütlich – und gleichzeitig der Beginn des bekannten Reisephänomens: Die Uhr läuft doppelt so schnell wie sonst. Unser ehrgeiziger Plan, um Punkt 12 Uhr loszufahren, löste sich deshalb ebenso elegant in Luft auf wie viele gute Vorsätze. Schlussendlich wurde es etwa 12.30 Uhr, bis wir auch zu Nina «Tschüss» sagen konnten. Abschiede ziehen sich eben.
Dann ging es endlich los Richtung Thurgau. Oder besser gesagt: fast. Bereits in Hindelbank legten wir den ersten Halt ein. Unser Herd hatte nämlich beschlossen, unterwegs ein Gummiteil auszuwandern zu lassen. Offenbar wollte es nicht mit auf die Reise. Zum Glück fanden wir rasch Ersatz, sodass der Herd wieder komplett war und wir unsere Reise fortsetzen konnten.
Danach hiess es: Stau. Viel Stau. Sehr viel Stau. So viel Stau, dass man zwischendurch das Gefühl hatte, die Strassenbauer würden den Asphalt direkt vor unserem Wohnmobil frisch erneuern. Gefühlt dauerte die Fahrt mindestens drei Stunden… vermutlich waren es etwas weniger – aber gefühlt zählt bekanntlich viel mehr als die Realität.
Schliesslich erreichten wir Illighausen wohlbehalten. Dort genehmigten wir uns erst einmal etwas zu trinken und schauten noch kurz in der ehemaligen Garage vorbei. Anschliessend wechselten wir ins Auto von Thomas und fuhren nach Bottighofen, wo wir den Nachmittag gemütlich verbrachten.
Zum Nachtessen holten wir Thomas wieder ab, und gemeinsam ging es ins Rössli. Dort wurden wir mit einem feinen Essen verwöhnt, genossen angeregte Gespräche und einen rundum gelungenen Abend. Danach chauffierten wir Thomas wieder nach Hause – der Fahrdienst funktionierte an diesem Tag tadellos – und fuhren schliesslich zurück nach Bottighofen. So ging ein Tag zu Ende, der mit etwas Wehmut begann, unterwegs von endlosen Staus begleitet wurde und schliesslich bei gutem Essen und netter Gesellschaft einen versöhnlichen Abschluss fand.
20. Juni 2026
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Bottighofen – gemütlich, entspannt und mit einem Programm, das sich im Laufe des Tages ganz von selbst immer weiter verlängerte.
Nach dem Frühstück machten sich Cornelia und ihre Mutter auf den Weg, um die regionale Wirtschaft tatkräftig zu unterstützen. Auf dem Programm standen der Gemüsebauer und die Bäckerei – zwei Orte, an denen man grundsätzlich nur «ganz schnell» etwas holen möchte und garantiert mit deutlich mehr zurückkommt als ursprünglich geplant.
Ich nutzte die ruhige Zeit für etwas Büroarbeit. Schliesslich muss auch in der Auszeit hin und wieder so getan werden, als wäre man noch ein verantwortungsbewusster Mensch. Zur Belohnung gab es mittags ein herrliches Schnitzelbrot und ein Thon Brötchen – eine Kombination, die vermutlich jedem Ernährungsberater die Stirn in Falten legt, uns aber bestens schmeckte.
Am Nachmittag schnürten Cornelia und ich die Schuhe und machten uns auf einen gemütlichen Spaziergang. Unser erstes Ziel war das Schlössli am Hafen von Bottighofen. Dort gönnten wir uns einen Eistee und ein Bier – jeder natürlich das, was besser zu ihm passte. Mit herrlichem Blick auf den Bodensee liess es sich wunderbar verweilen, und für einen kurzen Moment dachten wir sogar daran, einfach den ganzen Nachmittag dort sitzen zu bleiben.
Doch wir entschieden uns fürs Weiterlaufen Richtung Kreuzlingen. Unterwegs wurden wir unverhofft Teil einer kleinen Rettungsaktion: Bei der Badi war ein Ball verschwunden. Natürlich boten wir unsere Hilfe an. Andere fanden ihn schliesslich auch – wir hätten vermutlich heute noch systematisch jeden Grashalm untersucht und den Ball trotzdem nicht entdeckt. Unsere Suchkarriere hat also definitiv noch Luft nach oben.
Der Spaziergang führte weiter der Badi entlang bis hinauf zum Müller. Landschaftlich wunderschön – klimatisch allerdings eher Kategorie «Bratpfanne». Die Sonne meinte es ausgesprochen gut mit uns, vielleicht sogar ein kleines bisschen zu gut. Jeder Schatten wurde plötzlich zum begehrtesten Grundstück weit und breit.
Im Müller deckten wir uns mit ein paar Kleinigkeiten ein, bevor wir noch einen Abstecher ins Ziil-Center machten. Dort schlug Cornelia bei Dosenbach zu und gönnte sich ein neues Paar Schuhe – schliesslich braucht man für lange Spaziergänge angemessenes Schuhwerk. Im Jumbo landete noch eine Rolle Klebeband im Einkaufswagen. Wofür? Gute Frage. Irgendetwas braucht schliesslich immer Klebeband. Den Abschluss der Einkaufstour bildete der Coop, denn ohne Coop-Besuch wäre ein Schweizer Einkaufstag ja irgendwie unvollständig.
Zurück in Bottighofen blieb kaum Zeit zum Ausruhen, denn am Abend warteten bereits knusprige Pouletflügeli auf uns. Bevor es losging, holten wir noch Marlies in Mattwil ab, die sich unserer kleinen Abendgesellschaft anschloss.
Nach dem feinen Essen fuhren wir weiter zu Thomas nach Illighausen. Dort liessen wir den Abend ganz entspannt bei Kaffee, Aperol und einer feinen Glace ausklingen.
Zum Abschluss brachten wir Marlies wieder nach Hause und kehrten schliesslich nach Bottighofen zurück. Ein herrlicher Sommertag ging zu Ende.
21. Juni 2026
Heute hiess es endgültig: Tschüss Thurgau, tschüss Schweiz – der Norden ruft! Wobei der Tag für Cornelia schon begann, als der Rest der Welt vermutlich noch tief und fest schlief. Bereits um 5:15 Uhr stand sie auf und fuhr nach Altnau wo Thomas wartete und sie genossen dort noch etwas die Zeit am See. Danach ging es noch schnell nach Illighausen, um das Wohnmobil abzuholen. Während andere um diese Zeit höchstens den ersten Kaffee suchen, hatte Cornelia gefühlt schon einen halben Arbeitstag hinter sich.
Anschliessend gab es in Bottighofen ein gemütliches Frühstück, bevor es dann ernst wurde. Es hiess Abschied nehmen und unsere Reise Richtung Norden konnte endlich richtig beginnen. Trotzdem fühlte sich der erste Reisetag irgendwie noch etwas komisch an. Der Kopf war zwar schon auf Reisen eingestellt, aber der Körper war wohl noch irgendwo zwischen Zuhause und Reisemodus hängen geblieben.
Unsere Route führte uns zuerst durch Österreich und dann weiter nach Deutschland, immer schön Richtung Kempten. Die Fahrt war herrlich. Blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen, bei denen man einmal mehr die Erfindung der Klimaanlage feiern musste. Ohne dieses Wunderwerk moderner Technik hätten wir vermutlich schon kurz hinter der Grenze angefangen zu schmelzen.
Am Nachmittag erreichten wir Nesselwang und suchten uns auf dem Stellplatz ein schönes Plätzchen. Die Randplätze mit etwas Privatsphäre waren längst vergeben – offenbar waren wir nicht die Einzigen mit der brillanten Idee, dort halt zu machen. Also stellten wir uns mitten auf den Platz. Schatten gab es sowieso fast nirgends. Die Sonne hatte offenbar beschlossen, heute Überstunden zu machen.
Da unser Stellplatz nicht gerade mit Palmen und Liegestühlen ausgestattet war, beschlossen wir spontan, die Bergbahn zu erkunden. Sie lag nur wenige Minuten entfernt. Wenige Augenblicke und stolze 46 Euro später hielten wir zwei Tickets für eine Berg- und Talfahrt in den Händen. Reiselogik eben: Im Alltag würde man über den Preis diskutieren, auf Reisen sagt man einfach: «Ach komm, wir sind ja schliesslich auf Reise.»
Das Lustige an dieser Bahn war, dass Gondeln und Sessellifte friedlich am gleichen Seil unterwegs waren. Für mich war die Sache sofort klar. Ich bevorzuge eindeutig die Gondel. Auf einem Sessellift fühle ich mich immer ein wenig wie ein schlecht gesichertes Gepäckstück.
Wir fuhren zuerst bis zur Mittelstation. Dort stand ein Restaurant, das uns sofort sympathisch war. Eigentlich hätte man sich direkt hinsetzen können, aber nein – zuerst musste natürlich noch geprüft werden, wie es ganz oben aussieht. Also weiter ging die Fahrt.
Oben angekommen wurden wir mit einer fantastischen Aussicht überrascht. Auf der anderen Seite des Berges öffnete sich plötzlich der Blick auf die Alpen. Man kam praktisch auf einem Grat an und konnte die herrliche Landschaft bestaunen. Wir spazierten noch ein Stück bis zu einem schönen Aussichtspunkt am Waldrand, machten Fotos und genossen einfach den Moment. Während wir die Aussicht bewunderten, fiel uns auf, dass beim Restaurant bereits die Sonnenschirme zusammengeklappt wurden. Beim nächsten Restaurant war das gleiche Schauspiel zu beobachten. Entweder erwarteten die Wirte ein Gewitter oder sie hatten beschlossen, dass für heute genug gearbeitet worden war. Tatsächlich hörten wir auch ein paar Donnerschläge und rundherum zogen dunkle Wolken auf. Sicherheitshalber beschlossen wir deshalb, wieder zur Mittelstation hinunterzufahren.Dort war nun endlich Restaurantzeit. Zwei kühle Bier standen schnell auf dem Tisch. Ich gönnte mir einen herrlichen Allgäuer Wurstsalat, während Cornelia Käseknödel mit Salat bestellte. Als wäre das nicht schon genug gewesen, musste natürlich auch noch ein Apfelstrudel mit Vanillesauce und einer ordentlichen Portion Schlagrahm probiert werden. Und weil Reisen bekanntlich zum Experimentieren da sind, testeten wir gleich noch einen Bier-Aperol. Man weiss ja nie, welche kulinarischen Meisterwerke einem entgehen würden.
Das Wetter machte es währenddessen spannend. Mal war es bewölkt und windig, dann wieder sonnig. Der Regen war in der Ferne gut zu sehen, entschied sich aber zum Glück, einen grossen Bogen um uns zu machen. Als die Sonne wieder kräftig schien, mussten wir sogar in den Schatten umziehen. Von unserem Platz am Rand konnten wir direkt auf den Parkplatz hinunterschauen und tatsächlich unser Wohnmobil entdecken. Schon irgendwie lustig, wenn das eigene Zuhause plötzlich aussieht wie ein kleines Spielzeugauto.
Beim Bezahlen wartete noch eine kleine Überraschung: Hier ging ausschliesslich Bargeld. Zum Glück hatten wir genügend dabei. Trotzdem wurde vor jeder zusätzlichen Bestellung kurz überschlagen, ob das Budget noch für einen weiteren Genuss reichen würde. Es reichte – zum Glück. Nach dem gemütlichen Restaurantbesuch schwebten wir wieder mit der Gondel ins Tal und machten es uns beim Wohnmobil gemütlich. Hinter dem Fahrzeug fanden wir wenigstens etwas Schatten und konnten den Nachmittag entspannt ausklingen lassen. Erst als die Sonne langsam verschwand, wechselten wir auf die Vorderseite.
Nach dem üppigen Zvieri war an ein grosses Abendessen natürlich nicht mehr zu denken. Ein paar Stücke Zopf und etwas Fleisch reichten vollkommen. Den restlichen Abend verbrachten wir damit, das bunte Treiben auf dem Stellplatz zu beobachten, gemütlich zu plaudern und einfach den ersten richtigen Ferientag zu geniessen.
Gegen Abend wurde es zum Glück endlich etwas kühler. Das Wohnmobil verwandelte sich langsam wieder von einem Backofen in einen Schlafplatz und wir konnten zufrieden ins Bett fallen. Der erste Tag Richtung Norden war geschafft – noch etwas ungewohnt, aber mit traumhaften Aussichten, gutem Essen, einem kleinen Wetterkrimi und der Erkenntnis, dass Ferien offiziell begonnen haben.
22. Juni 2026
Heute hiess es Abschied nehmen vom Allgäu und unserem ersten Stellplatz der Reise. Die erste Nacht im Wohnmobil hatte uns allerdings freundlich daran erinnert, dass Reisen zwar wunderschön sind, aber nicht automatisch ruhige Nächte garantieren. Es war ziemlich warm und als wir endlich halbwegs eingeschlafen waren, beschlossen einige Füchse, mitten in der Nacht ein lautstarkes Meeting abzuhalten. Offenbar gab es Wichtiges zu besprechen – nur leider genau vor unserem Schlafzimmerfenster. Wir verstanden zwar kein Wort, aber begeistert klangen sie auf jeden Fall.
Am Morgen war dafür alles wieder friedlich. Die Sonne hatte inzwischen die Seite gewechselt und spendete uns vor dem Wohnmobil angenehmen Schatten. Dort genossen wir gemütlich unseren Kaffee. Auch beim Frühstück gab es etwas Neues. Wir wollen unsere Ernährung etwas umstellen und das Essen künftig tracken. Plötzlich wird also sogar die Scheibe Gurke zur mathematischen Herausforderung. Wer hätte gedacht, dass Reisen auch aus Kalorien zählen bestehen können?
Nachdem alles versorgt und verstaut war, machten wir das Wohnmobil startklar. Auf die Entsorgung verzichteten wir allerdings. Dort herrschte bereits reger Betrieb und wir hatten keine Lust, uns für ein bisschen Grauwasser in eine Warteschlange einzureihen. Also ging es direkt zurück auf die Autobahn, immer weiter Richtung Dresden.
Unterwegs legten wir noch ein paar Pausen ein. Kurz vor unserem nächsten Ziel hielten wir noch bei einem Edeka, um die Vorräte aufzufrischen. Davor passierte allerdings noch etwas Lustiges. An einer Ampel hielt plötzlich ein entgegenkommendes Fahrzeug neben uns an. Im ersten Moment schossen einem natürlich sämtliche Gedanken durch den Kopf: Haben wir eine Tür offen? Sind wir falsch gefahren? Doch nichts von alledem. Der Fahrer wollte uns lediglich mitteilen, dass er ebenfalls Berner sei. Eine kurze Begegnung unter Landsleuten mitten in Deutschland – irgendwie schön und irgendwie auch herrlich zufällig.
Nach dem Einkauf erreichten wir den Stellplatz am Rothsee. Zuerst steuerten wir die grosse Wiese an. Viel Platz hatte es dort ja, allerdings auch ungefähr gleich viel Schatten wie in der Sahara. Also machten wir einen kleinen Erkundungsspaziergang über den restlichen Platz. Tatsächlich fanden wir unten noch zwei deutlich gemütlichere Plätze mit etwas Schatten. Genau unser Geschmack.
In unserer Reihe war allerdings der zweite Platz mit einem Stuhl und einem Stand-up-Paddle markiert. Offenbar hatte hier jemand die etwas kreative Version einer Reservation erfunden. Sicherheitshalber fragten wir den Nachbarn, ob unser Platz trotzdem in Ordnung sei. Er grinste nur und meinte, alles sei bestens. Tatsächlich blieb der Platz vor uns den ganzen Tag leer. Der Stuhl hatte also erfolgreich seinen Dienst erfüllt.
Nachdem das Wohnmobil eingerichtet war, assen wir zuerst einen feinen Salat mit Feta und Poulet. Genau die richtige Mischung aus Reisegenuss und unserem neuen Ernährungsprojekt. Anschliessend machten wir uns auf den Weg zum See. Dort war schnell klar: Hier bleiben wir.
Also marschierte ich nochmals zurück zum Wohnmobil, holte unsere grosse Decke, Getränke und etwas Früchte, und kurze Zeit später lagen wir gemütlich unter den grossen Bäumen direkt am Wasser. Das war eindeutig der angenehmste Platz des Tages. Rundherum herrschte richtiges Sommerferienleben. Einige paddelten mit ihren Stand-up-Paddles über den See, andere sonnten sich, Kinder planschten am Ufer und eine Gruppe junger Mädchen spielte mit voller Begeisterung ein Ratespiel. Begeisterung war dabei allerdings fast untertrieben – der ganze See wusste vermutlich jederzeit, welcher Begriff gerade erraten werden musste.
Wir beobachteten das bunte Treiben und schauten zwischendurch immer wieder zum Himmel. Die Wolken wurden zeitweise ziemlich dunkel und sahen so aus, als würden sie jeden Moment ein Gewitter losschicken. Offenbar hatten sie es sich dann aber anders überlegt und zogen einfach weiter. Uns sollte es recht sein.
Später schauten wir uns noch das Sanitärgebäude an. Eine Dusche kostete 2.50 Euro. Da waren wir uns schnell einig: Dieses Investment würden wir heute definitiv tätigen. Frisch geduscht fühlt sich ein warmer Sommertag schliesslich gleich doppelt so angenehm an.
Zurück beim Wohnmobil hatte inzwischen auch unser Platz etwas mehr Schatten bekommen. Nur der Wind machte weiterhin Urlaub. Dafür kamen wir mit einem unserem Nachbarn ins Gespräch. Er stammte ursprünglich aus Berlingen im Thurgau, hatte sein Haus vor drei Jahren verkauft und lebt seither Vollzeit im Wohnmobil. Eine beeindruckende Geschichte. Er erzählte von Reisen durch Asien, von seinen Touren in den Norden und davon, dass er nun bereits seit vier Wochen hier am Rothsee steht, weil es seinem Hund momentan nicht so gut geht. Wir unterhielten uns richtig lange mit ihm und kauften ihm sogar noch dänische Kronen ab – sehr praktisch, denn genau die würden wir dann sowieso brauchen.
Am Abend wurde selbstverständlich wieder der Grill angeworfen. Es gab Pouletbrüstchen mit Kartoffeln und Brokkoli – lecker, gesund und passend zu unserem neuen Ernährungsvorhaben. Man kann also durchaus grillieren, ohne danach das Gefühl zu haben, man müsse drei Tage fasten.
Den restlichen Abend verbrachten wir gemütlich draussen. Wir spülten noch das Geschirr, gönnten uns die wohlverdiente Dusche und beobachteten die zahlreichen Wildgänse, die sich am See mindestens genauso zuhause fühlten wie wir. Als es langsam dunkel wurde, wartete sogar noch ein kleines Naturschauspiel auf uns: Zwischen den Bäumen begannen plötzlich Glühwürmchen zu leuchten. Ein wunderschöner Abschluss eines entspannten Sommertages.
Mit vielen neuen Eindrücken, einem vollen Bauch, frisch geduscht und ohne singende Füchse vor dem Fenster krochen wir schliesslich zufrieden ins Bett.
23. Juni 2026
Heute hiess es schon wieder: Motor starten und weiter Richtung Norden. Eigentlich hätten wir am Rothsee gut und gerne noch einen Tag angehängt. Eine gemütliche Velotour rund um den See hätte uns schon gereizt. Allerdings hatte das Thermometer andere Pläne. Bei diesen Temperaturen wäre aus der Velotour wohl eher eine geführte Fahrt durch den Pizzaofen geworden. Also beschlossen wir einstimmig: Weiterfahren ist heute eindeutig die kühlere Alternative.
Wir standen deshalb recht früh auf und genossen unseren Kaffee draussen im angenehmen Morgenschatten. Um diese Uhrzeit war die Welt noch in Ordnung und die Sonne tat noch so, als wäre sie ganz harmlos. Danach gab es wieder unser neues, gesundes Frühstück. Langsam gewöhnen wir uns tatsächlich daran, dass das Handy vor dem Essen zuerst fotografiert beziehungsweise das Essen getrackt werden muss. Früher hiess es «En Guete», heute heisst es zuerst: «Moment... ich muss das noch eintragen!»
Bevor wir endgültig losfuhren, wollten wir aber noch die grosse Schleuse beziehungsweise das Schiffshebewerk am Main-Donau-Kanal besichtigen. Der Spaziergang dorthin führte zuerst gemütlich dem See entlang. Die Gegend war wunderschön angelegt. Breite Wege, viel Wasser und alles wirkte unglaublich gepflegt. Man hatte fast das Gefühl, über einen riesigen Teich zu spazieren.
Nach einem kurzen Stück am Wasser ging es durch den Wald bis zur Schleuse Eckersmühle. Dort standen wir zuerst unten am Kanal und staunten nicht schlecht. Das Wasser lag erstaunlich tief und die Dimensionen der Schleuse waren beeindruckend. Natürlich musste auch noch die Besucherplattform erklommen werden. Von dort oben hatten wir den perfekten Blick auf das riesige Bauwerk. Gerade in diesem Moment befand sich ein grosses Frachtschiff in der Schleuse und wir konnten beobachten, wie der Wasserspiegel langsam, aber stetig anstieg.
Anschliessend spazierten wir auf die andere Seite des Kanals, in der Hoffnung, das Schiff dort nochmals zu sehen. Und tatsächlich – unser Timing war heute fast schon unheimlich gut. Kaum waren wir angekommen, öffnete sich das Tor und das Frachtschiff glitt langsam aus der Schleuse direkt an uns vorbei. So viel Glück beim richtigen Timing hätten wir gerne auch einmal an einer Supermarktkasse.
Zurück beim Stellplatz suchten wir noch die Entsorgungsstation. Dieses Mal fanden wir sie problemlos. Das Grauwasser durfte sich verabschieden, frisches Wasser wurde aufgefüllt und anschliessend wollten wir der Frontscheibe noch etwas Wellness gönnen. Das klappte allerdings nur mässig. Bei dieser Hitze verdunstete das Wasser schneller, als wir überhaupt mit dem Putzen nachkamen. Gefühlt trocknete die Scheibe schon wieder, bevor der Schwamm sie überhaupt berührt hatte.
Danach ging es endgültig wieder auf die Autobahn Richtung Dresden. Der Verkehr bestand gefühlt zu fünfzig Prozent aus Lastwagen und zu fünfzig Prozent aus noch mehr Lastwagen. Zum Glück hatten wir keine Eile und konnten gemütlich mitschwimmen.
Zur Mittagszeit fanden wir einen Parkplatz mit herrlicher Aussicht. Dort wurde kurzerhand das übrig gebliebene Poulet vom Vorabend aus dem Kühlschrank gezaubert und zusammen mit verschiedenen Beilagen verspeist. Resten schmecken auf Reisen irgendwie immer doppelt so gut – wahrscheinlich, weil man sie mit Aussicht isst.
Da wir heute gar nicht mehr so weit fahren wollten, suchten wir bereits am frühen Nachmittag nach einem Stellplatz. Auf Park4Night fanden wir einen Platz in Oelsnitz im Erzgebirge. Als wir ankamen, war der Platz praktisch menschenleer. Schatten gab es allerdings ungefähr gleich viel wie am Nordpol Palmen. Also machten wir zuerst einen Rundgang zu Fuss, bevor wir überhaupt hineinfuhren. Schliesslich will der Stellplatz sorgfältig geprüft werden – fast wie beim Hauskauf, nur eben für eine Nacht.
Schliesslich entschieden wir uns für einen Platz am Rand unter ein paar kleineren Bäumen. Die sollten wenigstens ein bisschen Schatten liefern. Jeder einzelne Ast wurde heute plötzlich zum besten Freund.
Nachdem das Wohnmobil eingerichtet war, machten wir uns auf Entdeckungstour. Zwei Treppen führten hinauf zu einem wunderschönen Landschaftspark. Früher befand sich hier offenbar ein grosser Bahnhof. Heute erinnerte nur noch vieles an die Eisenbahn. Alte Gleise waren überall geschickt in den Park integriert und zahlreiche Informationstafeln erzählten die Geschichte des Geländes. Im Rahmen einer Landesgartenschau war daraus eine wunderschöne Parkanlage entstanden. Überall standen Bänke, Blumen blühten und die ganze Anlage wirkte unglaublich gepflegt.
Am Ende des Parks entdeckten wir noch ein riesiges Gradierwerk. Ein beeindruckendes Holzkonstrukt, das vollständig mit Reisig ausgekleidet war. Früher wurde hier Sole verrieselt, um Salz zu gewinnen. Heute dient ein Gradierwerk hauptsächlich der Freiluft-Inhalation und soll der Gesundheit guttun. Leider war die Anlage gerade ausser Betrieb. Schade eigentlich – ein bisschen gratis Wellness hätten wir natürlich gerne mitgenommen.
Danach spazierten wir noch zu einem kleinen Teich, bevor wir gemütlich zum Wohnmobil zurückkehrten. Dort war erst einmal Tagebuchzeit angesagt. Während ich schrieb, genossen wir den mittlerweile gewachsenen Schatten unseres Baumes. Er hatte seine Aufgabe hervorragend erfüllt und sich den Titel «Mitarbeiter des Tages» redlich verdient.
Am Abend wurde natürlich wieder der Grill angeheizt. Es gab Pouletbrüstchen mit Kartoffeln und Broccoli – unser neuer Reiseklassiker. Anschliessend spielten wir noch eine Runde Tri-Domino. Dabei wurde selbstverständlich mit vollem Einsatz gespielt. Wer behauptet, bei Gesellschaftsspielen gehe es nur ums Mitmachen, hat definitiv noch nie gegen uns gespielt.
Die Temperaturen wurden gegen Abend herrlich angenehm. Nach der grossen Hitze des Tages fühlte sich die frische Luft fast schon luxuriös an. Später wurde es sogar leicht kühl – genau die richtige Temperatur, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. So ging wieder ein wunderschöner Reisetag zu Ende, mit riesigen Schleusen, alten Bahngleisen, einem arbeitsamen Schattenbaum und der Erkenntnis, dass selbst übrig gebliebenes Poulet mit schöner Aussicht ein kleines Festessen sein kann.
24. Juni 2026
Heute versprach der Wetterbericht Temperaturen von rund 33 Grad. Anders gesagt: Es würde wieder einmal so warm werden, dass man sich bereits beim Nichtstun fragte, ob man dabei schwitzt. Also musste ein Plan her. Nach kurzer Beratung beschlossen wir, der Hitze wenigstens ein bisschen zu entkommen und mit dem Zug nach Chemnitz zu fahren. Dort wollten wir gemütlich durch die Stadt schlendern und vielleicht noch etwas shoppen. Schliesslich sind klimatisierte Läden im Sommer manchmal die besseren Sehenswürdigkeiten.
Den Morgen liessen wir ganz entspannt angehen. Unser gesundes Frühstück genossen wir im Schatten des Wohnmobils. Als die Sonne langsam um die Ecke kam, zogen wir mitsamt unseren Stühlen einfach unter einen Baum um. Streng genommen gehörte dieser Bereich wohl gar nicht mehr zum Stellplatz. Aber bei 33 Grad gelten andere Regeln. Schatten kennt keine Grundstücksgrenzen.
Danach spazierten wir zum Bahnhof. Dort stellte sich allerdings heraus, dass es weder einen Ticketschalter noch sonst jemanden gab, den man hätte fragen können. Meine App hatte beschlossen, heute frei zu nehmen und funktionierte überhaupt nicht. Cornelia brachte zwar ein Ticket zustande, allerdings wussten wir nicht so genau, ob das nun für eine oder gleich für zwei Personen galt. Natürlich kam kaum waren wir eingestiegen auch schon die Kontrolleurin. Perfektes Timing – allerdings nicht unseres. Zum Glück war sie ausgesprochen freundlich. Sie erklärte uns, dass das Ticket tatsächlich nur für eine Person gültig war, und half uns anschliessend sogar noch am Automaten im Zug, das zweite Ticket zu lösen. Das nenne ich Service.
Die erste Strecke führte uns mit einem Zug, der offensichtlich noch stolz seine Diesellok präsentierte, nach St. Egidien. Dort stiegen wir um und wurden anschliessend mit einem wunderbar klimatisierten Zug belohnt. Allein diese Klimaanlage war den Ausflug fast schon wert.
In Chemnitz angekommen, beschlossen wir bewusst, keine riesige Stadtbesichtigung zu machen. Bei diesen Temperaturen wäre das eher ein Überlebensmarsch geworden. Stattdessen suchten wir uns nur einige schöne Punkte aus.
Unser erster Halt war der Schlossteich. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer wunderschönen Kirche und am Opernhaus vorbei. Der Schlossteich selbst war allerdings eher... nun ja... ein normal grosser See. Wer beim Namen an einen gigantischen Schlosspark mit Märchenschloss denkt, wird ein kleines bisschen überrascht. Eher Schlossteich als Schloss-See. Aber schön war es trotzdem. Direkt am Wasser entdeckten wir ein gemütliches Restaurant mit Sitzplätzen auf einem Holzsteg und einem kleinen Pavillon. Wir suchten uns strategisch einen Tisch im Schatten. Nach sorgfältiger Berechnung kamen wir zum Schluss, dass wir mit etwas Glück fertig gegessen hätten, bevor uns die Sonne erwischen würde. Und tatsächlich – unser Schattenmanagement funktionierte perfekt. Nur das Essen liess sich etwas Zeit. Offenbar wollte auch die Küche bei dieser Hitze nicht unnötig in Stress geraten.
Cornelia bestellte einen Salat mit Poulet, ich einen mit Lachs. Dazu gönnten wir uns etwas zu trinken und genossen die herrliche Aussicht auf den See. Manchmal braucht es gar nicht viel mehr.
Frisch gestärkt ging es weiter Richtung Einkaufszentrum – selbstverständlich möglichst immer von Schattenfleck zu Schattenfleck. Unterwegs kamen wir noch durch eine richtig schöne Einkaufs- und Restaurantstrasse. Sogar ein «Hans im Glück» war dort vertreten. Für einen kurzen Moment überlegten wir, ob wir schon wieder essen sollten. Vernunft und voller Bauch gewannen allerdings. Dann hiess es wieder: Abkühlen! Also marschierten wir in den ersten Kleiderladen. Dieser stellte sich allerdings als Paradies für Markenliebhaber heraus – und weniger für unser Budget beziehungsweise unseren Geschmack. Also zogen wir weiter.
Eigentlich wollten wir in ein anderes Einkaufszentrum. Wie sich herausstellte, waren wir überzeugt in die falsche Richtung gelaufen zu sein. In Wirklichkeit liefen wir genau richtig und landeten zufällig direkt dort, wo wir eigentlich hinwollten. Manchmal weiss das Navi des Lebens eben mehr als man selbst. Im Einkaufszentrum wurden H&M, New Yorker und C&A gründlich inspiziert. Die Ausbeute konnte sich sehen lassen: Ich fand zwei kurze Jeans und Cornelia einen neuen Pyjama.
Danach führte unser Weg noch in den MediaMarkt. Uns war nämlich aufgefallen, dass wir zwar gefühlt das halbe Wohnmobil dabeihatten, aber ausgerechnet kein einziges Lightning-Kabel, um Cornelias Kopfhörer aufzuladen. Zuhause liegen vermutlich noch zwanzig Stück irgendwo in einer Schublade. Im Wohnmobil? Kein einziges. Murphy's Gesetz lässt grüssen.
Also kauften wir das günstigste Kabel, das wir finden konnten. Knapp 13 Euro für ein Kabel, das zuhause wahrscheinlich kostenlos herumliegt. Weil wir gerade schon dabei waren, wanderte zusätzlich noch ein kleiner tragbarer Ventilator in den Einkaufskorb. Manchmal muss man auf Reisen einfach in die eigene Lebensqualität investieren.
Langsam machte sich die Hitze bemerkbar. Unsere Motivation sank ungefähr im gleichen Tempo, wie das Thermometer stieg. Also beschlossen wir, den Rückweg zum Bahnhof anzutreten.
Dort gingen wir diesmal direkt zum Ticketschalter. Nachdem uns die App am Morgen bereits genug Nerven gekostet hatte, wollten wir kein zweites Abenteuer erleben. Die Tickets waren schnell gekauft und nebenan gönnten wir uns noch eine grosse Flasche Wasser für die Rückfahrt. Als wir auf den Perron liefen, fuhr der Zug gerade ein. Besser hätte das Timing nicht sein können. Die Fahrt bis St. Egidien verlief angenehm kühl. Weniger angenehm waren dann allerdings die zwanzig Minuten Wartezeit auf den Anschlusszug. Es gab zwar eine Bank und etwas Schatten, aber die Luft fühlte sich an, als würde jemand mit einem Föhn auf höchster Stufe über den Bahnhof blasen.
Schliesslich brachte uns die gute alte Diesellok wieder zurück nach Oelsnitz. Dort wartete bereits unser mittlerweile heiss geliebter Schattenbaum auf uns. Leider hatte der Wind heute beschlossen, ebenfalls einen freien Tag einzulegen. Dadurch war es deutlich wärmer und stickiger als noch am Vorabend. Zum Abendessen gab es saftige Steaks, sardische Teigwaren – kleine Kügelchen mit einem feinen nussigen Geschmack – und dazu Zucchetti. Genau das Richtige nach einem langen Sommertag.
Den Abend verbrachten wir möglichst bewegungslos. Jede unnötige Bewegung hätte vermutlich sofort wieder Schweiss produziert. Um 21 Uhr machte ich es mir bequem und schaute noch das WM-Spiel Schweiz gegen Kanada. Die Schweiz gewann verdient mit 2:1, was den ohnehin schon gelungenen Tag perfekt abrundete.
Als es langsam dunkel wurde, entdeckten wir noch ein Glühwürmchen. Natürlich wollten wir diesen kleinen Leuchtkünstler fotografieren oder wenigstens filmen. Das Glühwürmchen hatte allerdings andere Pläne. Kaum hielten wir die Kamera bereit, war es wieder verschwunden. Kaum legten wir sie weg, leuchtete es an einer anderen Stelle auf. Am Ende hatten wir zwar kein perfektes Foto, dafür aber einiges zu lachen und die Erkenntnis, dass manche Erinnerungen eben besser im Kopf bleiben als auf der Speicherkarte.
25. Juni 2026
Heute war endgültig klar: Es geht weiter. Die grosse Frage des Morgens lautete allerdings: Dresden – ja oder nein? Wir hatten lange hin und her überlegt, ob wir die Stadt wegen der angekündigten Affenhitze einfach auslassen sollten. Schliesslich beschlossen wir, erst einmal zum Stellplatz zu fahren und dort spontan zu entscheiden. Manchmal sind die besten Reisepläne schliesslich diejenigen, die man erst fünf Minuten vorher fasst.
Also rollten wir gemütlich wieder auf die Autobahn, vorbei an Chemnitz, das wir gestern noch unsicher gemacht hatten, und weiter Richtung Dresden. Unterwegs gab es zwar ein paar kleinere Staus, aber nichts Dramatisches. Wir kamen gut voran und konnten dabei einmal mehr beobachten, dass auf deutschen Autobahnen entweder alle rasen oder alle stehen – etwas dazwischen scheint es kaum zu geben.
In Dresden angekommen führte uns das Navi erst einmal quer durch die Stadt. Baustellen gab es gefühlt an jeder zweiten Kreuzung, aber erstaunlicherweise fanden wir trotzdem ohne grössere Irrfahrten den Stellplatz. Das allein war schon fast eine kleine Tagesleistung.
Zuerst parkten wir, bezahlten die Parkgebühr und schauten uns den Platz etwas genauer an. Schnell war klar: Umparken lohnt sich. Unter ein paar grosse Kastanienbäume zu stehen klang bei 34 Grad ungefähr so luxuriös wie ein Fünf-Sterne-Hotel mit Klimaanlage. Also wechselten wir den Platz und freuten uns über jedes einzelne Blatt, das Schatten spendete.
Dann ging es los in Richtung Altstadt. Das Motto des Tages lautete eindeutig: Immer dem Schatten nach! Falls irgendwo ein Baum stand, liefen wir automatisch darunter. Wahrscheinlich hätten wir sogar einem Schatten eines Verkehrsschildes vertraut.
Schon nach den ersten Minuten waren wir begeistert. Dresden machte sofort einen unglaublich schönen Eindruck. Nach etwa zwanzig Minuten zu Fuss erreichten wir die Altstadt. Der Weg führte zuerst der Elbe entlang. Die Kombination aus Fluss, historischen Gebäuden und der wunderschönen Kulisse gefiel uns auf Anhieb. Unterwegs entdeckten wir bereits ein Restaurant, das wir uns gedanklich für später vormerkten. Man weiss ja nie, wann der Hunger plötzlich schneller unterwegs ist als die Füsse.
Zuerst brauchten wir allerdings dringend eine Abkühlung. Also suchten wir ein Café auf. Das Wichtigste daran war gar nicht der Kaffee, sondern die Klimaanlage. Drinnen fühlte es sich an, als hätte man versehentlich den Kühlschrank betreten. Wir bestellten zwei Schorle und genossen jede einzelne Minute in der angenehm kühlen Luft. Ehrlich gesagt hätten wir vermutlich auch freiwillig Eintritt bezahlt. Frisch temperiert machten wir uns wieder auf den Weg. Ich wollte unbedingt noch das berühmte goldene Kronentor sehen. Also spazierten wir durch den wunderschönen Garten des Dresdner Zwingers und anschliessend hinauf auf eine Terrasse mit herrlichem Ausblick. Dresden schaffte es tatsächlich, an jeder Ecke noch schöner zu werden.
Danach kehrten wir zurück in die Altstadt und beschlossen, nun endlich das Restaurant vom Hinweg auszuprobieren. Ich bestellte einen Caesar Salad, Cornelia entschied sich für eine Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelstock. Eine Kombination, die ungefähr so deutsch war, wie sie nur sein konnte. Nach dem Essen schlenderten wir weiter durch eine wunderschöne Gasse voller Restaurants, Bars und kleiner Lokale. Überall sass man draussen, obwohl man sich bei diesen Temperaturen ernsthaft fragen musste, ob die Leute ihr Essen oder sich selbst grillierten. Am Ende der Gasse öffnete sich plötzlich der grosse Platz vor der beeindruckenden Frauenkirche Dresden. Die Kirche beeindruckte uns sofort. Drinnen war es angenehm kühl und wunderbar ruhig. Wir setzten uns erst einmal auf eine Bank und genossen die besondere Atmosphäre.
Ich nutzte die Gelegenheit und besichtigte noch den unteren Bereich der Kirche. Dort gab es neben einer kleineren Kapelle auch einen grösseren Raum in der Mitte und weitere Seitenräume. Währenddessen blieb Cornelia oben und nahm spontan an einem kleinen Gottesdienst teil. So hatten wir beide unsere ganz persönliche Kirchenführung.
Anschliessend machten wir uns langsam wieder auf den Rückweg zum Wohnmobil. Dresden hatte uns wirklich begeistert. Dabei hatten wir eigentlich nur einen kleinen Teil der Altstadt gesehen. Trotzdem waren wir uns schnell einig, dass wir wegen der enormen Hitze am nächsten Tag weiterziehen würden. Es bringt schliesslich wenig, wenn man Sehenswürdigkeiten irgendwann nur noch durch Schweissperlen erkennt.
Zurück beim Wohnmobil wartete immerhin der Schatten unserer Kastanienbäume auf uns. Leider war es trotzdem unglaublich warm. Nur wenn sich gelegentlich ein leichter Wind verirrte, wurde es kurz angenehm. Ansonsten fühlte sich die Luft an, als hätte jemand einen riesigen Föhn auf Dauerbetrieb gestellt. Gegenüber Oelsnitz war das hier eindeutig eine andere Liga.
Zwischendurch telefonierten wir noch mit Luca, ich schrieb mein Tagebuch und wir kamen mit einem Zuger ins Gespräch, der mit einem riesigen Phoenix-Wohnmobil unterwegs war. Neben seinem Fahrzeug wirkte unseres plötzlich fast wie ein City-Flitzer.
Später spazierten wir noch zum Rewe, weil uns für das Abendessen noch ein paar Zutaten fehlten. Unterwegs entdeckten wir ausserdem einen Rossmann. Natürlich mussten wir dort ebenfalls noch kurz hinein. Man weiss ja nie, was man plötzlich dringend braucht, bis man an einem Rossmann vorbeikommt.
Mit unseren Einkäufen ging es zurück zum Stellplatz. Zum Abendessen bereiteten wir einen frischen grünen Salat mit Tomaten zu. Ich ergänzte meinen mit Forellenfilets, Cornelia entschied sich für Käse. Leicht, frisch und genau richtig bei dieser Hitze.
Den restlichen Abend bewegten wir uns nur noch im absoluten Energiesparmodus. Jeder unnötige Schritt hätte vermutlich den Schweissverbrauch verdoppelt. Unsere kleinen Ventilatoren liefen inzwischen auf Hochtouren und entwickelten sich langsam zu den wichtigsten Mitreisenden überhaupt. Ihr gleichmässiges Summen begleitete uns den ganzen Abend und wurde fast schon zur Hintergrundmusik unserer Ferien.
Gegen 23 Uhr krochen wir schliesslich ins Bett. Draussen war es immer noch erstaunlich warm, drinnen summten treu die Ventilatoren, und wir hofften, dass die Nacht etwas gnädiger mit den Temperaturen umgehen würde als der Tag. Eines stand jedenfalls fest: Dresden hatte uns trotz Backofenwetter vollkommen überzeugt.
26. Juni 2026
Heute hiess es Abschied nehmen von Dresden. Ehrlich gesagt fiel uns das gar nicht so leicht. Bei etwas angenehmeren Temperaturen wären wir locker noch ein oder zwei Tage geblieben. Aber bei über 30 Grad wird selbst die schönste Stadt irgendwann zum Freiluft-Saunagang. Also stand heute Polen auf dem Programm.
Den Morgen begannen wir ganz gemütlich vor dem Wohnmobil. Während wir unseren Kaffee genossen, machte Cornelia dem Platzwart spontan das Angebot, ebenfalls einen Kaffee mitzutrinken. Was als nette Geste begann, entwickelte sich zu einem richtigen Morgenhöck. Plötzlich sassen wir zu dritt zusammen und plauderten über Gott und die Welt. Es wurde über Reisen, Wohnmobile und das Leben philosophiert. Irgendwann wusste vermutlich jeder mehr über den anderen, als ursprünglich geplant. So schnell kann ein einfacher Kaffee zum internationalen Stammtisch werden.
Anschliessend gab es bei bereits sommerlich warmen Temperaturen unser Frühstück im Freien. Danach verstauten wir alles, machten das Wohnmobil startklar und hielten vor der Abfahrt noch einen letzten Schwatz mit dem Platzwart. Solche Begegnungen gehören einfach zu den schönen Seiten des Campinglebens. Dann rollten wir durch die Dresdner Neustadt zurück Richtung Autobahn. Der Verkehr war recht lebhaft, weshalb wir uns gemütlich den Lastwagen anschlossen. Die haben zwar selten Stress, kommen aber erstaunlich zuverlässig ans Ziel.
Kurz vor der polnischen Grenze legten wir noch einen Tankstopp ein. Vollgetankt wurde allerdings nicht. Unser Tank war zwar beinahe leer, aber wir wollten den teureren Diesel nicht bis zum letzten Liter auskosten. Danach ging es gleich noch nebenan in einen Edeka. Schliesslich wollten wir für die nächsten Tage genügend Vorräte dabeihaben und nicht gleich nach der Grenze wieder einkaufen müssen. Mit vollem Kühlschrank und halbvollem Tank ging es zurück auf die Autobahn. Vor der Grenze staute sich der Verkehr etwas. Die Autobahn wurde auf eine Spur reduziert und es gab eine kleinere Grenzkontrolle. Für einen kurzen Moment fragten wir uns natürlich, ob jetzt das grosse Kontrollprogramm beginnen würde. Doch wir durften einfach gemütlich weiterrollen. Lediglich ein oder zwei Lastwagen wurden genauer unter die Lupe genommen. Für uns hiess es: Willkommen in Polen! Nach rund zwanzig Kilometern auf der Autobahn wechselten wir auf die Landstrassen. Die Fahrt gefiel uns ausgesprochen gut. Die Strassen waren grösstenteils in einem guten Zustand und führten durch hübsche Dörfer mit viel Charme. Polen machte auf Anhieb einen sympathischen Eindruck.
Besonders spannend fanden wir die Gebäude. Viele Häuser waren wunderschön renoviert und machten richtig etwas her. Daneben standen aber auch immer wieder ältere Häuser, die ihre besten Zeiten wohl schon hinter sich hatten. Genau diese Mischung machte den Reiz aus. Was mir ebenfalls auffiel: Entlang der Strassen gab es unglaublich viele Auto- und Wohnwagenhändler. Dort standen Fahrzeuge, bei denen man sich in der Schweiz vermutlich fragen würde, ob sie schon im Museum angemeldet sind. Hier warteten sie jedoch ganz geduldig auf neue Besitzer. Offenbar hat jedes Auto irgendwo auf dieser Welt noch eine zweite oder dritte Chance verdient. Die letzten Kilometer hatten es dann noch einmal in sich. Die Strasse zum Stellplatz wurde plötzlich schmal, steil und ziemlich kurvig. Genau die Art von Strecke, bei der man hofft, dass einem kein Reisebus entgegenkommt. Zum Glück blieb uns dieses Abenteuer erspart und wir erreichten den Platz problemlos.
Vor dem Eingang mussten wir allerdings erst einmal Geduld beweisen. Einige Arbeiter waren gerade damit beschäftigt, Steine von einem Anhänger abzuladen. Also warteten wir brav, bis der Weg frei war. Reisen lehrt schliesslich Gelassenheit.
Als wir endlich vor dem Tor standen, schauten wir uns zuerst den Platz zu Fuss an. Es gab verschiedene Stellplatzkategorien. Natürlich musste erst einmal gründlich geprüft werden, welcher Platz den höchsten Ferien-Wohlfühlfaktor versprach. Unsere Wahl fiel schliesslich auf einen Platz etwas weiter hinten am Rand. Dort hatten wir mehr Ruhe, mehr Luft und fühlten uns fast wie in unserer eigenen kleinen Ecke.
Beim Check-in am Automaten erhielten wir unverhofft Unterstützung. Eine freundliche Mitarbeiterin der Rezeption kam dazu und half uns beim Ausfüllen am Terminal. Anschliessend öffnete sie persönlich das Tor und wir konnten unseren Platz beziehen. So unkompliziert darf Camping gerne immer sein. Kaum standen wir, wurde sofort die Markise ausgefahren. Zusätzlich spannten wir noch unser Schattentuch auf. Nach den vergangenen Hitzetagen entwickelte sich dieses langsam zum wichtigsten Ausrüstungsgegenstand überhaupt. Ohne Schatten geht im Sommer einfach gar nichts.
Als verspätetes Mittagessen gab es Thunfisch mit Reis sowie Tomaten, Peperoni und weiteres frisches Gemüse. Unter der Markise schmeckte das gleich doppelt so gut. Während draussen die Sonne alles aufheizte, sassen wir gemütlich im Schatten und fühlten uns fast wie auf unserer privaten Terrasse. Danach war wieder einmal Tagebuchschreiben angesagt. Langsam füllen sich die Seiten genauso schnell wie die Speicherkarte unserer Kamera.
Am Abend wurde es hier richtig angenehm. Der nahe Wald spendete herrlichen Schatten und sorgte gleichzeitig für angenehm kühle Luft. Endlich einmal ein Ort, an dem man nicht das Gefühl hatte, bereits beim Atmen zu schwitzen.
Später spielten wir noch etwas und genossen einfach die Ruhe des Stellplatzes. Das Beste kam allerdings erst gegen Abend: Die Temperaturen sanken tatsächlich so weit, dass Cornelia freiwillig lange Hosen anzog. Ich selbst schlüpfte nach dem Duschen sogar in eine dünne Jacke. Nach den letzten Tagen fühlte sich das beinahe surreal an. Man hätte fast meinen können, wir seien versehentlich im Herbst angekommen.
Kurz nach 22 Uhr krochen wir zufrieden ins Bett. Unser erster Tag in Polen hätte kaum entspannter beginnen können. Freundliche Menschen, schöne Landschaften, ein gemütlicher Stellplatz und endlich einmal Temperaturen, bei denen man nachts nicht mit dem Wohnmobil um die Wette schwitzen musste. Genau so darf die Reise gerne weitergehen.
27. Juni 2026
Heute stand ausnahmsweise einmal kein Kilometer auf dem Programm. Wir beschlossen, noch einen zweiten und sogar noch einen dritten Tag hierzubleiben. Eine ausgezeichnete Entscheidung, denn in weiten Teilen Polens kletterten die Temperaturen heute auf knapp 40 Grad. Da fühlte sich unser Stellplatz in den Bergen mit rund 33 Grad und einer leichten Brise fast schon wie ein klimatisiertes Wellnesshotel an. Verrückt, wie schnell sich die Wahrnehmung verändert.
Der Tag begann deshalb ganz gemütlich. Kaffee, Frühstück und möglichst wenig Bewegung. Wir hatten heute nämlich eine wichtige Mission: Reiseplanung. Ja, wir gehörten offiziell zu den Leuten, die einfach losfahren und erst unterwegs überlegen, wo sie eigentlich hinwollen. Funktioniert erstaunlich gut – zumindest meistens.
Also diskutierten wir ausführlich über die nächsten Etappen. Besonders lange beschäftigte uns die Frage, ob wir noch einen grossen Abstecher nach Krakau machen sollten. Die Stadt hätte uns unglaublich gereizt. Dazu das hohe Tatra-Gebirge, die berühmte Salz Mine und natürlich Auschwitz – alles Orte, die wir sehr gerne einmal besuchen möchten.
Je länger wir jedoch rechneten, desto klarer wurde: Dieser Abstecher würde uns locker eine Woche kosten. Und genau diese Woche wollten wir viel lieber weiter oben in Skandinavien verbringen. Schliesslich wartet dort noch genügend Natur auf uns. Ausserdem entstand dabei gleich eine neue Reiseidee. Warum nicht irgendwann eine eigene Tour mit Krakau, Breslau, Prag und weiteren Orten in Polen und Tschechien machen? Plötzlich hatten wir also nicht nur unsere aktuelle Route geplant, sondern gleich auch noch die Reise für irgendwann in der Zukunft. Man muss schliesslich vorausdenken.
Auch Breslau verschoben wir kurzerhand auf später. Die Wetter-App versprach dort Anfang Woche weiterhin Temperaturen um die 35 Grad. Und eine wunderschöne Altstadt macht einfach deutlich mehr Spass, wenn man nicht das Gefühl hat, sie barfuss durch einen Pizzaofen besichtigen zu müssen.
Nachdem die grossen strategischen Entscheidungen getroffen waren, konnten wir den Rest des Tages ganz entspannt geniessen. Der leichte Wind sorgte immer wieder für angenehme Abkühlung. Man ertappte sich regelrecht dabei, jedem einzelnen Windstoss innerlich Danke zu sagen.
Zum Mittagessen gab es Poulet mit Salat – leicht, frisch und genau richtig bei diesen Temperaturen. Danach machten wir uns auf den Weg zu einem Einkaufsladen namens Dino. Allein der Name klang schon sympathisch.
Der Spaziergang führte zunächst leicht bergauf durch den Wald in einen anderen Ortsteil. Dort staunten wir nicht schlecht. Plötzlich stand mitten zwischen den Bäumen ein riesiges, modernes Hotel. Vor dem Eingang reihten sich Autos, bei denen man sich fragte, ob der Parkplatz teurer war als unser ganzes Wohnmobil. Offenbar wusste auch die Luxusklasse, wo man der Hitze etwas entkommen konnte.
Von dort ging es weiter der Hauptstrasse entlang. Diese war gesäumt von Restaurants, Pensionen, Hotels und Souvenirgeschäften. Einige Restaurants sahen aus wie frisch aus einem Architekturmagazin, andere erinnerten eher daran, dass auch die Achtziger einmal modern waren. Gerade dieser bunte Mix machte den Ort irgendwie sympathisch.
Im Dino angekommen erwartete uns ein Einkaufserlebnis der etwas anderen Art. Der Laden wirkte auf den ersten Blick, als hätte jemand sämtliche Regale einmal kräftig durchgeschüttelt. Trotzdem fanden wir erstaunlicherweise alles, was wir brauchten. Irgendwie herrschte dort ein ganz eigenes Ordnungssystem – vermutlich eines, das nur Einheimische vollständig verstehen. Positiv überrascht waren wir ausserdem von den Preisen. Einkaufen machte hier richtig Spass, zumindest solange man nicht den Einkaufswagen mit einem Kompass navigieren musste.
Für den Rückweg wählten wir eine andere Strecke. Zuerst ging es steil hinunter bis zur Hauptstrasse und anschliessend über eine ruhige Nebenstrasse zurück Richtung Stellplatz. Irgendwann entdeckte ich eine Abkürzung quer über die Skipiste. Natürlich musste ich diese ausprobieren. Cornelia entschied sich für die Strasse.
Am Abend verzichteten wir wegen der Temperaturen auf ein warmes Nachtessen und assen einfach kalt. Genau das Richtige.
Anschliessend nutzten wir noch einmal das kleine Sanitärgebäude. Die Duschen hatten ihren ganz eigenen Charakter. Der Wasserdruck wechselte ständig zwischen «angenehmer Sommerregen» und «vorsichtiges Tröpfeln». Auch die Wassertemperatur überraschte zwischendurch mit spontanen Meinungsänderungen. Aber alles blieb absolut im grünen Bereich und sorgte höchstens für ein kleines Schmunzeln.
Den Abend verbrachten wir wieder ganz gemütlich vor dem Wohnmobil. Wir spielten noch eine Runde, genossen die herrliche Aussicht und atmeten die angenehm frische Bergluft ein. Nach den Hitzetagen der letzten Woche fühlte sich diese fast schon luxuriös an.
Als es langsam dunkel wurde, wartete noch ein unerwarteter Besucher auf uns. Plötzlich spazierte ganz gemütlich ein Fuchs über den Stellplatz, als würde er jeden Abend seine Kontrollrunde drehen und nachsehen, ob alle Camper auch brav auf ihren Plätzen standen. Er liess sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und verschwand genauso entspannt wieder im Wald.
Ein perfekter Abschluss für einen herrlich ruhigen Reisetag – ganz ohne Fahrstress, dafür mit grossen Reiseplänen, einem leicht chaotischen Dino-Supermarkt, einer zweifelhaften Abkürzung über die Skipiste und einem Fuchs, der offensichtlich ebenfalls eine Reise machte.
28. Juni 2026
Heute erreichte die Hitzewelle ihren absoluten Höhepunkt. Unten im Land kletterten die Temperaturen auf unglaubliche 40 bis 41 Grad. Bei uns oben in den Bergen sollten es "nur" 34 Grad werden. Es ist schon erstaunlich, wie man irgendwann anfängt, 34 Grad als angenehm zu bezeichnen. Vor einer Woche hätten wir bei dieser Aussage vermutlich selbst den Kopf geschüttelt.
Deshalb stand heute ein äusserst anspruchsvolles Tagesprogramm auf dem Plan: gepflegtes Nichtstun.
Und wir dürfen mit Stolz sagen – wir haben diese Disziplin mit Bravour gemeistert.
Schon am Morgen war klar, dass jede unnötige Bewegung sofort in Schweiss umgewandelt würde. Also suchten wir uns den besten Schattenplatz, genossen den leichten Wind und beobachteten einfach das entspannte Treiben auf dem Stellplatz. Manchmal sind genau solche Tage die schönsten.
Zum Mittag zauberte Cornelia einen herrlich frischen Salat auf den Tisch. Ich legte noch ein paar Würstchen auf den Grill, während für Cornelia ein feines Pouletplätzli brutzelte. Mehr brauchte es bei dieser Hitze wirklich nicht.
Der Nachmittag brachte dann doch noch eine sportliche Herausforderung mit sich. Allerdings keine Wanderung, sondern die hohe Kunst des Sonnentuch-Managements. Gefühlt alle zehn Minuten wurde das Tuch etwas nachgespannt, versetzt oder neu befestigt. Die Sonne schien nämlich entschlossen zu sein, jede noch so kleine Schattenlücke sofort auszunutzen. Am Ende fühlten wir uns fast wie Ingenieure mit Spezialisierung auf mobile Schattentechnik.
Gegen Abend beschlossen wir dann doch, den Kreislauf noch einmal vorsichtig herauszufordern. Wir hatten gelesen, dass die Kirche im Ort sehenswert sein soll. Laut Google Maps war sie auch gar nicht weit entfernt. Was Google allerdings grosszügig verschwieg, war die Tatsache, dass zwischen uns und der Kirche gefühlt ein halber Berg lag. Entfernung und Höhenmeter sind eben zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Also marschierten wir los.
Zunächst ging es gemütlich am grossen Hotel vorbei. «Ach, das geht ja noch», dachten wir. Wenige Minuten später erschien allerdings die erste richtige Steigung. Bereits beim Anblick begann der Puls vorsorglich Überstunden zu machen. Wir liefen langsam weiter, aber bei dieser Hitze fühlte sich jeder Schritt an, als würden wir den Mount Everest besteigen.
Nach einer kleinen Verschnaufpause an der Hauptstrasse wartete bereits die nächste Überraschung: Noch etwa 300 Meter bergauf bis zur Kirche. Der Anfang war so steil, dass man kurz überlegte, ob man nicht lieber rückwärts hochlaufen sollte. Danach wurde es zwar etwas angenehmer, aber bergauf blieb eben bergauf.
Als wir endlich oben ankamen, waren wir stolz, überhaupt noch aufrecht stehen zu können.
Vor uns stand eine wunderschöne kleine Stabkirche. Tatsächlich handelte es sich um eine originale norwegische Stabkirche, die irgendwann einmal hierher gebracht und wieder aufgebaut worden war. Vermutlich dachte sich damals jemand: «Die passt doch hervorragend hierher.» Und ehrlich gesagt hatte diese Person recht. Die kleine Kirche sah wirklich wunderschön aus.
Wir spazierten einmal rundherum und genossen den herrlichen Ausblick ins Tal. Anschliessend prüften wir, ob die Kirche geöffnet sei. Zunächst war sie verschlossen. Kurz darauf erschien jedoch ein Mann und öffnete die Türe.
Der Eintritt konnte allerdings nur bar bezahlt werden.
Wir schauten uns kurz an und waren uns sofort einig. Wir werden auf unserer Reise Richtung Norden vermutlich noch einige Stabkirchen von innen sehen. Also verabschiedeten wir uns freundlich und betrachteten die Kirche einfach weiterhin von aussen. Sie lief ja schliesslich nicht davon.
Ganz in der Nähe entdeckten wir allerdings noch einen Bancomaten. Sicherheitshalber holten wir dort etwas Bargeld. Man weiss ja nie, wann das nächste Eis, eine Dusche oder eben eine Kirche plötzlich nur noch mit Bargeld bezahlt werden kann.
Für den Rückweg entschieden wir uns für einen Waldweg. Das war eine ausgezeichnete Idee. Unter den Bäumen war es sofort deutlich kühler und richtig angenehm. Der Weg war allerdings übersät mit Wurzeln und Steinen. Man musste also gleichzeitig den Boden beobachten und trotzdem versuchen, nicht gegen einen Baum zu laufen. Eine kleine Koordinationsübung inklusive.
Später führte der Weg wieder auf eine normale Strasse zurück ins Dorf. Dabei fiel uns erneut auf, wie unterschiedlich die Gebäude hier waren. Neben topmodernen Häusern standen immer wieder Gebäude, die aussahen, als hätten sie seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich jede Renovation vermieden. Gerade diese Mischung machte den Ort aber irgendwie sympathisch.
Natürlich führte unser Weg auch heute wieder am Dino-Supermarkt vorbei. Langsam fühlten wir uns dort schon fast wie Stammkunden. Wir kauften noch ein paar Getränke ein. Eine Büchse Fanta musste allerdings sofort vor dem Laden geöffnet werden. Warten wäre bei diesen Temperaturen schlicht unverantwortlich gewesen. Noch nie hat eine Fanta vermutlich so gut geschmeckt.
Der Rückweg führte erneut über die Skipiste. Nachdem ich gestern die Abkürzung alleine getestet hatte, entschied sich heute auch Cornelia dafür. Offenbar hatte sie genug Vertrauen, dass ich sie nicht versehentlich auf einen schwarzen Weltcup-Hang schickte.
Zurück auf dem Stellplatz machten wir es uns wieder gemütlich. Der leichte Wind sorgte erneut für angenehme Abkühlung und wir genossen ein letztes Mal die herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge. Obwohl es tagsüber etwas wärmer gewesen war als gestern, wurde der Abend wieder wunderbar angenehm.
Zum Nachtessen gab es noch einmal eine kalte Mahlzeit. Alles andere hätte vermutlich mehr Schweiss als Appetit produziert.
So liessen wir den Abend ganz entspannt ausklingen. Ein Tag voller Nichtstun, einer überraschend anstrengenden Kirchenwanderung, erfolgreicher Schattenoptimierung und einer eiskalten Fanta, die sich ihren Platz unter den kulinarischen Höhepunkten dieser Reise definitiv verdient hatte.
29. Juni 2026
Heute hiess es Abschied nehmen vom Riesengebirge und unserem Panorama-Stellplatz auf rund 730 Metern über Meer. Ehrlich gesagt fiel uns das gar nicht so leicht. Die Aussicht war traumhaft, die Temperaturen angenehm und der leichte Wind war in den letzten Tagen unser bester Freund geworden. Aber irgendwann ruft eben die nächste Etappe.
Den Morgen genossen wir deshalb noch einmal ganz gemütlich vor dem Wohnmobil. Im Schatten schmeckten Kaffee und Frühstück gleich doppelt so gut. Danach war wieder einmal Abwaschzeit angesagt. Campingreisen bestehen eben nicht nur aus schönen Aussichten, sondern auch aus der täglichen Suche nach dem saubersten Schwamm.
Anschliessend machten wir das Wohnmobil startklar. Cornelia bezahlte noch die Stellplatzgebühr und dann rollten wir los. Diesmal nahmen wir allerdings nicht den steilen Weg, sondern fuhren auf einer anderen Strasse hinunter ins Dorf. Diese war deutlich angenehmer: breit, übersichtlich und sogar mit einem Schotterstreifen am Rand. Nach etwa einem Kilometer erreichten wir bereits die Hauptstrasse. So macht Bergabfahren definitiv mehr Spass.
Unten im Tal staunten wir erneut, wie touristisch dieser Ort eigentlich war. Überall Hotels, Pensionen, Restaurants, Souvenirläden und alles, was das Ferienherz begehrt. Manche Hotels sahen ultramodern aus, andere erinnerten eher an gemütliche Berghotels in Österreich. Dazwischen standen zahlreiche traditionelle Häuser, die den Ort richtig charmant machten. Irgendwann meinten wir beide fast gleichzeitig: «Hier müssen wir im Winter eigentlich auch einmal hin.» das könnte hier richtig schön sein.
Bevor wir endgültig Richtung Norden aufbrachen, machten wir noch Halt bei einer Art Einkaufsdorf. Dort gab es gefühlt alles, was man sich vorstellen konnte. Natürlich führte unser erster Weg in den Action. Dort kauften wir endlich wieder ein Schneidbrett. Seit Santiago de Compostela vermissten wir nämlich eines. Offenbar gehören Schneidbretter zu den Dingen, die auf Reisen genauso geheimnisvoll verschwinden wie einzelne Socken nach dem Waschen.
Danach ging es noch in den Lidl, wo wir unsere Vorräte ergänzten. Mit gut gefülltem Kühlschrank und neuem Schneidbrett fühlten wir uns bestens ausgerüstet für die kommenden Tage.
Nun führte uns die Reise langsam Richtung Autobahn. Die Landschaft war wunderschön. Sanfte Hügel, grosse Wiesen und unzählige Wälder wechselten sich ab. Genau die Art von Strecke, bei der man sich immer wieder dabei ertappt, einfach nur aus dem Fenster zu schauen.
Unser Ziel war heute ein Stellplatz in der Nähe von Gorzów. Ob wir tatsächlich bis dorthin fahren würden, wussten wir allerdings noch nicht. Zusätzlich meldete das Wetter immer wieder Warnungen vor schweren Gewittern. Also hörten wir unterwegs Podcasts, etwas Radio und beobachteten ständig den Himmel.
Plötzlich kam kräftiger Wind auf. Sicherheitshalber legten wir auf einem Rastplatz eine Mittagspause ein und assen dort gemütlich zu Mittag. Danach ging es weiter. Weil der Wind teilweise ziemlich stark blies, reduzierten wir unser Reisetempo auf ungefähr 80 km/h. Das Wohnmobil fuhr sich so deutlich entspannter und wir mussten nicht ständig gegenlenken.
Irgendwann meldete sich dann auch unser Fiat zu Wort. Genauer gesagt bekam er Hunger. Also gönnten wir ihm eine ordentliche Portion Diesel und gleich noch etwas AdBlue als Dessert. Zufriedene Fahrzeuge reisen schliesslich besser.
Währenddessen wurde der Himmel immer dunkler. Wir rechneten eigentlich jederzeit mit einem heftigen Gewitter. Doch erstaunlicherweise hatten wir richtig Glück. Der Wind liess sogar langsam wieder nach und der Regen blieb meist harmlos. Es nieselte zwischendurch etwas, aber von Starkregen oder Sturm waren wir zum Glück verschont.
Also beschlossen wir, unser Tagesziel doch noch anzufahren.
Die letzten Kilometer hatten allerdings ihren ganz eigenen Charakter. Zuerst führte die Strasse über einen Abschnitt, auf dem offenbar die Schlaglöcher den Kampf gegen den Asphalt haushoch gewonnen hatten. Es gab gefühlt mehr Löcher als Strasse. Wir fuhren Slalom, allerdings nicht freiwillig. Danach wechselte die Strasse plötzlich in einen perfekten Zustand und führte kilometerlang schnurgerade durch einen riesigen Wald. Irgendwann fragte man sich fast, ob der Wald überhaupt jemals wieder aufhört.
Schliesslich erreichten wir unseren Stellplatz. Kaum standen wir vor dem Tor, wurde dieses bereits geöffnet und wir wurden freundlich empfangen. So darf ein Check-in gerne immer ablaufen. Der Platz selbst gefiel uns richtig gut. Unser Wohnmobil stand auf einer Art Damm. Auf der einen Seite befand sich ein Campingbereich mit Wohnwagen – ausschliesslich mit polnischen Nummernschildern – und auf der anderen Seite lag direkt der See. Ausserdem gab es Ferienhäuser, einen grossen Grillplatz, ein Restaurant und einen kleinen Strand mit einem grossen rechteckigen Steg, der den Badebereich umschloss. Wirklich eine schöne Anlage. Dann kam allerdings der kleine Dämpfer des Tages. 200 Złoty.Für eine Nacht.
Wir schauten uns kurz an und mussten etwas schlucken. Irgendwie kam uns der Preis doch ziemlich happig vor. Andererseits wussten wir eigentlich, worauf wir uns einliessen. In Park4Night hatte der letzte Kommentar genau diesen Preis erwähnt. Offenbar hatten wir diese Information erfolgreich wieder vergessen. Reisegedächtnis eben.
Nun ja – jetzt waren wir hier, weiterfahren wollten wir definitiv nicht mehr, und immerhin war Strom inklusive. Das bedeutete, dass unsere Batterien endlich wieder einmal richtig vollgeladen werden konnten. Man muss die positiven Seiten sehen.
Nach dem Einrichten spazierten wir noch kurz an den See. Das Wasser lag ruhig da und die Abendstimmung war wunderschön. Danach machten wir es uns vor dem Wohnmobil gemütlich. Allerdings hatten auch die Rapsfliegen beschlossen, den Abend mit uns zu verbringen. Und zwar ungefähr zu mehreren Millionen.
Wir kapitulierten ziemlich schnell und verlegten das Abendessen kurzerhand ins Wohnmobil.
Auf den Teller kam ein improvisiertes Geschnetzeltes aus Plätzli mit einer feinen Sauce und Teigwaren. Frei nach dem Motto: Alles zusammen in die Pfanne – Hauptsache lecker. Und genau das war es auch.
Später schrieb ich noch mein Tagebuch, bevor wir einen letzten kleinen Spaziergang dem See entlang machten. Die Temperaturen waren herrlich angenehm, der Himmel leicht bewölkt und die Luft wunderbar frisch.
Zum Abschluss des Tages schauten wir noch gemütlich etwas YouTube. So ging ein weiterer schöner Reisetag zu Ende.
30. Juni 2026
Heute stand ein ganz besonderes Ziel auf dem Programm: Endlich wieder ans Meer! Nach vielen Kilometern durch Wälder, Berge und Städte sollte heute die Ostsee auf uns warten. Allein dieser Gedanke sorgte schon beim Aufstehen für gute Laune.
Stress hatten wir am Morgen keinen. Cornelia gönnte sich zuerst noch eine Dusche, während ich den Tag ganz gemütlich anging. Anschliessend tranken wir unseren Kaffee draussen – allerdings nicht auf unserem Platz, sondern auf der leeren Parzelle hinter uns. Schatten ist auf Campingplätzen schliesslich ein Gemeinschaftsgut... zumindest solange niemand reklamiert.
Das Frühstück nahmen wir dann vorsichtshalber drinnen ein. Unsere guten Bekannten, die Rapsfliegen, hatten uns nämlich auch heute Morgen wieder zuverlässig gefunden. Langsam hatten wir das Gefühl, sie hätten uns auf Google Maps als Sehenswürdigkeit markiert.
Danach machten wir das Wohnmobil startklar. Zuerst ging es wieder über dieselbe Strecke zurück zur Autobahn. Natürlich durfte auch der legendäre Strassenabschnitt nicht fehlen, auf dem die Schlaglöcher zahlenmässig den Asphalt klar besiegt hatten. Man fuhr dort weniger geradeaus als elegant im Slalom. Wahrscheinlich hätte man dafür sogar Punkte bei den Olympischen Spielen bekommen.
Auf der Autobahn ging es anschliessend Richtung Stettin. Dort verwandelte sich die Autobahn irgendwann in eine breite Schnellstrasse mit zwei bis drei Fahrspuren. Der Verkehr lief erstaunlich flüssig und schon bald erreichten wir den Parkplatz, der nur wenige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt lag.
Allerdings mussten wir zuvor noch zwei Tramlinien sowie eine stark befahrene Strasse überqueren. Cornelia meisterte das souverän wie immer. Der Gegenverkehr musste wegen eines Fussgängerstreifens warten. Einer der Autofahrer fand das allerdings überhaupt nicht lustig und betätigte seine Hupe mit grosser Leidenschaft. Offenbar war es eine persönliche Katastrophe, für ein paar Sekunden nicht Vollgas geben zu können.
Überhaupt fiel uns während unserer Zeit in Polen immer wieder auf, dass manche Verkehrsteilnehmer ihre Geduld wohl zuhause vergessen hatten. Natürlich längst nicht alle – aber einige schienen zu glauben, dass jede Verzögerung von mehr als zwei Sekunden eine nationale Krise darstellt. Auch innerorts wurde teilweise erstaunlich zügig gefahren. Besonders als Fussgänger bemerkte man das. Quietschende Reifen beim Anfahren gehörten hier fast schon zur Geräuschkulisse wie anderswo das Vogelgezwitscher.
Wir parkten unser Wohnmobil an einer breiten Einbahnstrasse und lösten brav ein Parkticket. Sicherheitshalber fragte Cornelia noch einen Passanten, ob wir hier wirklich richtig stünden. Seine Antwort war kurz und beruhigend: «Ja, alles gut. Einfach Ticket lösen.»
Perfekt.Nun machten wir uns auf den Weg durch die Stadt. Google Maps durfte wieder einmal unser Reiseleiter spielen und führte uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Allerdings waren wir etwas überrascht. Eine klassische Altstadt, wie wir sie erwartet hatten, fanden wir eigentlich nicht. Es gab wunderschöne Kirchen und beeindruckende historische Gebäude. Dazwischen standen jedoch immer wieder modernere Häuser, die zwar ihren Zweck erfüllten, aber eher selten auf Postkarten landen würden. Irgendwie wirkte alles ein wenig zusammengewürfelt.
Natürlich durfte unterwegs auch eine Glace nicht fehlen. Schliesslich gehören Reisen und Glace genauso zusammen wie Wohnmobil und Campingstuhl. Später erreichten wir den Marktplatz. Der gefiel uns richtig gut. Auf der einen Strassenseite wunderschöne historische Fassaden, auf der anderen Seite eher gewöhnliche Wohnblocks. Es war fast so, als hätten sich zwei völlig unterschiedliche Städte versehentlich denselben Platz geteilt. Dort gönnten wir uns auch das Mittagessen. Cornelia bestellte Pouletflügeli, während ich ein paniertes Schnitzel mit Kartoffeln und feinem Sauerkraut genoss. Einfach, aber richtig lecker.
Danach war unsere Stadtrunde eigentlich schon beendet. Wir spazierten noch etwas unterhalb der Stadt zurück zum Wohnmobil und machten uns wieder auf den Weg Richtung Ostsee. Die letzten zwanzig Kilometer führten über eine normale Hauptstrasse. Alles lief wunderbar – bis Garmin beschloss, kreativ zu werden.
Unser Navigationsgerät war nämlich der festen Überzeugung, wir sollten direkt durch eine gut gefüllte Fussgängerzone fahren.
Wir schauten uns kurz an. «Das... kann doch unmöglich stimmen.» Also fuhren wir erst einmal daran vorbei und wendeten einen Kilometer später in einem Kreisel. Danach versuchten wir eine alternative Route. Diese führte uns allerdings direkt vor eine Schranke eines Ferienresorts. Ende der Vorstellung.
Also wieder wenden.Der dritte Versuch führte schliesslich über eine schmale Strasse, danach über einen Feldweg und schliesslich fast schon ins Abenteuerland. Ehrlich gesagt hatten wir zwischenzeitlich leichte Zweifel. Doch ganz am Anfang des Weges hatte tatsächlich ein Schild auf unseren Stellplatz hingewiesen. Also fuhren wir mutig weiter.
Kurz vor dem Ziel parkierte allerdings ein Handwerker mitten auf der schmalen Zufahrt. Sicherheitshalber gingen wir zuerst zu Fuss nachschauen, ob wir überhaupt richtig waren. Waren wir. Danach baten wir den Handwerker mit Händen, Füssen und einem freundlichen Lächeln, sein Fahrzeug etwas zur Seite zu stellen. Obwohl wir keine gemeinsame Sprache hatten, funktionierte die internationale Sprache der Gestik hervorragend.
Am Stellplatz wurden wir von einer sehr freundlichen Dame empfangen, die uns beim Einchecken half. Danach suchten wir unseren Platz aus. Die Schlüsselkarten für Sanitäranlagen und Infrastruktur warteten in einem kleinen Safe an der Hauswand – ziemlich clever gelöst.
Kaum stand das Wohnmobil, machten wir genau das, worauf wir uns den ganzen Tag gefreut hatten. Ab ans Meer! Ein kurzer Weg führte durch einen kleinen Wald und plötzlich lag sie vor uns: die Ostsee.
Dieser erste Blick aufs Meer ist jedes Mal etwas Besonderes. Sofort waren die letzten Kilometer vergessen.
Wir liefen durch den Sand und anschliessend dem Wasser entlang. Immer wieder ragten Reihen von Holzpfählen ins Meer hinaus und unterteilten den langen Strand in einzelne Abschnitte. Einige Bereiche wurden sogar von Rettungsschwimmern überwacht. Trotz des späten Nachmittags waren noch viele Menschen am Strand unterwegs. Einige badeten, andere spazierten oder genossen einfach die frische Meeresluft.
Nach einer ausgedehnten Runde kehrten wir glücklich zum Wohnmobil zurück.Zum Abendessen gab es einen frischen Salat mit Feta. Leicht, unkompliziert und genau richtig.
Später zog es uns nochmals ins Dorf. Wir wollten uns die Fussgängerzone anschauen. Dort herrschte richtige Ferienstimmung. Souvenirläden reihten sich aneinander und boten gefühlt alles an, was jemals produziert worden war – von Kühlschrankmagneten über Strandspielzeug bis zu Dingen, bei denen man sich ernsthaft fragte, wer so etwas eigentlich kauft.
Natürlich gingen wir in einige Läden hinein. Und tatsächlich...Wir schafften es, nichts zu kaufen. Eine aussergewöhnliche Willensleistung.
Zwischendurch gab es kleine Restaurants, Imbissstände, Spielhallen und allerlei Unterhaltung. Einige Gebäude wurden gerade renoviert, andere standen leer. Gerade dieser bunte Mix verlieh dem Ort seinen ganz eigenen Charme.
Auf dem Rückweg entdeckten wir bei einem alten Turm noch eine gemütlich aussehende Bar. Kurz überlegten wir, ob wir uns dort noch etwas gönnen sollten. Schliesslich entschieden wir uns aber dagegen. Der Strand lockte einfach mehr.
Also schnappten wir unsere grosse Decke und machten es uns noch einmal direkt am Meer gemütlich.
Dort sassen wir lange im Sand und beobachteten das bunte Abendleben. Kinder liessen Drachen steigen, andere planschten noch im Wasser, Spaziergänger schlenderten gemütlich dem Strand entlang und überall herrschte diese entspannte Ferienstimmung, die man einfach nur am Meer findet.
Der Sonnenuntergang selbst wollte zwar nicht so richtig mitspielen. Dicke Wolken verdeckten den Horizont und verhinderten das grosse Farbenspektakel. Trotzdem entstand eine wunderschöne Abendstimmung. Das Licht spiegelte sich auf dem Wasser, die Wolken färbten sich langsam und die Ostsee zeigte sich von ihrer ruhigen Seite.
Zurück im Wohnmobil liessen wir den Tag noch gemütlich mit etwas YouTube ausklingen.
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