1. Mai 2026

 

Heute eigentlich ein klassischer „Wir fahren weiter!“-Tag. Eigentlich. Denn wie so oft hatte unser Plan ungefähr die Stabilität eines Kartenhauses im Wind. Der Stellplatz war wegen des Feiertags gut gefüllt (gefühlt halb Portugal im Wohnmobil unterwegs), und statt Stress machten wir einfach das Naheliegendste: bleiben. Noch eine Nacht gebucht, Entscheidung vertagt, Problem elegant gelöst.

Zur Einstimmung gab’s erstmal Strandkino. Wir setzten uns hin und schauten den Wellenreitern zu – wobei „reiten“ teilweise etwas optimistisch formuliert ist. Einige surften ziemlich souverän, andere kämpften schon damit, überhaupt durch die Brandung rauszukommen. Wir fanden es auf jeden Fall spannend, ihnen Zuschauen.

Dann wurden die Velos startklar gemacht, Ziel: Costa Nova. Der Weg begann… sagen wir mal „abenteuerlich“ – eine Schlaglochstrasse zurück ins Dorf, ein paar Sackgassen später und leichtem Orientierungschaos fanden wir dann doch den Veloweg. Und der war richtig schön: meist betoniert, zwischendurch immer wieder längere Holzstege, auf denen es beim Kreuzen etwas eng wurde. Links die Strasse, dahinter Dünen, rechts der Fluss – ziemlich idyllisch.

In Costa Nova angekommen, drehten wir erst eine kleine Ehrenrunde mit den Velos, bevor wir sie an einer Laterne parkten und das Dorf zu Fuss erkundeten. Die berühmten gestreiften Häuser in allen möglichen Farben sahen aus, als hätte jemand eine überdimensionale Zuckerstangen-Sammlung gebaut. Natürlich sehr fotogen. Wir schlenderten durch Restaurants, Läden und einen Fischmarkt.

Am Dorfrand warteten dann zwei riesige Stühle – komplett überdimensioniert und natürlich perfekt für ein obligatorisches Foto. Einer weiss-blau, der andere rot-weiss, passend zum Rest des Dorfs. Gleich daneben lag ein grosses Restaurantschiff am Steg – auch nicht gerade unauffällig.

Ein Abstecher zum Strand durfte nicht fehlen. Über einen Holzsteg ging’s auf die Düne, Blick aufs Meer… nett, aber jetzt kein „Wow, das verändert mein Leben“-Moment. Also zurück ins Dorf, auf der Suche nach Lauch. Ergebnis: Fischhalle ohne Lauch, denn wir eigentlich suchten und ein Supermarkt in der wohlverdienten Mittagspause. Timing kann man nicht kaufen.

Also wieder rauf aufs Velo und zurück Richtung Praia da Vagueira. Unterwegs noch ein paar Stopps: ein hübsches Boot, ein Holzsteg mit Blick auf den Fluss und einer kleinen Bucht, hier war alles voll mit kleinen Fischen – die üblichen „Oh schau mal!“-Momente. Zurück im Ort fanden wir dann endlich den Supermarkt von gestern. Mission Lauch: erfolgreich. Während Cornelia einkaufte, übernahm ich die hochverantwortungsvolle Aufgabe des Velobewachens.

Danach ging’s nochmal an den Strand – diesmal direkt bis zu einer kleinen Bar am Ende. Zwei Drinks, Nachos und bestes Wellenkino inklusive. Vor uns ein Wellenbrecher, daneben eine Steinmauer, an der das Wasser spektakulär hochspritzte. Definitiv Premiumplätze.

Zurück beim Stellplatz packten wir nochmal unser grosses Tuch und zwei Bier ein und gingen ein letztes Mal an den Strand. Muscheln sammeln, rumliegen, Wellen und Wolken beobachten – ein ziemlich perfekter Ausklang. Ein paar Surfer waren noch draussen, aber schon etwas weiter weg.

Zurück im Camper zauberte Cornelia Teigwaren mit Poulet und Lauchsauce (der Lauch hatte sich also definitiv gelohnt), während ich Tagebuch schrieb. Am Abend wagten wir noch einen letzten Blick Richtung Sonnenuntergang – leider versteckte sich die Sonne konsequent hinter einer dicken Wolkendecke. Kein Drama, wir wechselten einfach zu Plan B: ein bisschen YouTube und gemütlich den Tag ausklingen lassen.

2. Mai 2026

 

Der Tag begann mit einem kleinen Abschiedsschmerz – wir mussten unseren Platz in den Dünen verlassen. Immerhin: Das Wohnmobil hatte keine Lust auf Drama und kam problemlos aus dem Sand frei. Noch schnell Grauwasser entsorgt, ordentlich Frischwasser gebunkert (man weiss ja nie) und dann ging’s los. Das Wetter spielte allerdings eher im Team „grau mit Aussicht auf noch grauer“.

Nächstes Ziel: Aveiro. Dank eines Tipps vom Nachbarn steuerten wir zielsicher einen Parkplatz an – nach einem kurzen Abstecher entlang eines Kanals, vorbei an ersten bunten Booten, die schon mal neugierig machten. Über eine kleine Brücke ging’s auf die andere Seite, parken und ab ins Zentrum.

Kaum unterwegs, war klar: Diese bunten Boote (Moliceiros) sind hier das Ding – und natürlich wollten wir auch eine Runde drehen. 15 Euro für 45 Minuten? Klingt fair. Aber wie echte Profis im Aufschieben dachten, wir: „Später.“ (Spoiler: Wir machen es natürlich trotzdem.)

Erstmal Sightseeing. Fotos im Zentrum, dann ab in einen hübsch angelegten Park mit Teichen. Highlight: eine ziemlich schicke Metall-Passerelle über die Strasse. Ich sofort hoch wie ein kleines Kind auf einem Klettergerüst, Cornelia eher pragmatisch unten durch – zwei Philosophien, ein Ziel.

Nach dem Park ging’s zurück Richtung Zentrum, mit einem kurzen Zwischenstopp fürs Telefonat mit Luca (Fahrradkette defekt). Danach noch ein Abstecher in eine Kirche – eine spannende Mischung aus alt und modern, so ein bisschen „Tradition trifft Upgrade“.

Zurück am Kanal wurde es lebhafter: mehr Leute, mehr Restaurants, mehr Versuchung. Also rein in eines davon. Cornelia bekam Fleisch mit Essiggemüse, ich Garnelen – wobei ich mir unter „Garnelen“ etwas… anderes vorgestellt hatte. Aber gut, Abenteuer gehört dazu, auch auf dem Teller.

Dann endlich: Bootstour-Zeit. Wir schnappten uns ein ziemlich volles Boot, das kurz vorm Ablegen war – Timing on point. Unser Guide Miguel war ein Entertainer durch und durch. Leider hauptsächlich auf Portugiesisch. Es klang alles sehr lustig, das Publikum lachte viel… wir lachten einfach mal mit, sicher ist sicher. Ein paar Infos gab’s auf Englisch, ein paar deutsche Wörter hatte er auch parat, und als Highlight spielte er uns sogar ein TikTok-Video auf Deutsch ab. Bildung 2026.

Die Tour selbst führte uns zur Schleuse, durch einen Nebenkanal und schliesslich zu einer Keramikfabrik. Schön, aber mit Sprachbarriere eher „visuell interessant“ als „inhaltlich tiefgehend“. Ich bin ziemlich sicher, wir hätten uns sehr viel gelacht, wenn wir alles verstanden hätten.

Nach der Bootsfahrt erkundeten wir noch einen schmaleren Kanal mit mehreren Brücken, die mit bunten Bändern geschmückt waren. Liebessymbole: Namen draufschreiben, festbinden, küssen – Beziehung gesichert. (Marketingtechnisch genial.)

Ein kurzer Abstecher zum Fischmarkt – leider komplett leer – und dann zurück zum Wohnmobil. Dort wartete schon die nächste Überraschung: Wasserverlust. Es tropfte fröhlich aus der Verschalung der Leitungen. Diagnose: Frischwasser, immerhin nichts Dramatisches. Lösung vor Ort: „Mal ein bisschen dran drücken und hoffen.“ Die klassische Camper-Reparaturstrategie. Das eigentliche Problem vertagten wir elegant auf später.

Weiter ging’s Richtung Torreira. Unterwegs ein kleiner Navigations-Krimi: Google behauptete, eine Brücke sei gesperrt, also Umweg gefahren… nur um festzustellen: Die Brücke war offen. Punktestand Google vs. Garmin damit offiziell unentschieden.

In Torreira angekommen, parkten wir erstmal etwas ausserhalb beim Hafen. Der «offizielle» Stellplatz war ziemlich voll, und die letzte Lücke wirkte eher wie „Hier steht man jetzt für die nächsten drei Monate“. Also lieber ein paar Meter weiter, mit etwas mehr Luft.

Dann zu Fuss zum Hafen – und der hatte wirklich was zu bieten. Viele schöne Fischerboote, richtig fotogen. Wir knipsten fleissig drauf los, genossen die Stimmung… aber sagen wir mal so: Es war toll anzusehen, aber jetzt kein Ort, für den man sofort alles stehen und liegen lassen würde.

Danach beschlossen wir, noch den Standort zu wechseln und fuhren zu einem anderen Parkplatz, näher am Strand. Platz hatte es zum Glück noch genug, obwohl dort bereits erstaunlich viele Wohnmobile standen. Die meisten wirkten, als hätten sie dort schon Wurzeln geschlagen und dem Blick von Leuten, die vermutlich seit Ostern keinen Meter mehr gefahren sind. Ausnahmslos portugiesische Kennzeichen, und mittendrin wir mit unserem ausländischen Nummernschild – ungefähr so unauffällig wie ein Pinguin in der Wüste.

Zum Sonnenuntergang machten wir uns trotzdem noch motiviert auf den Weg an den Strand. Leider hatten die Wolken offenbar andere Pläne und zogen sich pünktlich zur besten Uhrzeit wie ein grauer Vorhang vor die Sonne. Dazu war es auch noch ziemlich frisch, sodass aus romantischem Sunset-Moment eher ein zügiger „Okay, das reicht jetzt auch wieder“-Spaziergang wurde.

Also Rückzug ins warme Wohnmobil – definitiv die bessere Entscheidung. Dort machten wir es uns gemütlich, ich erstellte noch ein Geburtstagsvideo für Nina und der Rest des Abends bestand aus einer bewährten Kombination aus Spiele spielen, YouTube schauen und einfach gemütlich den Tag ausklingen lassen.

3. Mai 2026 

 

Die Nacht hatte es in sich: Kaum war es 22 Uhr, verwandelte sich das Dorf in eine Mischung aus Open-Air-Club und Feuerwerksfestival. Musik tönte, Raketen zischten – an Schlaf war erstmal nicht zu denken. Irgendwann gegen Morgen kehrte dann doch Ruhe ein, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Der Tag startete dafür umso gemütlicher. Erst wurde mit dem Geburtstagskind Nina telefoniert, die ganz entspannt in Neuenegg auf dem Tennisplatz stand und Mario zuschaute. Danach war Thomas dran – ebenfalls Geburtstagskind, also doppelt Grund zum Gratulieren. Nebenbei gab’s Frühstück und einen Himmel, der sich einfach nicht entscheiden konnte: Sonne, Wolken, Regen – alles im Wechsel, als würde jemand durch die Wetter-App scrollen.

Gegen 11 Uhr fiel uns auf, dass gefühlt der gesamte Stellplatz Richtung Dorf marschierte. Klassischer Fall von: „Da ist was los – wir müssen da auch hin.“ Also hinterher. Im Zentrum angekommen warteten schon zwei festlich geschmückte Boote, darunter auch „unsere“ Fatima, die wir am Vortag noch auf einem Traktor gesehen hatten. Dazu eine Bühne (Verursacher der nächtlichen Beschallung) und eine lange Straße, die nach Event roch.

Wir schlenderten los, vorbei an Marktständen mit allem Möglichen – auffällig viele Spielsachen, falls man spontan beschließt, wieder Kind zu werden. Danach wurde es spannend: Menschen standen links und rechts am Straßenrand und warteten. Und wir? Natürlich dazugestellt. Profi-Touristenverhalten.

Dann ging’s los. Erst eine Trommelgruppe, die ordentlich Stimmung machte, gefolgt von wunderschön geschmückten Heiligenfiguren, jeweils auf Podesten getragen – immer von vier Personen, farblich perfekt abgestimmt auf den Blumenschmuck. Das Ganze hatte echt Stil. Über zehn solcher Figuren zogen vorbei, begleitet von emotionaler Musik, die erstaunlich gut ins Herz traf.

Wir schlossen uns dem Umzug an, liefen ein Stück mit und ließen uns einfach treiben. Am großen Platz trennten sich unsere Wege dann wieder vom Geschehen. Die Figuren wurden Richtung Meer aufgestellt, eine Predigt begann – und wir machten uns dezent zurück zum Wohnmobil.

Beim Wohnmobil hieß es dann: Abfahrbereit machen. Nächster Stopp: Ikea. Auf dem Weg dorthin noch schnell eine Waschanlage mitgenommen – große Hoffnung, mäßiges Ergebnis. Die Insekten auf der Front? Haben sich offenbar fest entschlossen, dort wohnen zu bleiben.

Weiter ging’s Richtung Porto, über eine imposante Brücke und schließlich zum Ikea. Parkplatz? Überraschend entspannt. Drinnen dann der klassische Rundgang – einmal alles sehen, nichts brauchen und trotzdem mit Sachen rausgehen: ein Strandkissen, eine Vase, eine künstliche Pflanze (eigentlich ein No-Go, aber naja) und Aufbewahrungsbeutel.

Danach ging’s weiter zum Campingplatz in Vila Cha. Ziemlich voll, aber mit etwas Glück bekamen wir noch einen Platz. Die Platzsuche glich allerdings eher einer Ehrenrunde mit Nervenkitzel – enge Wege, Bäume verdächtig nah an den Spiegeln. Am Ende fanden wir doch noch eine Ecke – irgendwo zwischen „ganz hinten“ und „eigentlich vorne“.

Strand-Check durfte natürlich nicht fehlen. Nur etwa 200 Meter entfernt, aber statt breitem Sandstrand gab’s eher eine schmale, felsige Variante. Der Holzsteg dorthin hatte auch schon bessere Zeiten gesehen – aber er hielt.

Am Strand entdeckten wir ein Restaurant – also rein da. Zwei Drinks, dazu Erdnüsse, Oliven, Bohnen und Pommes. Klang gut, war… interessant. Ganze Erdnüsse, Oliven mit Stein, Bohnen eher Kategorie „gewöhnungsbedürftig“, aber immerhin besser als frühere Bohnen-Erfahrungen. Und wie so oft: etwas zu viel bestellt.

Fun Fact am Rande: gefühlt war das halbe Lokal aus der Schweiz. 

Zurück am Wohnmobil noch schnell im Campingladen eingekauft, ein bisschen draußen gesessen und dann gab’s zum Abendessen Fleisch mit den restlichen Teigwaren. Danach noch ein bisschen YouTube.

4. Mai 2026 

 

Der Plan war glasklar: Porto. Nichts anderes. Keine Diskussion. Also nach einem eher symbolischen Frühstück (mehr so „wir haben gegessen“, nicht „wir sind satt“) wurden die Velos ausgepackt und es ging Richtung Bahnhof – praktischerweise direkt bei einem riesigen Outlet-Center.

Weil wir keine Lust auf Kopfsteinpflaster-Hölle plus Verkehr hatten, entschieden wir uns für eine „clevere“ Alternativroute. Ergebnis: weniger Verkehr, dafür… immer noch Kopfsteinpflaster. Und zwar durchgehend. Nach 20 Minuten Dauergerüttel fühlten wir uns wie frisch durchgemixt, aber immerhin kamen wir an. Velos abgestellt, abgeschlossen und rein ins Bahnhofsabenteuer.

Ticketkauf? Natürlich nicht ganz ohne Drama. Kreditkarte: „Nein ging nicht“ Bargeld: „Na gut, nach längerem hin und her.“ Kaum hatten wir die Tickets, fuhr auch schon der Zug ein – Timing ausnahmsweise auf unserer Seite. Ziel: Trindade. Von dort ging’s zu Fuß weiter, direkt in Richtung der ersten Türme, die schon verheißungsvoll am Horizont auftauchten.

Vorbei am Rathaus, kleiner Umweg zum Löwenbrunnen (Spoiler: die Löwen hatte heute keinen guten Tag – eher Kategorie „kann man machen, muss man aber nicht“). Dafür rettete eine Kirche in der Nähe die Ehre: komplett mit Keramikfliesen überzogen und einem riesigen, leicht verblassten, aber trotzdem beeindruckenden Bild. Danach ging’s durch Straßen voller bunter Häuser und über Plätze, bei denen man sich ernsthaft fragen musste, ob der Speicherplatz für Fotos reicht.

Weiter Richtung Hafenviertel. Unterwegs noch ein Fotostopp bei einem bunten, nostalgischen Tram – gefühlt so alt wie die in Lissabon, aber mit mehr Farbe. Dann: Essensmission. Zwei Bifanas – einmal Fisch, einmal Fleisch – geschnappt und in der Nähe der Kathedrale verspeist. Kulisse: top.

Die Kathedrale selbst ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Eintritt bezahlt, Innenhof erkundet, Räume angeschaut. Ich dachte mir: „Komm, Turm geht noch.“ Cornelia blieb entspannt unten. Oben dann die Erkenntnis: schöne Aussicht, aber… irgendwie genau die gleiche wie von unten. Aber hey, Bewegung schadet nie.

Danach ging’s runter ins Ribeira-Viertel – und das war wirklich ein Highlight. Bunte Fassaden, lebendige Stimmung, direkt am Fluss – Postkartenmotiv in echt. Spontan entschieden wir uns für eine der berühmten „6-Brücken-Bootstouren“. Tickets gekauft, Wasser besorgt und dann… plötzlich eine riesige Schlange. Wir sahen uns schon stehen, aber nein – wir ergatterten zwei richtig gute Plätze, fast vorne.

Während der Fahrt: wunderschöne Ausblicke auf Porto und Gaia. Sechs Brücken, jede mit Erklärung (zumindest theoretisch – akustisch war das eher ein Ratespiel). Erst flussaufwärts, dann zurück mit ordentlich Gegenwind. Zum Glück hatten wir Jacken dabei – selten war man so dankbar für Stoff. Ich hatte während der Fahrt so ein leicht mulmiges Gefühl (Fluss + diese hohen Brücken + Boot), während Cornelia das Ganze einfach nur genoss.

Nach etwa 50 Minuten wieder zurück an Land – und direkt weiter zum nächsten Programmpunkt: Essen. Ein Restaurant am Hafen lockte mit einem Fleischspieß, den Cornelia unbedingt probieren wollte. Das Ganze kam in einer feuerfesten Form, wurde am Tisch angezündet (ja, wirklich) und wir durften unser Fleisch selbst fertig „bräteln“. Romantisch? Ja. Leicht stressig, weil das Feuer einfach nicht ausgehen wollte? Auch ja. Am Ende musste der Kellner eingreifen und das Ganze professionell beenden. Ergebnis: lecker, leicht abenteuerlich.

Danach ein Spaziergang entlang des Hafens bis zur großen Metallbrücke und wieder zurück – einfach, weil’s schön war. Anschließend noch ein Abstecher zur Markthalle: viel Kunsthandwerk, viele Versuchungen, aber wir blieben standhaft. Ein paar Shops später (inklusive der obligatorischen T-Shirt-Läden mit „lustigen“ Sprüchen und Keramikfliesen in allen Variationen) ging’s zurück Richtung Bahnhof.

Natürlich verpassten wir unseren Zug – wäre ja auch zu einfach gewesen. Also 30 Minuten warten und Leute beobachten. Dann Rückfahrt zum Outlet-Center.

Dort noch schnell in den Nike Store – Ergebnis: nichts gefunden. Dafür die Erkenntnis, dass dieses Outlet gefühlt die Größe einer Kleinstadt hat. Ausgang suchen wurde zur Schnitzeljagd. Zwischendurch entdeckten wir einen Food-Court mit einem bekannten gelben „M“. Widerstand zwecklos. Ergebnis: naja… sagen wir so, es hat den Hunger gestillt, aber Begeisterung sieht anders aus.

Nach einer gefühlten Ewigkeit fanden wir endlich den Ausgang – natürlich auf der komplett falschen Seite im Vergleich zu unseren Velos. Also einmal um das ganze Gebäude herum, Velos geschnappt und zurück zum Camping.

Abends noch kurz draußen gesessen, aber schnell gemerkt: nein, zu kalt. Also rein ins Wohnmobil, gemütlich gemacht und den Tag entspannt ausklingen lassen – mit dem guten Gefühl, Porto ziemlich intensiv erlebt zu haben.

5. Mai 2026 

 

Der heutige Tag, stand ganz im Zeichen eines klaren Ziels: Bom Jesus do Monte – diese ikonische Kirche mit der riesigen Treppe, die man gefühlt schon tausendmal irgendwo gesehen hat. Also… zumindest dachten wir das.

Der Morgen begann entspannt – vielleicht ein bisschen zu entspannt. Frühstück in der Kategorie „reicht schon“, dazu ein Wetter, das sich nicht entscheiden konnte. Beim Abwasch dann der erste kleine Dämpfer: kein warmes Wasser. Das gibt’s hier erst ab 11 Uhr. Also Planänderung: Cornelia übernimmt den Abwasch im Wohnmobil, ich widme mich meinem Tagebuch – Teamwork vom Feinsten.

Danach alles startklar gemacht: aufgeräumt, Camping bezahlt, Grauwasser entsorgt, Frischwasser aufgefüllt – man weiß ja nie, was die nächsten Tage bringen. Dann der Versuch, das Dorf zu verlassen… sagen wir so: Es war komplizierter als gedacht. Aber hey, ein bisschen Chaos gehört dazu.

Am riesigen Outlet vorbei (diesmal standhaft geblieben!) ging’s Richtung Braga. Autobahn, alles easy – bis plötzlich nicht mehr. Die Straße wechselte von „läuft“ zu „ui, das ist aber eng hier“ innerhalb von Sekunden. Danach wieder etwas breiter und schließlich kurvig den Berg hoch – viele Kurven, viele Höhenmeter, viel Konzentration.

Oben angekommen parkten wir bei einem hübsch angelegten Park und machten uns auf den Weg zur Kirche. Alles sah wirklich toll aus: gepflegte Anlagen, viel Grün, einfach schön gemacht. Wir liefen zur Kirche hoch und dann zur großen Treppe. Aussicht? Mega. Braga lag uns zu Füßen, gefühlt konnte man bis zum Meer schauen (Fernglas natürlich nicht dabei – Klassiker).

Aber irgendwas war… komisch. Diese Treppe? Die kam uns anders vor. Nicht falsch, aber irgendwie nicht das, was wir im Kopf hatten. Trotzdem: runterlaufen geht immer. Unten angekommen wartete ein schöner Platz mit Statue, also alles gut – und danach wieder hoch. Sportprogramm erledigt.

Pünktlich dazu setzte der Regen ein. Timing wieder einmal fast perfekt. Oben rettete uns eine überdachte Fläche und eine große Halle, die eher nach Veranstaltungssaal als nach klassischer Kirche aussah – mit Stühlen und einem zentralen Podest. 

Mit Schirmen bewaffnet ging’s weiter durch die Anlage. Danach waren wir noch in der Kathedrale, diese war, etwas düster, aber wirklich schön. Danach vorbei an Restaurants, Parks, Statuen und weiteren Gebäuden. Alles sehr gepflegt und sehenswert. Zum Abschluss noch eine kleine Extra-Runde und dann durch den Park zurück zum Wohnmobil. Genau in dem Moment: Starkregen. Wir haben einfach ein Talent für perfektes Timing.

Auf dem Weg zurück sprachen wir noch darüber, dass es zwar schön war… aber eben nicht so, wie wir es in Erinnerung hatten. Kleiner Spoiler: unser Bauchgefühl hatte recht.

Zurück Richtung Autobahn gab’s noch ein kleines Schauspiel: Ein Lastwagen kämpfte mit der Auffahrt – unklar, ob er nicht wollte oder nicht konnte. Nach kurzer Wartezeit kamen wir vorbei. Die Auffahrt selbst? Steil, eng und gefühlt von 0 auf 100.

Dann das nächste Abenteuer: Navi sagte rechts, wir sagten… irgendwie doch links. Zack – falsche Autobahn. Also 10 km fahren, wenden, gleich noch tanken – wenn schon, denn schon.

Und dann kam der große Moment der Erkenntnis: Beim nochmaligen Check merkten wir, dass wir gar nicht beim Bom Jesus do Monte waren… sondern beim Santuário do Sameiro. Und keiner. Hat es. Gemerkt.  Ja. Genau.

Warum wir das vor Ort nicht nochmal überprüft haben? Gute Frage. Wahrscheinlich waren wir zu beschäftigt damit, uns zu wundern, warum alles „irgendwie anders“ aussieht. Fazit: neues Ziel für den nächsten Portugal-Trip gesichert.

Ein bisschen geärgert haben wir uns – aber mehr über uns selbst als über alles andere. Danach ging’s weiter Richtung Spanien. Landschaft: wieder grüner, hügeliger, richtig schön.

Kurz vor dem Übernachtungsplatz noch einkaufen und dann auf einen Parkplatz direkt am Strand. Offiziell überall Verbotsschilder für Wohnmobile – aber es gab diese eine Zone, wo es offenbar doch okay war. Wir standen zu dritt dort, mit Frontblick aufs Meer. Nicht schlecht.

Noch kurz an den Strand mit unseren kleinen Stühlen – Surfschule inklusive, viele Kinder im Wasser, richtig lebendig. Der Abend gehörte dann dem Tagebuch, dem Sonnenuntergang und einfach dem Genießen.

Einziger Haken: Zeitumstellung. Uns wurde mal eben eine Stunde geklaut. Einschlafen? Schwierig. Also noch schnell aufs Handy geschaut und das Halbfinale der UEFA Champions League verfolgt – Arsenal FC gewann gegen Atlético Madrid.

Ein Tag voller kleiner Umwege, großer Erkenntnisse und der beruhigenden Gewissheit: Man kann auch am falschen Ort einen schönen Tag haben.

 

6. Mai 2026

 

Heute hiess es Abschied nehmen vom schönen Platz am Strand. Wobei „ruhiger Strandplatz“ vielleicht leicht übertrieben war, denn am Abend zuvor herrschte dort noch ziemlich viel Verkehr. Das lag vermutlich auch am Restaurant direkt hinter uns.

Cornelia war am Morgen bereits länger draussen unterwegs, während ich meinen Kaffee später gemütlich neben ihr auf einer Betonbank auf dem Parkplatz trank. Nicht gerade die romantischste Caféterrasse der Welt, aber immerhin mit Meeresluft.

Danach stand zuerst der spannende Teil des Reisens an: Reiseplanung, Buchhaltung und all die Dinge, die man unterwegs eben auch erledigen muss. Gegen 11 Uhr machten wir uns dann endlich wieder auf den Weg.

Die erste Herausforderung liess nicht lange auf sich warten. Gleich die erste Ampel lag an einer extrem steilen Stelle. Schon gestern beim Runterfahren hatten wir gedacht: „Hoffentlich müssen wir hier nie anhalten.“ Natürlich sprang die Ampel genau im richtigen Moment auf Rot. Aber der Fiat und Cornelia meisterte das Ganze völlig souverän.

Auf der Autobahn kamen wir später an einem Unfall vorbei. Feuerwehr, zerstörtes Auto und mindestens eine Person noch im Fahrzeug – kein schöner Anblick und definitiv einer dieser Momente, die einen kurz still werden lassen.

Danach brauchten wir erst einmal einen klassischen Autobahn-Stopp: Pipi-Pause und etwas Kleines zu essen. Frisch gestärkt verliessen wir später die Autobahn wieder. Anfangs war die Strecke noch wunderbar zu fahren, doch dann hatte Garmin offenbar wieder beschlossen, uns eine seiner legendären „Abkürzungen des Schreckens“ zu präsentieren.

Die Strasse war ungefähr so breit wie unser Auto – etwas übertrieben, vielleicht mit drei Zentimetern Reserve – und rechts daneben wartete ein tiefer Graben. Kreuzen mit Gegenverkehr wurde dadurch zu einer Mischung aus Nervenkitzel und Vertrauensübung. Zum Glück dauerte dieser Abschnitt nur ein paar Kilometer.

Danach wurde die Strecke wieder deutlich entspannter und führte durch eine wunderschöne Landschaft mit Hügeln, Sandstränden und Felsen bis zum Leuchtturm. Nur das letzte Dorf verlangte nochmals volle Konzentration, da die Strasse direkt am Hafen entlang enger wurde.

Beim Leuchtturm angekommen, stand bereits ein Fahrzeug auf dem besten Platz. Wir entschieden uns deshalb für Platz 3 – man muss ja auch anderen ihre Glücksmomente gönnen. Die Gegend war wirklich schön, sogar mit Tennisplatz. Allerdings blieb es beim Anschauen, sportliche Höchstleistungen waren an diesem Tag eher nicht geplant.

Wir wollten gleich den Stellplatz bezahlen, doch sämtliche Türen beim Leuchtturm, der offenbar gleichzeitig auch ein Hotel war, waren verschlossen. Bei dem eher regnerischen Wetter blieb deshalb eigentlich nur eine logische Lösung: Mittagsschlaf. Erst ich, dann Cornelia – perfekt organisiert.

Später machte sich Cornelia nochmals auf den Weg und konnte den Stellplatz doch noch bezahlen. Stolze 20 Euro. Ehrlich gesagt hatten wir uns den Platz etwas anders vorgestellt, aber die schöne Fahrt hierher entschädigte dafür wieder ziemlich gut.

Am Abend gab es Tomaten-Mozzarella-Salat mit gefüllten Teigwaren. Danach spielten wir noch ein paar Spiele, genossen das Meer und freuten uns darüber, dass das Wetter plötzlich doch noch freundlich wurde. Gegen Abend kam sogar immer mehr Sonne hervor.

Später spazierten wir noch an den Strand, schauten noch etwas YouTube, bevor ich mir zum Tagesabschluss noch das Champions-League-Halbfinale ansah: Bayern gegen PSG. Die Franzosen setzten sich durch und kamen weiter. Cornelia schaute sich währendessen noch den Sonnenuntergang draussen an. Damit endete wieder einmal ein ganz typischer Reisetag – mit steiler Strasse, wilden Garmin-Ideen, Mittagsschlaf und etwas Fussball.

 

7. Mai 2026

 

Der heutige Tag begann wie so oft damit, dass Cornelia bereits hellwach war, während ich noch irgendwo zwischen Traumwelt und Wohnmobildecke festhing. Ich dachte noch: „Wow, die ist aber heute extrem früh unterwegs.“ Bis ich merkte, dass meine Uhr immer noch auf portugiesischer Zeit lief. Technisch gesehen war also gar niemand übermotiviert – ausser vielleicht meine Verwirrung am Morgen. So stand dann auch ich irgendwann gegen 8:30 Uhr auf.

Den Kaffee tranken wir gemütlich draussen auf einer Bank mit Blick aufs Meer. Cornelia hatte unsere Nachbarschaft kennengelernt und war bereits bestens informiert, was man hier in der Gegend alles anschauen könnte. Reisebüro Cornelia hatte also geöffnet. Gemeinsam beschlossen wir, den Platz später zu verlassen und weiterzuziehen. Etwa zwölf Kilometer entfernt sollte es gemäss Google den längsten Sandstrand Galiciens geben. Das klang natürlich vielversprechend.

Aber zuerst machten wir ganz entspannt einen langen Strandspaziergang direkt hier beim Leuchtturm. Rechts davon lagen wilde Felsen, links führte ein Holzsteg zu einem wunderschönen Sandstrand. Wir liefen gemütlich dem Meer entlang, sammelten Muscheln wie zwei ambitionierte Schatzsucher und genossen einfach die Stimmung. Irgendwann breiteten wir noch unsere Decke aus und machten eine kleine Pause mitten in dieser schönen Kulisse.

Zurück beim Wohnmobil gab es erst einmal eine Kleinigkeit zu essen. Inzwischen trafen immer mehr Wohnmobile ein und auch wir machten uns langsam abfahrbereit. Frischwasser auffüllen, Grauwasser mit Hilfe unseres treuen Eimers entsorgen, Müll wegbringen – die glamouröse Seite des Wohnmobil-Lebens eben.

Dann ging es weiter zum nächsten Platz, den uns Park4Night vorgeschlagen hatte. Die Zufahrt bestand aus einem schmalen, geteerten Einbahn-Abenteuerweg, bei dem man innerlich bereits hoffte, dass bloss niemand entgegenkommt. Unten angekommen stellte sich heraus: Der vorgeschlagene Parkplatz war abgesperrt. Perfekt. Also irgendwo wenden, kurz aussteigen, ein paar Meter herumlaufen und dann denselben schmalen Weg wieder zurückfahren.

Der nächste Platz war zum Glück besser erreichbar. Zwar standen wir hier etwas weiter vom Strand entfernt als noch beim Leuchtturm, aber dafür war der Strand selbst absolut traumhaft. Die Stellplätze waren allerdings alle schief. Wirklich alle. Nach mehreren kleinen Rangierübungen fanden wir dann doch noch einen Platz, bei dem man nachts nicht automatisch aus dem Bett rollte.

Natürlich zog es uns sofort wieder an den Strand. Mit Decke und Getränken ausgerüstet marschierten wir los. Der Strand war riesig, allerdings hatte es überall Wasserläufe und kleine Flüsse, sodass der Weg zum Meer eher einem Hindernisparcours glich. Wegen Ebbe und Flut veränderte sich hier ständig alles. Cornelia überquerte den kleinen Fluss mehrmals mutig, versank dabei stellenweise recht tief im weichen Sand und testete damit unfreiwillig die Tragfähigkeit des Untergrunds. Ich blieb heute lieber auf der „sicheren Seite“ und beobachtete das Ganze mit professioneller Vorsicht.

Die Landschaft hier war sowieso völlig verrückt: Der Parkplatz und die Umgebung erinnerten an Norwegen, die grossen Steine am Strand sahen fast aus wie in Thailand, das Wasser hatte stellenweise etwas Karibisches – und trotzdem standen wir einfach mitten in Galicien in Spanien. Ein ziemlich wilder Mix.

Wir breiteten unsere Decke bei einigen grösseren Steinen aus und genossen die Ruhe. Nach einer ganzen Weile ging es zurück zum Wohnmobil. Ich kümmerte mich um Polarsteps und das Tagebuch, während Cornelia das Abendessen vorbereitete. Es gab Teigwaren mit Peperoni-Sauce – simpel, aber genau richtig nach einem langen Strandtag.

Später gingen wir nochmals ans Meer. Und plötzlich sah alles komplett anders aus. Die Flut war zurückgekommen und das Wasser reichte nun fast bis zu unserem Platz vom Nachmittag. Von der grossen Sandbank war absolut nichts mehr übrig. Es war schon faszinierend, wie schnell sich die Landschaft hier verändert.

Lange blieben wir allerdings nicht mehr draussen. Es wurde ziemlich kühl und am Himmel hingen dunkle, schwere Wolken herum, die nicht gerade nach Sommerferien aussahen. Also ging es zurück ins Wohnmobil, wo wir noch etwas spielten und YouTube schauten.

8. Mai 2026 

 

Der Tag begann damit, dass wir unseren wunderbar schiefen Stellplatz im fast schon norwegisch wirkenden Wald verliessen. Insgesamt standen hier etwa acht Wohnmobile, darunter auch wieder die Familie aus Sylt mit ihrem blauen VW Crafter, die uns überhaupt erst den Tipp für diesen Platz gegeben hatte. Cornelia machte am Morgen noch einen Spaziergang ans Meer, während ich heute darauf verzichtete. Das Wetter war eher grau und ausserdem war wieder Flut wie schon am Vorabend – also blieb ich lieber trocken.

Danach ging unsere Fahrt weiter Richtung Santiago de Compostela. Zuerst führte uns die Strecke über eine eher schmale Strasse hinauf zur ersten Hügelkette. Oben angekommen hielten wir kurz an und genossen die Aussicht. Selbst bei schlechtem Wetter war diese beeindruckend. Auf der Hochebene war die Strasse dann plötzlich wieder perfekt ausgebaut und überall standen riesige Windräder in der Landschaft herum.

Natürlich lief nicht alles ganz ohne kleine Abenteuer ab: Wir verpassten eine Abzweigung, mussten irgendwo wenden und der Garmin schickte uns kurz vor dem Ziel über etwas, das verdächtig nach Feldweg aussah. Irgendwie erreichten wir aber doch unseren Stellplatz, bekamen einen Platz zugewiesen und bezahlten erst einmal die Übernachtung.

Danach wurden die Velos startklar gemacht und wir radelten Richtung Stadt. Die Route war… sagen wir einmal „à la uns“. Nicht immer logisch, aber meistens irgendwie erfolgreich. Schliesslich fanden wir bei einer Bibliothek etwas ausserhalb einen Veloparkplatz und liefen von dort zu Fuss weiter ins Zentrum.

Unser erstes Ziel war natürlich die berühmte Kathedrale von Santiago de Compostela. Schon auf dem grossen Platz davor herrschte eine ganz besondere Stimmung. Es war unglaublich berührend, den Pilgern zuzusehen, die hier endlich ihr Ziel erreicht hatten. Manche strahlten über das ganze Gesicht, andere weinten vor Freude oder Erleichterung – einige sogar beides gleichzeitig. Dieser Moment ging auch uns ziemlich nahe.

Danach liefen wir einmal rund um die Kathedrale und besichtigten auch das Innere der Kirche. Sie war eher dunkel, aber unglaublich eindrucksvoll. Besonders der riesige vergoldete Hochaltar zog sofort alle Blicke auf sich. Wir zündeten Kerzen an und stellten uns anschliessend neugierig in eine Schlange, ohne überhaupt zu wissen, wofür diese eigentlich war. Erst langsam wurde klar, dass die Menschen hinunter zum Grab des heiligen Jakobus gingen. Mir persönlich war der Zugang etwas zu eng, Cornelia wagte sich jedoch hinunter zur Krypta und gelangte danach auch zum Hochaltar, wo viele Besucher die Statue des heiligen Jakobus umarmten.

Nach so viel Kultur mussten wir uns natürlich auch kulinarisch stärken. Beim Mittagessen gönnte ich mir eine Art Spare Ribs mit Gnocchi, während Cornelia Pizza bestellte. Inzwischen zeigte sich das Wetter endgültig von seiner regnerischen Seite. Trotzdem spazierten wir noch etwas durch die kleinen Gassen, stöberten in ein paar Souvenirshops und machten uns danach wieder auf den Rückweg zu unseren Velos.

Zurück ging es diesmal brav nach Google Maps. Das funktionierte erstaunlich gut – teilweise fast zu gut. Mit der Einstellung „Velo“ schickte uns Google nämlich über schmale Wege quer durch einen Park. Kurz vor dem Stellplatz beschlossen wir dann spontan, noch beim Einkaufszentrum vorbeizuschauen. Dort befand sich ein riesiger Carrefour, wo wir noch einige Sachen einkauften.

Anschliessend ging es endgültig zurück zum Wohnmobil. Draussen konnte man wegen des Wetters nicht mehr allzu viel machen, obwohl zwischenzeitlich sogar wieder etwas Sonne durchkam. Am Abend gab es noch Salat mit gebratenen Zwiebeln, Schinken und Speck – einfache Wohnmobilküche, aber richtig fein. Später schauten wir noch YouTube-Videos über Polen. Das sah ebenfalls wunderschön aus und einmal mehr hatten wir das Gefühl: Es gäbe eigentlich noch tausend weitere Orte zu entdecken. 

9. Mai 2026

 

Der Tag begann erfreulicherweise wieder mit etwas freundlicherem Wetter. Die Sonne zeigte sich zumindest zeitweise und wir überlegten kurz, ob wir nicht einfach noch einen weiteren Tag in Santiago de Compostela bleiben sollten. Aber wie so oft gewann am Ende doch wieder die Lust aufs Weiterfahren. Trotzdem liessen wir den Morgen gemütlich angehen.

Nach dem Frühstück schrieb ich noch Tagebuch, während Cornelia bereits wieder neue Bekanntschaften machte. Diesmal hielt sie einen längeren Schwatz mit einem Berner Paar aus Frutigen, das gerade auf dem Weg nach Portugal war. Irgendwie trifft man auf solchen Reisen ständig Leute, die entweder gerade von irgendwo kommen, wo man selbst noch hinmöchte, oder dorthin fahren, wo man eben herkommt.

Bevor es losging, erledigten wir noch die klassischen Wohnmobil-Pflichten: Grauwasser entsorgen, Frischwasser tanken und kurz überlegen, ob man wohl jemals Meister im perfekten Entsorgungsmanöver wird. Aber man weiss ja nie, wo der nächste gute Platz mit Wasser wartet.

Danach ging unsere Reise weiter Richtung A Coruña, also zurück ans Meer. Die Strecke führte grösstenteils über die Autobahn durch eine unglaublich grüne und hügelige Landschaft. In A Coruña selbst begann dann wieder das bekannte Spiel aus Autobahn verlassen, Spur wechseln, plötzlich wieder auf einer anderen Schnellstrasse landen und hoffen, dass das Navi weiss, was es tut.

Am Parkplatz angekommen standen wir zunächst ganz allein dort. Keine anderen Wohnmobile, keine offensichtlichen Markierungen, also stellten wir uns einfach mal neben eine Statue mit der Front Richtung Meer. Klang nach einem guten Plan. Und tatsächlich: Der Platz war fantastisch. Man hatte einen riesigen Blick aufs Meer, bestimmt über 180 Grad Panorama, und direkt vor der Küste lagen mehrere kleine Inseln im Wasser.

Natürlich wurden sofort die Velos ausgepackt und wir machten uns auf den Weg Richtung Stadtzentrum. Der Veloweg war überraschend gut ausgebaut und führte uns bequem bis zum grossen Strand. Unterwegs kamen wir noch an einem offiziellen Wohnmobilparkplatz vorbei. Der lag allerdings direkt an einer stark befahrenen Strasse, in der Nähe eines riesigen Metall-Obelisken. Da waren wir mit unserem improvisierten Aussichtplatz definitiv glücklicher.

Beim Strand schlossen wir die Velos ab und spazierten los. Dort standen zwei Kunstwerke: eines aus Metall und eines mit zwei Surfer Figuren. Moderne Kunst und Meer passen irgendwie immer gut zusammen, selbst wenn man manchmal keine Ahnung hat, was genau dargestellt werden soll.

Von dort aus liefen wir weiter ins Zentrum. Besonders praktisch fanden wir die überdachten Rolltreppen, die einen bequem nach oben transportierten. Ob dies wirklich der richtige Weg war, wussten wir zwar nicht, aber gratis Höhenmeter mitnehmen ist grundsätzlich nie falsch.

Unterwegs kauften wir bei einem Gemüsehändler noch Kirschen und landeten schliesslich bei einer Kirche und einem grossen Platz. Dort suchten wir uns ein Restaurant, bestellten zwei kleine Bier und natürlich Tapas. Und wie fast immer beim Thema Tapas passierte genau das, was immer passiert: Man bestellt viel zu viel Essen. Es gab russischen Salat mit Thon, Fleischbällchen, Croquetten mit irgendeiner sehr cremigen Füllung wie Kartoffelstock und  Pouletfleisch. Und gefühlt hatte jedes einzelne Gericht zusätzlich noch Pommes dabei. Drei Tapas hätten völlig gereicht. Aber gut – hungrig gingen wir definitiv nicht mehr weiter.

Danach telefonierten wir noch mit Luca und erkundeten anschliessend weiter die Stadt. Auf der Hafenseite waren die Gassen deutlich schöner und gemütlicher als zuvor. Eigentlich wollten wir noch einen Markt besuchen, aber dort standen hauptsächlich Jugendliche mit kleinen Ständen und Projekten herum. Nicht ganz das, was wir erwartet hatten.

Langsam machten wir uns wieder auf den Rückweg zu den Velos. Unterwegs kauften wir noch kurz etwas in einem Carrefour Express ein. Während wir danach wieder dem Strand entlangliefen, entschied sich das Wetter allerdings endgültig für die regnerische Variante des Tages. Also radelten wir im leichten Regen zurück zum Wohnmobil.

Am Abend schrieb ich noch Tagebuch, während Cornelia draussen las. Gegen 17 Uhr wurde das Wetter tatsächlich nochmals besser und trocken, sodass wir noch eine Weile draussen sitzen konnten. Später zog allerdings ein Gewitter auf und der Abend blieb eher nass und grau.

Zum Abendessen gab es aufgewärmte Teigwarenreste – die klassische Wohnmobil-Version von „heute kochen wir gross auf“. Die eigentliche Abendunterhaltung fand aber draussen auf dem Parkplatz statt. Unsere Hauptbeschäftigung bestand darin, die parkenden Autos und deren Bewohner zu beobachten. Bei einigen Fahrzeugen waren die Scheiben schon sehr stark beschlagen und gewisse Personen befanden sich offensichtlich eher auf der Rückbank oder hatten die Sitze maximal nach hinten geklappt. Sagen wir einmal: Nicht alle waren dort, um einfach nur den Meerblick zu geniessen.

Direkt neben uns sass ausserdem eine Frau stundenlang im Auto und strickte seelenruhig vor sich hin. Wirklich stundenlang. Fast schon beeindruckend. Später kamen dann noch einige Leute vorbei, die offenbar der festen Überzeugung waren, dass ihr Musikgeschmack unbedingt mit der gesamten Küstenregion geteilt werden müsse. Das war etwas mühsam, aber gegen 23 Uhr wurde es plötzlich ruhig und in der Nacht bekamen wir dann glücklicherweise nichts mehr mit.

10. Mai 2026

 

Entgegen unseren Befürchtungen verlief die Nacht erstaunlich ruhig. Nach dem gestrigen Abend hatten wir eigentlich mit deutlich mehr Trubel gerechnet. Als wir am Morgen erwachten, stand sogar noch ein weiteres Wohnmobil auf dem Parkplatz – offenbar irgendwann mitten in der Nacht angekommen, ohne dass wir etwas davon bemerkt hatten. Cornelia nutzte den trockenen Moment noch gemütlich für einen Kaffee draussen, doch bis ich endlich aus den Federn kroch, hatte der Regen bereits wieder übernommen.

Auf dem Parkplatz blieb es ansonsten ruhig. Nur zwei Taucher tauchten auf – wortwörtlich – bewaffnet mit Harpunen, vermutlich auf der Suche nach dem Abendessen. Nach dem Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg. Zuerst ging es dieselbe Strecke zurück, und kurz nach dem Start fand irgendwo noch ein Lauf statt. Glücklicherweise verlief unsere Route daran vorbei, denn mit einem Wohnmobil mitten durch einen Marathon zu manövrieren wäre sicher nicht entspannt gewesen.

Nach gefühlt hundert Wechseln zwischen Autobahnen, Zubringern und Ausfahrten ging es schliesslich Richtung Playa de las Catedrales. Die Landschaft hier ist weiterhin unglaublich schön – grün, hügelig und immer wieder mit fantastischen Ausblicken bis hinunter ans Meer. Zwischendurch kletterte die Strasse bis auf rund 650 Meter über Meer, bevor es wieder hinunter zur Küste ging. Wirklich eine Gegend, bei der man ständig aus dem Fenster schaut und denkt: „Schon noch hübsch hier.“

Praktischerweise lag unser heutiger Übernachtungsplatz nur wenige Kilometer neben der Autobahn. Vorher gingen wir noch tanken – wobei „tanken“ leicht übertrieben ist. Für 50 Euro kann man heutzutage ja gefühlt einmal tief einatmen und weiterfahren. Lange wird das jedenfalls nicht reichen.

Am Platz angekommen parkten wir das Wohnmobil in einer grösseren Lücke und machten uns sofort auf zur ersten Strandbesichtigung. Die Kulisse war beeindruckend: Felsen im Wasser, starke Wellen und zwischendurch sogar Sonne, die für richtig schöne Fotos sorgte. Besonders faszinierend war die Treppe hinunter zum Strand – oder besser gesagt der untere Teil davon, der komplett im Wasser verschwand. Kaum vorstellbar, dass man hier bei Ebbe tatsächlich unten entlanglaufen kann. Genau das ist nämlich die grosse Attraktion dieses Ortes.

Natürlich gingen wir trotzdem die Treppe hinunter und machten ein paar Fotos. Danach erkundeten wir erst die rechte Seite des Parkplatzes mit Tischen und Bänken, allerdings führte der Weg eher von den Klippen weg. Also wechselten wir auf die andere Seite, wo mehrere Holzstege Richtung Küste hinausführten. Dort bot sich ein grossartiger Blick auf die felsige Küste. Beim ersten Steg lag eine kleine Bucht mit einem abgesperrten Weg nach unten. Der zweite Steg führte weiter hinaus und bescherte uns erneut fantastische Ausblicke und Fotomotive.

Zurück beim Zugang schauten wir uns noch kurz das Restaurant und die kleinen Souvenirstände davor an. Danach ging es zurück ins Wohnmobil für einen kleinen Snack und ein wohlverdientes Mittagsschläfchen. Genau in diesem Moment entschied sich das Wetter allerdings für völlige Eskalation: heftiger Regen mit kleinen Hagelkörnern inklusive Gratis-Soundeffekt aufs Dach. 

Nach dem Mittagsschlaf zuerst von mir und später von Cornelia, wurde noch eine Runde Tutto gespielt. Anschliessend zog es uns erneut ans Meer. Inzwischen hatte sich der Strand mit einigen Leuten gefüllt, und spontan beschlossen wir: Jetzt oder nie. Also zurück zum Wohnmobil, kurze Hosen montieren, Crocs an die Füsse und wieder los.

Dieses Mal konnten wir tatsächlich an den Strand hinunter. Über zwei kleine Bächlein gelangten wir auf den feinen Sand und standen plötzlich unterhalb der riesigen Klippen – dort, wo wenige Stunden zuvor noch das Meer gewesen war. Das war schon ziemlich beeindruckend. Überall gab es kleine Höhlen und Felsformationen zu entdecken. Einige Bereiche waren abgesperrt, ausserdem liefen Aufpasser herum, die allerdings hauptsächlich beim Eingang sichtbar waren und später eher verschwanden als kontrollierten.

Ganz hinten stand ein Schild, das eigentlich signalisierte: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Natürlich gingen wir trotzdem noch bis dorthin und schauten neugierig in die nächste Bucht. Um dorthin zu gelangen, hätte man allerdings durch eine tiefere Wasserstelle waten müssen. Das erschien uns dann doch etwas unnötig – schliesslich waren wir sowieso schon offiziell leicht zu weit gegangen.

Also genossen wir einfach den Moment. Der Sand war wunderbar fein, weiter hinten sogar trocken, und die Wellen sorgten ständig dafür, dass man aufmerksam bleiben musste. Besonders beim Schild am Ende des Strandes musste man den richtigen Moment abpassen, um nicht von einer Welle überrascht zu werden.

Irgendwann begann es wieder zu regnen, was uns inzwischen ziemlich egal war. Zurück beim Wohnmobil schaute ich noch das Spiel YB gegen Basel – ein sehr angenehmes 3:0 für YB – während Cornelia nochmals an den Strand spazierte. Sie meinte später, der Strand habe schon wieder komplett anders ausgesehen als noch zuvor. Das Meer gestaltet hier offenbar stündlich um.

Zum Abendessen gab es Hörnli und Gehacktes – genau das Richtige nach einem Strandtag. Danach schauten wir noch ein YouTube-Video, spielten selbstverständlich nochmals Tutto und machten zum Abschluss des Tages noch einen letzten Spaziergang ans Meer.

11. Mai 2026

 

Der Plan für heute Morgen stand bereits, gestern beim Einschlafen fest: Wir wollten unbedingt nochmals bei Ebbe an den Strand. Das war gestern schon ein absolutes Highlight gewesen und musste zwingend wiederholt werden. Entsprechend klingelte der Wecker brutal früh um 6:30 Uhr – wobei „klingelte“ eigentlich übertrieben ist, denn wir waren beide schon kurz davor wach. Offenbar entwickelt man auf Reisen irgendwann automatisch einen inneren Gezeiten-Wecker.

Also standen wir kurz darauf bereit für die arktischen Temperaturen Spaniens bereit: bei mir kurze Hose, bei Cornelia Rock – dazu aber gleichzeitig ungefähr sämtliche Jacken, die wir besitzen. Selbst die Kappe kam heute Morgen zum Einsatz. Ein modisches Meisterwerk zwischen Strandferien und Polarexpedition.

Am Strand angekommen war die Ebbe ähnlich wie gestern. Wir liefen den Klippen entlang über den feinen Sand bis zu einer Stelle, an der das Wasser ungefähr knietief war. Wenn man diese Passage überquerte, gelangte man zu einem weiteren Strandabschnitt mit einem wunderschönen Felsbogen. Natürlich wollten wir da hin. Gestern hatten wir uns noch zurückgehalten – beziehungsweise Cornelia hatte den Bereich später alleine noch erkundet –, heute waren wir beide motiviert.

Das Timing musste allerdings stimmen. Wenn das Wasser gerade zurücklief und keine Welle kam, war es nur knietief. Kam jedoch eine grössere Welle angerollt, wurde aus „gemütlich durchwaten“ ziemlich schnell „ungeplantes Kneippbad“. Wir waren zweimal an diesem Strand, das erste Mal zusammen, danach zeigte Cornelia einem Spanier noch, wo man den Felsbogen am besten sehen konnte, während ich tapfer hinterherwatete und versuchte, nicht heldenhaft vom Atlantik verschluckt zu werden.

Am Strand hatte es um diese Uhrzeit nur wenige Leute, aber ganz alleine waren wir trotzdem nicht. Dafür fehlten heute sämtliche Aufpasser und Absperrungen. Offenbar galt morgens das Motto: „Wer um diese Uhrzeit freiwillig hier ist, weiss hoffentlich selbst, was er tut.“

Und die Stimmung war einfach fantastisch. Man hätte hunderte Fotos machen können – was wir vermutlich auch fast taten. Hinter jeder Ecke wartete wieder ein noch schöneres Motiv. Das absolute Highlight war jedoch der Sonnenaufgang. Die Sonne ging direkt hinter den Felsformationen auf und tauchte die ganze Küste in ein unglaublich schönes Licht. Wirklich einer dieser Momente, bei denen man kurz vergisst, dass man eigentlich friert.

Nach gut einer halben Stunde am Strand ging es zurück zum Wohnmobil, wo der Kaffee plötzlich noch besser schmeckte als sonst. Danach frühstückten wir gemütlich und machten uns anschliessend auf den Weg Richtung Ribadesella.

Unterwegs legten wir in Avilés einen Halt bei einem Einkaufszentrum ein. Dort gab es einen riesigen Carrefour und gefühlt ungefähr 400 weitere Geschäfte. Wir beschränkten uns allerdings heldenhaft auf zwei Dekoläden. Im Carrefour selbst eskalierte der Einkauf dann komplett. Am Ende standen fast 150 Euro auf der Quittung – neuer Rekord. Wahrscheinlich hätten wir auch problemlos einen kleinen Dorfladen eröffnen können mit dem, was wir alles kauften.

Zusätzlich gönnten wir uns noch irgendeine Art Blätterteigtasche mit gewürztem Poulet Fleisch und Gemüse. Zumindest glauben wir, dass es das war. Sicher waren wir uns nicht, aber lecker war es.

Danach ging die Fahrt weiter Richtung Ribadesella. Die Strecke führte gefühlt über tausend Brücken und die Landschaft blieb wunderschön grün und hügelig. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto mehr verwandelten sich die Hügel langsam in richtige Berge.

In Ribadesella angekommen parkten wir neben dem offiziellen Stellplatz, denn dieser hatte exakt fünf Plätze – und selbstverständlich waren genau diese fünf Plätze bereits besetzt. Typisch.

Also parkierten wir daneben und machten uns direkt auf den Weg ins Dorf. Ribadesella gefiel uns sofort: hübsche Gassen, gemütliche Stimmung und angenehm wenig touristisch. Natürlich liefen wir auch über die grosse Brücke auf die andere Seite. Diese war allerdings eine riesige Baustelle. Sobald ein Car vorbeifuhr, musste man auf dem schmalen Gehweg fast automatisch die Luft anhalten.

Auf der anderen Seite spazierten wir dem Hafen entlang Richtung Meer. Dort gab es eine breite Promenade mit einigen Hotels und Restaurants – erstaunlicherweise war aber kaum etwas los. Wir setzten uns eine Weile auf eine Bank und beobachteten zwei Surfer.

Eigentlich überlegten wir noch, irgendwo etwas trinken zu gehen, entschieden uns dann aber fürs klassische Ferienmodell: lieber weiterlaufen. Statt der Promenade nahmen wir diesmal den Weg hinter den Häusern entlang. Dort führte ein Kanal durch die Gegend, inklusive kleiner Beobachtungsplattformen für Tiere. Gänse und Enten waren ebenfalls anwesend und schienen mit ihrem Tag deutlich weniger komplizierte Entscheidungen treffen zu müssen als wir.

Zurück auf der anderen Seite liefen wir nochmals etwas der Promenade entlang und gingen danach Richtung Kirche. In der Nähe fanden wir ein Restaurant und bestellten zwei Bier. Der Kellner erklärte uns direkt, dass er ausschliesslich Spanisch spreche. Vermutlich eines der ersten Male überhaupt, dass uns das jemand so ehrlich sagte. Überraschenderweise funktionierten Bestellung und Bezahlung trotzdem problemlos. Internationale Sprache des Bierdursts vermutlich.

Danach spazierten wir noch zu einem kleineren Strand und genossen kurz die Aussicht. Anschliessend ging es erst eine Treppe hoch und danach eine ziemlich steile Strasse hinauf. Oben angekommen wurden wir immerhin mit einer schönen Aussicht über das Städtchen belohnt.

Zurück beim Wohnmobil hatte sich die Anzahl der Wohnmobile inzwischen gefühlt verdoppelt. Also beschlossen wir noch umzuparkieren. Wohin genau, war allerdings zunächst eine philosophische Grundsatzdiskussion. Solche Parkplatzentscheidungen entwickeln auf Reisen manchmal eine erstaunliche Eigendynamik. Schlussendlich fanden wir eine Lösung: Ich durfte entscheiden. Das funktionierte überraschend gut.

Danach gab es ein kleines Apéroplättli, Cornelia las noch etwas und ich schrieb Tagebuch. Ausserdem spielten wir 4 Gewinnt – frisch gekauft im Carrefour. Reisen kann manchmal wirklich erstaunlich simpel und gleichzeitig perfekt sein.

Zwischendurch überlegten wir noch, ob wir morgen Richtung Piccos de Europa fahren sollten. Das Gebirge hätte uns eigentlich gereizt, aber einige Strassen dort sollen ziemlich eng sein. Und mit dem Wohnmobil irgendwo rückwärts an einer Felswand entlangzukratzen erschien uns dann doch nicht als zwingendes Ferienhighlight. Berge haben wir zuhause schliesslich auch genug.

Am Abend machten wir uns nochmals auf den Weg zum kleinen Leuchtturm. Unterwegs kauften wir noch zwei Bier und ein Paket Käse – eine Kombination, die eigentlich fast immer eine gute Idee ist. Beim Leuchtturm hatte es einige Fischer auf einer grossen Mauer, während draussen ein Boot offenbar Taucher zum Harpunenfischen hinausbrachte. Offenbar ist das hier eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Wir setzten uns auf eine Mauer hinter der grossen Mauer und beobachteten einfach die Bucht. Es war ruhig, gemütlich und einer dieser Momente, die man auf Reisen besonders mag. Nach etwa einer halben Stunde machten wir uns auf den Rückweg. Inzwischen kannten wir das Städtchen schon ein wenig und wussten genau, welche Strassen wir nehmen mussten, um gemütlich wieder zum Parkplatz hochzukommen.

Im Wohnmobil wurde danach nochmals gespielt, YouTube geschaut und der Tag gemütlich ausklingen gelassen. Ein richtig schöner Tag zwischen Sonnenaufgang, Atlantik, Einkaufseskalation und spanischer Gelassenheit.

12. Mai 2026 

 

Der heutige Tag begann regnerisch – und unser Stellplatz machte die Sache nicht gerade angenehmer. Wir standen direkt unter einem Baum, weshalb das Wasser zusätzlich laut aufs Dach tropfte. Damit hatte sich das Thema Piccos de Europa für uns vorerst erledigt, denn auch dort war alles komplett verhangen. Dieses Gebirge wollen wir definitiv lieber einmal bei schönem Wetter erleben. Also nahmen wir den Morgen gemütlich, beobachteten das Treiben auf dem Parkplatz und schauten den Pilgern zu, die schon früh unterwegs waren. Der Parkplatz lag nämlich direkt an einem Pilgerweg. Ein Wohnmobil nach dem anderen fuhr vom Parkplatz, entsorgte noch schnell auf der anderen Strassenseite und fuhr weiter.

Nach Frühstück und Buchhaltung machten auch wir uns bereit zur Abfahrt. Erst wurde entsorgt und danach ging es Richtung Playa de Valdarenas – ein Tipp der Familie aus Sylt. Bereits unterwegs bemerkten wir allerdings, dass man dort wohl nicht übernachten konnte. Vorher gingen wir noch tanken, was sich als sehr praktisch herausstellte: Direkt neben der Dieselsäule gab es auch noch AdBlue, und das wurde uns sogar gleich eingefüllt.

Danach fuhren wir zurück auf die Autobahn. Leider bekamen wir vom Gebirge im Inland heute kaum etwas zu sehen. Erst regnete es, später blieb es zwar trocken, aber alles war weiterhin stark bewölkt und verhangen. Die Strecke von der Autobahn bis zum Strand war dafür wunderschön. Sie führte durch einen märchenhaften Pinienwald, viele Bäume mit Efeu bewachsen – fast wie ein kleiner Zauberwald.

Der Parkplatz am Strand war ganz in Ordnung. Das Wetter blieb trocken, aber wirklich einladend war es nicht. Wir stellten unser Wohnmobil etwas am Rand ab und erkundeten die Gegend zu Fuss. Zuerst ging es direkt an den Strand, wo wir einige Fotos machten. Doch bei grauem Wetter wirkt selbst ein schöner Strand einfach anders. Dort standen auch drei Wohnmobile in einer kleinen Wagenburg mit einem Zelt dazwischen. Weiter hinten entdeckten wir noch ein grösseres Zelt sowie Leute, die Tische und Stühle herumtrugen. Wahrscheinlich war irgendeine Veranstaltung geplant.

Wir hofften zunächst, irgendwo offiziell stehen bleiben zu können, doch daraus wurde nichts: Zwischen 1:30 Uhr und 7 Uhr morgens waren Wohnmobile dort verboten. Also liefen wir noch zu einem anderen Parkplatz näher am Meer. Dort standen einige Vans direkt unten am Strand. Auch von dort führte ein breiter Sandstrand weg, aber wir verzichteten darauf, noch weiter spazieren zu gehen. Bei Sonnenschein hätten wir das vermutlich anders entschieden.

Zurück im Wohnmobil begann dann die eher mühsame Suche nach einem Übernachtungsplatz. Trotz intensiver Recherche fanden wir zunächst nichts Passendes. Also fuhren wir nochmals durch den schönen Wald zurück zu einem Parkplatz am Waldrand und suchten von dort weiter. Ein Stellplatz in Bilbao wäre es eigentlich gewesen, war nach telefonischer Nachfrage dann aber doch bereits ausgebucht. Schliesslich entdeckten wir einen neueren Stellplatz etwa zehn Kilometer entfernt – unser Ziel für den Abend.

Als wir dort ankamen, wurde gerade am Eingangstor gearbeitet. Das spielte uns perfekt in die Karten, denn so konnten wir einfach hineinfahren. Laut Park4Night soll der Anmeldeprozess dort eher kompliziert sein, doch bei uns war das Tor defekt und wir hatten schlicht Glück. Wir suchten uns einen Platz, richteten uns gemütlich ein und später kam jemand vorbei, kassierte die Gebühr und erklärte uns noch einiges. Registrieren mussten wir uns nicht – mal schauen, ob morgen die Ausfahrt genauso unkompliziert funktioniert.

Am Abend machte Cornelia feine Poulet Stücke mit Salat, danach spielten wir „4 Gewinnt“ und „Qwirkle“. Anschliessend planten wir noch etwas die Weiterreise. Das nächste grössere Ziel soll nun Bardenas Reales sein – eine Halbwüste im Landesinnern Spaniens.

Das trübe Wetter führte später sogar noch zu einem Mittagsschläfchen. Danach schrieb ich Tagebuch, während es auf dem Stellplatz immer ruhiger wurde. Am Tor wurde weiterhin gearbeitet und hinter dem Platz mähte jemand mit dem Rasenmäher eine hohe Wiese. Viel passierte sonst nicht mehr. Wir spielten noch etwas, schauten YouTube und liessen den Tag gemütlich ausklingen.

13. Mai 2026 

 

Der Tag begann ganz nach dem Motto: „Ach komm, Regen können wir auch unterwegs anschauen.“ Also beschlossen wir, den Strand schweren Herzens links liegen zu lassen – weder mit dem Fahrrad noch mit dem Auto zog es uns bei diesem Wetter ans Meer. Stattdessen machten wir uns abfahrbereit und rollten wieder auf die Autobahn.

Zuerst führte uns die Strecke noch der Küste entlang Richtung Bilbao, doch schon bald ging es ins Landesinnere. Und genau das machte die Fahrt irgendwie spannend: Die Landschaft wechselte gefühlt alle paar Kilometer ihren Charakter. Erst Meer und Küste, dann plötzlich Berge, später eine Art Hochebene – fast wie eine kleine Spanien-Dokumentation direkt vor der Windschutzscheibe. Anfangs regnete es noch, danach blieb es immerhin nur noch bewölkt.

Unser erstes Ziel war San Vicente de la Sonsierra. Unterwegs gab es einen klassischen Pipi-Stopp und einen weiteren Halt, damit Cornelia gemütlich mit ihrer Mutter telefonieren konnte. Ansonsten bestand der Tag hauptsächlich aus Autobahnkilometern. Gegen Ende der Fahrt verwandelte sich die Gegend dann langsam aber sicher in ein Weinparadies: Reben, Weingüter und Weinberge soweit das Auge reichte.

In San Vicente angekommen parkten wir auf dem Stellplatz. Der Platz selbst war… sagen wir mal… „mit Charakter“. Sehr schief, kleine Parkfelder – aber dafür waren wir immerhin die einzigen dort. Die Umgebung hingegen war wunderschön. Eine alte Steinbrücke führte über den Ebro, daneben ein hübscher Park mit Bänken, Tischen und sogar einer Feuerstelle. Wir spazierten zuerst durch den Park Richtung Fluss. Ein Weg führte durchs Schilf, endete aber mehr oder weniger im Nirgendwo. Danach ging es über die Brücke, und ich machte noch einen kleinen Abstecher direkt ans Wasser.

Irgendwann stellten wir fest: Es ist erst etwa 13 Uhr, das Wetter eher grau und der Stellplatz so schief, dass man hinten fast Höhenluft schnupperte. Also entschieden wir spontan: weiterfahren!

Zurück auf der Autobahn staunten wir erneut über die Landschaft. Die Gegend erinnerte uns fast ein wenig an das Schweizer Mittelland – mit Jura- und Voralpen-Feeling, hübschen kleinen Städtchen und weiten Ebenen dazwischen. Eigentlich wollten wir nur irgendwo vor der Bardenas Reales übernachten, doch je näher wir kamen, desto motivierter wurden wir. Schlussendlich landeten wir in Valtierra.

Den Stellplatz fanden wir natürlich nicht sofort – wäre ja auch zu einfach gewesen. Also erst einmal wenden und dann über einen Weg fahren, der eher wie ein offizieller Veloweg aussah als eine Zufahrt für Wohnmobile. Angekommen waren wir etwas überrascht: Statt Wüstenfeeling gab es Landwirtschaft soweit das Auge reichte. Und das nur wenige Kilometer von der Halbwüste entfernt. Irgendwie passte das nicht ganz zusammen. Aber gut – die Wüste wollten wir uns ja erst am nächsten Tag anschauen.

Kaum angekommen, gab es schon den ersten Schwatz mit Thurgauern. Danach machten wir uns auf zum Einkaufen. Auf einer Tafel stand irgendetwas von Registrierungspflicht, doch deutsche Nachbarn – ebenfalls mit einem Weinsberg Pepper unterwegs und offenbar Mitglieder einer eingeschworenen Pepper-Gang – beruhigten uns: „Das ist veraltet.“

Also liefen wir entspannt zum Dia-Supermarkt und kauften noch ein paar fehlende Sachen ein. Mit schwerem Rucksack ging es danach wieder den Hügel hoch zum Stellplatz – Fitnessprogramm inklusive.

Oben angekommen gönnten wir uns erst einmal ein gemütliches Apero an einer Bank-Tischgarnitur und genossen den Abend. Zum Znacht gab es Plätzli mit Salat, die wir kurzerhand zu Sandwiches umbauten. Danach schrieb ich noch Tagebuch, bevor wir am Abend einen kleinen Spaziergang durchs Dorf machten. Dort gab es tatsächlich Höhlenwohnungen, teilweise offenbar als Airbnb vermietet. Von aussen wirkten manche eher unscheinbar, andere wiederum halb zerfallen – irgendwo zwischen „speziell“ und „leicht gruselig“.

Zurück im Wohnmobil schauten wir noch etwas YouTube, bevor der Tag gemütlich zu Ende ging und wir ins Bett fielen.

14. Mai 2026 

 

Heute begann der Tag ungewohnt früh. Wirklich früh. So früh, dass sogar ich freiwillig aufstand, ohne vorher drei Mal zu überlegen, ob Schlaf nicht doch die bessere Option wäre. Cornelia war sogar schon duschen gewesen im Wohnmobil – damit war definitiv klar: Heute wird ein aktiver Tag.

Der Plan stand nämlich fest: Die Bardenas Reales warteten auf uns. Da am Morgen weniger Verkehr und laut Wetter-App auch noch das bessere Wetter angesagt war, ging es schon kurz nach Kaffee und Frühstück los. Nach etwa 15 Minuten Fahrt erreichten wir das Informationszentrum. Dieses hatte allerdings geschlossen. Klassisch. Immerhin gab es draussen eine Karte, die wir fotografierten, sowie eine Website mit Informationen.

Ich hatte mich bereits etwas vorbereitet und für uns war klar: Mit unserem Fiat nehmen wir heute die „Standardroute“. Klingt harmlos – war aber ein rechteckiger Rundkurs mit etwa 33 Kilometern Schotterpiste. Abenteuer light also.

Bis zur Militärstation ging es noch gemütlich über Asphalt. Kurz danach erreichten wir bereits den ersten Aussichtspunkt. Überraschung Nummer eins: Die Wüste war grün. Also wirklich grün. Nicht „ein kleiner Busch hier und da“, sondern teilweise richtig bewachsen. Wahrscheinlich hatte es diesen Winter ordentlich geregnet. Sogar Felder wurden bewirtschaftet. Mitten in der Halbwüste sahen wir einen Bauern mit Traktor arbeiten und immer wieder Felder mit Gerste.

Links von der Strasse, im Zentrum des Rechteckes war militärisches Sperrgebiet und über unseren Köpfen drehten Kampfjets ihre Runden. Schon irgendwie speziell: friedliche Landschaft, Frösche, Felder… und plötzlich ein Kampfjet am Himmel.

Wir tuckerten gemütlich über die Schotterpiste, hielten immer wieder an, machten Fotos und die Osmo Action durfte auch mal wieder zeigen, dass sie nicht nur als Dekoration mitreist. Ein Aussichtspunkt war besonders lustig: Man konnte etwas hochfahren und hatte eine tolle Sicht – und unten hörte man plötzlich Frösche quaken. In der Wüste! Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.

Zum Schluss ging es noch zum Wahrzeichen der Halbwüste: dem Castildetierra. Diese markante Felsformation sieht ein bisschen aus, als hätte jemand oben einen grosse Steine als Hut aufgesetzt. Genau dieser „Hut“ schützt den Hügel offenbar vor kompletter Erosion, während rundherum alles langsam verwittert. Natürlich parkten wir dort und umrundeten den Hügel fast und machten gefühlt aus jedem möglichen Winkel Fotos – schliesslich braucht man mindestens 37 Fotos derselben Formation.

Danach beschlossen wir, die Halbwüste wieder zu verlassen. Die Schotterpiste war übrigens erstaunlich gut fahrbar. Nur beim Kreuzen mit grösseren Wohnmobilen oder Autos brauchte es manchmal etwas Geduld und vorsichtiges Rangieren. Lustigerweise war die Zufahrtsstrasse aus Asphalt fast schmaler als die eigentliche Schotterroute in der Wüste.

Das Wetter zeigte sich von seiner freundlichen Seite: meist sonnig, zwischendurch leicht bewölkt und manchmal etwas dramatischer grau – aber insgesamt perfekt für unseren Ausflug.

Nach der Wüste ging es weiter nach Arguedas, wo es ebenfalls Höhlenwohnungen gibt. Wir parkten auf dem Stellplatz und machten uns auf Erkundungstour. Viele Höhlenwohnungen waren verschlossen, an den Türen hingen QR-Codes mit Informationen – leider ohne Bilder von innen. Zwei Höhlen konnten besichtigt werden: Die eine war eher Stall und Werkzeuglager, die andere mehr eine einfache Wohnhöhle mit Küche beim Eingang und Platz für Tiere. Eindrücklich war es auf jeden Fall, auch wenn wir fanden, dass man daraus touristisch noch etwas mehr hätte machen können.

Danach schauten wir uns noch eine Wäscherei an und überlegten kurz, ob wir hierbleiben und Wäsche waschen sollten. Doch die Motivation hielt sich in Grenzen und so entschieden wir uns dagegen. Stattdessen liefen wir noch zum neueren Stellplatz. Der kostenlose Platz unterhalb der Höhlenwohnungen war völlig okay, doch weiter vorne gab es einen modernen kostenpflichtigen Stellplatz. Davor wiederum befand sich ein Parkplatz, der laut Informationstafel eigentlich nur für Autos gratis war. Natürlich stand dieser voll mit Wohnmobilen. Spanien und Parkplatzregeln – manchmal eher kreative Vorschläge als verbindliche Vorgaben.

Schliesslich fuhren wir zurück nach Valtierra. Dort wartete bereits das offizielle Begrüssungskomitee der Weinsberg-Pepper-Fraktion auf uns. Nach einem kurzen Schwatz mit ihnen, gönnten uns gefüllte Teigwaren.

Danach folgte ein sehr wichtiges kulturelles Element des Tages: das Mittagschläfchen.

Später machte ich aus den Fotos und Videos noch ein kleines Video. Danach sassen wir noch draussen auf einer Bank und genossen die Aussicht über die weite Landschaft. Es gab erstaunlich viel zu beobachten – Traktoren, Lastwagen, Landwirtschaft in allen Variationen.

Irgendwann beschloss der Wind allerdings, dass Gemütlichkeit überbewertet wird. Er wurde immer stärker, kälter und unangenehmer, sodass wir uns ins Wohnmobil zurückzogen. Dort schrieb ich noch Tagebuch, Cornelia las etwas, wir spielten noch ein wenig und schauten YouTube. Draussen blieb es windig und kühl. 

 

15. Mai 2026

 

Der Tag begann mit einer Wetterstimmung irgendwo zwischen „gleich regnet es“ und „vielleicht fliegt uns gleich das Dachfenster davon“. Stark bewölkt, ordentlich Wind und definitiv kein Wetter, um nochmals freiwillig durch die Halbwüste zu fahren. Also beschlossen wir ziemlich schnell: genug Wüste für den Moment — nächster Halt sollte San Sebastian werden.

Wie jeden Morgen lief zuerst unsere mittlerweile perfekt einstudierte Wohnmobil-Morgenroutine ab. Frühstück vorbereiten, Kaffee, alles an seinen Platz räumen, ungefähr zehnmal irgendwo dagegen laufen und sich gegenseitig fragen, wo schon wieder dieses eine Messer ist. Vielleicht wird das Ganze irgendwann noch idyllischer, wenn man morgens draussen sitzen kann und nicht mit geschlossener Tür gegen den Wind kämpfen muss.

Nach dem Frühstück fuhren wir los. Cornelia sprang unten im Dorf noch schnell in den Dia einkaufen und danach ging es zur Tankstelle. Dort gab es Diesel zu einem Preis, bei dem man fast dachte, man sei versehentlich in die Vergangenheit gereist. Rekordverdächtig günstig. Zum Glück stand gerade noch ein Spanier neben uns an der Zapfsäule und rettete vermutlich unseren Fiat vor einer mittelschweren Identitätskrise. Er erklärte uns nämlich freundlich, dass der ganz billige Diesel — hier als „Gasoline B“ angeschrieben — nur für Traktoren gedacht sei. Wir wären vermutlich fröhlich davon ausgegangen: „B? Klingt doch wie B7, passt schon!“ Tja. Der Fiat hätte das wohl weniger entspannt gesehen. Also tankten wir brav „Gasoline A“, immer noch rund 20 Cent günstiger als normal, für etwa 1.57 Euro. Fiat glücklich, wir glücklich.

Mit vollem Tank ging es zurück auf Schnellstrasse und Autobahn Richtung Küste. In Pamplona überlegten wir kurz, ob wir uns die Stadt anschauen sollten, aber der Himmel sah dort aus, als hätte jemand sämtliche Grautöne gleichzeitig eingeschaltet. Also entschieden wir uns fürs Weiterfahren.

Je näher wir dem Gebirge Richtung San Sebastian kamen, desto dramatischer wurde das Wetter. Regen, Nebel, tiefhängende Wolken. Die Strecke wäre bei schönem Wetter vermutlich absolut traumhaft gewesen, stattdessen sahen wir hauptsächlich Wasser. In einer Baustelle standen zudem ein Unfallauto, Ambulanz und Abschleppwagen herum, daneben lagen Hagelreste oder irgendwelche Rieselkörner am Strassenrand. Alles zusammen eher Kategorie „heute lieber gemütlich bleiben“.

In San Sebastian angekommen begann dann die grosse Stellplatz-Odyssee. Der erste Platz: winzig und komplett voll. Wir drehten eine Runde, hatten aber weder Lust noch Möglichkeit irgendwo sinnlos herumzustehen. Also weiter zum nächsten Parkplatz. Ebenfalls komplett voll. Super. Dazu war Auffahrtswochenende und gefühlt halb Frankreich hatte beschlossen, gleichzeitig nach Nordspanien zu fahren.

Es gab zwar noch zwei weitere Stellplätze, aber mit jeweils sieben oder acht Plätzen. Unsere Motivation, dort nochmals auf gut Glück hinzufahren, hielt sich in Grenzen. Die Stimmung sackte langsam etwas ab, weil wir San Sebastian nun unfreiwillig auslassen mussten. Also stoppten wir bei einer Raststätte und schmiedeten einen neuen Plan.

Nach kurzer Krisensitzung beschlossen wir spontan: „Dann halt Frankreich!“ Also noch etwa 55 Minuten weiter bis Les Dunes. Im Restaurant der Raststätte schauten wir zwar noch kurz rein, aber irgendwie sprach uns nichts an. Also gab es im Wohnmobil Brot, Käse und Fleisch — die klassische internationale Spezialität „wir haben gerade keine Lust mehr“.

Je näher wir Frankreich kamen, desto schöner wurde das Wetter. Plötzlich Sonne. Fast schon verdächtig freundlich. Nach der Autobahn entschied unser Garmin allerdings wieder einmal, dass Ferien ohne Nervenkitzel langweilig wären. Es wollte uns durch eine Strasse schicken, die eher nach „privater Hühnerweg“ als nach offizieller Route aussah. Wir verweigerten den Gehorsam. Leider hatten wir gleichzeitig kurz kein Internet auf dem Handy, was in kleinen französischen Dörfern ungefähr so entspannend ist wie Rückwärtsfahren mit Augenbinde. Irgendwann half Google Maps weiter und sogar das Garmin akzeptierte schliesslich widerwillig, dass unsere Route vielleicht doch nicht komplett idiotisch war.

Beim Stellplatz angekommen gab es zwei Bereiche links und rechts des Weges zum Strand. Wir parkten erst einmal provisorisch und erkundeten alles zu Fuss. Schliesslich fanden wir einen Platz, der uns gefiel. Grauwasser liessen wir noch ab, Frischwasser hingegen lieber nicht — die Anlage sah eher nach „Bakterien-All-Inclusive“ aus.

Danach ging es endlich zum Strand. Oben auf den Dünen wurden wir praktisch sandgestrahlt. Der Wind war so stark, dass man vermutlich in wenigen Minuten gratis ein Peeling bekam. Unten am Meer war es dann überraschend angenehm. Weniger Wind, hohe Wellen und endlich wieder Meeresstimmung. Warm war es zwar nicht gerade — eher Kategorie „Jacke definitiv keine dumme Idee“ — aber schön war es trotzdem. Wir sammelten ein paar Muscheln, auch wenn die Ausbeute eher bescheiden war, und liefen danach zurück zum Wohnmobil.

Dort gab es erst einmal ein gemütliches Aperoplättli. Danach wurde gespielt, Leute beobachtet und ein kleines Vorabendschläfchen eingeschoben — absolute Profi-Wohnmobilferien also. Anschliessend schrieb ich noch Tagebuch und später kochten wir „Zürcher Geschnetzeltes à la Wohnmobil“: Plätzli geschnetzelt, Teigwaren und Rahmsauce. Überraschend gut für eine Küche, in der man sich beim Kochen maximal zu zweit gleichzeitig bewegen darf, wenn beide sehr gut koordiniert sind.

Am Abend gingen wir nochmals an den Strand, diesmal nach rechts zu alten Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg. Riesige Betonklötze lagen halb im Meer oder am Strand verteilt, von der Natur verschoben, gekippt und langsam zurückerobert. Die Stimmung war richtig schön: tiefe Sonne, wechselnde Wolken, etwas Wind und dieses spezielle Abendlicht am Meer. Natürlich machten wir ungefähr 437 Fotos von Beton im Wasser — man weiss ja nie.

Oben bei den Dünen standen Informationstafeln, die zeigten, wie die Bunker ursprünglich aussahen. Schon verrückt, wie die Natur diese riesigen Betonmonster einfach nach und nach zerlegt und verschiebt.

Danach liefen wir noch etwas durch die Dünen zurück. Leider begann es plötzlich leicht zu regnen, obwohl der Himmel gleichzeitig halb sonnig war. Dafür entstand ein wunderschöner Regenbogen — zeitweise sogar doppelt. Der Weg durch die Dünen bestand allerdings ausschliesslich aus tiefem Sand. Nach einigen Metern fühlte sich jeder Schritt ungefähr wie ein kleines Beintraining an. Irgendwann endete der Weg einfach im Nirgendwo und wir mussten zurück an den Strand. Zu unserer Überraschung kamen wir dabei praktisch wieder dort heraus, wo wir vorher schon gewesen waren. Der Dünenweg war also landschaftlich schön, aber geografisch eher ineffizient.

Zurück am Strand liefen wir Richtung Restaurant und warteten dort noch auf den Sonnenuntergang. Dabei gab es quasi einen doppelten Sonnenuntergang: zuerst verschwand die Sonne hinter einer Wolkendecke, dann kam sie plötzlich nochmals darunter hervor und versank erst danach endgültig im Meer. Ziemlich spektakulär.

Anschliessend ging es zurück ins warme Wohnmobil. Draussen war inzwischen definitiv Wetter für dicke Jacke und Kappe — drinnen dagegen gemütlich warm und vor allem windstill.

16. Mai 2026

 

Heute hiess es Abschied nehmen vom Stellplatz hinter den Dünen. Das Wetter machte es uns dabei nicht besonders schwer — grau, bewölkt und mit dieser typischen „ich könnte jederzeit anfangen zu regnen“-Atmosphäre. Also machten wir nach dem Frühstück das Wohnmobil wieder startklar. Alles verstauen, alles sichern und natürlich nochmals kontrollieren, ob auch wirklich alle Schränke zu sind, damit nicht bei der ersten Kurve eine Pfanne durchs Fahrzeug fliegt.

Beim Rausfahren entsorgten wir noch den Müll und machten uns danach entlang der Küste auf den Weg Richtung Messanges. Wobei „auf den Weg machen“ etwas romantischer klingt, als es tatsächlich war. Zuerst mussten wir nämlich überhaupt einmal aus diesem kleinen französischen Küstenörtchen herauskommen. Und das dauerte gefühlt ungefähr bis Dienstag.

Die Strassen waren wieder einmal typisch französisch: schmal, enger, am engsten. Teilweise gab es immerhin Einbahnstrassen — was in diesem Fall eher beruhigend war, weil man wenigstens wusste, dass einem nicht gleichzeitig noch ein Lieferwagen entgegenkommt. Trotzdem war das Ganze eher Kategorie „Wohnmobil-Yoga unter Stress“. Wir stellten ziemlich schnell fest, dass wir in Zukunft Stellplätze wohl lieber etwas ausserhalb suchen werden. Beim planen hatten wir die kleinen französischen Strässchen kurz erfolgreich verdrängt. Das Wiederrauskommen war jedenfalls mühsam und kostete etwas Nerven. Und wie so oft steigt dabei die Ferienentspannung kurzfristig ungefähr auf das Niveau einer Steuerprüfung.

Endlich draussen wurde die Strasse dann aber angenehm normal. Zweispurig, zwar nicht riesig breit, aber absolut okay. Nur eine Ortsdurchfahrt war nochmals etwas enger, ansonsten führte die Strecke meist ein bis zwei Kilometer von der Küste entfernt durchs Hinterland. Viel Wald, schöne Landschaft und insgesamt zumindest gemütlicher zum Fahren — sobald der Puls wieder unter Kontrolle war.

Kurz vor dem Ziel entdeckten wir noch einen Carrefour. Überraschenderweise war der Parkplatz nicht komplett überfüllt und wir konnten problemlos parkieren. Das fühlte sich fast schon verdächtig einfach an. Also gingen wir einkaufen und ich inspizierte danach noch eine Wäscherei in der Nähe. Die sah allerdings eher aus, als hätte sie ihre beste Zeit ungefähr gleichzeitig mit den ersten Faxgeräten erlebt. Deshalb beschlossen wir spontan: die Wäsche darf noch etwas weiterreifen.

Danach ging es weiter zum Stellplatz der „Camping Car Park“-Gruppe. Das wollten wir nun endlich einmal ausprobieren. Also App installiert, registriert, Code erhalten — alles sehr modern. Und tatsächlich: die Schranke öffnete sich problemlos. Ein kleiner technischer Erfolgsmoment.

Direkt danach wollten wir Wasser auffüllen und entsorgen. Dort begann dann allerdings der wahre Endgegner des Tages: das Codesystem. Man musste den Code nochmals eingeben, aber entweder waren wir zu langsam, zu schnell oder schlicht zu wenig intelligent für die Maschine. Jedenfalls funktionierte es erst einmal überhaupt nicht. Irgendwann ging es plötzlich doch, wir schlossen den Schlauch an — und genau in diesem Moment war die Zeit natürlich schon wieder abgelaufen. Perfekt. Also zurück zu Versuch Nummer 345. Dieses Mal klappte es tatsächlich und wir konnten endlich Wasser auffüllen. Zum Glück, denn Duschen stand heute definitiv wieder auf dem Programm.

Danach suchten wir uns einen schönen Stellplatz aus und machten uns auf Richtung Meer. Kurze Hosen montieren — ja, montieren trifft es irgendwie — und los ging’s. Der Strand war nur etwa 200 Meter entfernt. Der Zugang führte über einen Holzsteg mit Treppe hinunter zum Strand. Besonders beeindruckend: Die Treppe war mittig getrennt. Rechts runter, links rauf. Quasi Autobahnregelung für Fussgänger. Wir fragten uns kurz, was hier wohl im Hochsommer los sein muss, wenn sogar Spaziergänger Spurdisziplin brauchen.

Unten angekommen sahen wir sofort zahlreiche Surfer und mehrere Surfschulen im Wasser. Der Strand war riesig breit, die Dünen eher flach und insgesamt wirkte alles sehr offen und weitläufig. Muscheln fanden wir diesmal keine, dafür entdeckten wir ein Plastikteil am Strand. Also machten wir unsere tägliche Umweltmission und sammelten es ein. Danach liefen wir gemütlich wieder zurück — selbstverständlich auf der korrekten Seite der Treppe. Man will ja keinen internationalen Fussgänger-Zwischenfall provozieren.

Wieder oben entsorgten wir das Plastikstück und genossen danach den Nachmittag beim Wohnmobil. Es gab feinen Teigwarensalat, wir sassen draussen und genossen die erstaunlich angenehme Stimmung trotz des eher wechselhaften Wetters. Natürlich durfte auch das obligatorische Mittagschläfchen nicht fehlen — mittlerweile praktisch ein fixer Programmpunkt unserer Reisen.

Später kam ich dann allerdings unerwartet ins Putzfieber. Und wenn das einmal passiert, gibt es kein Zurück mehr. Plötzlich wurde geschrubbt, sortiert, geordnet und mit irgendwelchen Dekorklebern hantiert. Stunden verschwanden spurlos. Das Wohnmobil ist jetzt zumindest teilweise wieder sauberer — also ungefähr für die nächsten 48 Stunden.

Am Abend spielten wir noch etwas zusammen und ich schaute danach noch Eishockey: Schweiz gegen Lettland. Die Schweiz gewann 4:2, was natürlich ein schöner Tagesabschluss war. 

 

17. Mai 2026 

 

Heute zeigte sich das Wetter wieder einmal von seiner besonders motivierten „Graue-Wolken-und-kein-bisschen-Sonne“-Seite. Obwohl unser Platz eigentlich ziemlich perfekt gelegen war – nahe am Strand und vermutlich mit noch einigen schönen Velowegen in der Umgebung – beschlossen wir trotzdem weiterzuziehen. Wenn der Himmel schon aussieht wie eine alte Wolldecke, fällt Abschiednehmen plötzlich erstaunlich leicht.

Also machten wir das Wohnmobil wieder startklar und fuhren der Küste entlang Richtung Mimizan. Die Strassen hier scheinen allerdings für Fahrräder, Eselkarren oder maximal sehr schlanke Autos gebaut worden zu sein. Wirklich breit wurde es nie. Sobald man dachte: „Ah, jetzt wird’s entspannter“, kam auch schon das nächste Dorf mit einer Strasse, die gefühlt direkt durchs Wohnzimmer der Bewohner führte.

In Mimizan angekommen fanden wir unseren Stellplatz – natürlich wieder ein Camping Car Park. Mittlerweile fühlen wir uns dort schon fast wie Stammgäste mit unsichtbarer VIP-Karte. Die Einfahrt funktionierte problemlos und Cornelia zauberte erst einmal eine Pizza im Omnia. Während draussen weiterhin eher November- statt Mai-Stimmung herrschte, telefonierten wir mit Luca und assen gemütlich drinnen. Ein Mittagsschläfchen durfte selbstverständlich auch nicht fehlen. Schliesslich soll man im Urlaub nichts überstürzen.

Später spazierten wir nach Mimizan Plage, ungefähr zwanzig Minuten entfernt. Das Städtchen bestand aus ein paar touristischen Strassen mit Souvenirshops, Restaurants und allem, was man halt so braucht, wenn man dringend eine Muschel mit „Mimizan“ drauf kaufen möchte. Allerdings hatten erstaunlich viele Restaurants geschlossen – vermutlich warteten sie ebenfalls auf besseres Wetter oder bessere Motivation.

Nach etwas Bummeln zog es uns an den Strand. Dieser sah im Prinzip genauso aus wie die Strände der letzten Tage: viel Sand, viel Meer und diesmal einfach etwas mehr Menschen. Danach liefen wir noch zu einem Kanal mit einer wirklich schönen Promenade voller Bänke und Liegen. Ideal, um so zu tun, als hätte man sportliche Ambitionen, obwohl man eigentlich nur gemütlich herumläuft. Später machten wir noch einen Abstecher zu einem Campingplatz, auf dem Cornelia früher Ferien gemacht hatte. Der Platz bestand heute hauptsächlich aus Mobilheimen. Wohnmobile oder Wohnwagen musste man fast mit dem Feldstecher suchen. Dafür gab es einen überdachten Pool, der wahrscheinlich wärmer war als die Aussentemperatur.

Zurück beim Wohnmobil sassen wir noch eine Weile draussen, holten danach die Velos hervor und luden sie auf. Gegen Abend starteten wir dann unsere Velotour – die zunächst eher wie eine Folge von „Verirrt in Frankreich“ begann. Der geplante Weg endete irgendwann in einem Waldweg, bei dem wir uns nicht ganz sicher waren, ob dort Fahrräder oder eher Wildschweine unterwegs sein sollten. Unser Mut reichte ungefähr 20 Meter weit, dann kehrten wir lieber wieder auf den offiziellen Veloweg zurück.

Am Ende des Dorfes wurde es dann richtig schön. Der Weg führte durch einen Pinienwald, windstill, angenehm kühl und einfach perfekt zum Radfahren. Zwischendurch kamen wir noch an einem Naturreservat vorbei. Dort stand zwar Fahrverbot, aber ein Einheimischer meinte auf Nachfrage locker, wir dürften schon durchfahren. Trotzdem fühlte es sich irgendwie nach „gleich werden wir von einem Ranger verfolgt“ an, weshalb wir nach ein paar hundert Metern freiwillig den Rückzug antraten.

Dafür fanden wir wenig später einen wunderschönen Strand. Die letzten Meter mussten wir die Velos zwar durch den Sand schieben, aber ansonsten war die Strecke herrlich. Fast keine Menschen, nur ein paar andere Velofahrer und ganz viel Ruhe. Natürlich widmeten wir uns dort sofort unserer grossen Leidenschaft: Muscheln suchen. Zeitweise hatten wir den Strandabschnitt fast für uns allein.

Auf dem Rückweg schauten wir noch bei einem zweiten Campingplatz vorbei. Dieser wirkte allerdings so ausgestorben, dass wir nicht einmal sicher waren, ob überhaupt schon Saison war. Also verzichteten wir auf weitere Erkundungen und fuhren zurück Richtung Zentrum.

Dort war inzwischen nicht mehr allzu viel los, aber direkt am Strand lockte uns noch ein Restaurant mit freien Plätzen draussen. Also gönnten wir uns einen Mojito, einen Gin und eine Portion Pommes – eine kulinarisch völlig ausgewogene Ferienmahlzeit. Eigentlich wollten wir dabei den Sonnenuntergang geniessen, aber die Sonne hatte beschlossen, sich schon vorher hinter den Wolken zu verabschieden. Sehr höflich war das nicht.

Gegen 21.30 Uhr ging es dann zurück zum Wohnmobil. Zum Abschluss des Tages schauten wir noch ein YouTube-Video und danach war endgültig Feierabend. Ein weiterer Ferientag zwischen grauem Himmel, schönen Velowegen, etwas Orientierungslosigkeit und ganz viel französischem Küstenfeeling war vorbei.

18. Mai 2026

 

Wir leben weiterhin nach dem hochprofessionellen Reisemotto: „Mal schauen, wo wir heute landen.“ Zurzeit planen wir nämlich ungefähr so strukturiert wie zwei Leute, die im Supermarkt ohne Einkaufszettel unterwegs sind. Also entschieden wir spontan, Mimizan schon wieder zu verlassen. Wir hatten das Städtchen gesehen, kannten inzwischen gefühlt jede touristische Strasse persönlich und ein weiterer Tag dort reizte uns irgendwie nicht mehr.

Also suchten wir uns einen neuen Stellplatz aus – ungefähr eine Fahrstunde entfernt – und machten uns langsam wieder startklar. Ein grosses Thema schwebte allerdings weiterhin wie eine dunkle Wolke über uns: die Wäsche. Dieses Problem begleite uns inzwischen schon mehrere Tage und wurde konsequent ignoriert. Heute war beim Stellplatz ausserdem ungewöhnlich viel Betrieb, weil wir direkt in der Nähe der Entsorgungsstation standen. Dort herrschte reger Verkehr – fast wie an einer kleinen Wohnmobil-Tankstelle.

Während Cornelia noch mit ihrem Bruder telefonierte, machte ich alles fahrbereit. Das Entsorgen verschoben wir spontan auf später. Zukunfts-Ich sollte sich darum kümmern.

Die Fahrt führte heute zuerst etwas weg von der Küste und später wieder zurück Richtung Meer. Unterwegs versuchten wir in einem grösseren Dorf endlich eine Wäscherei zu finden. Das scheiterte allerdings bereits daran, dass wir keinen vernünftigen Parkplatz fanden und auch keine Wäscherei direkt sichtbar war. Vermutlich war sie genau dort, wo wir nicht hinschauten.

Also weiter.

In Biscarrosse starteten wir Versuch Nummer zwei. Und siehe da: Parkplatz vorhanden, Einkaufsladen vorhanden und tatsächlich auch eine Wäscherei! Ein kleiner Sieg für die Menschheit. Allerdings war die grosse 20-Kilo-Waschmaschine gerade besetzt. Also gingen wir zuerst einkaufen. Nach dem Einkauf war die Maschine frei und nach kurzem innerem Kampf beschlossen wir: Jetzt oder nie. Heute drücken wir uns nicht mehr vor der Wäsche.

Also wurde wirklich alles zusammengesammelt, was nicht mehr ganz frisch roch oder bereits leichte Eigeninitiative entwickelte. Nur ein paar wenige Kleidungsstücke durften weiterhin dreckig bleiben – vermutlich aus emotionaler Verbundenheit.

Während die Waschmaschine arbeitete, vertrieben wir uns die Zeit mit etwas Essen, Tagebuch schreiben und Warten. Das Wäschewaschen im Urlaub hat ja immer etwas Faszinierendes: Man fühlt sich gleichzeitig extrem produktiv und maximal spießig. Als dann auch noch alles im Trockner war, begann die Endgegner-Phase: Wäsche zusammenlegen und wieder verstauen. Irgendwie schafft man es dabei immer, dass plötzlich mehr Kleidung da ist als vorher.

Nachdem die Mission erfolgreich abgeschlossen war, ging es endlich weiter zum neuen Stellplatz. Dieser lag mitten im Wald. Eigentlich bestand das Konzept des Platzes hauptsächlich daraus, dass man entlang kleiner Strassen irgendwo zwischen den Pinien stehen durfte. Sehr naturverbunden, sehr ruhig und irgendwie genau unser Ding.

Wir sassen noch längere Zeit draussen, ich schrieb Tagebuch und natürlich durfte auch ein kleiner Apero nicht fehlen. Irgendwann zog es uns nochmals an den Strand. Es gab hier auch wohl einen kleinen Rundweg mit Aussichtspunkten. Wir liefen allerdings nur bis zu einer Plattform mit Blick auf einen kleinen Teich und die Dünenlandschaft.

Danach ging es weiter Richtung Meer. Vor den Dünen lagen mehrere Surfschulen – offenbar ein Paradies für Leute, die freiwillig in kaltes Wasser springen und sich von Wellen verprügeln lassen. Wir liefen die Düne hoch und genossen die Aussicht. Auch wenn die Landschaft seit Tagen irgendwie ähnlich aussieht – Dünen, Meer, Strand, Pinien – ist es trotzdem nie exakt gleich. Diesmal fiel besonders auf, dass die Düne direkt bis ans Meer herunterlief. 

Zum Strand hinunter mussten wir erst etwas nach rechts laufen, dort war der Abstieg einfacher. Unten spazierten wir noch ein Stück dem Meer entlang. Allerdings gab es hier praktisch keine Muscheln zu finden. Ein schwerer Rückschlag für unsere inzwischen sehr ernsthafte Muschelsammler-Karriere.

Also ging es bald wieder zurück zum Wohnmobil. Dort sassen wir nochmals gemütlich draussen mitten im Pinienwald und genossen die ruhige Stimmung. Am Abend wurde wie gewohnt noch YouTube geschaut. Zusätzlich versuchte ich noch Aarau gegen GC im Barrage-Spiel zu schauen. Das funktionierte allerdings nur so halb. Entweder war der Empfang miserabel oder die E-Sim hatte beschlossen, heute ebenfalls Ferien zu machen.

 

19. Mai 2026 

 

Der Tag begann mitten im schönen Pinienwald – und direkt mit einer kleinen Überraschung. Als ich aufstand, lag Cornelia nämlich bereits wieder im Bett… obwohl sie schon gefrühstückt hatte. Ein Verhalten, das normalerweise eher Rentner auf Kreuzfahrten oder Katzen zeigen. Der Tagesstart war also leicht verwirrend. Ich genoss erstmal gemütlich meinen Kaffee und frühstückte ebenfalls, bis Cornelia schliesslich ihre zweite Morgenphase beendet hatte und wir uns ans Abfahrbereitmachen machten.

Das grosse Ziel des Tages war die berühmte Dune du Pilat – die grösste Wanderdüne Europas mit ungefähr 110 Metern Höhe. Im Prinzip ein gigantischer Sandhaufen, aber eben ein sehr berühmter gigantischer Sandhaufen.

Wir parkieren auf dem offiziellen Parkplatz, telefonierten noch mit Nina und liefen danach Richtung Düne. Bereits beim Eingang gab es Infotafeln, kleine Holzhäuschen mit Souvenirshops und Restaurants – also die komplette „Hier gibt’s etwas Berühmtes zu sehen“-Infrastruktur.

Dann ging es über einen schönen Sandweg durch den Wald langsam Richtung Düne hoch. Dort angekommen standen wir vor der grossen Entscheidung: Treppe oder Sandwege? Der eine Sandweg sehr steil, für uns wohl kaum machbar, der andere Sandweg wäre flacher gewesen, dafür aber deutlich länger. Die Treppe hingegen war steil, voller Sand und sah ungefähr so aus, als würde sie jeden Fitnessvorsatz des Jahres testen. Natürlich entschieden wir uns für die Treppe.

Die Stufen waren anstrengend, überall lag Sand und ohne die Seile links und rechts hätte vermutlich der eine oder andere Tourist rückwärts wieder unten geendet. Trotzdem kamen wir erstaunlich schnell nach oben – wenn auch leicht ausser Atem. Oben angekommen begann erstmal die klassische Wander-Taktik: so tun, als würde man ganz entspannt fotografieren, obwohl man eigentlich nur heimlich eine Pause braucht.

Danach wartete allerdings noch der eigentliche Aufstieg zum höchsten Punkt der Düne. Zum Glück war dieser Teil weniger steil und man konnte jederzeit ganz offiziell „kurz die Aussicht fotografieren“, wenn die Beine wieder diskutieren wollten.

Ganz oben angekommen machten wir natürlich noch ein Beweisvideo, damit später niemand behaupten konnte, wir hätten nur die Postkartenansicht gesehen. Anschliessend erkundeten wir noch etwas die Dünenlandschaft. Besonders erstaunlich war die Menge an Marienkäfern. Keine Ahnung, was dort oben los war, aber offenbar hatten die gerade ihr jährliches Klassentreffen.

Wir liefen noch etwas weiter zu einer kleinen Kuppe, von der aus man das Meer noch besser sehen konnte. Eigentlich hätte man hier kilometerweit über die Düne wandern können. Es gab sogar Tafeln mit Informationen, wie man später mit dem ÖV wieder zurückkommt. Aber wir entschieden uns gegen die grosse Sahara-Expedition und liefen stattdessen gemütlich wieder nach unten.

Dabei konnte man links immer wieder kleine Sandlawinen beobachten. Sehr faszinierend – solange man nicht gerade mitten drin stand.

Unten angekommen hiess es erstmal: entsanden. Gefühlt befand sich inzwischen ein halber Kubikmeter Düne in unseren Schuhen, Socken und vermutlich auch in den Haaren. Danach bezahlten wir noch die Parkgebühr und machten uns wieder auf den Weg.

Unser nächstes Ziel war ein Stellplatz in der Nähe von Bordeaux. Die Fahrt führte grösstenteils über die Autobahn und kurz vor Bordeaux wurde es dann plötzlich richtig voll. Besonders auffällig: Die rechte Spur bestand praktisch nur noch aus Lastwagen. Wegen des Überholverbots fuhren dort gefühlt sämtliche LKW Frankreichs hintereinander her. Wir konnten immerhin auf der Überholspur bleiben und kamen dadurch deutlich schneller vorwärts.

In Bordeaux selbst herrschte dann komplettes Verkehrschaos. Überall Autos, viel Verkehr und nach der Autobahn wurden die Strassen plötzlich wieder angenehm eng – also genau so, wie man es mit einem Wohnmobil besonders liebt.

Bei einer Baustelle machten wir dann noch einen kleinen Spezial-Umweg. Sowohl wir als auch Google Maps waren überzeugt, die Strasse sei gesperrt. Also quetschten wir uns durch eine schmale Einbahnstrasse, nur um wenige Minuten später festzustellen, dass andere Fahrzeuge ganz entspannt dort durchfuhren, wo wir die Sperrung vermutet hatten. Wir standen also praktisch wieder am gleichen Ort wie vorher – einfach etwa 50 Meter weiter. Eine absolute Meisterleistung moderner Navigation.

Beim Stellplatz angekommen funktionierte der Check-in am Terminal dafür problemlos. Wir suchten uns einen Platz aus und erkundeten danach noch etwas die Umgebung. Cornelia kochte später Teigwaren mit Tomatensauce und klein geschnittenen Würsten, die dringend wegmussten. Klassische Ferienküche nach dem Motto: „Was abläuft, kommt in die Pfanne.“

Natürlich durfte auch heute ein kleines Vorabendschläfchen nicht fehlen. Danach schrieb ich noch Tagebuch und machte Polarsteps, während wir gemütlich draussen sassen.

Am Abend machten wir noch einen Spaziergang zu einem kleinen See in der Nähe. Dort hatte es einige Fischer, darunter einen, der mit einer extrem langen Verlängerung seiner Angelroute unterwegs war – unterstützt von einem riesigen Plastikrohr. Das Ganze sah aus wie professionelles Hochleistungsfischen oder ein missglücktes Bauprojekt.

Wir liefen ein Stück dem See entlang, hörten überall Frösche und entdeckten junge Taucherli oder irgendetwas, das zumindest ähnlich aussah. Irgendwann kamen wir zu einer kleinen Halbinsel mit einem Häuschen darauf. Tatsächlich konnte man dort übernachten und tatsächlich war das Häuschen sogar besetzt. Irgendjemand lebte dort also gerade mitten im See-Romantikmodus.

Danach liefen wir denselben Weg wieder zurück. Wir sassen nochmals kurz draussen, bis es langsam frischer wurde. Also verzogen wir uns ins Wohnmobil, schauten noch ein YouTube-Video und beendeten damit diesen leicht sandigen Tag.

20. Mai 2026 

 

Heute hiess es mal wieder: Städtetag. Und zwar nicht irgendeine kleine gemütliche Altstadt mit zwei Cafés und einem Brunnen, sondern gleich Bordeaux. Schon am Morgen war klar: Heute werden Kilometer gesammelt.

Leider lag unser Stellplatz gefühlt am Ende der Welt oder zumindest sehr weit ausserhalb von Bordeaux. Über eineinhalb Stunden ÖV standen uns bevor. Entsprechend ging es heute etwas früher aus den Federn. Das Frühstück lief eher unter der Kategorie „funktionale Nahrungsaufnahme“ als unter Genuss. Danach folgte die tägliche Urlaubs-Extremsportart: die Jackenentscheidung. Zu warm? Zu kalt? Regen? Wind? Weltuntergang? Schlussendlich entschieden wir uns für dünnere Jacken und hofften einfach auf das Beste.

An der Bushaltestelle fragten wir noch einen Buschauffeur, der gerade Pause machte, ob wir bei ihm ein Ticket lösen könnten. Leider nein. Natürlich fuhr genau in diesem Moment unser eigentlicher Bus vor. Immerhin gab der Chauffeur dem anderen Bus noch ein Zeichen, dass er auf uns warten solle. Ein stiller Ehrenkodex unter Busfahrern offenbar.

Die Buschauffeurin war dann herrlich entspannt. Sie meinte nur, wir könnten das Tagesticket auch später lösen, hier werde sowieso nicht kontrolliert. Frankreich manchmal einfach maximal unkompliziert.

Also fuhren wir erstmal eine gute halbe Stunde Bus bis zu einer Tramstation und von dort weiter in die Innenstadt, in dieser Zeit lösten wir auch das Tagesticket online. Auf Google Maps hatten wir im Voraus etwa 15 Sehenswürdigkeiten markiert. Die Liste bestand hauptsächlich aus Kirchen, Türmen und alten Gebäuden, die wichtig aussehen und vermutlich irgendwo im Reiseführer fett gedruckt waren.

Das Wetter blieb bewölkt und überraschenderweise war noch gar nicht so viel los in der Stadt. Also marschierten wir tapfer von Punkt zu Punkt. Erst durch die Innenstadt und später Richtung Fluss. Der Fluss selbst hatte allerdings eine eher fragwürdige braune Farbe. Nicht unbedingt das, was man sich unter romantischem Stadtpanorama vorstellt. Trotzdem liefen wir gemütlich daran entlang. Es gab Ausflugsboote, Fähren und sogar Kreuzfahrtschiffe.

Zwischendurch legten wir einen Cappuccino-Stopp ein, weil Stadtbesichtigungen ohne Kaffee ungefähr doppelt so anstrengend sind. Danach ging es weiter dem Fluss entlang, vorbei an Statuen und schliesslich in einen öffentlichen Park.

Der Park war wirklich schön. Überall Enten, Gänse, kleine Teiche und Metallbrücken, über die man ständig laufen konnte. Dazu Eichhörnchen, die offenbar längst vergessen hatten, dass Menschen normalerweise gefährlich sind. Teilweise kamen die erstaunlich nahe heran. Ausserdem gab es wunderschöne Blumenbeete, Rosen und verschiedene Gebäude mitten im Park. Wirklich eine kleine grüne Ruhezone.

Danach liefen wir wieder etwas Richtung Stadtzentrum und fanden einen schönen Platz voller Restaurants. Dort gönnten wir uns ein Glas Bordeaux-Wein – wenn schon Bordeaux, dann wenigstens einmal stilvoll sein. Leider schmeckte der Wein eher mittelmässig. Die Pommes und panierten Pouletstücke retteten die Situation aber zuverlässig.

Anschliessend nahmen wir das Tram Richtung La Cité du Vin, dem berühmten Weinmuseum. Das Gebäude sah tatsächlich ziemlich spektakulär aus: silbern-golden, futuristisch und irgendwie wie eine riesige geschmolzene Weinflasche. Sehr eindrücklich. Hinein gingen wir allerdings nicht. Erstens hatten wir gerade keine Lust auf Museum und zweitens vermuteten wir stark, dass wir drinnen hauptsächlich französische Texte bestaunen würden, die wir nur mit viel Fantasie verstehen.

Also spazierten wir lieber weiter dem Hafen entlang. Auf der anderen Strassenseite entdeckten wir plötzlich eine grosse Markthalle mit unzähligen Essensständen. Das Essen sah fantastisch aus. Natürlich genau dann, wenn man bereits gegessen hat. Typischer Reisefehler.

Je weiter wir liefen, desto mehr riesige Restaurants tauchten auf. Eins nach dem anderen. Alles wirkte so, als müsste hier normalerweise extrem viel los sein. Im Moment war allerdings erstaunlich wenig Betrieb und viele Restaurants hatten sogar geschlossen. Wir waren schon überzeugt, irgendwo ausserhalb des eigentlichen Zentrums gelandet zu sein.

Und dann stand plötzlich vor uns ein gigantischer U-Boot-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Riesig, grau und leicht einschüchternd. Heute befindet sich darin das Bassins des Lumières – eine Lichtshow-Ausstellung. Wir überlegten ungefähr fünf Sekunden und beschlossen spontan hineinzugehen.

Vor dem Eingang gönnten wir uns noch eine Cola und dann ging es hinein in den Betonkoloss. Drinnen war es dunkel, kühl und irgendwie beeindruckend. Die ehemaligen U-Boot-Becken waren noch immer mit Wasser gefüllt und überall spiegelten sich die Projektionen der Lichtshow.

Besonders spannend fanden wir den hinteren Bereich. Dort war der Boden betoniert, weshalb die Projektionen auch direkt auf dem Boden sichtbar waren. Zusätzlich gab es zwei spezielle Räume: einen quadratischen Raum, der uns richtig gut gefiel – allerdings lagen dort ungefähr 30 Menschen herum, die aussahen, als hätten sie beschlossen, hier spontan zu übernachten – und eine riesige alte Zisterne, ein rundes Betonsilo mit spezieller Atmosphäre.

Wir sassen noch eine ganze Weile hinten beim letzten Bassin und schauten uns die Show an. Danach liefen wir langsam Richtung Ausgang und schauten uns noch einige Infotafeln über die Geschichte des Bunkers an. Schon verrückt, wie aus einem Kriegsbauwerk irgendwann eine Kunstinstallation wird.

Danach begann das nächste Abenteuer: der Bus zurück Richtung Zentrum. Wir warteten gefühlt mehrere Jahre an der Haltestelle. Irgendwann kam tatsächlich ein Bus und brachte uns zurück in die Innenstadt. Dort machten wir nochmals eine kleine Runde – und natürlich lag genau auf unserem Weg noch ein McDonald’s. Blöderweise.

Irgendwann schafften wir es dann aber doch zur Tramstation. Am Abend war nun deutlich mehr los als noch am Morgen. Die Strassen waren voll, das Tram komplett überfüllt und für mich bedeutete das: Stehplatz. Cornelia ergatterte immerhin nach ein paar Haltestellen einen Sitzplatz. Im Bus zurück zum Stellplatz wurde es dann zum Glück wieder entspannter.

Während wir im Tram standen, versuchte Luca noch anzurufen. Das funktionierte allerdings ungefähr so gut wie ein ruhiges Telefongespräch mitten an einem Festival. Also schrieben wir erstmal WhatsApp-Nachrichten und telefonierten später, als wir wieder vom Bus Richtung Stellplatz liefen.

Am Abend machten wir nicht mehr viel. Wir sassen noch lange draussen, denn inzwischen war es richtig angenehm warm geworden. Dazu schaute ich noch den Europa-League-Final zwischen SC Freiburg und Arsenal F.C.. Leider verlor Freiburg 0:3. Ein eher trauriger Abschluss für einen sonst sehr spannenden Bordeaux-Tag.

 

21. April 2026 

 

Heute war erst einmal Ausschlafen angesagt – nach den rund 24’000 Schritten vom Vortag absolut verdient. Während Cornelia natürlich schon früh auf den Beinen war, quälte ich mich erst gegen 8:15 Uhr aus dem Bett. Danach gab es gemütlich Kaffee und Frühstück, bevor wir uns langsam bereit machten für die Weiterfahrt Richtung La Rochelle. Das Entsorgen liessen wir heute einfach mal bleiben – Frischwasser hatten wir noch genug und auch der Grauwassertank war noch längst nicht voll.

Dieses Mal ging die Fahrt überraschend unkompliziert. Statt gefühlt wieder quer durch ganz Bordeaux zu gurken, fanden wir direkt eine gut ausgebaute Schnellstrasse Richtung Autobahn. Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichten wir La Rochelle – und hatten gerade noch Glück: Um 11:50 Uhr rollten wir auf den Campingplatz, der mittags bereits um 12 Uhr schloss. Check-in also in letzter Sekunde geschafft.

Der zugewiesene Platz war allerdings eher… sagen wir mal „kuschelig“. Für einen Campingplatz hatten wir definitiv schon deutlich grosszügigere Stellplätze erlebt. Trotzdem machten wir es uns gemütlich, holten die Stühle raus und ich nutzte die Gelegenheit, noch etwas Tagebuch zu schreiben.

Danach zog es uns direkt Richtung Hafen. Dort führte eine grosse Fussgängerbrücke hinaus auf die lange Hafenmauer. Der Hafen war riesig und praktisch komplett mit Segelschiffen gefüllt. Wirklich viel Betrieb herrschte allerdings nicht – alles wirkte ziemlich entspannt und ruhig. Wir spazierten bis ganz ans Ende der Hafenmauer, machten Fotos und genossen das herrliche Sommerwetter. Mit rund 30 Grad fühlte es sich eher nach Hochsommer als nach Mai an.

Vom Hafen aus liefen wir entlang eines breiten Kanals Richtung Altstadt. Dort entdeckten wir sofort die vielen Restaurants direkt am Wasser – und natürlich mussten wir uns gleich eines aussuchen. Cornelia bestellte eine Dorade mit Hummus, ich ein Fleischgericht mit Kartoffelstock und Champignons. Wie immer wurde nach kurzer Zeit getauscht, damit jeder von allem probieren konnte. Das Essen war lecker, auch wenn es leider nicht wirklich heiss serviert wurde. Dafür waren wir danach immerhin 48 Euro leichter.

Anschliessend schlenderten wir weiter durch das hübsche Städtchen. Besonders beeindruckend waren die beiden grossen Türme beim Eingang in das kleinere Hafenbecken – wirklich eine wunderschöne Kulisse. Im Zentrum reihten sich kleine Läden aneinander. Wir schauten kurz im H&M vorbei und kauften in einer Papeterie noch ein paar Karten.

Zurück auf dem Campingplatz genossen wir später erst einmal den Schatten der Bäume, entspannten etwas und ich schrieb weiter Tagebuch. Lange hielt uns die Ruhe aber nicht – wir machten uns nochmals auf den Weg zum Carrefour, um Getränke einzukaufen. Dabei liefen wir erneut am Wasser entlang und bemerkten sofort, dass der Wasserstand inzwischen deutlich höher war als noch am Mittag. Auf dem Weg kamen wir auch beim Schifffahrtsmuseum vorbei, das wir zuvor schon von weitem gesehen hatten.

Am Abend zog es uns nochmals in die Stadt. Für einen Donnerstagabend war erstaunlich viel los – überall Menschen, volle Terrassen und eine richtig lebhafte Stimmung. Das Hafenbecken war inzwischen durch die Flut wieder komplett mit Wasser gefüllt. Hier beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut etwa 3,6 Meter, was man wirklich deutlich sehen konnte.

Wir spazierten auf die andere Seite des Hafenbeckens, vorbei an schönen Gebäuden und einem weiteren beeindruckenden Turm, bis hinunter zum Sandstrand. Dort setzten wir uns kurz hin und beobachteten das bunte Treiben am Strand. Anschliessend liefen wir entlang des äusseren Hafens zurück in die Altstadt, gönnten uns noch einen Drink und schauten gemütlich den Leuten zu.

Später ging es zurück zum Campingplatz, wo wir den warmen Abend noch eine ganze Weile draussen ausklingen liessen.

22. Mai 2026 

 

Es hiess wieder: Motor starten und weiterfahren. Dass ausgerechnet Pfingstwochenende war, hatten wir komplett verdrängt. Erst unterwegs fiel uns auf, dass das eventuell ein kleines Problem werden könnte. Zum Glück zeigte die französische Stellplatz-App aber noch genügend freie Plätze an – zumindest theoretisch. Wir beschlossen deshalb, unser Glück in einer Gegend zu versuchen, wo gleich drei Stellplätze nur wenige Kilometer voneinander entfernt lagen. Irgendwo würde man uns hoffentlich noch zwischenparken lassen.

Heute ging die Fahrt nicht über die Autobahn, sondern gemütlich über Landstrassen quer durch kleine französische Dörfer. Teilweise wurden die Strassen zwar so schmal, dass man automatisch die Schultern einzog, obwohl das beim Fahren eigentlich nichts bringt. Aber weil kaum Verkehr unterwegs war und uns vor allem keine Lastwagen entgegenkamen, blieb die Fahrt trotzdem angenehm entspannt.

In Saint Vincent sur Jard angekommen, schauten wir uns zuerst einen Stellplatz mitten im Wald an. Eine grosse offene Fläche zwischen Bäumen, angenehm ruhig – und genau ein einziges Wohnmobil stand dort verloren herum. Fast ein bisschen wie ein Treffen für Introvertierte. Trotzdem wollten wir noch den zweiten Platz anschauen, denn eigentlich war das unser Favorit.

Dort angekommen war die Begeisterung allerdings ziemlich schnell weg. Der Platz war fast vollgestopft, Schatten gab es praktisch keinen und allgemein fühlte sich alles eher nach „Wohnmobil-Tetris“ an. Also zurück in den Wald! Dort richteten wir uns gemütlich ein und genossen erst einmal den Luxus von Schatten spendenden Bäumen – in diesen Temperaturen definitiv Gold wert.

Danach gab es einen feinen Salat und anschliessend eine sehr anstrengende Aktivität: chillen. Nach einer kurzen Powernap-Phase machten wir uns bewaffnet mit Sonnenschirm, Decke und Badesachen auf den Weg zum Strand. Besonders stolz waren wir auf unsere neueste Errungenschaft: einen Sonnenschirmständer zum in den Sand drehen. Hightech am Atlantik. Das Ding wurde natürlich sofort getestet und funktionierte tatsächlich erstaunlich gut.

Am Strand liessen wir es uns dann richtig gutgehen. Wir lagen in der Sonne, hörten das Meer und gingen sogar baden. Und ja – sogar ich war komplett im Wasser. Das muss vermutlich offiziell dokumentiert werden. Danach wurde der restliche Nachmittag und Abend hauptsächlich mit Strandliegen, Getränke-Nachschub holen und weiterem Nichtstun verbracht. Ein absolut harter Reisetag also.

Gegen 19:30 Uhr ging es zurück zum Wohnmobil. Unser fast leerer Wald-Stellplatz vom Mittag hatte sich inzwischen ordentlich gefüllt. Offenbar hatten noch mehr Leute die Idee gehabt, dass Schatten bei 30 Grad vielleicht keine schlechte Sache ist.

Zum Abendessen gab es nochmals Salat, diesmal kombiniert mit einer Fertigmischung Kartoffelsalat, die wir mit ein paar Extras etwas aufmotzten. Sterneküche auf Campingniveau. Danach zog es uns nochmals kurz an den Strand, wobei dieser Besuch nicht allzu lange dauerte.

Zurück beim Wohnmobil begann dann der Kampf gegen die Hitze. An Schlaf war zunächst kaum zu denken, denn im Innern hatte es selbst spätabends noch rund 30 Grad. Unsere kleinen Lüfter liefen auf Hochtouren und wurden zu den heimlichen Helden des Abends. Irgendwann gegen 23 Uhr schafften wir es dann doch ins Bett – begleitet vom leisen Surren der Ventilatoren und dem Gefühl, in einem fahrenden Backofen zu übernachten.

23. Mai 2026 

 

Der Tag war eigentlich als absoluter Premium-Chilltag geplant. Keine grossen Pläne, keine Besichtigungen, kein Stress – einfach Strand, Sonne und möglichst wenig Bewegung. Also genau die Art von Reisetag, bei dem man abends trotzdem komplett erledigt ist, obwohl man praktisch nichts getan hat.

Am Morgen genossen wir erst einmal gemütlich die Zeit beim Wohnmobil und beobachteten das Leben auf dem Stellplatz. Besonders auffällig war ein Labrador, der scheinbar überall gleichzeitig sein konnte. Mal lief er hier herum, dann dort, danach wieder bei irgendwelchen Kindern, die spielten. Vermutlich hatte er mehr soziale Kontakte als wir beide zusammen. Gleichzeitig wurde auch der Parkplatz vor dem Stellplatz immer voller – offenbar hatte halb Frankreich beschlossen, ebenfalls ans Meer zu fahren.

Natürlich zog es uns danach wieder an den Strand. Sonnenschirm aufgebaut, Decke ausgebreitet und erst einmal die Füsse ins Wasser gehalten. Die Wellen waren heute allerdings ziemlich wild unterwegs, weshalb es fürs Erste beim „Füsse baden“ blieb. Wir beobachteten stattdessen wieder die Menschen um uns herum – und da gab es wie immer einiges zu sehen. Strandkino gratis.

Zurück beim Wohnmobil gönnte sich Cornelia einen Tomaten-Mozzarella-Salat, während ich heldenhaft die Reste unseres Kartoffelsalats vernichtete. Food Waste gibt es mit mir definitiv nicht. Danach war eine kurze Siesta angesagt. Wobei „kurz“ bei rund 34 Grad eher bedeutete: irgendwo bewegungslos liegen und hoffen, nicht zu schmelzen.

Gegen 15 Uhr ging es wieder an den Strand. Und jetzt kommt die eigentliche Sensation des Tages: Ich ging tatsächlich wieder ins Wasser. Komplett. Bei diesen gefühlt arktischen Wassertemperaturen. Wunder geschehen also tatsächlich noch.

Wir beobachteten erneut das bunte Strandleben und stellten fest, dass wir einige Leute bereits vom Vortag wiedererkannten. Besonders eine Gruppe älterer Damen und Herren hatte ihren Stammplatz offenbar fest reserviert. Eine Seniorin beeindruckte mich dabei besonders: Mit Schwimmbrille ausgerüstet tauchte sie elegant unter den Wellen hindurch, als würde sie seit Jahren professionell durchs Meer pflügen. Genau so möchte man später einmal unterwegs sein – sportlich, entspannt und völlig angstfrei gegenüber Atlantikwellen.

Cornelia ging mehrmals ins Wasser, während ich zwischendurch Getränkenachschub und Snacks organisierte. Doch dann nahm der entspannte Strandtag plötzlich eine weniger lustige Wendung. Als Cornelia nochmals ins Wasser ging, trat sie mit dem rechten Fuss in ein Loch und stürzte. Ich selbst hatte den Unfall gar nicht gesehen, aber zum Glück half ihr sofort eine andere Frau wieder auf. Cornelia konnte zwar selbständig zurücklaufen, doch der kleine Zeh sah überhaupt nicht begeistert aus. Vermutlich stark verstaucht oder vielleicht sogar gebrochen.

Damit war erst einmal tief durchatmen angesagt. Der Fuss wurde begutachtet, gekühlt und möglichst wenig bewegt. Immerhin konnte Cornelia noch laufen, auch wenn alles ziemlich schmerzhaft aussah.

Am Abend war deshalb nicht mehr viel Action angesagt. Cornelia musste den Fuss schonen und wir verbrachten erneut viel Zeit draussen vor dem Wohnmobil, weil es drinnen selbst spätabends immer noch unangenehm heiss war. Also sassen wir wie die letzten Überlebenden einer Hitzewelle draussen herum und warteten darauf, dass die Temperaturen endlich etwas sanken.

Irgendwann gegen 23 Uhr wagten wir uns dann doch ins Bett – begleitet vom obligatorischen Lüftergeräusch und der Hoffnung, dass der kleine Zeh bis morgen wenigstens ein kleines bisschen weniger beleidigt aussieht.

24. Mai 2026 

 

Der Tag begann eigentlich mit dem Plan weiterzufahren. Eigentlich. Aber weil Pfingstsonntag war und Cornelias Fuss noch immer aussah, als hätte er einen privaten Streit mit dem Atlantik verloren, beschlossen wir kurzerhand, noch einen weiteren Tag hierzubleiben. Morgen würden wir dann direkt zum bereits vorgebuchten Campingplatz fahren. Also nochmals: Strandmodus aktiviert.

Am Morgen genossen wir zuerst den Luxus unseres schattigen Stellplatzes. Die Bäume über und hinter uns waren inzwischen unsere besten Freunde geworden. Während andere Wohnmobile bereits morgens zu mobilen Backöfen mutierten, war es bei uns noch erstaunlich angenehm.

Natürlich zog es uns danach wieder an den Strand. Baden war heute allerdings eher auf „Füsse eintauchen“ beschränkt, denn die Wellen waren ziemlich kräftig unterwegs. Dazu kam ordentlich Wind, weshalb wir einmal mehr hauptsächlich das machten, worin wir inzwischen Profis geworden waren: Leute beobachten. Und da gab es wieder einiges zu sehen. Einige segelten mit kleinen Katamaranen hinaus aufs Meer, andere düsten mit Wing-Surfern über die Wellen. Sah alles sehr sportlich und beeindruckend aus – wir dagegen lagen eher professionell herum.

Kurz bevor wir zurück zum Wohnmobil wollten, beschloss unser Sonnenschirm plötzlich, eigene Reisepläne zu entwickeln. Ohne Vorwarnung machte er sich selbständig und flog davon. Zum Glück wurde niemand erschlagen und der Schirm konnte relativ schnell wieder eingefangen werden. Danach war aber klar: Jetzt geht’s definitiv zurück.

Beim Wohnmobil gab es erst einmal Essen. Einen Salat natürlich – inzwischen gefühlt unser Hauptnahrungsmittel – dazu Pouletspiessli, die wir auseinander genommen und in der Bratpfanne angebraten hatten. Sehr improvisiert, aber überraschend lecker.

Danach war wieder Chillen und Siesta angesagt. Wobei „entspannen“ bei diesen Temperaturen eher bedeutete, regungslos herumzuliegen und möglichst wenig Körperwärme zusätzlich zu produzieren. Gegen 15:30 Uhr ging es erneut an den Strand.

Heute war dort allerdings Ausnahmezustand. Der Strand war brechend voll und zeitweise fühlte es sich an wie früher in den Cavallino-Ferien in Italien: Tuch an Tuch, Liege an Liege und irgendwo immer ein schreiendes Kind oder ein Sandburg-Architekt in Hochform. Offenbar gibt es nicht nur Kuschelcamper – Kuschel-Strandbesucher existieren definitiv ebenfalls.

Und dann geschah das nächste kleine Wunder: Ich ging gleich zweimal ins Wasser. Offiziell hatte das Meer 16 Grad. Andere Quellen behaupteten zwar 19 Grad, und an diese Zahlen klammere ich mich jetzt einfach mal. Denn bei echten 16 Grad wäre ich freiwillig niemals komplett ins Wasser gegangen. Niemals.

Cornelia ging trotz ihres angeschlagenen Fusses ebenfalls mehrmals ins Wasser, hauptsächlich zur Abkühlung. Den Sonnenschirm hatte ich übrigens am Mittag noch notdürftig geleimt – eine hochprofessionelle Reparatur mit vermutlich fragwürdiger Statik. Aber siehe da: Er bestand den Nachmittagstest tatsächlich, auch wenn wir ihn sicherheitshalber immer wieder etwas festhalten mussten. Vertrauen war nach seinem Fluchtversuch definitiv nicht mehr komplett vorhanden.

Am späteren Nachmittag liessen wir den Sonnenschirm sogar ganz geschlossen und genossen tatsächlich mal direkt die Sonne. Dank des Windes war das am Strand erstaunlich angenehm, selbst bei diesen Temperaturen.

Gegen 19:30 Uhr ging es wieder zurück zum Wohnmobil. Dort warteten wir gemütlich auf Schatten, Dämmerung und vor allem darauf, dass die Temperatur im Wohnmobil endlich unter die magische Grenze von 30 Grad fiel. Ein tägliches Ritual inzwischen – fast spannender als jeder Wetterbericht.

25. Mai 2026 

 

 hiess es wieder: Motor starten und weiterziehen. Wir verabschiedeten uns vom inzwischen ziemlich gut gefüllten Stellplatz und machten uns auf den Weg Richtung Campingplatz. Unser Ziel war der Sandaya Moulin de l’Eclis in Assérac – dort waren wir vor vielen Jahren schon einmal mit den Kindern gewesen und hatten den Ort in bester Erinnerung. Vor allem das Meer dort ist speziell: Bei Ebbe kann man gefühlt bis Amerika hinauslaufen.

Natürlich kamen unterwegs auch alte Erinnerungen hoch. Damals gingen die Kinder bei Ebbe mit einem Ball immer weiter hinaus ins flache Meer. Irgendwann setzte langsam die Flut ein und wir bekamen komplett die Krise, weil wir dachten, sie würden gleich vom Atlantik verschluckt. Also wurden die Kinder panisch zurückgeholt. Im Nachhinein waren wir vermutlich einfach maximal übervorsichtig. Zur Beruhigung genehmigten wir uns damals eine Flasche Wein – oder eher etwas mehr als vernünftig gewesen wäre. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie wir danach eine Linie in den Sand gezogen hatten, um zu testen, ob wir überhaupt noch geradeaus laufen konnten. Familienferien auf höchstem Niveau.

Auf dem Stellplatz herrschte an diesem Pfingstmontag allgemeine Aufbruchsstimmung. Interessanterweise schien unser Platz, begehrt zu sein. Es wurden schon Stühle auf die Parzelle gestellt, bevor wir weggefahren waren. Stellplatz-Reservation auf französische Art.

Bevor wir losfuhren, entsorgten wir noch Grauwasser und füllten etwas Frischwasser auf. Überraschenderweise hatte es auf den Strassen erstaunlich wenig Verkehr. Uns kamen allerdings unzählige Wohnmobile entgegen. Entweder fuhren wir in die falsche Richtung oder ganz Frankreich wollte jetzt erst recht noch ans Meer.

Die Strecke führte zuerst etwas durchs Landesinnere und danach über gut ausgebaute Schnellstrassen, die teilweise sogar zweispurig waren – purer Luxus. Zwischendurch ging es immer wieder über schöne Hauptstrassen Richtung Küste. In Aizenay legten wir noch einen Einkaufsstopp beim Lidl ein. Die Hitze war inzwischen absolut brutal. Das Auto zeigte auf dem Parkplatz einfach mal 40 Grad an. Vermutlich hätte man Spiegeleier auf der Motorhaube braten können.

Nach dem Einkauf ging es weiter Richtung Saint-Nazaire. Dort wollten wir uns unbedingt noch die berühmte Seeschlangen-Skulptur im Meer anschauen. Also runter von der Schnellstrasse und tatsächlich fanden wir ziemlich nahe einen Parkplatz. Wir liefen zur Schlange – nun ja… wir haben sie gesehen. Mich faszinierte allerdings etwas ganz anderes deutlich mehr: Auf der anderen Seite der Bucht standen zwei riesige Kreuzfahrtschiffe. Eines sah schon fast fertig aus, das andere war noch im Rohbau. Später googelte ich nach und stellte fest, dass dort die Chantiers de l’Atlantique stehen – eine der grössten Schiffswerften der Welt. Schon verrückt, wie gigantisch diese Dinger sind.

Danach machten wir noch eine kleine Runde, bestaunten die riesige Brücke und fuhren schliesslich selbst darüber auf die andere Seite der Bucht. Anschliessend wurden die Strassen wieder schmaler und teilweise ziemlich eng. Natürlich suchten wir vorher noch verzweifelt einen Ort für unseren Müll, bevor wir auf den Campingplatz fahren konnten. Zum Glück fanden wir schliesslich einen Picknickplatz mit Mülleimern – selten hat uns ein Abfalleimer glücklicher gemacht.

Auf dem Campingplatz angekommen herrschte erst einmal komplettes Chaos. Überall Fahrzeuge, Menschen, Kinder und allgemeines Feriengewusel. Wir parkten das Wohnmobil provisorisch am Rand und gingen einchecken. Unser Platz: Nummer 12. direkt beim Spielplatz. Und vor allem: vermutlich der sonnigste Platz des gesamten Campings. Bei 34 Grad natürlich absolut perfekt gewählt. Wir fragten noch höflich nach einem anderen Platz, aber leider war nichts möglich. Also akzeptierten wir unser Schicksal als Bewohner der offiziellen Campingplatz-Sauna.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, ging es direkt an den Strand. Wobei „Strand“ eigentlich untertrieben ist. Bei Ebbe verwandelt sich das Meer dort in eine riesige Fläche aus Sand und kleinen Wasserbecken. Wir liefen gefühlt ewig hinaus, bis irgendwann tatsächlich nur noch Wasser vor uns war. Bestimmt 500 Meter oder mehr.

Zurück beim Campingplatz beschlossen wir spontan auch noch den Pool auszuprobieren. Also schnell Badesachen anziehen und los. Meine Badehose entsprach natürlich offiziell nicht dem Campingreglement – offenbar gibt es da sehr genaue französische Vorstellungen davon, wie Badehosen auszusehen haben. Der Bademeister drückte aber gnädiger weise ein Auge zu. „Heute okay.“ Also schnell ins Wasser, bevor es sich jemand anders überlegt.

Wir blieben eine Weile im Pool, bis plötzlich gegen 18 Uhr bereits Schluss war. Noch besser: Um etwa 17:40 Uhr wurden wir informiert, dass sie „in zehn Minuten“ schliessen würden. Französisches Zeitmanagement bleibt einfach ein Erlebnis für sich.

Am Abend wurde dann noch grilliert, dazu gab es natürlich wieder Salat – unser kulinarischer Dauerbegleiter dieser Reise. Später sassen wir lange draussen, denn endlich gab es ein wenig Schatten. Zum Sonnenuntergang setzten wir uns noch vorne in die Chill-Arena mit Stühlen, Tischen und grossen Sitzkissen. Dort genossen wir die friedliche Abendstimmung. Der Campingplatz war nun plötzlich angenehm ruhig – ganz anders als das Chaos bei unserer Ankunft.

Nur unser Wohnmobil hatte weiterhin andere Pläne. Das Ding hatte den ganzen Tag in der Sonne gestanden und weigerte sich hartnäckig abzukühlen. Erst gegen 23:30 Uhr – nach etwas YouTube schauen und gefühlt stundenlangem Lüften – schafften wir es endlich, die Innentemperatur knapp unter 30 Grad zu bringen. Ein echter Erfolgsmoment.

 

26. Mai 2026

 

Unser Tag startete mit der grossen Mission „Platzwechsel“ – oder zumindest mit dem erneuten Versuch, diesen legendären Campingplatz-Wechsel endlich hinzubekommen. Schon früh am Morgen prüften wir nochmals im Internet und tatsächlich: Platz Nummer 7 war immer noch bis Donnerstag frei. Hoffnung keimte auf. Die Nacht war zwar eher kurz gewesen und unser Wohnmobil stand inzwischen wieder voll in der Sonne, aber immerhin konnten wir den ersten Kaffee gemütlich draussen trinken.

Pünktlich um 9 Uhr öffnete die Rezeption und wir standen natürlich um diese Zeit schon fast bereit … na ja, zumindest halb wach und um etwa 9:10 Uhr waren wir dort. Und siehe da: Diesmal funktionierte der Wechsel tatsächlich! Ein kleines Wunder. Etwas ärgerlich war nur, dass der Platz gestern offenbar die meiste Zeit frei gewesen wäre – aber gut, Campingplatz-Logik muss man nicht verstehen. Also wurde alles schnell zusammengeräumt, das Wohnmobil abfahrbereit gemacht und wir zogen feierlich auf Platz Nummer 7 um. Danach natürlich wieder alles ausräumen, aufbauen und endlich im Schatten frühstücken. Das war die ganze Aktion definitiv wert.

Anschliessend wurde erst einmal gechillt und der neue Schattenplatz ausgiebig genossen. Ich schrieb endlich wieder etwas Tagebuch – bei der Hitze der letzten Tage hatte das eher nicht oberste Priorität gehabt. Später gingen wir noch in den Laden, weil ich Badehosen brauchte, die den offiziellen Vorschriften entsprachen. Offenbar gibt es tatsächlich Regeln dafür. Man lernt nie aus.

Gegen 11 Uhr ging es dann in den Pool. Im Vergleich zu gestern war das Wasser plötzlich ziemlich kalt, aber wenn man schon mal dort ist, hilft alles Jammern nichts: rein da! Wir hielten etwa eine Stunde durch, bevor wir wieder duschen gingen. Zum Mittagessen gab es Chips – kulinarisch irgendwo zwischen „Campingromantik“ und „heute kocht definitiv niemand“. Danach entspannten wir weiter beim Wohnmobil, während Cornelia es sich auf einer Liege etwa zehn Meter entfernt gemütlich machte. Praktisch Fernbeziehung auf Campingplatz-Distanz.

Natürlich gingen wir später auch noch ins Meer. Allerdings hielt unsere Begeisterung nur wenige Meter lang an. Das Wasser hatte ungefähr Badewannen-Temperatur und war dazu sehr flach. Irgendwie fehlte das Abenteuergefühl, also drehten wir bald wieder um.

Am Nachmittag genossen wir erneut unseren Schattenplatz und gingen nochmals in den Pool. Ausserdem schrieb ich noch zwei Karten, was überraschend lange dauerte – allerdings waren es auch wichtige Karten, also durfte das ruhig etwas Zeit brauchen.

Am Abend wurde dann noch grilliert: ein Filet, das wir in Stücke geschnitten hatten, dazu Salat. Sehr gutes Campingplatz-Abendessen. Danach sassen wir noch lange gemütlich draussen herum, machten bewusst absolut nichts und spielten Quirkle sowie vier gewinnt. Zum krönenden Abschluss schauten wir noch ein YouTube-Video und liessen den Abend ganz entspannt ausklingen.

27. Mai 2026

 

Heute stand nochmals ein gemütlicher Ruhetag auf dem Programm – wobei man an solchen Tagen erstaunlich beschäftigt sein kann. Nach Kaffee und Frühstück machten wir uns zuerst daran, die Bettwäsche abzuziehen und in die Waschmaschine zu stecken. Anschliessend wanderte alles in den Tumbler. Während die erste Ladung lief, entschieden wir uns spontan, gleich noch eine zweite Wäsche zu machen.

Leider funktionierte der Tumbler nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Nach 45 Minuten war die Wäsche immer noch nass. Cornelia reklamierte das Ganze bei der Rezeption und bekam immerhin einen neuen Jeton. Das Problem sei bekannt, hiess es dort. Wenn man das schon weiss, könnte man eigentlich auch einen kleinen Hinweis an die Maschine hängen – aber gut, perfekt ist eben nirgends alles.

Zum Glück liehen uns die Nachbarn ihren Wäscheständer aus, sodass wir wenigstens die Kleider trocknen konnten, die wir sowieso nicht tumblern wollten. Danach war dringend Abwaschen angesagt. Ausserdem mussten noch Rechnungen bezahlt und verschiedene Termine für zu Hause organisiert werden. So verging der Tag schneller als gedacht.

Heute gingen wir weder in den Pool noch ins Meer. Stattdessen genossen wir einfach unseren Schattenplatz und den zeitweise recht kräftigen Wind. Natürlich musste später auch die ganze Wäsche wieder verräumt werden, inklusive Betten frisch beziehen, Decken richten und allem, was dazugehört.

Cornelias Telefon war ebenfalls den halben Nachmittag im Dauereinsatz – Gespräche mit Luca, Nina, Thomas und Omi, also praktisch das komplette Familienprogramm. Zwischendurch spielten wir noch „4 gewinnt“, Uno und Tutto.

Zum Abendessen gab es feine Bratkartoffeln mit Spargeln. Den Abend verbrachten wir erneut gemütlich an unserem Schattenplatz im Pinienwald. Allerdings wurde es heute durch den Wind überraschend kühl, sodass man sogar eine dünne Jacke brauchte. Dafür hatte die frische Abendluft auch ihren Vorteil: Wir konnten später endlich einmal ein YouTube-Video schauen, ohne dabei in unserer fahrenden Sauna zu verschmachten.

 

28. Mai 2026

 

Heute hiess es Abschied nehmen vom Campingplatz. Insgesamt war es wirklich schön hier – vor allem, weil wir den Platz noch wechseln konnten. Mit Temperaturen um die 34 Grad wären drei Tage ohne Schatten nämlich eher ein Überlebenscamp als Ferien gewesen. Das Sanitärgebäude war gut und der Aussenpool bei dieser Hitze Gold wert. Auf so viel Luxus werden wir nun wohl aber wieder eine Weile verzichten müssen, denn die nächsten Plätze dürften eher wieder die Kategorie „praktisch statt Wellnessoase“ werden.

Da ich heute erst um 8:50 Uhr aus den Federn kroch, wurde der Morgen für unsere Verhältnisse beinahe hektisch – also gemütlich hektisch. Kaffee trinken, draussen frühstücken, abwaschen und gleichzeitig alles fahrbereit machen. Irgendwie schaffen wir es immer, dabei trotzdem nicht in Stress auszubrechen. Kurz vor 11 Uhr rollten wir dann los.

Eigentlich wollten wir noch den kleinen Park „Le Poète Ferrailleur“ besuchen. Leider öffnete der erst um 14 Uhr und wir wären bereits um 12 Uhr dort gewesen. Zwei Stunden bei dieser Hitze irgendwo herumstehen? Nein danke. Also strichen wir den Programmpunkt kurzerhand und fuhren weiter Richtung Sant Jacut de la Mer.

Dort schauten wir uns zuerst den Stellplatz an. Es gab zwar ein paar Schattenplätze, aber entweder stand man direkt am Eingang oder halb eingeklemmt zwischen Wohnmobil und Gebüsch. So richtig überzeugend war das Ganze nicht. Also beschlossen wir spontan: weiter nach Saint Malo!

In Rothéneuf auf dem Stellplatz angekommen, war zunächst ordentlich Betrieb. Zum Glück konnten wir uns den Platz selber aussuchen. Wir fanden ein Plätzchen längs zur Strasse mit etwas Schatten von grossen Bäumen. Wobei „etwas Schatten“ später eher bedeutete: Am Abend spendete hauptsächlich unser eigenes Wohnmobil Schatten. Aber immerhin.

Nach einer kleinen Erholungspause beschlossen wir, noch mit dem Bus nach Saint Malo zu fahren. Unser Timing war einmal mehr meisterhaft mittelmässig und wir standen etwa 15 Minuten zu früh an der Bushaltestelle. Bei dieser Hitze ein Erlebnis, auf das man auch verzichten könnte.

In Saint Malo angekommen hatten wir – wie so oft – exakt keinen Plan. Also machten wir das, was wir am besten können: einfach mal loslaufen. Wir erkundeten das hübsche Städtchen innerhalb der Stadtmauer, kauften Briefmarken und spazierten später noch zu einem kleineren Hafen, wo die Schiffe nach Dinard fahren. Dort sassen wir eine Weile gemütlich auf einer Bank und beobachteten zwei kleinere Fähren, die vermutlich später Richtung England unterwegs sein werden.

Später ging es zurück zur Stadtmauer. Besonders cool fanden wir den direkten Zugang zum Strand. Da hat man dieses historische kleine Städtchen – und plötzlich steht man direkt am Meer. Wirklich schön.

Wir liefen noch ein Stück auf der Stadtmauer entlang, wobei die Hitze inzwischen fast schon extrem war. Angeblich erlebt die Region gerade die stärkste Mai-Hitzewelle, die jemals gemessen wurde. Und ja – das glaubte man sofort.

Irgendwann reichte es uns dann aber mit Sightseeing in der Sauna. Also suchten wir ein Restaurant. Nach einer kleinen Extrarunde quer durch die Altstadt fanden wir schliesslich beim grossen Tor eine Bar. Dort gönnten wir uns zwei Bier. Meines schmeckte allerdings eher wie Himbeerlimonade mit leicht verwirrtem Bierhintergrund. Dazu gab es ein grosszügiges Apéroplättli – und damit war das Abendessen auch gleich erledigt.

Danach spazierten wir nochmals kurz zur Aussenmauer, bevor wir endgültig genug hatten für heute. Wir warteten noch gemütlich im Schatten auf den Bus und fuhren anschliessend zurück zum Wohnmobil.

Dort war es zunächst ebenfalls noch ziemlich warm. Doch plötzlich kam Wind auf und die Temperatur fiel erstaunlich schnell. Während man in Saint Malo vorher fast zerfloss, brauchte man hier am Abend plötzlich wieder eine dünne Jacke. Tja… Normandie eben. Oder Bretagne. Oder einfach französisches Überraschungswetter.

Am Abend passierte nicht mehr viel. Ich schaute noch das Viertelfinale der Eishockey-Weltmeisterschaft Schweiz gegen Schweden. Die Schweiz gewann 3:1 – und das war dann definitiv ein perfekter Abschluss für diesen heissen, etwas chaotischen, aber schönen Tag.

 

29. Mai 2026

 

Heute entschieden wir uns, nochmals nach Saint-Malo zu fahren. Gestern hatten wir die Stadt bei Flut erlebt, als das Meer praktisch direkt bis an die Mauern reichte. Nun wollten wir sehen, wie sich die Landschaft bei Ebbe präsentiert. Da die Gezeiten hier extrem sind und der Unterschied zwischen Ebbe und Flut bis zu zehn Meter betragen kann, erwarteten wir einen völlig anderen Anblick.

Der Tag begann gemütlich. Zuerst erkundeten wir den Strand beziehungsweise die Bucht von Rothéneuf. Vom Wohnmobil waren es nur wenige Minuten zu Fuss bis zum Strandzugang. Dort herrschte bereits reger Betrieb: Eine grosse Reinigungsmaschine befreite die Strasse vom Sand, während ein gewaltiger Radbagger am Strand den Sand wieder verteilte. Eine beeindruckende Baustelle – da hätte ich auch gerne einmal selbst ein wenig im Sand gespielt.

Anschliessend spazierten wir noch etwas am Strand entlang. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie die Boote bei Ebbe einfach auf dem Sand liegen, als hätten sie dort ihren Parkplatz. Auch die vielen schönen Steinhäuser gefielen uns ausgesprochen gut. Fast jedes schien noch hübscher als das vorherige.

Danach ging es zurück zum Wohnmobil und von dort mit dem Bus erneut nach Saint-Malo. Unser erster Weg führte uns direkt zum Strand beim Fort National. Dort zeigte sich eindrücklich, wie weit sich das Meer zurückgezogen hatte. Man konnte problemlos bis zum Fort laufen, was wir natürlich auch taten. Unterwegs wurden sämtliche Wasserbecken zwischen den Felsen auf Muscheln und andere Meeresbewohner untersucht. Kaum vorstellbar, dass dieser ganze Bereich bei Flut mehrere Meter unter Wasser liegt.

Auf dem Rückweg entdeckten wir noch ein grösseres, künstlich angestautes Wasserbecken mit einer Steinmauer und einem kleinen Überlauf, der fast wie ein Bach wirkte. Danach schlenderten wir weiter durch die Altstadt. Da sich langsam der Hunger meldete, beschlossen wir, etwas essen zu gehen. Ich gönnte mir einen feinen Burger, während Cornelia ein Entrecôte bestellte. Eigentlich hatten wir zuerst Muscheln essen wollen, entschieden uns dann aber kurzfristig um.

Gut gestärkt spazierten wir anschliessend über die Stadtmauer weiter. Dabei besuchten wir einige Orte, die wir am Vortag ausgelassen hatten, darunter die Terrasse beim Haus von Québec. Danach zog es uns zum Strand bei der Insel Grand Bé. Über einen grob gepflasterten Damm konnte man bequem zur Insel hinüberlaufen. Es fühlte sich schon etwas seltsam an, über einen Weg zu einer Insel zu gehen, der wenige Stunden später mehrere Meter unter Wasser stehen würde.

Auf der Insel angekommen, erklärte uns ein freundlicher Herr, wir sollten spätestens um 15:30 Uhr wieder zurück sein, da der Weg dann überflutet werde. Es war etwa 15:10 Uhr, und ehrlich gesagt sah es überhaupt nicht danach aus, als würde das Wasser bald zurückkehren. Auch die Hinweisschilder auf der Insel warnten eindringlich davor, die Flut zu unterschätzen. Wer zu lange wartet, sitzt möglicherweise bis zur nächsten Ebbe fest, denn ein zurückkehren bei der starken Strömung sei sehr gefährlich.

Wir erkundeten die Insel nur kurz. Ich lief noch ein Stück weiter in Richtung einer kleineren Nachbarinsel, doch der Weg endete schliesslich im Wasser. Gegen 15:20 Uhr machten wir uns vorsichtshalber auf den Rückweg. Sicherheit geht schliesslich vor. Auch vorne am Damm wurden die Besucher inzwischen aufgefordert, nicht mehr hinüberzugehen.

Zurück auf dem Festland setzten wir uns auf einen Felsen und wollten beobachten, wie der Weg langsam vom Meer verschluckt wird. Ich war überzeugt, dass der freundliche Herr grosszügig 15 bis 30 Minuten Sicherheitsreserve eingeplant hatte. Doch ich irrte mich gewaltig. Bereits gegen 15:34 Uhr stand das Wasser auf dem Damm. Es war erstaunlich, wie schnell das ging. Minuten zuvor hätte man kaum geglaubt, dass der Weg so bald unpassierbar sein würde. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie trügerisch die Gezeiten sein können.

Danach spazierten wir weiter durch die Stadt und kamen bei einem Post Office vorbei, wo wir endlich unsere Karten abgeben konnten. Ein etwas spezieller Laden – irgendwie mehr Getränkemarkt als Poststelle –, aber offenbar funktionierte beides. Anschliessend liefen wir entlang der unteren Stadtmauer zurück. Dort reihten sich die Restaurants dicht an dicht. Fast alle hatten kleine, verglaste Vorbauten, die bis auf die Strasse hinausreichten.

Ein kurzer Abstecher führte uns noch einmal durch die Hauptgasse mit ihren zahlreichen Geschäften. Danach schauten wir nochmals beim Fort National vorbei. Zwar hätte man immer noch weit hinauslaufen können, doch darauf verzichteten wir diesmal und machten uns stattdessen auf den Weg zum Bus.

Leider mussten wir recht lange auf die nächste Verbindung warten. Im Zentrum angekommen, gönnten wir uns deshalb noch einen Gin Tonic beziehungsweise einen Malibu-Ananas. Anschliessend kauften wir in einer Bäckerei ein frisches Brot und fuhren zurück zum Wohnmobil.

Dort telefonierten wir noch mit Luca, der gerade im Pool war. Später holte Cornelia beim Pizzawagen am Eingang des Stellplatzes das Abendessen. Ich entschied mich für eine Pizza mit Lachs, Cornelia für eine mit verschiedenen Zutaten. Sagen wir es einmal so: Die Pizzen werden uns nicht als kulinarischer Höhepunkt dieser Reise in Erinnerung bleiben.

Am Abend wurde es draussen zunehmend kalt und windig. Deshalb machten wir es uns im Wohnmobil gemütlich und liessen den Tag bei einigen YouTube-Videos ausklingen. Ein entspannter Abschluss eines abwechslungsreichen Tages voller beeindruckender Gezeiten und einer Lektion darüber, wie schnell das Meer zurückkehren kann.

30. Mai 2026

 

Heute hiess es Abschied nehmen von unserem Stellplatz in Saint-Malo. Eigentlich hatten wir noch überlegt, einen Abstecher nach Cancale zu machen, um das Städtchen anzuschauen und vielleicht ein paar Austern zu verdrücken. Doch wie so oft auf Reisen gewann die bequemere Variante. Cancale wurde auf „irgendwann später“ verschoben und wir beschlossen direkt nach Le Mont Saint-Michel zu fahren.

Das war auch nicht weiter tragisch, denn unser Stellplatz hatte sich in den letzten Tagen offenbar als bevorzugtes Ferienresort einer grösseren Taubenfamilie etabliert. Unser Teppich sah jedenfalls aus, als hätte dort ein Taubenkongress mit Verdauungsproblemen stattgefunden. Auch auf dem Dach hörte man ständig etwas herunterfallen. Ob Nadeln, Zapfen oder weitere Hinterlassenschaften der gefiederten Bewohner, wir wollten es gar nicht genauer wissen. Die Dachfenster sahen ebenfalls entsprechend aus. Zuhause wird das Wohnmobil wohl einen ausgedehnten Wellness- und Reinigungstag erhalten.

Wir machten uns also startklar und verzichteten grosszügig auf die Grauwasserentsorgung. Irgendwann muss man Prioritäten setzen. Über Saint-Malo ging es zurück auf die Schnellstrasse Richtung Le Mont Saint-Michel.

Unterwegs entdeckte ich in Dol-de-Bretagne auf Google Maps eine Waschanlage. Das Wohnmobil und ich waren uns sofort einig: Die Gelegenheit musste genutzt werden. Nachdem der Kunde vor uns gefühlt seinen kompletten Anhänger gereinigt hatte, waren wir an der Reihe. Die Anlage erwies sich als Volltreffer. Der Wasserdruck war so stark, dass unser Insektenfriedhof an der Front praktisch rückstandslos verschwand. Vermutlich wurden dabei sogar noch einige Fliegen entfernt, die dort gar nie gesessen hatten. Danach glänzte das Wohnmobil wieder fast wie neu. Zumindest aus einer Entfernung von zehn Metern und bei leichtem Gegenlicht.

Anschliessend erreichten wir den Stellplatz von Le Mont Saint-Michel. Der Platz ist riesig, und erfreulicherweise waren noch viele Parzellen frei. Leider waren die begehrten Plätze unter den Bäumen bereits besetzt. Wahrscheinlich von Leuten, die früher aufgestanden waren als wir. Also suchten wir uns einen anderen schönen Platz und richteten uns ein.

Kaum war alles installiert, hiess es: Velos raus und los!

Schon auf dem Weg Richtung Mont Saint-Michel waren viele Menschen unterwegs. Der erste Abschnitt der Strecke gefiel uns besonders gut. Entlang eines kleinen Flusses standen zahlreiche Tische und Bänke, alles wirkte sehr idyllisch. Danach folgte ein eher unspektakulärer Abschnitt am Wasser entlang. Und schliesslich kam der Teil, den offenbar halb Europa gleichzeitig besuchen wollte.

Die Regeln waren eigentlich klar: Velofahrer und Fussgänger auf den Holzsteg, Busse auf die Strasse. Wir hielten uns zunächst brav daran. Doch nachdem wir beobachtet hatten, dass zahlreiche andere Velofahrer gemütlich auf der Strasse unterwegs waren, begann unser innerer Schweizer Ordnungshüter langsam zu schwächeln. Bei den Menschenmassen auf dem Holzweg wurde das Velofahren nämlich ungefähr so angenehm wie ein Slalomlauf durch ein Einkaufszentrum am Samstagnachmittag.

Also wechselten wir ebenfalls auf die Strasse. Unser Plan war einfach: Falls ein Bus kommt, fahren wir sofort zur Seite. Zum Glück kam gerade keiner. Manchmal muss das Universum einfach mitspielen.

Am Mont Saint-Michel angekommen, stellten wir die Velos an der Aussenmauer ab und liefen zunächst etwas über den festen Sand- und Schlammboden hinaus, um Fotos zu machen. Natürlich wurden es nicht tausend Fotos. Es waren vermutlich nur knapp darunter.

Danach tauchten wir in das Städtchen ein. Die Hauptgasse war derart voll, dass man eigentlich nur noch mit dem Menschenstrom mitschwimmen konnte. Selbst wenn man gewollt hätte, wäre Umdrehen wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen.

Wir schauten in einige Souvenirshops hinein, wobei die grösste Attraktion oft darin bestand, einen freien Quadratmeter Boden zu finden. Schliesslich erreichten wir den Eingang der Abtei. Dort bogen wir links ab, und plötzlich wurde alles deutlich entspannter. Die meisten Besucher schienen direkt zur Abtei zu strömen, während wir gemütlich durch ruhigere Gassen und über verschiedene Terrassen schlenderten.

Natürlich entstanden dabei weitere Fotos. Sehr viele weitere Fotos.

Schliesslich gelangten wir wieder zum Eingang der Abtei und liefen anschliessend über die Stadtmauer zurück Richtung Ausgang. Dabei wurden selbstverständlich noch weitere Souvenirläden inspiziert. Man könnte ja etwas verpassen.

Irgendwann waren wir uns einig, dass das für heute genug Eindrücke waren. Die Abtei wollten wir uns am nächsten Tag in Ruhe anschauen.

Für den Rückweg entschieden wir uns diesmal konsequent für die Strasse. Die Fussgänger waren mittlerweile so zahlreich, dass ein Velofahrer auf dem Holzweg ungefähr die Geschwindigkeit einer Wanderdüne erreichte. Unterwegs liessen wir noch einen Bus passieren und wechselten kurz auf den Holzweg, bevor wir wieder auf die Strasse zurückkehrten.

Nach dem ersten Kreisverkehr machten wir noch einen Abstecher zum Campingplatz, auf dem wir vor acht Jahren einmal gewesen waren. Er sah erstaunlich vertraut aus. Entweder hatte sich kaum etwas verändert oder unsere Erinnerungen funktionierten noch erstaunlich gut.

Von dort ging es über die riesigen Parkplätze weiter zum berühmten Biscuit-Laden. Mittlerweile gibt es viele Anbieter, aber für uns sind das immer noch die Originale. Wir suchten dort nach der Guetzlidose, die wir vor acht Jahren gekauft hatten. Leider gab es genau dieses Modell nicht mehr. Dafür hatten wir sie bereits in anderen Geschäften auf dem Mont entdeckt. Die Suche war also nicht völlig aussichtslos.

Natürlich verliessen wir den Laden nicht mit leeren Händen. Wir kauften Madeleines mit Caramel und Cornelia zusätzlich Mini-Madeleines mit Käse.

Zurück beim Stellplatz besuchten wir noch einen kleinen Supermarkt und einen Laden mit regionalen Spezialitäten. Dort konnte man vieles probieren. Allerdings überzeugte mich weder die gesalzene Caramelbutter noch die verschiedenen Caramel-Täfeli vollständig. Mein Hauptgedanke war eher die Frage, ob nach dem Probieren noch sämtliche Zahnfüllungen an ihrem vorgesehenen Platz waren.

Danach war Sportzeit angesagt. Zuerst stand das Halbfinale der Eishockey-Weltmeisterschaft zwischen der Schweiz und Norwegen auf dem Programm.

Zum Abendessen gab es Bratwürste und Salat. Anschliessend folgte für mich noch der Champions-League-Final zwischen Paris und Arsenal. Leider gewann Paris. Manche Reiseerlebnisse kann selbst Le Mont Saint-Michel nicht aufwiegen.

Später sass ich noch lange draussen und genoss die frische Abendluft. Cornelia führte derweil einen ausführlichen Praxistest mit ihrem Kopfkissen durch. Die Resultate werden vermutlich morgen veröffentlicht.

31. Mai 2026 

 

Heute klingelte der Wecker ungewohnt früh. Unser Plan war ambitioniert: möglichst früh zum Mont-Saint-Michel, die Abtei direkt nach der Öffnung besuchen, die grosse Flut am Abend erleben und ganz nebenbei noch den Menschenmassen aus dem Weg gehen. 

Nach einem Kaffee und ein paar Erdbeerschnitten schwangen wir uns auf die Velos. Der frühe Start zahlte sich aus. Auf dem Holzsteg waren kaum Leute unterwegs, sodass wir gemütlich bis zum Mont fahren konnten. Dabei entdeckten wir sogar noch einen offiziellen Veloparkplatz direkt beim Eingang.

Diesmal nahmen wir einen anderen Weg nach oben und machten selbstverständlich ein paar Fotos. Wobei „ein paar“ vermutlich die optimistischste Schätzung des Tages ist. Wenn man schon einmal hier ist, muss schliesslich jede Perspektive festgehalten werden.

Kurz vor neun Uhr standen wir vor dem Eingang der Abtei. Die ersten Besucher warteten bereits in der Schlange. Wir liessen den grössten Ansturm vorbeiziehen und kauften erst danach unsere Tickets. Eine hervorragende Entscheidung, denn drinnen war es erstaunlich ruhig.

Die Abtei beeindruckte uns sofort. Besonders die grosse Terrasse vor der Kirche, die Kirche selbst und der wunderschöne Kreuzgang waren echte Highlights. Immer wieder öffneten sich fantastische Ausblicke über die Bucht. Teilweise waren wir fast alleine unterwegs, was bei einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs ungefähr so selten ist wie ein leerer Parkplatz direkt vor dem Supermarkt.

Zwischendurch gab es auch einige Ausstellungen. In einem Raum liefen Videos mit Feuerwerkskunst, in einem anderen waren Bilder ausgestellt. So schlenderten wir gemütlich von Raum zu Raum und konnten die Anlage ohne Gedränge geniessen.

Nach dem Rundgang kehrten wir ins Städtchen zurück. Natürlich blieb es nicht beim Schauen. Wir kauften eine neue Guetzlidose – exakt dieselbe wie die, die wir bereits besitzen. Offenbar haben wir nun offiziell eine Guetzlidosen-Sammlung. Dazu kam noch ein Geschenk für Luca.

Auf der Stadtmauer ging es zurück zum Eingangstor und anschliessend mit den Velos zum Stellplatz. Dort zeigte sich, dass unser früher Start goldrichtig gewesen war. Inzwischen hatte es deutlich mehr Besucher als Einwohner der Normandie. Deshalb fuhren wir lieber auf der Strasse zurück.

Danach wurde eingekauft. Besonders praktisch: Der Laden befand sich ungefähr 100 Meter entfernt. Diese Distanz schafft man selbst mit akutem Hunger problemlos.

Zum Mittagessen gab es Spiegeleier mit Schinken und Brot. Anschliessend schrieb ich Tagebuch. Das Wetter konnte sich derweil nicht entscheiden. Mal nieselte es so stark, dass wir ins Wohnmobil flüchteten, zehn Minuten später sass man wieder gemütlich draussen. Ein klassischer Fall von meteorologischer Orientierungslosigkeit.

Gegen 18 Uhr starteten wir zur nächsten Mont-Saint-Michel-Mission. Diesmal stand die Flut auf dem Programm. Cornelia hatte recherchiert, dass das Wasser etwa zwei Stunden vor dem Höchststand einsetzt. Also machten wir uns erneut auf den Weg.

Schon unterwegs fiel auf, dass der Fluss deutlich weniger Wasser führte als zuvor. Bei der Schleuse legten wir eine Pause ein und betrachteten den Mont aus der Ferne. Danach ging es weiter. Überraschenderweise hatte es bereits deutlich weniger Leute als tagsüber. Offenbar waren viele Besucher inzwischen auf der Heimreise oder mit der Suche nach einem Abendessen beschäftigt.

Die Flut war beeindruckend. Vom Ufer aus konnte man beobachten, wie das Wasser den Strand zurückeroberte. Langsam, aber unaufhaltsam. Fast so, als hätte das Meer am Morgen festgestellt, dass ihm hier ein paar Quadratkilometer fehlen.

Der Fluss verschwand nach und nach und plötzlich floss das Wasser wieder landeinwärts. Von der Stadtmauer aus war das Schauspiel noch eindrucksvoller. Das Wasser schob sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch die Bucht.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgte eine Frau auf einer weit draussen liegenden Sandbank. Während die Flut immer näher kam, beobachteten gefühlt sämtliche Besucher des Mont-Saint-Michel gespannt ihre Rückkehr. Niemand wusste so recht, ob sie eine Expertin für Gezeiten war oder einfach über ein beneidenswertes Gottvertrauen verfügte. Jedenfalls schaffte sie es in letzter Minute zurück ans sichere Ufer und ersparte den Zuschauern ein ungeplantes Rettungsdrama.

Anschliessend stiegen wir wieder hinunter. Eigentlich hätten wir gerne noch ein Sandwich gekauft, doch die Läden hatten inzwischen geschlossen. Offenbar gilt hier die Regel: Wer spät Hunger bekommt, hat Pech gehabt. Also beobachteten wir die Flut noch etwas länger und fuhren danach zurück zum Wohnmobil.

Doch der Tag war noch nicht vorbei.

Am Abend lief der WM-Final Schweiz gegen Finnland. Nach Ende der regulären Spielzeit stand es weiterhin unentschieden. Während der Verlängerung beschlossen wir spontan, ein drittes Mal zum Mont-Saint-Michel zu fahren. Zweimal am selben Tag dort zu sein wäre schliesslich viel zu gewöhnlich gewesen.

Im Dunkeln nahmen wir die Hauptstrasse. Teilweise war sie sogar beleuchtet, was durchaus beruhigend war. Zunächst machten wir einige Nachtaufnahmen beim Beginn des Holzstegs. Danach fuhren wir immer näher an den Mont heran.

Mein Handy war am Lenker befestigt und übertrug gleichzeitig den WM-Final. Während wir also durch die Nacht radelten, kämpfte die Schweizer Nationalmannschaft um den Titel. Leider mit dem schlechteren Ende für uns: Finnland erzielte den Siegtreffer. Schade. Ein WM-Titel vor Heimpublikum wäre natürlich die perfekte Geschichte gewesen.

Da immer noch Shuttlebusse unterwegs waren, mussten wir fast bis direkt vor den Mont fahren, um Fotos ohne störende Lichter zu machen. Danach ging es wieder zurück zum Wohnmobil. Die Frontbeleuchtung unserer Velos gehört zwar nicht zu den grössten technischen Errungenschaften der Menschheit, aber immerhin fanden wir den Weg zurück.

Kurz vor Mitternacht waren wir wieder zuhause.